Der moderne Verpackungsdruck lebt von der Automation. Dies gilt für die Großproduktion schon lange. Doch auch digital gedruckte Verpackungen werden immer öfter in Produktionsstraßen hergestellt oder in eine automatisierte Produktion eingefädelt. Dieser Artikel erklärt Chancen und Herausforderungen.

Der Plockmatic ColorCut FB9500 ProT schneidet und rillt auch hohe Volumen. Er kann unbeaufsichtigt arbeiten. Foto: Plockmatic.

100 Boxen für das örtliche Biokosmetik-Label, 20 Umverpackungen mit Display-Funktion für die Bäckereikette: Viele Digitaldruckereien realisieren gelegentlich kleine Aufträge in den Bereichen Verpackung und Warenpräsentation. Um sich in diesem lukrativen und weitgehend krisenfesten Segment ein Standbein aufzubauen, bedarf es allerdings mehr. Angesichts des meist hohen Preis- und Zeitdrucks ist Automation im Verpackungsdruck unumgänglich, und zwar von der Dateivorbereitung bis hin zum Finishing.

Barcodes, NFC und QR-Codes im Auftrags-Tracking

Barcodes und QR-Codes haben sich im Verpackungsdruck zu zentralen Steuerungs- und Kontrollinstrumenten entwickelt. Sie dienen längst nicht mehr nur der Produktkennzeichnung, sondern begleiten Aufträge durch den gesamten Produktionsworkflow. Bereits in der Vorstufe werden Aufträge mit eindeutigen Codes versehen, die mit MIS-, ERP- oder Workflow-Systemen verknüpft sind.

Dazu sagt Mark Baker-Holmes, Vizepräsident des Bereichs Verpackung und Etiketten bei Plockmatic: “Unsere Maschinen sind ab Werk mit einer Softwaresuite ausgestattet, die in Designsoftware wie Adobe Illustrator und Corel Draw gleich Schneidemarken und QR-Codes für die Automation erstellt.“

QR-Codes bieten im Vergleich zu klassischen Barcodes eine höhere Datenkapazität und werden zunehmend für variable Daten genutzt. Seriennummern, individualisierte Verpackungen oder kampagnenspezifische Codes können automatisiert erzeugt und direkt in die Druckdaten integriert werden.

In Verbindung mit Workflow-Software entsteht so eine transparente Produktionskette, die sowohl die interne Nachverfolgbarkeit als auch externe Anforderungen wie Rückverfolgbarkeit und Dokumentationspflichten zuverlässig unterstützt.

Ergänzend kommen seit einiger Zeit auch NFC-Codes für das Auftrags-Tracking zum Einsatz. Ein Beispiel ist das Label-Modul von Eurolaser, das diese Technologie nutzt. Die Vorteile liegen in der kompakten Bauform und den geringen Kosten der RFID-Chips, die zugleich vielfältige Informationen speichern können. Zudem lassen sich NFC-Tags berührungslos auslesen, ohne dass eine Sichtverbindung erforderlich ist.

Druckmaschinen

Der Digitaldruck ist eine tragende Säule automatisierter Verpackungsproduktion. Er ermöglicht kurze Rüstzeiten, variable Inhalte und wirtschaftliche Kleinauflagen. Gerade bei Prototypen, Promotion-Verpackungen oder personalisierten Verpackungen spielt der Digitaldruck seine Stärken aus.

In der Regel wird Verpackungsmaterial auf Vollkarton oder verschiedene Wellpappenarten gedruckt. Daher eignen sich auch viele Flachbett und Hybridmaschinen, die eigentlich für den klassischen Großformatdruck gedacht sind. Allerdings müssen Anbieter von Druckleistungen in sensiblen Bereichen wie Lebensmittel oder Spielzeug darauf achten, dass die verwendeten Tinten für den Anwendungszweck geeignet sind.

Automatisiertes Schneiden

Digitale Schneidetische, etwa von Zünd, Bullmer oder Kongsberg, haben die Weiterverarbeitung im Verpackungsdruck in kleinen Lauflängen grundlegend verändert. Sie arbeiten ohne feste Stanzwerkzeuge und können Schneiden, Rillen, Fräsen oder Perforieren in einem Arbeitsgang ausführen.

