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Print Make Wear präsentiert maßgeschneiderten Workflow und nachhaltige Fertigung

von Debbie McKeegan | 02.07.2019
Print Make Wear präsentiert maßgeschneiderten Workflow und nachhaltige Fertigung

Debbie McKeegan betrachtet den Erfolg der diesjährigen Print Make Wear Microfabrik auf der FESPA Global Print Expo 2019. Der Beitrag stellt aktuelle, wichtige Technologien vor, die in der Textilindustrie benötigt werden.

Während wir in eine neue Ära der Fertigung eintreten, in der Anpassung und Nachhaltigkeit das neue Mantra sind, präsentierte die Print Make Wear Microfabrik auf der diesjährigen FESPA in München eine Reihe von Technologien, die heute für viele Branchen im Textilsektor unverzichtbar sind.

Bildunterschrift: Die Automatisierung des Designprozesses ist für die Hochgeschwindigkeitsfertigung von entscheidender Bedeutung, um Print-on-demand für große oder kleine Aufträge zu erleichtern. Bildnachweis: FESPA.

Skalierbare Fertigung ist die neue Normalität – mit einem gewissen Twist. Fügt man maßgeschneiderte Produktion und Personalisierung für Klein- oder Großaufträge hinzu, benötigt man einen schlanken, effizienten und vor allem automatisierten Fertigungsablauf mit einem genauen Bestand an Grundelementen. Es gibt dort keinen Raum für menschliches Versagen, und bekanntlich fällt der Abfall oft in der Hochgeschwindigkeitsproduktion an.

 Bildunterschrift: Auf der FESPA in München zeigte eine Mikrofabrik den Weg in die Zukunft der Fertigung mit digitalen Technologien. Bildnachweis: FESPA.

Die FESPA Microfabrik zielte darauf ab, ein skalierbares Produktionsmodell mit vielen der weltweit führenden Technologien zu präsentieren. Für Generation Next wird ein nachhaltiger, kreisförmiger Produktionszyklus die erste Wahl für eine transparente und vor allem nachhaltige Lieferkette sein.

Viele große Marken versuchen ihren Einkauf bezüglich ihrer Umweltauswirkungen zu verbessern. Die Einkäufer müssen nun zunehmend die Umweltzertifizierung der Lieferanten berücksichtigen. Denn mit steigendem Bewusstsein der Verbraucher sind kluge Entscheidungen zu treffen, um Marke und Nachhaltigkeitsversprechen nicht zu beeinträchtigen.

Für die Industrie sind die Möglichkeiten reichhaltig und vielfältig. Man kann auch eine Tendenz zum Re-Shoring beobachten, da große Marken zu einer schnelleren, datengesteuerten Lieferkette wechseln. Marken haben nicht mehr den Vorteil der Zeit, vielleicht das wertvollste Gut. Stattdessen muss man auf lokale Ressourcen zurückgreifen, um Produkte zu liefern, die immer kürzeren Zeiträume auf Lager liegen.  

Bildunterschrift: Die Branche verlangt Designvielfalt und der Workflow der Mikrofabrik sorgt für eine skalierbare Produktion. Bildnachweis: FESPA.

Für viele große Marken kann dies bedeuten, dass die Fertigung vor Ort stattfindet oder dass Kooperationen mit anderen Marken oder strategischen Partnern eingegangen werden, um so eine schnelle Produktion zu ermöglichen. Der Micro-Hub ist ein Geschäftsmodell der Zukunft, das der Textilindustrie weltweit neue Beschäftigungsmöglichkeiten eröffnen wird.

Von der Entwurfsphase an lieferte die FESPA Microfabrik die detaillierte Demonstration einer funktionierenden, skalierbaren Fabrikumgebung – vom Entwurf bis hin zum genähten Produkt. Alle verwendeten Muster unter dem Motto „The Elements“ stammen vom talentierten Designer und Illustrator Jasper Goodall.  Die Veranstaltung selbst wurde von Digital Textile Expert, Designer und FESPA Textilbotschafterin Debbie McKeegan gestaltet, kuratiert und präsentiert.

Bildunterschrift: Die Erstellung von Kleidungsstücken in Echtzeit bietet dem Hersteller effiziente, nachhaltige Fertigungsprozesse, die Abfall reduzieren und die Produktivität steigern.

