Der Industriedruck bietet Anbietern von Großformatdruck lukrative Möglichkeiten über den Bereich der Beschilderung hinaus, insbesondere bei der Produktdekoration und der Personalisierung direkt auf dem Objekt. Mithilfe hochpräziser, kleinformatiger UV-LED-Flachbettdrucker können Unternehmen dauerhaft auf unterschiedlichste Substrate drucken – von Handyhüllen bis hin zu gewölbten Teilen –, wodurch Materialverschwendung minimiert und flexible neue Einnahmequellen im Einzelhandel und in der Fertigungsindustrie erschlossen werden.

Es gab eine Zeit, in der der Großformatdruck ausschließlich zur Herstellung von Schildern genutzt wurde, doch diese Zeit ist längst vorbei. Heutzutage kommt dieselbe Basistechnologie in einer Vielzahl unterschiedlicher Marktsektoren zum Einsatz, von der Displaygrafik über Verpackungen bis hin zu Textilien. Einer der interessantesten Bereiche ist jedoch der Industriedruck, der eine Reihe unterschiedlicher Anwendungsbereiche und technischer Herausforderungen umfasst.

Es ist nicht immer einfach, den Begriff „Industriedruck“ zu definieren, und oft bezieht er sich lediglich auf Anwendungen außerhalb der Displaygrafik. Das bedeutet, dass der Begriff „Industriedruck“ als Oberbegriff manchmal dazu beiträgt, neue Anwendungsbereiche zu fördern. Dies galt auch für die Anfänge des Textildrucks, der sich von der „Soft Signage“ weiterentwickelt hat und mittlerweile neben Bekleidung auch Wohnaccessoires und Einrichtungsgegenstände umfasst.

Dasselbe gilt auch für bestimmte Verpackungsarten, insbesondere für den Druck sehr kleiner Auflagen auf Wellpappe mit großformatigen Flachbettdruckern. Dies erwies sich als Marktbedarf und führte zur Entwicklung spezieller Single-Pass-Wellpappendruckmaschinen.

Heutzutage bezieht sich der Begriff „Industriedruck“ auch auf den funktionalen Druck, wozu beispielsweise die gedruckte Elektronik gehören könnte. Tatsächlich kommt die Drucktechnologie in vielen Industriezweigen zum Einsatz, darunter bei der Herstellung von Leiterplatten und Solarmodulen. Die Drucktechnologie wird zudem genutzt, um verschiedene Oberflächen mit funktionalen Beschichtungen wie beispielsweise Imprägnierungen zu versehen oder sogar Sicherheitsmarkierungen zum Schutz vor Fälschungen aufzubringen.

Die vielleicht praktischste Form des industriellen Drucks aus der Perspektive des Großformatdrucks ist jedoch die Produktdekoration. Dazu gehört das Aufbringen von Grafiken auf bestehende Produkte, wobei die naheliegendste Anwendung die Gestaltung von Smartphone-Hüllen ist. Dies kann für kleine Auflagen im Rahmen des Brandings lokaler Unternehmen oder für gezielte Marketingkampagnen genutzt werden, eignet sich aber auch besonders gut für die Personalisierung. Ebenso kann der Druck auch praktischer Natur sein, beispielsweise das Aufdrucken von Anweisungen oder Gesundheitswarnungen direkt auf ein Produkt anstelle der Verwendung eines Etiketts. Es spricht viel dafür, dass der Direktdruck auf das Produkt und der Wegfall des Etikettierungsschritts dazu beitragen können, Material und Kosten zu sparen.

In den letzten rund zehn Jahren haben mehrere Anbieter eine neue Klasse von Kleinformat-Flachbettdruckern auf den Markt gebracht, die speziell für den industriellen Markt konzipiert sind. Diese Drucker zeichnen sich durch weit mehr aus als nur durch eine kleinere Druckfläche im Vergleich zu herkömmlichen Großformatdruckern. Dank ihrer kompakten Größe lassen sie sich in eine Vielzahl von Räumlichkeiten integrieren, darunter Einzelhandels- und Büroumgebungen sowie am Ende von Produktionslinien. Zudem eignet sich die kleinere Druckfläche in der Regel besser zum Be- und Entladen kleiner Objekte als dies bei einem größeren Drucker der Fall wäre.

Darüber hinaus zeichnen sich diese speziellen Geräte vor allem durch hohe Präzision aus, sowohl hinsichtlich der hohen Auflösung bei kleinem Text als auch bei der Platzierung von Grafiken auf kleinen Objekten und der Gewährleistung ihrer Wiederholgenauigkeit über viele hundert Drucke hinweg. Ein gutes Beispiel hierfür ist der UJF 7151 Plus II von Mimaki, der einen Kugelumlaufspindelantrieb nutzt, um den Druckwagen mit einer Genauigkeit von +/- 0,1 mm zu positionieren. Gleichzeitig bietet dieser Drucker eine Auflösung von bis zu 1.800 dpi. Mimaki hat kürzlich eine neue Version des UJF-7151 vorgestellt, den Plus II e, der über einen neuen LD-Modus verfügt, um bessere Ergebnisse auf gekrümmten oder abgestuften Teilen zu erzielen, bei denen Höhenunterschiede von bis zu 10 mm auftreten können. Außerdem ermöglicht er Prägeeffekte von bis zu 5 mm.

