Die EmpCo-Regeln sollen ab September 2026 in der EU dafür sorgen, dass Nachhaltigkeit nicht mehr einfach so behauptet werden kann. Was bedeutet das für Drucksubstrate? Wie können sich Digitaldruckereien darauf einstellen?
„Wir sind eine grüne Druckerei und arbeiten nur auf nachhaltigen Materialien“ – solche Aussagen können nach dem 27. September 2026 Konsequenzen haben. Nämlich dann, wenn sie nicht ausreichend nachweisbar sind. Die „Empowerment of Consumers“- Directive vom 28. Februar 2024 – EU/2024/825 (EmpCo) verschärft die Anforderungen gegenüber unrichtigen oder vagen Aussagen zum Umwelt- und Klimaschutz sowie zur Nachhaltigkeit. In Deutschland hat das Gesetz gegen Unlauteren Wettbewerb (UWB) diese Vorgaben in einer Änderung vom Februar 2026 weitgehend übernommen.

Für Druckereien bedeutet dies, dass sie bei der Wahl der Bedruckstoffe künftig noch sorgfältiger vorgehen müssen. Schließlich ist das Drucksubstrat die Stellschraube, die sich im Digitaldruck am leichtesten regulieren lässt. Bei einem Wechsel, beispielsweise von einer PVC- zu einer PET-Folie, müssen zwar einige Einstellungen an der Maschine verändert werden. Im Vergleich zur Installation neuer Hardware oder einer Umstellung des Workflows fällt der Aufwand jedoch erheblich geringer aus.

Was bedeutet Nachhaltigkeit bei Bedruckstoffen?
Unter nachhaltigen Substraten versteht man Bedruckstoffe, die über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg möglichst ressourcenschonend produziert, verarbeitet und entsorgt werden können. Dazu gehören reduzierte CO₂-Emissionen, Recyclingfähigkeit und der Verzicht auf problematische Bestandteile wie Chlor oder Phthalate.
Auch die Nutzung von nachwachsenden Rohstoffen wie Naturfasern oder Zellstoff statt fossilen Ressourcen kann dazu beitragen, dass die Herstellung von Drucksubstraten die Umwelt weniger belastet. Allerdings können sich durch Monokulturen, nicht nachhaltige Bewirtschaftung und besonders illegale Abholzung andere Probleme ergeben.
Vielfach werden an Digitaldruck-Applikationen aber hohe Anforderungen gestellt. Sie müssen reiß- und wetterfest sein und sich sicher verankern lassen. Daher müssen Dienstleister und Werbetechniker die Drucke aufkleben, laminieren oder ösen. Als Verbundmaterial können solche Produkte allerdings nur dann sortenrein recycelt werden, wenn man sie wieder ohne großen Aufwand trennen kann. Deshalb landen Digitaldrucke aus mehreren Komponenten meist doch in der Müllverbrennung oder auf der Müllhalde.
Der Unterschied zwischen echter Nachhaltigkeit und Greenwashing liegt also vor allem im Detail. Echt nachhaltige Lösungen müssen deshalb die gesamte Lebensdauer sowie die Lieferkette berücksichtigen. Dieser ganzheitliche Ansatz („Cradle to Cradle“) setzt sich zunehmend durch. Marketingaussagen heben aber oft nur einzelne Vorteile hervor. Mit Inkrafttreten der neuen EmpCo-Regeln werden daher einige übliche Slogans zu Drucksubstraten so nicht mehr zulässig sein.

