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Schneiden von starren Materialien

von FESPA Staff | 12.01.2016
Schneiden von starren Materialien

Wenn man direkt auf Plattenmaterial druckt, ist der (Kontur) Schnitt zumeist die einzige Form der Veredelung, die man noch braucht. Klingt einfach, ist es aber nicht.

Wenn man direkt auf Plattenmaterial druckt, ist der (Kontur) Schnitt zumeist die einzige Form der Veredelung, die man noch braucht. Klingt einfach, ist es aber nicht. 

Nur schneiden – das hört sich eigentlich ziemlich problemlos an. Doch das täuscht, zunächst einmal deshalb, weil es viele verschiedene Arten von starren Materialien gibt: Das reicht von der Pappe über die Holzfaser bis zu Kunstoffen wie Acryl oder Forex.

All diese Materialien können für die unterschiedlichsten Anwendungen verwendet werden, vom Warenpräsenter am P.o.S. über Hinweisschilder, die temporär durch eine Ausstellung führen, bis hin zu Outdoor-Displays, die mehrere Jahre halten sollen. Gemeinsam ist allen: der entscheidende Veredelungsschritt, der aus einer bedruckten Platte ein fertiges Produkt macht, ist in jedem Fall das Schneiden.

Theoretisch ist es zwar auch möglich, von Hand zu schneiden, aber die meisten Großformatdruck-Praktiker erkennen schnell: Wenn sie schon einen Flachbettdrucker angeschafft haben um der steigenden Volumina Herr zu werden, rechtfertigt der erhöhte Durchsatz auch den Kauf einer automatisierten Schneidelösung.

Denn diese arbeitet schneller und sauberer bei nur minimaler manueller Arbeit. Automatisierte Schneid-Workflows gewährleisten konstante Ergebnisse, so dass Vorlagen ohne Abweichungen oder Fehler umgesetzt werden können. Somit lässt sich eine größere Vielfalt von Großformat-Projekten verwirklichen. 

Grundsätzlich gibt es dabei zwei Alternativen: Fräsen und Schneidetische, viele Unternehmen verwenden auch beides gleichzeitig. Beide ähneln sich in den Werkzeugsätzen: So sind Schneidetische mit Fräsen versehen, während Fräsen eine Reihe von Messerwerkzeugen bieten.

Der Hauptunterschied jedoch liegt in den Materialien, die sie verarbeiten: Fräsen sind besser für schwerere Materialien wie Holz, Acryl und Metall geeignet, während die meisten Schneidetische dünne und in einigen Fällen auch flexible Materialien besser handhaben können.

Sowohl für Fräsen als auch Schneidetische ist eine breite Palette verschiedener Schneidewerkzeuge erhältlich. Dazu zählen Werkzeuge zum Schneiden spezieller Materialien, und sogar für unterschiedliche Dicken dieser Materialien.

Doch es gibt auch Werkzeuge für spezielle Effekte wie Falten oder das „Kiss Cutting“, bei dem der Schnitt nur durch einen Teil des Materials geht. Ein weiteres beliebtes Werkzeug ist der V-Cutter, der eine Nut ausschneidet, um eine Knickstelle herzustellen, zum Beispiel, um aus einem Karton ein POS-Display falten zu können. 

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Schneidetische können auch zum Rillen verwendet werden. So entstand etwa diese Möbel-Garnitur auf dem Summa-Stand. 

Darüber hinaus wird eine Art von Erkennungssystem erforderlich sein, damit das Schneidwerkzeug Passermarken lokalisieren kann. Diese Funktion mag selbstverständlich erscheinen, wird aber oft nur als Option angeboten – hauptsächlich deswegen, weil die meisten Anbieter Systeme von Drittanbietern wie iCut oder OptiScout mitliefern. In einigen Fällen ist es möglich, ein alternatives System vorzugeben.

Schneidetisch-Optionen

Digitale Schneidetische sind ein derart unentbehrliches Werkzeug bei der Veredelung von starren Materialien geworden, dass sie oft zusammen mit Flachbettdruckern verkauft werden. Marktführer dabei sind Esko mit der Kongsberg-Reihe und die G3-Serie von Zünd.

Esko brachte seine Kongsberg-C-Reihe letztes Jahr auf den Markt. Sie verwendet eine Traverse aus Karbonverbundmaterial um den Schneidekopf über den breiten Tisch zu führen. Damit kann der C 64 Platten bis zu einer Breite von 3,20 mal 3,20 Meter aufnehmen. Außerdem ist es möglich, zwei Platten nebeneinander zu schneiden, was eine erhöhte Produktivität erlaubt.

Auch Zünd hat vor kurzem die Traversen seiner größten Tische verstärkt. Damit, so der Hersteller, ist es möglich, mit den L-3200- und XL-3200-Modellen Materialien wie Wellpappe, Vollpappe, Schaum, Sandwichmaterialien und gewellten Kunststoff mit Dicken von bis zu 110 mm zu schneiden.

