Betriebe aus Werbetechnik und Digitaldruck müssen heute ihre Produktionsprozesse grundlegend überdenken. Digitale Workflows und automatisierte Abläufe gelten dabei als zentraler Hebel. Welche Lösungen stehen für die Branche zur Verfügung, und was gilt es dabei zu beachten?

Kurze Lauflängen, enge Termine, steigende Kosten … und schon wieder ist ein Mitarbeiter ausgefallen. Kein Wunder also, dass immer mehr Unternehmen aus Digitaldruck und Werbetechnik darüber nachdenken, ihre Unternehmen grundlegend zu modernisieren. Dabei steht das Thema Automation auf allen Ebenen meist im Vordergrund.
Denn softwaregestützte Prozesse entlang der gesamten Wertschöpfungskette können dabei helfen, die Produktion von Werbemitteln, Verpackung und POS-Material transparenter, schneller und günstiger zu machen.
Oft lässt sich in einer software-gesteuerten Produktion zusätzlich das Mülllaufkommen verringern. Mitarbeiter werden von Routine-Aufgaben entlastet, Arbeitszeiten können leichter geplant werden. Das sorgt für eine bessere Work-Life-Balance und hält Jobs in der Druck- und Werbetechnik-Branche attraktiv für qualifizierte wie Nachwuchskräfte. Deshalb suchen nicht nur mittlere bis große, sondern immer öfter auch Selbständige und Kleinbetriebe in der Werbetechnik nach Automatisierungslösungen.

Mit DAM fängt alles an
Im Kern digitaler Workflows stehen Digital-Asset-Management-Systeme (DAMs). Diese dienen der strukturierten Verwaltung von Produktionsdaten wie Layouts, Bildern, Druck-PDFs oder Videos. Die Vorläufer der heutigen Produkte wurden bereits um die Jahrtausendwende vor allem in Werbeagenturen und Verlagen eingesetzt.
Dass sie inzwischen auch für Werbetechniker und Digitaldruckereien hoch relevant sind, liegt vor allem am veränderten Einkaufsverhalten der Print Buyer. Immer öfter entfallen externe Design-Dienstleister. Ganze Kampagnen großer Marken werden inhouse erstellt und über die unterschiedlichsten Wege an den Druckdienstleister übermittelt. Also beispielsweise als Download von einem Firmen-Server oder File Hoster, als Kundendaten aus einem Webshop, oder einfach als Mail.
Oft sind dabei noch Anpassungen nötig. Das kann zu endlosen, unübersichtlichen Korrekturschleifen führen. Proofing- und Freigabeprozesse werden schwierig und fehleranfällig.
Deshalb lohnen sich DAMs wie etwa der Adobe Experience Manager oder Canto DAM heute auch schon für kleine Werbetechnik-Betriebe. Die Softwares arbeiten mit künstlicher Intelligenz, sodass zeitraubendes, manuelles Verschlagworten fast ganz entfallen kann. Über Anwendungsschnittstellen überwachen DAMs die Datenanlieferung. Sie stellen eine Verbindung zu Grafik- oder Prepress-Workflows her. Es entsteht also von Anfang an ein transparenter Arbeitsablauf ohne Medienbrüche und Umkopieren.

Arbeitsabläufe digital steuern
DAMs verschlanken Anlieferung, Kreation und Prepress und machen diese Arbeitsschritte transparenter. Die Herausforderungen an Workflow-Tools in der Produktion sind eher noch komplexer. Denn sie müssen Auftragsdaten, Produktionsparameter und Maschinensteuerung in Druck und Weiterverarbeitung miteinander verknüpfen. Gleichzeitig erfordern digitale Workflows organisatorische Veränderungen. Prozesse müssen standardisiert und Verantwortlichkeiten klar definiert werden.
Denn nur so können weitreichende Lösungen wie etwa Multipress von Dataline mit Managment Information (MIS) Modulen und Abrechnungs-Software oder KI-gestützte Software für Digitaldruckereien wie Gelato Connect für echte Arbeitserleichterung sorgen. Automatisierte Arbeitsabläufe, die nicht zuverlässig, durchgängig und verlässlich sind, verlieren schnell bei der Belegschaft an Akzeptanz. Es entstehen inoffizielle Abläufe und Workarounds, sodass die Automation letztlich fehlschlägt.

