Der Lebensmitteleinzelhandel kämpft weiterhin damit, dass Kunden ihr Geld zusammenhalten wollen. Wirksame Displays und Aufsteller können helfen den Umsatz anzukurbeln: ein idealer Markt für Druckereien. Doch was müssen sie beachten, wenn sie für den Lebensmittelhandel tätig werden?
Die Konsumstimmung in Deutschland ist weiterhin schlecht, so die Erkenntnisse der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). Fußgängerzonen und Einkaufszentren sind weniger besucht. Das hat auch Einfluss auf den Druck von POS-Material. Denn Handelsketten kürzen ihre Budgets für die Werbung in Verkaufsräumen.
In Supermärkten und Lebensmittelgeschäften ist die Zahl der Besucher dagegen kaum zurückgegangen. Doch hier kämpfen die Retailer mit einem anderen Phänomen: die Käufer greifen verstärkt zur Handels- und Budget-Marken sowie Sonderangeboten.
Zweitplatzierungen gewinnen an Bedeutung
Viele Menschen wollen oder müssen beim Lebensmitteleinkauf also sparen. Das führt dazu, dass Zweitplatzierungen immer wichtiger werden, um den Absatz anzukurbeln. Zur Erinnerung: Eine Hauptplatzierung ist der feste, reguläre Regalplatz eines Produkts im Lebensmittelhandel. Kunden finden es dort dauerhaft im Sortiment.
Eine Zweitplatzierung hingegen ist eine zusätzliche, meist temporäre Präsentation desselben Produkts an einer anderen Stelle im Markt. Sie dient dazu, Aufmerksamkeit zu erzeugen, Impulskäufe auszulösen und Aktions- oder Saisonware hervorzuheben.
Typische Beispiele für Zweitplatzierungen sind Süßwaren an der Kasse, Getränkekisten auf Paletten im Eingangsbereich, Grillsoßen und Gewürze im Sommer neben der Fleischtheke oder Backzutaten als Sonderinsel in der Vorweihnachtszeit.
Displays für Zweitplatzierungen im Lebensmitteleinzelhandel werden immer öfter In kleinen, speziell auf die Zielgruppe zugeschnittenen Auflagen und für nur kurze Aktionszeiträume produziert. Deshalb haben sich leichte, flexible und gut recyclebare Materialien wie Wellpappe als Bedruckstoff durchgesetzt. Für Digitaldruckereien bietet sich so ein idealer Absatzmarkt.
Multifunktional: Die Versandkartons im Vordergrund sind gleichzeitig ein einfaches Display aus Wellpappe. Foto: Sonja Angerer
Verpackungsarten, und warum diese wichtig sind
Bedruckte Warenträger kommen mit den Lebensmittelverpackungen, gelegentlich sogar mit den Lebensmitteln selbst in Kontakt, z.B. bei einer Verkostung. Das unterscheidet sie von den meisten anderen POS-Prints im Einzelhandel. Deshalb gelten für Drucke, die mit Lebensmitteln in Kontakt kommen (können) strenge Richtlinien. Diese sollen unter anderem dafür sorgen, dass Speisen und Getränke nicht durch Schadstoffe in der Verpackung kontaminiert werden.
In der Lebensmittelindustrie existiert eine breite Palette unterschiedlicher Verpackungen. Zu den wichtigsten gehören Primärverpackungen wie Beutel, Schalen, Kartons oder Folien, die direkten Lebensmittelkontakt haben.
Sekundärverpackungen umfassen Trays, Multipacks und Umkartons, die für Transport und Regalpräsentation relevant sind. Hinzu kommen Tertiärverpackungen wie Transportkisten oder Paletten-Umhüllungen, die vor allem logistische Aufgaben übernehmen. Meist bekommt sie der Endkunde gar nicht zu Gesicht. Deshalb sind sie in der Regel sehr einfach und rein funktionell gestaltet.
POS-Displays, Aufsteller und ähnliche Produkte zur Warenpräsentation werden dagegen auffällig und hochwertig konzipiert, weil sie entscheidend für die Kommunikation einer Marke sind. Das führt dazu, das es oft sehr vieler Arbeitsschritte bedarf. Solche gedruckten Warenträger können mit Sonderfarben, teilweise Drucklackierung, Heißfolien und anderen Spezialitäten ausgestattet sein. Eben alles, was den Kunden aufmerksam, neugierig und letztlich kaufbereit macht.
Je aufwendiger ein Warenträger ist, desto mehr Chemikalien kommen zum Einsatz. Hier sind die Lebensmittel in Aludosen aber gut geschützt. Foto: Sonja Angerer
POS-Displays, Gestaltung und Druck
Durch aufwendige Gestaltung kommen für POS-Displays für die Waren-Zweitplatzierung im Lebensmittelhandel sehr viele Chemikalien zum Einsatz. Also beispielsweise Farben, Tinten, Kleber oder Lacke.