Nachhaltige Bedruckstoffe im Wandel
Die Auswahl an nachhaltigen Substraten nahm in den letzten Jahren deutlich zu. Denn Käufer von Druckprodukten verlangen nach weniger umweltschädlichen Alternativen. Im analogen, aber auch beim Auflagen-Digitaldruck sowie bei der Herstellung von Verpackungen und POS-Displays bleiben Recycling- und FSC-zertifizierte Papiere und Kartons ein wichtiger Standard. Ilford /Tecco oder Igepa mit der Masterjet Pro-Linie und viele weitere bieten solche Qualitäten seit Jahren an.
Im Großformatdruck sind Folien und Banner allerdings die am weitesten verbreiteten Materialien für Außenanwendungen. Nach wie vor ist dabei PVC der bevorzugte Werkstoff.
Nachhaltige Folienalternativen
In den letzten Jahren sind aber immer mehr nachhaltige Folien aus PVC-Alternativen wie Polypropylen (PP) und Polyethylen (PE) speziell für den Digitaldruck auf den Markt gekommen. Beispiele sind etwa Orajet 3720 und 3740, die SP 3500 Opaque Matte Series von Avery Dennison, das Grafity GEF-Portfolio, Folex SI 164 oder Hexis HXLT200. Sie sind für vielfältige Anwendungen im Innen- und Außenraum wie etwa Beschilderung oder Messebau gedacht.
Banner, Mesh und Textil ohne PVC
PVC-Lkw-Planen, Backlit- oder Blockout-Material sowie PVC-Mesh-Netze an Baugerüsten werden inzwischen immer häufiger durch PET-basierte Alternativen ersetzt, z.B. Seemee Loop Mesh-Produkte von Serge Ferrari.
Für die Dekoration und Beschilderung im Innenraum haben sich Soft-Signage-Applikationen durchgesetzt. Meist wird dazu im Sublimationsverfahren auf Polyester gedruckt. Weil die Tücher im Vergleich zur Vollplane deutlich leichter, besser zu transportieren und leicht wiederzuverwenden sind, gelten sie als nachhaltigere Beschilderungs-Lösung. Soft-Signage-Qualitäten gibt es z.B. von Berger Textilien.
Synthetische Papiere: langlebig und wiederverwendbar
Synthetisches Papier, z.B. das Dupont-Produkt Tyvek, ist ein Vliesmaterial, meist aus Polyethylen. Es wird aus Erdölprodukten hergestellt und ist sehr verwitterungsresistent. Dadurch kann es zu Umweltverschmutzung beitragen. Die hohe Haltbarkeit führt aber auch dazu, dass Produkte aus Tyvek sehr oft wiederverwendet werden können, was den ökologischen Fußabdruck während der gesamten Lebensdauer relativiert. Ein typisches Beispiel sind etwa Startnummern bei Sportveranstaltungen.
Grüner Plattendruck: die Umwelt weniger belasten
Für den Direktdruck auf starre Materialien wurden im Digitaldruck lange vor allem Leichtschaum-Platten aus PVC wie z.B. Forex eingesetzt. Inzwischen gibt es mehrere Alternativen:
- Alu-Verbundplatten mit PE-Kern, z.B. Dibond von 3A Composites, kommen ohne PVC-Anteil aus. Allerdings verbrauchen Herstellung und Verarbeitung von Aluminium viel Energie.
- Polypropylen-Hohlkammerplatten wie Kohlschein Akyplac sind PVC-frei, ultraleicht, wetterfest und resistent gegen Feuchtigkeit. Man kennt sie vor allem als Wahlkampfplakate an Laternenmasten. Sie lassen sich leicht montieren und nach Gebrauch sortenrein recyceln.
- Waben- und Struktur-Papierplatten wie z. B. DISPA, Swedboard oder Katz Display Board bestehen zu 100% aus Zellulose, also einem nachwachsenden Rohstoff. Ihr mehrschichtiger Aufbau macht sie biegesteif, sodass sie für viele Anwendungen im Innenraum und manche kurzfristigen Projekte im Außenraum geeignet sind. Nach der Aktion wirft man das Display einfach ins Altpapier.

Substrate für Nachhaltigkeit bei der Fahrzeugverklebung
Noch immer gilt PVC-Folie, die mit Eco-Solvent-Tinte bedruckt wird, als Goldstandard bei der Fahrzeugverklebung. Denn sie ist gut zu verarbeiten und kann je nach Qualität und Anwendungsbereich zehn Jahre und mehr überdauern. Im Vergleich zu einer Neulackierung des Fahrzeugs oder mehrfachem Folienwechsel kann also eine Fahrzeugverklebung mit PVC durchaus Vorteile für die Umwelt haben. Denn über die Lebensdauer gerechnet, sind Müllaufkommen und der Einsatz von Chemikalien eher gering.
Die wachsende Zahl von PVC-freien Folien beruht in der Regel auf thermoplastischem Polyurethan (TPU) bzw. PU, Polypropylen (PP) oder PET. Sie werden mit UV-härtenden oder Latex-Tinten bedruckt. Anbieter sind etwa Cys Europe, 3M mit der Envision– oder Arlon mit der Vital-Produktline.
Herausforderungen und Chancen bei umweltfreundlichen Materialien
Bei der Materialauswahl für den Digitaldruck hat sich in den Jahren in puncto Nachhaltigkeit also einiges getan. Der Einsatz von PVC sinkt, stattdessen kommen mehr Substrate auf den Markt, die aus nachwachsenden Rohstoffen oder mit Recycling-Anteil hergestellt sind. Auch wird stärker darauf geachtet, dass Displays mehrfach verwendet oder gut zu recyclen sind.
Gleichzeitig zeigt sich, dass technische Anforderungen und wirtschaftliche Rahmenbedingungen den Wandel verlangsamen. Nachhaltigkeit führt häufig zu höheren Kosten und erfordert Anpassungen im Produktionsprozess. Dies ist vor dem Hintergrund der schwachen Wirtschaftslage in vielen Teilen der Welt eine Herausforderung für Druckdienstleister. Angesichts neuer gesetzlicher Standards wie der EmpCo-Direktive sind sie aber unumgänglich, wenn die Branche für ihre Kunden weiterhin attraktiv bleiben will.