Druckdienstleister, Werbetechniker und Messebau-Profis müssen heute nicht nur hochwertige Textilien liefern, sondern auch nachweisen können, wie nachhaltig sie tatsächlich sind. Doch welche Kriterien zählen – und welche Lösungen sind zukunftsfähig?

Der Textildruck gilt als eines der Wachstumssegmente innerhalb der Digitaldruckbranche. Das liegt aber auch daran, dass der digitale Textildruck ein sehr breites Feld abdeckt. Für diesen Artikel betrachten wir nur zwei Bereiche, die aber für die Werbewirtschaft besonders wichtig sind:

Beide Bereiche eint, dass die Anforderungen für Nachhaltigkeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette jüngst stark erhöht wurden. Die im Februar 2026 in Kraft getretene, überarbeitete Version des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb hat die Leitlinien für transparente Produktkommunikation verschärft. Nachhaltigkeitsbehauptungen müssen nun objektiv überprüfbar sein.

Käufer von digital bedruckten Textilien geben diese Herausforderungen auch an die Druckereien weiter. Dadurch rückt auch für Druckdienstleister die Frage in den Fokus: Was macht ein nachhaltiges Textil aus?

Das „Made in Green“ by OEKO-TEX Label weist nach, dass Textilien ohne Schadstoffe und fair produziert wurden. Foto: Oeko-Tex / Hohenstein Laboratories

Nachhaltige Bekleidung für Digitaldruck, kurz erklärt

Für den Bekleidungsdruck kaufen Werbetechnik- und Digitaldruckbetriebe Rohware ein. Es handelt sich um unbedruckte Textilien wie Shirts, Hoodies, Caps oder Taschen.

Im Fokus von Print Buyern und Konsumenten stehen dabei relevante Standards wie GOTS und OEKO‑TEX. Sie berücksichtigen ökologische und gesundheitliche Aspekte ebenso wie soziale Kriterien. Das Amfori‑BSCI‑System unterstützt Unternehmen dabei, soziale Standards entlang der gesamten Lieferkette systematisch zu überprüfen.

Der Grüne Knopf ist ein staatliches Textilsiegel, das 2019 vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung eingeführt wurde. Es bewertet, ob Unternehmen systematisch Verantwortung für Menschenrechte und Umweltstandards in ihren Lieferketten übernehmen.

Auf die Prozesskette kommt es an

Die zunehmende Bedeutung solcher Standards zeigt sich auch daran, dass viele Hersteller von Rohtextilien ihre Produktionsketten an strikteren Vorgaben ausrichten. Unternehmen wie FOL International GmbH, Inhaber bekannter Rohwaren-Marken wie Fruit of the Loom, Russell Athletic oder Jerzees dokumentieren transparent ihre Nachhaltigkeitsstrategien.

Für Druckdienstleister, die sich auf die Herstellung von nachhaltiger, bedruckter Bekleidung spezialisiert haben ist es allerdings mit dem Einkauf entsprechender Rohtextilien nicht getan. Denn die meisten Zertifikate verlangen heute, dass auch die Weiterverarbeitung vor Ort berücksichtigt wird.

Der OEKO-TEX Passport mit seinem modularen Ansatz ist für Digitaldruckbetriebe besonders relevant. Denn das Label ermöglicht, nicht nur das Rohtextil, sondern auch Tinten, Primer und weitere Hilfsmittel in Zertifizierungsprozesse einzubeziehen.

Digitaler Produktpass (DPP)

Für die Textilbranche wird 2027 der Digitale Produktpass (DPP) Pflicht. Textilprodukte gehören damit zu den ersten, die diese neue Dokumentationspflicht zu Lieferketten, Zusammensetzung und Recycling-Optionen trifft. Der DPP geht auf eine Initiative im Rahmen des „Green Deals“ der Europäischen Union zurück.

Derzeit sind viele Details noch nicht abschließend vereinbart. Experten gehen aber davon aus, dass der DPP für alle Unternehmen die Bekleidung herstellen und verzieren, verlangt wird. Dies soll unabhängig von der Größe gelten.

Der „Grüne Knopf“ ist ein Textillabel des Deutschen Bundesministerium für Entwicklung und wirtschaftliche Zusammenarbeit. Foto: BMZ

Der „Grüne Knopf“ ist ein Textillabel des Deutschen Bundesministerium für Entwicklung und wirtschaftliche Zusammenarbeit. Foto: BMZ

Nachhaltige Textilien für Soft Signage und Messebau

Bei der Herstellung von textiler Beschilderung (Soft Signage) sowie Textildrucken für den Messebau sehen sich Druckdienstleister ebenfalls immer stärker mit dem Thema „nachhaltige Textilien“ konfrontiert. Das liegt schon allein daran, dass große Marken auch Event- und Marketingprojekte in ihren Nachhaltigkeitsberichten berücksichtigen müssen. Die Herausforderungen sind hier allerdings erheblich anders als bei der Herstellung von bedruckter Bekleidung.