Je mehr Chemikalien im Umfeld von Lebensmitteln eingesetzt werden, desto größer ist die Gefahr, dass diese durch die so genannte Migration davon verunreinigt werden. Unter „Migration“ versteht man in diesem Zusammenhang, dass Stoffe aus der bedruckten Verpackung in das verpackte Lebensmittel übergehen. Das kann geschehen durch
Abklatschmigration: Wenn noch nicht vollständig getrocknete oder gehärtete, einseitig bedruckte Bögen aufeinandergestapelt werden, überträgt sich ein Teil des Motivs auf die unbedruckte Seite des Bogens.
Gasphasenmigration: Flüchtige Stoffe diffundieren in Lebensmittel, etwa bei Wärmeeinwirkung.
Migration von Stoffen aus dem Bedruckstoff: Druckfarbenbestandteile, vor allem lösliche Pigmente, aber auch Lösemittel, Öle und Photoinitiatoren wandern direkt durch den Bedruckstoff hindurch. Oft ist das bei stark fetthaltigen Lebensmitteln besonders leicht der Fall.
Unerwünschte Stoffe können zudem aus dem Substrat selbst freigesetzt werden, beispielsweise, wenn Rohstoffe verunreinigt sind. Auch kann es zu Reaktionen zwischen Chemikalien kommen, die während des Druck- oder Veredelungsvorgangs aufgetragen wurden.
Die EU‑Grundverordnung EG 1935/2004 für Materialien und Gegenstände, die dazu bestimmt sind, mit Lebensmitteln in Berührung zu kommen, regelt dabei die gesetzlichen Obergrenzen für Schadstoffe, die in Lebensmittel migrieren können. Daneben haben große Anbieter von Lebensmitteln wie etwa Nestle („Nestle-Guidelines“) zusätzlich eigene Richtlinien festgelegt, nach denen sich Partner richten müssen, die Verpackungsdrucke zuliefern.
Insgesamt ist das Thema Migration bei Verpackungen in der Lebensmittelindustrie sehr komplex. Deshalb bietet beispielsweise das Fraunhofer Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung eine Migrationsprüfung von Lebensmittelverpackungen als Dienstleistung an.
Im hart umkämpften Markt für gehobene Getränke mit Alkohol sind Displays zur Warenpräsentation wichtige Hilfen für mehr Absatz. Foto: Sonja Angerer
Digitaldruck, Verpackungen und Displays
Da auch die Märkte für Primär- und Sekundärverpackungen immer stärker digitalisiert werden, gibt es längst migrationsarme Tinten, die auch für den Druck von Lebensmittelverpackungen geeignet sind, beispielsweise die UV-LED-Tinten Lunajet von Kao Collins Inc. oder Fujifilm CuremaX UV LED IDFC.
Daneben werden auch Digitaldruckmaschinen mit wasserbasierter Tinte für den Druck auf Wellpappe immer wichtiger. Beispiele sind etwa die Modelle EFI Nozomi 14000 AQ, Canon corrPRESS iB17, oder Koenig & Bauer Durst CorruJET 170. Diese sind für große Lauflängen von digital gedruckten Verpackungen gedacht. Die Tinten entsprechen daher meist der EU‑Grundverordnung EG 1935/2004. Sie können dann mit geeigneten Substraten sowohl für POS-Displays und Warenträger wie auch für den Druck von Primär- und Sekundärverpackungen für Lebensmittel verwendet werden.
Bei klassischen Displays zur Zweitplatzierung kommen Lebensmittel allerdings oft gar nicht in direkten Kontakt mit dem Warenträger. Denn sie sind ja durch die Verkaufsverpackung gut geschützt. Häufig können deshalb POS-Display mit Warenträger-Funktion für den Lebensmittelhandel auch mit wasserbasierten oder Latex-Tinten gedruckt werden, die nicht speziell für Lebensmittel zertifiziert sind.
Auch UV-und Eco-Solvent-Tinten kommen dazu gelegentlich zum Einsatz. Allerdings haben lösemittelhaltige und UV-Tinten für die Werbetechnik nicht selten ein wahrnehmbaren, „chemischen“ Geruch, der Kunden im Lebensmittelhandel besonders abschreckt.
POS-Displays für den Lebensmittelhandel sind komplexer als man denkt
Zwar sind digital gedruckte Warenträger, vor allem solche aus Wellpappe, voraussichtlich auch weiterhin ein wachsender Markt im Digitaldruck. Im Vergleich zu POS-Plakaten oder Displays für den Non-Food-Bereich ist ihre Herstellung allerdings um einiges aufwendiger.
Denn die Anforderungen an Bedruckstoffe und Tinten können deutlich höher sein. Es gilt zu vermeiden, dass Lebensmittel durch den Kontakt mit Farben, Lacken oder Klebstoffen verunreinigt werden oder Gerüche entstehen, die Kunden und Personal abschrecken.
Druckdienstleister, die regelmäßig warentragende POS-Displays für die Lebensmittelindustrie herstellen, sollten daher in entsprechend zertifizierte Druck- und Veredelungsmaschinen investieren, sowie auf aktuelle Fort- und Weiterbildung zum Thema „migrationsarme Tinten“ Wert legen.
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