Textile Werbung setzt neue Maßstäbe in Optik, Nachhaltigkeit und Effizienz. Doch ihre Herstellung kann aufwendig sein. Automatisierte Schneide- und Nähsysteme minimieren Fehler und steigern die Produktivität bei der Soft-Signage-Produktion.
Materialien wie Polyester oder Mischgewebe gelten für digital gedruckte Werbe-Applikationen als hochwertige und nachhaltige Alternative zur klassischen PVC-Plane. In Europa sind sie als Banner, Fahnen, Backdrops und vor allem in Rahmensystemen im Einsatz. Denn textile Werbelösungen sind nicht nur leichter und platzsparend, sondern auch optisch ansprechender. Zudem können die Motive in bestehenden Rahmensystemen sehr einfach und ohne Vorkenntnisse ausgetauscht werden. Das hält die Kosten für Werbekampagnen am POS niedrig.
Herausforderungen in der Produktion von Soft Signage
Die Weiterverarbeitung von Textildrucken zu Soft Signage-Applikationen ist aber komplexer als bei starren Materialien oder Planen. Denn der Stoff muss für die Nutzung in Rahmensystemen sehr präzise zugeschnitten und säumt werden. Die Anbringung von Kedern für Rahmensysteme bedeutet zudem einen weiteren Arbeitsschritt. Fehler beim Zuschnitt oder ungenaue Nähte führen zu Passproblemen.
Manuelle Arbeit ist zeitintensiv und fehleranfällig, weshalb Automatisierung entscheidend ist. Hinzu kommt, dass es in vielen Ländern Zentraleuropas, auch in DACH-Raum, bereits seit Jahrzehnten kaum mehr relevante Betriebe zur industriellen Herstellung von Bekleidung, Bett- oder Tischwäsche mehr gibt.
Dadurch fehlen Fachkräfte mit Industrieerfahrung. Handwerklich ausgebildete Schneider und Schneiderinnen können diese Lücke nur bedingt ausfüllen. Nach der Neuausrichtung des Berufsbildes „Technische/r Konfektionär/in“ (vormals: Kunststoff- und Schwergewebekonfektionär) zum Ausbildungsstart 2011 wurde den Bedürfnissen der Digitaldruck-Industrie in Deutschland wieder besser Rechnung getragen.

Zuschneiden für die Soft Signage-Produktion
Der andauernde Fachkräftemangel führt dazu, dass sich immer mehr Druckdienstleister mit Schwerpunkt Soft Signage nach Automatisierungslösungen umsehen. Das beginnt schon beim Zuschnitt: Automatische Schneidetische und Lasersysteme sind unverzichtbar für präzise Zuschnitte von Textilien für Soft-Signage-Anwendungen. Hersteller wie Zünd, Eurolaser und Trotec bieten Systeme mit Kameraerkennung sowie der Möglichkeit, die Maschinen über Passermarkenerkennung oder QR-Codes am Schnittgut in branchenübliche Workflow-Systeme einzubinden.
Bei der Soft-Signage-Produktion kommt fast immer einlagiges, elastisches Textil aus Kunstfaser zum Einsatz. Soll es von der Rolle verarbeitet werden, muss der Zuschnitt-Tisch über einen Zentrumswickler oder eine Abrolleinheit verfügen. Zum Zerteilen stehen verschiedene Rotationsmesser oder Laserstrahl zur Verfügung. Letzterer versiegelt bei synthetischen Stoffen die Schnittkanten. Das verhindert Ausfransen und spart zusätzliche Arbeitsschritte.

Nähmaschinen für die textile Weiterverarbeitung
Zum Umsäumen und Befestigen von Kedern am Textil kommen in Druckereien meist Industrienähmaschinen zum Einsatz. Anbieter wie Dürkopp Adler, Union Special und Matic SA bieten dabei nicht nur Nähmaschinen und -automaten, sondern auch Mehrschritt-Sonderlösungen für spezielle Anwendungen an. Oft waren diese zwar ursprünglich für die Herstellung von Heimtextilien, technischen Anwendungen oder die Modeindustrie gedacht. Sie können aber auch gut dazu eingesetzt werden, große Mengen an Soft-Signage-Applikationen schneller und effizienter zu produzieren.
Matic bietet speziell für die Digitaldruck-Branche automatische Nähmaschinen, die auch von weniger qualifiziertem Personal bedient werden können. Systeme wie die Cronos-Serie sind speziell für Keder und Säume konzipiert.
Neben klassischen Nähmaschinen kommen gelegentlich auch Schweißgeräte für Keder und Säume zum Einsatz. Hersteller wie Forsstrom liefern Hochfrequenzschweißmaschinen für textile Anwendungen aus PU oder PVC. Ähnlich wie das Heißluft-, Heizkeil- oder Impulsschweißen wird HF-Schweißen aber vor allem auf Vollplane mit Textilkern oder Gitternetz (Mesh) eingesetzt. Typischerweise zählt man diese eher nicht zu Soft-Signage-Applikationen.

Welche Investitionen bei Schneiden und Nähen für Soft Signage lohnen sich?
Soft Signage Applikationen für Innenräume und POS werden in Europa wohl auch künftig gut nachgefragt werden. Mit der Konzentration der Retail-Landschaft auf große Ketten und Franchise-Systeme ist damit zu rechnen, dass einzelne Aufträge tendenziell größer werden. Gleichzeitig aber werden Motive kleinteiliger gestückelt, um saisonale und regionale Besonderheiten zu berücksichtigen. Das Auftragsaufkommen kann zudem sehr stark schwanken.
Druckereien können der Situation nur durch Investitionen in automatisierte oder teilautomatisierte Workflows zur Produktion von Soft Signage begegnen. Ähnlich wie beim Planen- und Plattendruck ist geeignete Workflow-Software das Herzstück jedes Prozesses. Deshalb bieten Hersteller wie Colorgate spezielle Module an, mit denen sich auch der Textildruck in unternehmensweite Abläufe einfädeln lässt.
Oft sind in bestehenden, bewährten Workflows für die Soft-Signage-Produktion aber noch zahlreiche manuelle Arbeitsschritte vorgesehen, vor allem im Zuschnitt sowie beim Nähen. Hier geht der Trend zur weiteren Automatisierung und zu Mehrschritt-Systemen, die einen höheren Durchsatz ermöglichen. Prozesswissen und die Fähigkeit, Maschinen schnell und sicher einzurichten, werden damit wichtiger als handwerkliche Fähigkeiten. Für Digitaldruckereien mit Fokus Soft Signage bedeutet dies: Neben Investitionen in Software, Schneide- und Nähmaschinen sind künftig auch kontinuierliche Aus- und Weiterbildung unverzichtbar für den Unternehmenserfolg.