Es besteht kein Zweifel, dass Designer eine neue strategische Rolle im nachhaltigen Herstellungsprozess spielen. Denn in den allerersten Phasen des Prototyping getroffene Entscheidungen, unabhängig vom Produkt, setzen die Parameter für eine nachhaltige Produktion. Modedesigner wählen die Substrate, die letztendlich den ökologischen Fußabdruck des Produkts festlegen. In dieser neuen Welt liefern unabhängige Druckdesigner oft die ersten Designkonzepte und daher ist auch die Wahl der passenden Software wichtig. So wird sichergestellt, dass die für die Produktion benötigten Daten in die Designdateien eingebettet sind. Der Entwurf kann so die gesamte Lieferkette nahtlos durchlaufen.

Adobes neue Software Textile Designer bietet Designern, Herstellern oder Brands die Möglichkeit, den Artwork-Prozess mit einem speziellen Plug-in zu automatisieren. Mit dem Tool lassen sich druckfertige Raporte, Farbvarianten und Separationen innerhalb weniger Minuten erzeugen. Alle Daten sind in das Dateiformat eingebettet und bieten die Möglichkeit, Farbinformationen zu importieren. Mit diesen ist die Zuordnung von Druckprofilen zur Erstellung von Produktionsdruckdateien möglich.

Das Prototyping stellt einen wichtigen Teil jeder Produktentwicklung dar. Aber auch physische Samples erzeugen eine beträchtliche Abfallmenge, insbesondere in der Modebranche. Und im Sinne des Gemeinwohls müssen wir wo immer möglich auf virtuelle Technologien umsteigen.

EFI/Optitex bieten eine Reihe von Tools an, die hochauflösende Grafiken verwenden, um Produktentwürfe zunächst virtuell zu simulieren. Dabei erzeugen sie eine so realistische Darstellung, dass Samples nicht mehr benötigt werden. Das ist von doppeltem Vorteil: Man spart sich das Musterstück und beschleunigt den Designzyklus. Den Herstellern stellt man auf diese Weise eine Lösung zur Verfügung, die ein virtuelles Produkt liefert, das in Echtzeit angepasst und hergestellt werden kann. Dazu kommt eine Reihe von Werkzeugen für die Mustergradierung und Markierung, bei denen nur die Oberfläche der zu bedruckenden Kleidungsstücke bedruckt wird (der Rest bleibt unbedruckt). So lassen sich auf einen Schlag 15% des Tintenverbrauchs einsparen. Vor allem anfallende Abfälle lassen sich, da weniger belastet, einfacher in den Recycling-Kreislauf einführen.

EFI bietet eine umfassende End-to-End-Suite von Werkzeugen für die individuelle Fertigung, die Daten nahtlos im Produktionszyklus übergibt – vom Design über das Farbmanagement, den Digitaldruck bis hin zum kompletten Fertigungsablauf.

Bildunterschrift: Die Laserschneidtechnologie für Bekleidung ist sowohl präzise als auch effizient. Ein unverzichtbares Werkzeug für den Workflow der Mikrofabrik. Bildnachweis: FESPA.

Mode-Technologie ist ein Muss für eine nachhaltige Produktion. Gemini Cad Systems  stellte seine neue Cloud-basierte PLM-Modetechnologie-Software Apogy vor, die eine Reihe von Cloud-basierten Funktionen zum Zusammenstellen und Organisieren des Fertigungsablaufs bietet. Der Zugriff auf Echtzeitdaten ist für eine kundenspezifische Produktion unerlässlich, und die neue Software bietet neben den Werkzeugen für Design, Vorproduktion, Zuschnitt und ERP-Integration zusätzlich eine leistungsstarke Suite von Werkzeugen. Die Druckplatzierung ist eine wichtige Ergänzung zu ihrer Software zur Mustererstellung und Verschachtelung, die ebenfalls Teil der FESPA Microfabrik war. Die Möglichkeit, kundenspezifische Markierungen mit Hilfe der Druckplatzierung zu erstellen, hat den Roll-to-Roll-Workflow für Mode- und Bekleidungsunternehmen revolutioniert und bietet enorme Kosteneinsparung bei Produktionszeit und -kosten.

