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Vorlagen für den digitalen Textildruck

von Paul Lindström | 26.10.2018
Vorlagen für den digitalen Textildruck

Anforderungen für Druckvorstufe und Prepress im digitalen Textildruck.

Paul Lindström erklärt, was beim Design digital bedruckter Textilien zu beachten ist.
 
Der Digitaldruck auf Textil ist eine fantastische Möglichkeit um neue Druckideen auf Stoff zu kommunizieren. Die Kombination von Digitaldruck und Textilien ermöglicht zahlreiche Anwendungen, von Werbung über Mode bis zu Innenausstattung.
 
Dabei gelten unterschiedliche Anforderungen an Outdoor-Anwendungen wie Beschilderung, Zelte und Pavillons, Innenausstattung sowie Kleidung. Dennoch gibt es einige technische Aspekte, die sich bei verschiedenen Projekten im Digitaldrucks wiederholen.
 
Bei der Vorbereitung von Projekten mit digitalen Druckmaschinen für Stoffe und Textilien gilt die gleiche Checkliste, die auch im konventionellen, d. h. Offset, Sieb- oder Flexodruck Anwendung findet. Doch wenn jemand meint, dass es im Digitaldruck keine speziellen technischen Anforderungen bei der Vorbereitung des Designs gibt, dann unterliegt er einem Irrtum bzw. schätzt die Komplexität der Aufgabe falsch ein.
 
Es ist wichtig die Auflösung der Bildinformation im Auge zu behalten und das richtige Format für vektorbasierte Illustrationen oder pixelbasierte Bilder zu wählen. Andere Faktoren, wie etwa Anschnitt, Überdruck, Farbannahme, mögliche Musterwiederholung und Schriftarten wollen überlegt sein und gegebenenfalls angepasst werden.
 
Auch was das Farbmanagement betrifft, muss man bedenken, dass nicht jede Druckmaschine auch jeden Farbton auf jedem Substrat reproduzieren kann. Glauben Sie niemandem, der etwas anderes behauptet – es stimmt einfach nicht. Wenn Farbtreue einen wichtigen Gesichtspunkt des Projekts darstellt, müssen von Anfang an einige Grundregeln beachtet werden.

Häufige Fehler im Preflight

Der Ausdruck Preflight kommt aus der Luftfahrt und geht bis ins Jahr 1935 zurück. Er bezieht sich auf die Checks, die von Piloten und Bodenpersonal vor der Freigabe zum Start auszuführen waren. Im Jahr 1990 stellte der in der Druckindustrie beratend tätige Chuck Weger fest, dass ein vergleichbares Verfahren für elektronisch erstelltes Design vonnöten sei, bevor dieses in den Druck geht.
 
Eine Preflight-Checkliste im Druck kann einfach eine handschriftliche Liste der Form "unbedingt ... prüfen" sein, oder auch spezialisierte Software, die zur Kontrolle der Dateien vor dem Verschicken an die Druckerei eingesetzt wird.

Worauf bei der Druckvorbereitung achten?

Der häufigste Fehler in Vorlagen, die in der Druckerei eintreffen, ist eine zu geringe Auflösung der Bildinformation. Zwar muss man sich bei vielen Großformat-Anwendungen nicht unbedingt an die Grundregel von 300 ppi (Pixel per Inch) halten, da ja der Betrachtungsabstand oft recht groß ist. Dennoch ist es ratsam auch im Textildruck ein gutes Stück über einer effektiven Auflösung von 100 ppi zu bleiben.
 
Mit „effektiv“ bezeichnet man die Auflösung nach Import und Vergrößerung des Bildes in der Layout-Software. Wenn man etwa ein Bild mit 300 ppi auf 200 Prozent vergrößert, halbiert man die effektive Auflösung und die Druckvorlage hat nur noch 150 ppi.
 
Betrachtet man einen solchen Druck aus der Nähe, könnte er etwas unscharf wirken. Andererseits stellen Textilien von Natur kein glattes Substrat dar und erlauben deshalb auch etwas geringere Auflösungen. Dennoch sollte man die Auflösung im Auge behalten. Es ist immer besser, Fehler vor dem Versand an die Druckerei zu beheben.
 