Dennoch sind die meisten dieser Drucker für den Druck auf flache Objekte ausgelegt. Roland DG hat versucht, diese Einschränkung mit seiner VersaObject-Serie zu umgehen, die in der Regel Objekte mit einer Höhe von bis zu 242 mm aufnehmen kann und auch gewisse Krümmungen bewältigt, wie beispielsweise das Bedrucken eines Fußballs mit einem Logo. Es stehen verschiedene Druckbettgrößen zur Auswahl, wobei die teurere LO-Serie über zwei Druckköpfe für eine höhere Produktivität verfügt.

Wie bereits erwähnt, sind die meisten dieser Drucker deutlich kleiner als herkömmliche Flachbettdrucker. Der Tischdrucker V1000 von Epson im A4-Format wurde beispielsweise so konzipiert, dass er problemlos auf einer Ladentheke Platz findet, und bietet Geschäften somit eine praktische Möglichkeit, kleine Gegenstände – von Kühlschrankmagneten bis hin zu Handyhüllen – zu verzieren und individuell zu gestalten, und zwar sogar, während die Kunden warten.

Im Zuge der Marktexpansion haben mehrere Anbieter größere Modelle auf den Markt gebracht; so hat Mutoh vor einigen Jahren sein Modell 1462UF im A1+-Format vorgestellt. Das neueste Modell von Epson ist der SC-V4000, der ebenfalls über einen Drucktisch im A1+-Format verfügt. Der Drucktisch verfügt über ein Vakuumsystem, das in vier separate Zonen unterteilt ist. Er ist mit einem 10-Farben-UV-Tintensatz ausgestattet, der auf den bestehenden Ultrachrome-Tinten von Epson basiert und neben CMYK auch Hellcyan, Hellmagenta, Grau, Rot, Weiß sowie Lack umfasst. Interessanterweise können diese Tinten auch für den „Direct-to-Film“-Druck (DtF) unter Verwendung von UV-DtF-Einzelblattfolien verwendet werden, ohne dass dabei Abstriche bei der Druckleistung beim direkten Bedrucken starrer Objekte gemacht werden müssen. Der V4000 ist mit drei Epson PrecisionCore-Druckköpfen ausgestattet, wodurch er drei Schichten – Weiß, Farbe und Lack – gleichzeitig drucken kann. Diese Druckköpfe verfügen jeweils über acht Kanäle, wobei zwei Druckköpfe für die Farben verwendet werden und der dritte Druckkopf zwischen den Weiß- und Lacktinten aufgeteilt ist.

Dieser Epson SureColor V4000 ist ein A1+-UV-Flachbettdrucker.

Diese Kleinformatdrucker, die für den Industrie- und Dekorationsmarkt bestimmt sind, verwenden UV-LED-Tinten, um eine gute Haftung auf einer Vielzahl unterschiedlicher Substrate zu gewährleisten. Die meisten Anbieter bieten zudem eine Auswahl an Tintensätzen für starre und flexible Materialien an, um die Leistung der Tinte zu optimieren. Dies ist bei der Produktdekoration von entscheidender Bedeutung, da die fertigen Objekte unter Umständen viele Jahre lang im Einsatz sind und regelmäßig von Verbrauchern gehandhabt werden – wie es beispielsweise bei Smartphone-Hüllen der Fall ist. Daher müssen die Tinten eine hervorragende Haftung auf dem Substrat sowie einen guten Farbraum aufweisen. Dementsprechend enthalten diese Farbsätze in der Regel Weiß, um die Farbtöne auf dunkleren Oberflächen besser zur Geltung zu bringen, sowie Klar- oder Lacktinten, die der Farbe zusätzlichen Schutz bieten und gleichzeitig ein angenehmeres haptisches Erlebnis schaffen.

Mutoh hat soeben eine neue Tinte für seine Industriedrucker der UF-Serie vorgestellt. Bei der Tinte UH71 handelt es sich um eine UV-LED-härtende Tinte, die für den Druck auf starren Materialien wie PET, PC, ABS, PS, PVC, PMMA und Aluminium entwickelt wurde. Damit eignet sie sich für ein breites Anwendungsspektrum, darunter Geschenkartikel, Industrieteile und Werbeartikel. Sie soll eine starke Haftung, hohe Beständigkeit, Chemikalienbeständigkeit, geringe Geruchsentwicklung und klebfreiem Druckergebnis bieten. Das vollständige Tintenset umfasst die CMYK-Farben sowie Weiß und Transparent. Selbstverständlich entspricht sie den neuesten Zertifizierungen.

Tatsächlich sind diese kleinformatigen Industriedrucker nicht wirklich für den Großformatmarkt konzipiert. Vielmehr hoffen ihre Anbieter, in andere Branchen zu expandieren, darunter den Einzelhandel und die Produktfertigung. Es gibt jedoch keinen Grund, warum Großformat-Druckdienstleister diese nicht ebenfalls nutzen könnten, um ihr Angebot zu diversifizieren.