Hardware und Software als Einheit für mehr Effizienz
Mit der wachsenden Bedeutung von Automation in der Druck- und Werbetechnik-Branche gewinnen auch die Workflow-Lösungen der Maschinenhersteller an Bedeutung.
Ein Beispiel ist Agfa Asanti 8. Die Platform ist als zentrale Steuerungssoftware für den Wide-Format-Druck konzipiert. Die aktuelle Version wurde auf der FESPA Global Print Expo Barcelona im Mai 2026 einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt.
Sie setzt stark auf Automatisierung, etwa durch regelbasierte Jobvorbereitung, intelligentes Nesting und eine enge Anbindung an Weiterverarbeitungssysteme. Funktionen wie StackFlow zeigen, wie sich auch logistische Prozesse durch Software unterstützen lassen, indem Druckaufträge automatisch nach Auslieferungszielen sortiert werden. Solche Ansätze, ähnlich auch bei Fiery Job Flow, zielen auf eine industrielle Fertigung mit hoher Wiederholgenauigkeit ab. Oft werden sie als Cloud-Lösungen angeboten, d.h. sie sind auf entfernten Servern installiert und müssen nicht vor Ort gewartet werden.
Auch im Bereich der Weiterverarbeitung ist Automatisierung ein zentrales Thema. Schneid- und Frässysteme wie die Kongsberg-Tische nutzen mit der i-cut Production Console eine Software, die Produktionsparameter automatisiert aus den vorgelagerten Daten übernimmt. Barcodes, Materialdaten und vordefinierte Werkzeugeinstellungen reduzieren manuelle Eingriffe und steigern die Auslastung der Maschinen.
Ähnliche Ansätze für geordnete und (teil)automatisierte Abläufe in Druck und Weiterverarbeitung gibt es von praktisch allen Hardware-Herstellern in der Branche. Exemplarisch genannt seien z.B. Zünd /Caldera Prime Center, die Epson Cloud Solution Lösung PORT oder die Canon Prisma Workflow Lösungen.
Welche Bedeutung Hardware-Hersteller der Software inzwischen beimessen, lässt sich gut an Investitionen ablesen. So übernahm Kornit Digital Mitte April 2026 das niederländische Software-Haus Print Factory. Ziel ist es, die eigene Plattform weiter auszubauen.
Derzeit verfolgen eine Reihe von Akteuren im Markt solche Strategien. Dadurch entstehen aber leicht Insel-Lösungen, die Druckereien dazu zwingen, nur bestimmte Hard- und Software einzusetzen, wenn sie ihren automatisierten Workflow beibehalten wollen. Deshalb hat die Durst Group auf der FESPA Barcelona 2026 ihre Open Software Initiative (OSI) einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt. Sie ist Teil des Kyveris Sandbox Projekts, und stellt offene APIs sowie dokumentierte Schnittstellen für die Integration mit MIS-, Workflow- und Finishing-Systemen bereit.
Ziel ist es, innerhalb der Druckindustrie ein herstellerunabhängiges, modulares Software-Ökosystem zu etablieren. Ob sich dieses Konzept in der Breite durchsetzt, ist freilich noch nicht absehbar. Denn es stellt erhebliche Anforderungen an Integration und Prozessdisziplin.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Automatisierung in der Werbetechnik weniger eine einzelne Technologie als vielmehr ein strategischer Ansatz ist. Digitale Workflows, DAM- und MIS-Systeme sowie integrierte Produktionssoftware können Effizienz und Qualität deutlich steigern. Dies gilt besonders dort, wo mit Hilfe von KI komplexe Daten nutzbar gemacht und für vorausschauende Planung eingesetzt werden können.
Alle Investitionen in Workflow-Verbesserung erfordern jedoch Investitionen, klare Prozesse sowie qualifizierte und motivierte Mitarbeiter. Für kleinere Betriebe kann der Einstieg schrittweise erfolgen, etwa durch die Automatisierung einzelner Prozessabschnitte. Unstrittig ist, dass digitale Workflows zu einem zentralen Wettbewerbsfaktor in der Werbetechnik- und Digitaldruckindustrie geworden sind.