Der Begriff „Überdruck“ bezieht sich auf randabfallende Drucke bis zur Kante des Substrats, wenn der Druckbereich über die abzuschneidende Kante hinausgeht. Es sollte immer ein Überdruck von 3-5 mm vorgesehen werden, damit sich keine Lücken bilden, wenn der Stoff zugeschnitten oder zusammengenäht wird. Dies gilt sowohl für Kleidung als auch in der Inneneinrichtung.
 
Der Begriff „Farb-Trapping“ wird verwendet, wenn sich verschiedene Farben in einem Design überlappen und es je nach Tinteneigenschaft zu einer unbeabsichtigten Farbveränderung in diesem Bereich kommt. Zum Beispiel ergeben Flächen in reinem Gelb und Cyan, wenn sie durch leichte Ungenauigkeiten im Druck überlappen, einen grünen Streifen.
 
Da glücklicherweise digitale Druckmaschinen beim Farbauftrag sehr genau sind, wird das Trapping in der Regel kein Problem darstellen. Dennoch sollte man im Zweifel mit der Prepress-Abteilung der beauftragten Druckerei Rücksprache halten, ob Vorkehrungen zur Vermeidung von Trapping-Effekten anzuraten sind. Oft geschieht dies ohnehin besser im Prepress-Workflow der Druckerei. Doch es ist wichtig, dies im Vorfeld abzuklären.

Vorbereitung des Designs

Die meisten Druckunternehmen mit Erfahrung im Textildruck geben Hilfestellung bei der Vorbereitung der Druckvorlagen für die unterschiedlichen Produktionsarten. Sicherlich erwartet eine Druckerei bestimmte Dateiformate für Bilder und Logos.
 
Bei Vorlagen aus Adobe Illustrator etwa ist es üblich, den Text in Illustrationen und Logos in Vektoren zu konvertieren. Dadurch wird Text zum grafischen Element. Probleme mit fehlenden Schriftarten lassen sich von vorneherein vermeiden.
 
Es werden auch Anforderungen in Bezug auf das Farbmanagement verlangt werden, insbesondere die Wahl der Farbprofile für RGB-Aufträge und die empfohlenen ICC-Profile bei CMYK.
 
Wenn eine Vorlage präzise definierter Sonderfarben ausweist, muss sichergestellt werden, ob die Druckmaschine diese bereits wiedergeben kann oder der Farbraum über das Tinten-Setup erst angepasst werden muss. Dabei sollte man vor dem endgültigen Druck mit einem Proof die Farbtreue prüfen und ob die Farben den Erwartungen entsprechen.
 
Einige professionelle Grafiker im High-End-Bereich benutzen spezialisierte Software für Preflights. Die bekanntesten Programme sind Callas PDF Toolbox, Enfocus Pitstop und Markzware Flightcheck.
 
Nutzer von Adobe CC finden einige elementare Preflight-Funktionen in InDesign und eine Light-Version von Callas PDF Toolbox in Adobe Acrobat Pro. Wer dies noch nicht benutzt hat, sollte diese Funktionen vielleicht ausprobieren. Viele Fehler lassen sich in den Preflight-Funktionen in Acrobat Pro frühzeitig beheben.
 
Caption: Obwohl Grafiker Preflight-Checks und Optimierungen zu einem gewissen Grad selbst durchführen können, gibt es auch Vorbereitungsarbeiten, die man besser der Spezialsoftware in den Prepress-Abteilungen überlässt. Hier sieht man eine spezielle Version des Ergosoft RIP für Roland DG bei der Platzierung der verschiedenen Teile eines Kleidungsstücks auf dem Substrat.

Abschließende Anpassungen und Optimierungen des Designs führen Prepress-Abteilungen mit professioneller Software durch. Als Beispiel lässt sich etwa die Workflow- und Raster Image Processing-Systeme von Herstellern wie EFI mit der Fiery RIP-Serie nennen. Diese wird von vielen Druckeranbietern wie HP verwendet und avancierte zum beliebten RIP in vielen Bereichen der Druckindustrie.
 
Zudem gibt es Spezialversionen für den Digitaldruck auf Kleidung, etwa für Roland DG. Dennoch gilt: obwohl diese RIP-Systeme eine Vorlage substantiell verbessern können, gibt es kritische Fehler, die man nicht ohne weiteres beheben kann. Deshalb ist es wichtig genau zu wissen, welche Preflight-Schritte notwendig sind und wie man das Design optimal vorbereitet. So wird man Top-Qualität als Ergebnis erwarten dürfen.

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