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3D-Druck-Analyse: Möglichkeiten für Druckdienstleister

von Rob Fletcher | 04.09.2020
3D-Druck-Analyse: Möglichkeiten für Druckdienstleister

Der 3D-Druck ist eine der meistdiskutierten Drucktechnologien der letzten Jahre. Dennoch bleiben Fragen zum Wert für klassische Druckunternehmen. Rob Fletcher sieht sich die Möglichkeiten für Druckdienstleister genauer an.

Ganz gleich, ob es sich um komplizierte Anwendungen wie Komponenten für Flugzeuge und Raketen oder um Großprojekte wie Fahrzeuge und sogar Gebäude handelt, das Potenzial des 3D-Drucks ist nicht zu unterschätzen.
 
Die auf FESPA.com erschienene Top 20 zu 3D-Druckanwendungen zeigt eine ganze Reihe von Innovationsmöglichkeiten am Markt. Doch stellen diese Anwendungen auch realistische Möglichkeiten für Druckdienstleister dar? Denn technisch betrachtet, ist der 3D-Druck zwar eine Form des Druckens, eignet sich diese aber auch wirklich als Anwendung im Druckerraum neben dem herkömmlichen Tagesgeschäft?
 
FESPA.com hat die wichtigsten Hersteller im 3D-Druck, auch an jene, die im traditionellen Druckmarkt bereits vertreten sind, nach Möglichkeiten und Anwendungen für Druckdienstleister befragt.

Rentable Option für kommerzielle und traditionelle Druckereien

Als traditioneller, für seine Großformatlösungen bekannte Hersteller sichert sich Mimaki auch sein Stück vom 3D-Drucker-Kuchen. Jordi Drieman, 3D-Anwendungsspezialist bei Mimaki, sieht einen Spielraum zum Markteinstieg für Druckunternehmen. 
 

„3D-Druck kann für kommerzielle und traditionelle Druckunternehmen eine naheliegende Option sein“, meint Drieman. Aufgrund der aktuellen Corona-Krise gibt es tatsächlich eine größere Nachfrage, lokal zu produzieren.

 
„Unternehmen erforschen neue Produktionstechnologien, da sie verstärkt im eigenen Haus produzieren und so unabhängiger sein wollen. Der 3D-Druck ist definitiv eine der Technologien, mit denen sich dies erreichen lässt.“ Auch in einer Zeit, in der Reisen nicht immer sicher oder gar erlaubt sind, hilft der 3D-Druck den Anwendern, bewährte Verfahren für globale Produkte auf lokaler Ebene auszutauschen. Sobald sich beispielsweise gezeigt hat, dass ein Produkt funktionsfähig und zweckdienlich ist, können die digitalen Dateien weltweit ausgetauscht und das 3D-Produkt dann lokal produziert werden.
 
Im Hinblick auf Unterstützung durch Mimaki, nannte Drieman eine Reihe von Optionen, die Druckereien in Betracht ziehen sollten, wenn sie sich für den Übergang zum 3D-Druck entscheiden.


Bildunterschrift: Mimakis neuer 3DGD-1800 ist ein großformatiger 3D-Drucker, der bis zu 1,80 m hoch drucken kann. Foto: Mimaki

 
„Der Mimaki 3DFF-222, unser kleinformatiger 3D-Drucker, ist beispielsweise in der Lage, kostengünstig kundenspezifische Haltevorrichtungen herzustellen, die zur Verbesserung der Druckqualität beim Direct-to-Object-Druck auf Flachbett-UV-LED-Druckern wie unserer UJF- und JFX-Serie verwendet werden können.“, beschreibt Drieman mögliche Anwendungen.
 
Dieser 3D-Drucker der Einsteigerklasse wird als FFF-Lösung (Fused Filament Fabrication) verkauft. Er eignet sich als hausinternes Design- und Produktionswerkzeug, ideal zur Produktion von Teilen für Vorrichtungen im Direct-to-Shape-Druck und auch für Werkzeuge für die Herstellung dreidimensionaler Schilder. „Der 3DFF-222 ergänzt unsere Schilder- und UV-Flachbettdrucker und druckt Teile bis zu 210 mm x 200 mm x 195 mm (B x T x H)", so Drieman.
 
