Besuchen Corrugated 2026
Die neue Fachausstellung „Corrugated“ mit kuratierten Konferenzinhalten, die sich an Wellpappenverarbeiter richtet, findet vom 19. bis 22. Mai 2026 auf der Fira Barcelona statt.
Bei Pharmaprodukten gilt: Es ist eben keine Werbung wie jede andere. Druckdienstleister, die in diesem lukrativen Bereich expandieren wollen, müssen einiges beachten.

Digitale Druckverfahren haben sich im POS-Bereich in den vergangenen Jahren fest etabliert. Kurze Laufzeiten, Variantenvielfalt und personalisierte Inhalte sprechen klar für den Digitaldruck.
Sobald Arzneimittel oder Medizinprodukte beworben werden, verändert sich die Ausgangslage jedoch erheblich. Für Druckdienstleister in Deutschland und in der Europäischen Union gelten hier nicht nur technische, sondern auch rechtliche Anforderungen. Diese gehen deutlich über die klassische POS-Werbung hinaus. In diesem Artikel wird vorrangig die Gesetzeslage in Deutschland berücksichtigt. Unternehmen, die grenzübergreifend tätig sind, sollten sich daher zusätzlich über lokale Vorschriften kundig machen.
Zentrale Grundlage für die Kommunikation rund um alle Arzneiprodukte in Deutschland ist das Heilmittelwerbegesetz, kurz HWG. Es regelt die Werbung für Arzneimittel und Medizinprodukte, unabhängig davon, ob es sich um verschreibungspflichtige oder frei verkäufliche Medikamente handelt. Auch bestimmte Nahrungsergänzungsmittel und technische Produkte wie etwa Smart Watches mit Gesundheitsfunktionen können darunterfallen. Ziel ist es, in diesem sensiblen Bereich irreführende oder unsachliche Aussagen zu verhindern.
Ergänzt wird es durch das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb sowie durch europäische Vorgaben, etwa die EU-Verordnung über Medizinprodukte, die sogenannte Medical Device Regulation.
Diese schreibt unter anderem vor, dass Werbeaussagen stets mit der zugelassenen Zweckbestimmung eines Produkts übereinstimmen müssen. Aussagen, die darüber hinausgehen, gelten als unzulässig. Für Druckereien bedeutet das, dass nicht nur die Druckqualität zählt, sondern auch die formale Korrektheit der Inhalte. Das ist besonders relevant für Druckdienstleister, die eigene Layout-Vorschläge erstellen oder vom Kunden zugelieferte Daten anpassen. Schließlich ist die wirtschaftliche Produktion von regional oder sprachlich angepassten Versionen eines Motivs eine der großen Vorteile von Digitaldruckverfahren.
Durch mehrere, womöglich fremdsprachige Versionen steigt aber das Risiko deutlich, dass Pflichtangaben fehlen, falsch platziert oder formal nicht korrekt wiedergegeben werden. Das kann für den Auftraggeber empfindliche Folgen haben. Deshalb muss in einem solchen Falle die Auflage neu gedruckt werden, wodurch erhebliche Kosten entstehen.

POS-Werbung für medizinische Produkte unterscheidet sich grundsätzlich von klassischer Konsumgüterwerbung. Bei POS-Displays für Lebensmittel oder Kosmetikprodukte stehen Emotionen und Kaufanreize im Vordergrund.
Bei Arzneimitteln geht es dagegen um Vertrauen, Sicherheit und korrekte Information. Werbung darf keine Heilversprechen enthalten und keine Erwartungen wecken, die medizinisch nicht belegbar sind. Diese inhaltlichen Grenzen wirken sich unmittelbar auf Gestaltung, aber auch die Produktionsprozesse aus.
Ein weiterer Unterschied liegt in der Zielgruppe. POS-Materialien im Pharmabereich richten sich entweder an Endverbraucher oder aber an Fachkreise wie Ärzte, Apothekerinnen und Apotheker. Diese Unterscheidung ist rechtlich relevant.
Für verschreibungspflichtige Arzneimittel ist nämlich in Deutschland die Endverbraucherwerbung weitgehend verboten, auch am POS. Gedruckte Materialien dürfen hier nur sachlich informieren und müssen sich an Fachleute richten. Druckdienstleister sollten daher mit dem Auftraggeber abklären, in welchem Kontext ein Produkt eingesetzt wird. Dies gilt vor allem dann, wenn auch die Entwicklung von POS-Displays angeboten wird. So lassen sich Missverständnisse und unterschiedliche Erwartungen ausräumen, bevor teure Fehler entstehen.
Ein Sonderfall sind Produktinformationen als Teil des POS-Displays. Ähnlich wie bei einer Packungsbeilage in einer Medikamentenschachtel kann es hier hohe Anforderungen an Lesbarkeit, Materialauswahl und Prozesskontrolle geben. Fehlerhafte oder missverständliche Druckerzeugnisse können nicht nur Imageschäden verursachen, sondern in manchen Fällen auch haftungsrechtliche Fragen nach sich ziehen.