Lasercut-Technologien, etwa von Eurolaser oder Trotec, ergänzen diese Systeme. Sie bieten vor allem bei filigranen Konturen oder empfindlichen Materialien Vorteile. Denn Laser schneiden berührungslos und mit hoher Präzision. Im Verpackungsdruck werden Lasertische vor allem für Muster, Spezialverpackungen oder Etiketten eingesetzt.

Beschichten und Laminieren

Speziell für den Druck von größeren Lauflängen („Digitaler Akzidenzdruck“) gedachte Digitaldruckmaschinen wie etwa die Fujifilm Jet Press 750 S werden von Grund auf so konzipiert, dass sie mit einer Vielzahl von Weiterverarbeitungsmöglichkeiten, etwa Laminieren, Folien, Beschichten und Schneiden kompatibel sind. Häufig werden solche Drucker auch gleich als automatisierte Linie mit Finishing-Optionen ausgeliefert.

Dazu erstellen die Hersteller von Finishing-Maschinen meist passende Software-Plug-ins. So sorgt beispielsweis AccurioFlux Pro Connect von Plockmatic für eine nahtlose Integration in den AccurioFlux Pro-Workflow von Konica.

Kollaborative Roboter sind der nächste Schritt der Automatisierung beim Verpackungsdruck. Im Bild:  Zünd S3 Cutter in Kombination mit einem PortaBase 175 von Robotfactory.

Zukunftsperspektiven: Innovationen in Automation und Weiterverarbeitung

Automatisierte Prozesse bieten im digitalen Verpackungsdruck erhebliche Vorteile bei Transparenz, Planbarkeit und Kostenkontrolle. Weil manuelle Arbeitsschritte weniger werden, sinken Personalaufwand, aber auch Ausschuss. Gleichzeitig liefern digitale Systeme detaillierte Produktionsdaten, die für Kalkulation und kontinuierliche Prozessoptimierung genutzt werden können.

Die daraus resultierende Transparenz über Materialverbrauch, Laufzeiten und Stillstände bildet eine belastbare Grundlage für fundierte Investitions- und Produktionsentscheidungen.

Dazu betont Mark Baker-Holmes: „Benutzerfreundlichkeit und Automatisierung prägen die Zukunft. Die Industrie entwickelt sich ständig weiter. Druckereien wollen daher ihre Investitionen in Maschinen und Software bestmöglich nutzen, um Gewinne zu steigern. Dabei treibt der Trend zur Nachhaltigkeit die Verpackungsbranche weg vom Etikettendruck, und stärker in Richtung Wellpappe. Für Unternehmen, die bereits einen Digitaldrucker besitzen, ist das eine gute Nachricht.“

Auch bei kleineren Lauflängen ist die Zukunft des Verpackungsdrucks dabei zunehmend von einer durchgängigen Vernetzung aller Prozessschritte geprägt. Automatisierte Finishing-Lösungen ermöglichen eine Produktion, in der Druck, Schneiden und Konfektionieren ohne manuelle Übergaben aufeinander abgestimmt ablaufen.

Über standardisierte Schnittstellen lassen sich zudem Robotersysteme in Produktionsumgebungen integrieren. Diese übernehmen Aufgaben wie das Auf- und Abstapeln von Materialien entweder autonom oder als kollaborative Systeme im Zusammenspiel mit dem Bedienpersonal.

Die konsequente Weiterentwicklung hin zu vernetzten, automatisierten Produktionssystemen wird die Wettbewerbsfähigkeit von Druckereien und Verpackungsherstellern maßgeblich beeinflussen. Unternehmen sollten Automation und Weiterverarbeitung ganzheitlich betrachten und in integrierte Lösungen investieren. So schaffen sie Voraussetzungen für Effizienz, Prozesssicherheit und nachhaltige Kostenkontrolle im digitalen Verpackungsdruck der kommenden Jahre.

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