Eine weitere Option ist der neue Mimaki 3DGD-1800, ein großformatiger 3D-Drucker mit Gel-Technologie, der laut Drieman Kunden die Kombination von 2D- und 3D-Druck ermöglicht. So lassen sich besondere Beschilderungen erstellen. „Man kann zum Beispiel ein 3D-Modell eines Autostoßfängers ausdrucken, mit bedrucktem Vinyl umwickeln und auf eine Werbetafel montieren, so dass es so aussieht, als würde ein Fahrzeug aus der Anzeige herausgefahren kommen“, sagte er. „Die kreativen Möglichkeiten sind endlos!“ Dank einer Druckhöhe von 1,80 m eröffnet der Mimaki 3DGD-1800 für Drieman ein vielfältiges Anwendungsspektrum von Beschilderungen, Veranstaltungen und kreative Kunst bis hin zur Innenarchitektur.
 
Dagegen bietet der 3DUJ-553 Vollfarbdruck in 3D. Mit mehr als 10 Millionen Farbmöglichkeiten eignet er sich ideal zum Drucken detaillierter, farbgenauer Modelle und Prototypen.

Eine Revolution befeuern

Auch bei HP wird das Potenzial des 3D-Drucks hervorgehoben: Dort ist man der Meinung, dass der Bereich nicht nur während, sondern auch nach der COVID-19-Krise weiter wachsen wird. Ramon Pastor, Vizepräsident und General Manager für den 3D-Druck bei HP, meint, dass Dank der steigenden Nachfrage auch die Anwendungsmöglichkeiten des 3D-Drucks offensichtlicher werden.

                    
Bildunterschrift:  Ramon Pastor, Vizepräsident und General Manager für den 3D-Druck bei HP, sagte, dass die Nachfrage nach 3D-Druck mit der Lockerung der Pandemie-Maßnahmen weiter steigen wird.


„Die Pandemie brachte den 3D-Druck zum allerersten Mal in das Leben zahlloser Menschen", meint er. „Für viele bestand ihr erster Kontakt mit der 3D-Drucktechnologie in der Herstellung persönlicher Schutzausrüstung oder Zubehör für Corona-Tests, etwa Gesichtsschutz, Maske oder Stäbchen für den  Nasenabstrich. Sich so schützen zu können, ist eine tiefgreifende menschliche Erfahrung.
 

Weit über diese Pandemie hinaus werden sich Einfallsreichtum und praktische Anwendbarkeit, die vom 3D-Druck ausgehen, in zukunftsorientierten Branchen und im Leben der Verbraucher auf vier entscheidende Arten verbreiten.

 
Lieferketten werden sich verändern, Kreativität und Design werden sich beschleunigen, ganze Ökosysteme werden sich neu ausrichten und Werte werden sich weiterentwickeln. Unternehmen und Industrien werden sich für diese Möglichkeiten entscheiden, um nicht zurückzubleiben", ist Ramon Pastor überzeugt.
 
Wie HP den Druckunternehmen bei der Expansion in den 3D-Druckmarkt unterstützen kann, darüber informierte der Hersteller im Juni. Er zeigte dabei eine Reihe neuer Entwicklungen, darunter ein einzigartiges Polypropylen (PP)-Materials für die additive Fertigung.
 
Das neue HP 3D High Reusability PP, auf Basis von BASF-Technologie, wird als ein vielseitiges, haltbares und chemisch resistentes Material in Produktionsqualität beschrieben, das sich für die 3D-Drucksysteme von HP eignet.
 
Das PP-Material, das für den Einsatz auf der Jet Fusion 5200 3D-Serie von HP entwickelt wurde, bietet laut HP eine hohe Produktivität und minimiert den Abfall bei der industriellen Fertigung, während es gleichzeitig zur Abfallreduzierung beiträgt, indem es eine bis zu 100-prozentige Wiederverwendbarkeit von überschüssigem Pulver ermöglicht.
 
HP sieht es als ideales Material für Kunden in der Automobil-, Konsumgüter-, Industrie- und Medizinbranche, die ein optimales Gleichgewicht zwischen Leistung und Kosten suchen.
 
