Im Gegensatz zu Branchenveranstaltungen, die lediglich Lippenbekenntnisse abgeben, beweist die FESPA echte Führungsstärke, indem sie ihren Mitgliedern praktische Instrumente zur Ermittlung des CO₂-Fußabdrucks sowie umsetzbare Leitlinien an die Hand gibt. Durch die Erlangung der ISO 20121-Zertifizierung für nachhaltiges Veranstaltungsmanagement und die aktive Reduzierung der Emissionen im Vergleich zum Vorjahr setzt die FESPA einen öffentlich nachprüfbaren, ressourcengestützten Goldstandard, dem andere folgen müssen, um zu überleben.

Nachhaltigkeit ist für Druck- und Verlagsunternehmen, die etwas bewirken und erfolgreich sein wollen, von entscheidender Bedeutung. Die Verbesserung der ökologischen Nachhaltigkeit wird auch die wirtschaftliche und gesellschaftliche Nachhaltigkeit prägen. Das wissen wir, doch nur wenige Unternehmen in unserer Branche übernehmen aktiv eine Vorreiterrolle im Bereich Nachhaltigkeit, insbesondere im Veranstaltungsbereich. Abgesehen von der FESPA sind Veranstaltungs- und Messeveranstalter meist kaum in der Lage, ihren Branchen eine Vorreiterrolle auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit zu übernehmen. Konkrete Verpflichtungen und Maßnahmen sind äußerst selten.

Auf der drupa 2024 gab es einige Vorträge zum Thema Recyclingpapier und zur Bedeutung der Abfallreduzierung. Doch dabei handelte es sich im Grunde nur um Lippenbekenntnisse zu einem Thema, das Aussteller anziehen und bestimmte Kriterien erfüllen könnte. Für die drupa 2028 wurde bislang noch nichts angekündigt, aber vielleicht wird man versuchen, es besser zu machen. Die Londoner Buchmesse folgt einem ähnlichen Schema. Die Veranstalter organisieren einige vage interessante Podiumsdiskussionen zum Thema Nachhaltigkeit, übernehmen jedoch keine Vorreiterrolle. Sie bieten keine konkreten Nachhaltigkeitsmaßnahmen an, die für Buchverlage, Buchhändler, Autoren oder Leser einen Unterschied machen könnten.

Die Erstellung von Online-Bildungsressourcen, die Unternehmen bei der Umsetzung ihrer Nachhaltigkeitsziele unterstützen, die Finanzierung von Forschung sowie die Förderung von Programmen zur Einbindung junger Menschen und von Gemeinschaftsprojekten – all dies erfordert finanzielle Mittel. Doch diese Maßnahmen bringen auch einen beträchtlichen Ertrag mit sich, nicht zuletzt in Form von Kunden- und Mitarbeiterbindung sowie eines guten Rufs in der Branche. Eine starke Führungsrolle schafft Rückhalt innerhalb der Branchen und der Gemeinschaften, denen die Organisationen dienen.

Vergleichen Sie die halbherzigen Bemühungen der drupa und der Londoner Buchmesse mit dem aktiven und sehr sichtbaren Engagement der FESPA für Nachhaltigkeit. Diese Bemühungen schaffen Zusammenhalt, was für den Fortschritt einen enormen Unterschied macht. Die FESPA entwickelt Nachhaltigkeitsinstrumente, die für ihre Mitglieder tatsächlich von Nutzen sind, damit diese konkrete Schritte zur Verbesserung ihrer Nachhaltigkeit unternehmen können. So stellt die FESPA ihren Mitgliedern beispielsweise gemeinsame Instrumente zur Ermittlung des CO₂-Fußabdrucks sowie Leitlinien zur Nachhaltigkeit zur Verfügung, die im Alltag umgesetzt werden können. Bezeichnenderweise hat die Organisation zwei Jahre in Folge die Zertifizierung nach ISO 20121 für nachhaltiges Veranstaltungsmanagement erhalten. Das Streben nach der ISO 20121-Zertifizierung und deren Erlangung macht die FESPA öffentlich rechenschaftspflichtig, und damit ist ein erhebliches Risiko verbunden. Das Gleiche gilt für die Messung der CO₂e-Emissionen im Jahresvergleich, die zwischen den FESPA-Veranstaltungen 2024 und 2025 gesunken sind. Angesichts eines wachsenden Geschäftsvolumens hätten die CO₂e-Emissionen durchaus steigen können.

Beim Engagement für Nachhaltigkeit geht es letztendlich um Geld, darum, Ressourcen zu investieren und die finanziellen Mittel für Initiativen zur nachhaltigen Entwicklung bereitzustellen. Im Falle der ISO 20121-Zertifizierung der FESPA ist dies mit einem erheblichen Zeit- und Arbeitsaufwand seitens der FESPA-Geschäftsführung und ihrer Mitarbeiter verbunden. Die Erlangung der Zertifizierung ist mit erheblichen Kosten für das Organisationsmanagement sowie für externe Berater verbunden, die die Vorbereitung auf die Audits überwachen und begleiten. Doch sie verschafft der FESPA einen einzigartigen Vorteil: Die Teilnehmer an FESPA-Veranstaltungen wissen, dass die gesamte Veranstaltung unter Umweltgesichtspunkten verantwortungsvoll gestaltet ist.

Die Vorschriften und die Erwartungen der Verbraucher daran, was es bedeutet, wenn ein Unternehmen nachhaltig ist, werden immer anspruchsvoller und ehrgeiziger. Akteure in der Druck- und Verlagsbranche müssen ihre negativen Umweltauswirkungen reduzieren, um zu überleben und wettbewerbsfähig zu bleiben. Zumindest sollten die Messeveranstalter, die diese Branchen bedienen, auf die Zertifizierung nach ISO 20121 hinarbeiten. Das ist eine anspruchsvolle Herausforderung, verschafft den Messeveranstaltern jedoch einen wertvollen Wettbewerbsvorteil. Drupa und Co. sollten dies zur Kenntnis nehmen. Nachhaltigkeit sollte ein zentraler Bestandteil Ihrer zukünftigen Strategien sein, denn sie ist zumindest für das Überleben der Gemeinschaften, denen Sie dienen, von entscheidender Bedeutung.

Quellenangabe: Dieser Artikel wurde vom Verdigris-Projekt, Eine Brancheninitiative, die darauf abzielt, das Bewusstsein für die positiven Auswirkungen des Druckwesens auf die Umwelt zu schärfen. Dieser wöchentliche Kommentar hilft Druckereien dabei, sich über Umweltstandards auf dem Laufenden zu halten und zu erfahren, wie eine umweltfreundliche Unternehmensführung zur Verbesserung ihrer Geschäftsergebnisse beitragen kann. Verdigris wird von den folgenden Unternehmen unterstützt: Agfa Grafiken, EFI, Fespa, Fujifilm, HP, Kodak, Miraclon, Ricoh, Unity Publishing und Xeikon.