Welche Produkte für POS und Messebau nachgefragt werden, bestimmen vor allem die Kreativen und Marketing-Verantwortlichen beim Kunden. Oft wünschen sie sich Produkte, die mit textilen Labels zertifiziert sind.

Tatsächlich aber sind viele Label, die man aus dem Bekleidungsdruck kennt, für Soft Signage kaum anwendbar. Mit OEKO-TEX 100-Produktklasse 4 gibt es aber immerhin ein Zertifikat, das speziell für Ausstattungsmaterialien für dekorative Zwecke gedacht ist.

Nachhaltigkeit von Anfang an

Oft könnten aber schon kleine Veränderung im Projekt erhebliche Einsparungen bei der Logistik, den benötigten Rohstoffen oder auch der Recycling-Fähigkeit von werblichen Textildrucken ermöglichen.

Hier müssen Druckdienstleister stärker beratend tätig werden und Möglichkeiten aufzeigen, wie POS-Material oder Messestände so geplant und hergestellt werden können, dass sie mehrfach verwendbar sind.

Allerdings müssen dazu auch viele Abläufe auf Messen und Verkaufsflächen angepasst werden. Banner oder Rückwände, die nochmals verwendet werden sollen, muss man möglichst unbeschädigt abbauen. Danach sind die Teile so zu verpacken, dass man sie einlagern und auch wieder zusammensetzen kann. Das aber benötigt Sorgfalt und Zeit. Budgets und Zeitfenster für den Auf- und Abbau bei Messen und Verkaufsflächen werden künftig also wachsen müssen.

Recyclingfähigkeit und Nachhaltigkeit

Manchmal kann Nachhaltigkeit im digitalen Textildruck auch einfach bedeuten, dass ein Banner sortenrein zu recyceln ist. Bisher war das vor allem bei Blackback-Qualitäten oft nicht der Fall. Denn die lichtundurchlässige Schicht auf der Rückseite wurde zumeist durch das Auftragen einer schwarzem PU-Beschichtung erzielt.

Der Textildruck-Spezialist Procedes aus Lemwerder geht deshalb mit seinem 100 % Polyester Beitex Greyback einen neuen Weg. Denn dieses Material ist blickdicht ohne Beschichtung, weil ein grauer Textilfaden rückseitig eingewirkt wird.

„In Kombination mit Polyesterkedern sind diese Materialien bereit für den Recyclingprozess. Wir sammeln sie sortenrein und können so sicherstellen, dass unsere nachhaltigen und PVC-freien Textildrucke recycelt werden und wieder als Rohstoffe dienen können“, erklärt dazu Michael Bete, Head of Business Development bei der Procedes Group. „Wir haben das Material in Kooperation mit Textilproduzenten entwickelt. Solche gemeinsamen Bemühungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette sind nötig, um den Messebau nachhaltiger zu machen und neue Möglichkeiten des Recyclings zu bieten.“ Erstmals konnte so ein kürzlicher Messeauftritt von Procedes in Düsseldorf komplett recycelt und wiederverwertet werden.

Nachhaltige Textilien: ohne sie keine Zukunft für Druckdienstleister

Mit der Neuordnung des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb und der Einführung des Digitalen Produktpasses ändert sich auch für Digitaldruck-Dienstleister eine Menge. Ein vages Produktversprechen, Nachhaltigkeit beim Textildruck anzustreben, genügt bald nicht mehr. Unternehmen müssen belastbare Zertifizierungen wie OEKO-TEX, GOTS und andere relevante Siegel nachweisen. Neu ist dabei, dass diese nicht mehr nur einen Wettbewerbsvorteil versprechen, sondern auch gesetzliche Pflicht werden.

Das bestätigt auch Michael Bete: „Die Vorgaben zum Nachhaltigkeitsreporting und auch das Streben die eigene Marke klimabewusst zu positionieren, verstärken bei den Kunden die Nachfrage nach nachweislich grünen Lösungen im Textildruck. Auch für Messeveranstalter sollte das Thema weiter in den Vordergrund rücken.“ Für Druckdienstleister bedeutet das: höchste Zeit, beim Textil- und Bekleidungsdruck mit dem Thema Nachhaltigkeit Ernst zu machen.