„Während wir uns in diesen neuen Bereichen bewegen, setzen wir unsere Strategie weiter um.  Wir entwickeln innovative neue 3D-Druckmaterialien, Lösungen und Partnerschaften weiter, um unsere Kunden bei der Wiedereröffnung der Produktion zu unterstützen. Und wir wollen bahnbrechende Innovationen für die Industrien der Welt liefern“, sagte Pastor.
 
„Der 3D-Druck hat den Helden dieser Pandemie geholfen und sich dadurch einen neuen Platz in den Köpfen der Verbraucher und Produzenten verdient. Für Unternehmen, die eine langfristige Widerstandsfähigkeit anstreben, ist der 3D-Druck nicht nur eine Sache für den Moment, sondern der Antrieb für eine Revolution.“

Neue Ertragsquellen

Was ist mit den Unternehmen, die sich ausschließlich auf den 3D-Druck konzentrieren? Massivit 3D ist einer der führenden Hersteller von Maschinen für den 3D-Druck. Geschäftsführer Erez Zimerman meint, dass der Markt über ein enormes Potenzial für weiteres Wachstum verfügt.
 
Unter Berufung auf den IndustryARC 3D Printing Market Report and Forecast 2018-2023 wird geschätzt, dass der weltweite 3D-Druckmarkt bis zum Jahr 2023 die Marke von 32 Milliarden US-Dollar überschreiten und in diesem Zeitraum mit einer geschätzten durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von mehr als 20,5 % wachsen wird.


Bildunterschrift: Erez Zimerman, Geschäftsführer von Massivit 3D, sieht Möglichkeiten zur Erweiterung von Dienstleistungen durch die Einführung des großformatigen 3D-Drucks bei Druckereien. Auch Kundenkreis kann sich dadurch erweitern.
 

„Zu den Schlüsselindustrien, die davon betroffen sind, gehören: Medizin, Verbraucher, Automobilindustrie, Bauwesen und Luft- und Raumfahrt.“, sagte er. „Der Bericht führt dieses monumentale Wachstum weitgehend auf steigenden staatliche Investitionen in 3D-Druckprojekte sowie auf die Einfachheit der Produktion, die kundenspezifische Anpassung und die Senkung der Herstellungskosten zurück.“
 
Auf die Frage, ob es sich um eine realistische Expansionsoption für traditionellere Druckereien handele, erklärte Zimerman, dass es realistische Möglichkeiten für einen Markteintritt gebe. Vor der COVID-19-Krise seien die Produkte der Druck- und Großformatindustrie zunehmend Alltag geworden, was wiederum zu „verzweifelt niedrigen Gewinnspannen“ sowie zu einer Konvergenz im Druckmarkt geführt habe. Die Folge waren rückläufigen Einnahmen.
 
Das bedeutet auch, dass sich Druckereien andere Wege beschreiten müssen, um ihr Angebot zu differenzieren und neue Kundenkreise zu gewinnen. Der 3D-Druck könnte dabei einen Weg zu neuen Einnahmequellen bieten.
 

„Eine Möglichkeit für Druckereien, Dienstleistungen und Kundenkreis zu erweitern, ist die Einführung des großformatigen 3D-Drucks“, meint Zimerman. „Dieser lässt sich in ihre derzeitigen Geschäftsangebote mit neuen Anwendungen integrieren. Zusätzlich bietet sich ein Zugang zu angrenzenden Märkten, die man bisher vielleicht nicht in Betracht gezogen hat. Etwa Unterhaltung, Veranstaltungen, Innenarchitektur und Stadtmobiliar.“

 
Obwohl die weltweite COVID-19-Krise eine ganze Reihe neuer Herausforderungen für Druckunternehmen mit sich gebracht hat, scheint die Botschaft der Hauptakteure auf dem 3D-Druckmarkt zu sein, dass dies tatsächlich der perfekte Zeitpunkt sein könnte, um in diesen Sektor einzusteigen.
 
Solche Schritte in neue Märkte können mit erheblichen Kosten verbunden sein. Diese sind ebenso zu berücksichtigen, wie der nötige Aufbau von spezifischem Fachwissen. Wenn man jedoch die Mittel und das Vertrauen hat, diesen Schritt zu wagen, dann könnte eine Expansion in den 3D-Druck angesichts der große Menge an Aufträgen, die am Markt nachgefragt werden, eine kluge Entscheidung sein.
 

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