Der Digitaldruck bietet für die Pharmawerbung klare Vorteile, vor allem durch seine Flexibilität und Schnelligkeit. Dadurch sind kurzfristige und stark angepasste Kampagnen möglich. Gerade deshalb steigt aber auch die Gefahr, dass in der Eile Fehler oder Ungenauigkeiten durchrutschen. Strenge Prozess- und Qualitätskontrolle sind daher unerlässlich.
In der Praxis bedeutet das, dass integrierte Workflows für die Herstellung von Werbung für Pharmaprodukte oft um zusätzliche Prüfschritte ergänzt werden müssen. Dazu gehören dokumentierte Freigabeprozesse, versionierte Datenhaltung und im Idealfall automatisierte Prüfmechanismen.
Ein oft unterschätzter Aspekt ist der konkrete Ort, an dem POS-Werbung eingesetzt wird. Rechtlich macht es einen erheblichen Unterschied, ob ein Druck für eine Pharmawerbung in einem Drogeriemarkt, einem Einzelhandelsgeschäft oder in einer Apotheke platziert wird.
Apotheken unterliegen zusätzlichen berufsrechtlichen Vorgaben, die sich unmittelbar auf die zulässige Werbung auswirken. Stark emotionalisierte Gestaltung oder aggressive Preiswerbung sind hier in der Regel unzulässig. Zudem akzeptieren die meisten Apotheken schon aus Platzgründen für die Medikamentenwerbung nur kleinformatige Theken-Displays. Für Druckdienstleister bedeutet das, dass ein und dasselbe Motiv nicht ohne Weiteres für unterschiedliche Vertriebskanäle genutzt werden kann.
Im Handel für rezeptfreie Produkte, die sowohl in Apotheken wie auch in Drogerien oder Reformhäusern angeboten werden können, ist die gestalterische Freiheit nämlich im Vergleich zur Kommunikation über verschreibungspflichtige Medikamente relativ groß.
Hier müssen Schaufensterplakate oder Thekenaufsteller nicht zwingend sachlich bleiben, sondern dürfen bestimmte Kaufanreize setzen. Allerdings können auch bei nicht verschreibungspflichtigen Pharma-Produkten übertriebene oder nicht belegbare Wirkungsversprechen rechtlich problematisch sein.

Digitaldruck für Pharmawerbung am POS ist ein anspruchsvolles Spezialsegment, das technisches Know-how mit Verständnis für rechtliche Rahmenbedingungen verbindet. Die eigentliche Druckqualität ist dabei nur eine von mehreren relevanten Größen. Mindestens ebenso wichtig sind saubere Prozesse, rechtssichere Datenhandling-Strukturen und ein grundlegendes Verständnis für die Besonderheiten medizinischer Produkte.
Druckdienstleister, die sich hier positionieren wollen, benötigen Geduld, Investitionsbereitschaft und eine enge Abstimmung mit ihren Auftraggebern. Gleichzeitig eröffnet das Segment stabile Geschäftsbeziehungen und eine vergleichsweise hohe Eintrittsbarriere. Das schützt weitgehend vor einem rein preisgetriebenen Wettbewerb.
Die neue Fachausstellung „Corrugated“ mit kuratierten Konferenzinhalten, die sich an Wellpappenverarbeiter richtet, findet vom 19. bis 22. Mai 2026 auf der Fira Barcelona statt.