Dyss verkauft die X7-Serie, eine etwas billigere Alternative, die eine gute Auswahl an Werkzeugen bietet. Dazu zählen eine automatische Rollenzuführung und ein Zuführsystem für gestapeltes Material. Ebenfalls erhältlich ist der kleinere X5, der hauptsächlich in der Verpackungsherstellung verwendet wird.

Auch Esko und Zünd haben günstigere Alternativen im Angebot, die bei der Herstellung von Schildern und Displays überzeugen. So verkauft Esko den Kongsberg V, der für die Herstellung von Verpackung oder Schildern und Displays konfiguriert werden kann und damit sehr flexibel ist. 

Das Modell arbeitet nicht so schnell, ist dafür aber mit einem MultiCut-Kopf ausgestattet, der sich durch ein Erkennungssystem auszeichnet. Zünds Budget-Modell S3 ist in Größen von 1.330 x 800 mm bis 1.800 x 1.600 mm erhältlich. Es bietet Universal-, Schwing- und „Kiss Cutting“-Schneidewerkzeuge.

Eine weitere Budget-Option bietet beispielsweise Summa mit dem F1612. Er bietet eine Schnittbreite von 160 cm auf einem 120 cm langen Bett. Kasemake stellen die KM7-Serie her, die sich durch eine Reihe von Werkzeugen auszeichnet, inklusive eines Schwing- und eines Schleppmessers sowie einer optionalen Fräse.

Dazu gibt es eine Palette von CNC-Fräsen, aber nicht alle bieten die ganze Palette von Werkzeugen für all die verschiedenen Materialien, denen man im Großformatdruck begegnet. Einer der führenden Anbieter dabei ist AXYZ, die eine Reihe von Hochleistungs-Fräsen herstellen, angefangen bei der 4000er-Serie, die in verschiedenen Längen von 1,20 bis 4,80 Metern erhältlich ist.

Die Bandbreite reicht bis zur 8000-Serie mit 2,60 Meter Breite und einer Länge von bis zu 5,40 Metern. Es gibt eine Einsteiger-Z-Serie, die auf einem geschweißten Stahlrahmen basiert und lineare Profillager nutzt. Die Standardgröße ist 1,30 x 2,60 m. AXYZ hat auch die Pacer-Serie im Angebot. Das sind Hochleistungs-Fräsen, die ein Spiral-Zahnstangensystem für die XY-Bewegungen verwenden und Kugelumlaufspindeln auf der Z-Achse für extrem genaue Resultate.

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Fräsen wie diese AXYZ 4010 können schwere Materialien wie Holzfaserplatten und die meisten Metalle verarbeiten.

Bisher haben wir uns auf automatisierte Schneidesysteme konzentriert, aber es gibt noch ein paar andere Veredelungsschritte für starre Materialien. Zum einen ist es manchmal notwendig, einfach eine Platte auf die richtige Größe zuzuschneiden, was mit einem preiswerten Handschneider möglich ist.

Davon sind einige erhältlich, wie z. B. die Keencut-Steeltrak-Serie von vertikalen Cuttern, die Platten voller Größe schneiden können und nicht viel Platz wegnehmen. Sie verwenden Standard-Mehrzweckklingen, können aber auch mit einem Schneidekopf für Verbundwerkstoffe ausgerüstet werden. Es gibt sogar sogar Optionen zum Schnitt von Aluminium und Glas. Sie sind in verschiedenen Größen erhältlich, und bieten Schnittlänge von 165, 210 und 250 cm.

Manchmal kann es auch notwendig sein, bedruckte Platten zu laminieren, entweder um zusätzlichen Schutz vor Kratzern oder Verwitterung zu gewährleisten, oder auch, um die Oberflächenstruktur zu verändern oder dem Druck einen Hochglanz-Effekt zu verleihen. Das Thema Laminieren wird jedoch detaillierter in einem separaten Artikel über Finishing-Optionen für flexible Materialien behandelt.

Darüber hinaus bedarf jedes automatisierte Schneidesystem irgendeiner Form von Workflow. Viele RIPs können Schneidepfade erzeugen und einige Workflows können automatisierte Schneidetische ansteuern.

Als besonders beliebt bei Großformat-Service-Providern, die mit starren Materialien arbeiten, hat sich der Esko-Workflow erwiesen. Er ermöglicht auch die Gestaltung von 3D-Objekten, also etwa von Warenträgern für den POS.

Schließlich bleibt noch zu erwähnen, dass automatisierte Schneidesysteme über den Grafikmarkt hinaus auch in anderen industriellen Branchen weit verbreitet sind. Konsequenterweise verwenden viele Großformat-Dienstleister diese Werkzeuge auch, um ihr eigenes Geschäftsfeld zu erweitern, indem sie etwa Schalttafeln oder Möbel herstellen.

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