Der digitale Textildruck war schon bisher zweifellos ein Faktor, der die Textilindustrie massiv verändert. Da Software, die Produktionsprozesse unterstützt, an Fahrt gewinnt, wird das künftige Wachstum des digitalen Sektors in den nächsten fünf Jahren auf über 17,5% geschätzt. Als Möglichkeit für die Just-in-time-Produktion kommt die Microfabrik nicht ohne Digitaldrucktechnologien aus, sei es für große oder kleine Stückzahlen.

Die Digital Textile Druck Area dient als Zentrum für Innovation, Exzellenz und die FESPA Print Make Wear Veranstaltung. In diesem Jahr hat HP mit dem neuen Stitch Dye-Sublimationsdrucker eine Digitaldruckmaschine für den Einsteigerbereich vorgestellt. Eine neue Generation des Sublimationsdrucks bietet dem Endanwender eine Reihe von Funktionen, die darauf abzielen, so viele Bedienfunktionen wie möglich zu automatisieren. Integriert ist ein Spektralphotometer mit Schmuckfarbensoftware, die auf ein Delta E von 1,0 genau ist. Farbmanagement ist der Schlüssel zu einem erfolgreichen Druck und HP hat eine neue Generation von eingebetteten Tools entwickelt, die auch die nächste Generation von Endverbrauchern berücksichtigen. Diese Software ist im HP Stitch integriert und wird mitgeliefert.

Mimaki präsentierte seine Pigment Digitaldrucktechnologie mit dem Direct-to-textile Textildruckmaschine TX400P-1800, gepaart mit EFI Fiery RIP und Farbkalibrierung mit dem Barbieri LFP GB Spektrophotometer. Vor Ort wurde ein Workflow mit kollaborativer Software, Dateiformaten, RIPs usw. demonstriert, wie er in jeder Fertigungsumgebung errichtet würde. Dank Fixierungsvorrichtung ist die Maschine in der Lage, auch empfindlichste Stoffe zu verarbeiten und bietet eine vielseitige Einsteigermaschine für den Direktdruck kleiner Stückzahlen in der Textilherstellung. Der Druck mit Pigmenttinten während der Präsentation, die einen großen Teil der Textil Ärea einnahm, bietet eine ausgezeichnete Farbpalette bei gleichzeitig guter Lichtechtheit, die für Mode- und Innenanwendungen unerlässlich ist. Die Druckmaschine von Mimaki ist auch in der Lage, andere Farbsätze zu drucken, einschließlich Reaktiv-, Säure- und Farbstoffsublimation. Für alternative Farbsets stand Cibitex mit einer Reihe von Ausrüstungsgeräten für die Nachbearbeitung von Acids and Reactives Farbsets zur Verfügung, wobei die Gewebe nach der Produktion gedämpft, gewaschen und getrocknet werden müssen.

House of U  präsentierte eine vollständige Palette von Geweben. Mit reaktiven Tinten wurde auf eine Auswahl von ökologischen, recycelten und nachhaltig beschichteten Geweben gedruckt. Alle anderen vorgestellten Stoffe wurden von Premier Digital Textiles  geliefert. Diese sind auf vorbeschichtete Gewebe für die digitale Textilindustrie spezialisiert. Die Firma bietet eine breite Palette von Geweben aus Baumwolle, Leinen und Polyester mit einer ständig wachsenden Auswahl an recycelten und nachhaltig beschichteten Substraten an.

Nach dem Druck ist sowohl für die Farbsublimation als auch für die Pigmenttinten eine endgültige Fixierung erforderlich. Dazu stellte Kleiverik  zwei Kalander zur Verfügung, eine für jeden Workflow innerhalb der Mikrofabrik. Baumwolle und Polyester benötigen eine spezielle Thermofixierung und Verweilzeit, um die Farben zu fixieren oder auf das Endprodukt zu übertragen. Kleiverik bietet eine Reihe von Kalandern für die digitale Textilproduktion an, die eine variable Geschwindigkeits- und Wärmeeinstellung bieten und alle in verschiedenen Breiten angeboten werden.

Nachdem der individuell nach Kundenwunsch gestaltete Stoff fertig bedruckt ist, folgt das Zuschneiden und Vernähen der Kanten.

In einer schnelllebigen Welt des Print-on-demand ist das automatische Schneiden ein wesentlicher Bestandteil der Mikrofabrik. Der Laser-Cuttter von Gemini CAD Systems mit Bilderkennungstechnologie lieferte den Schneide-Workflow und den letzten Teil des Prozesses, der zur Näherei führt.

Mit der Präsentation einiger Mitarbeiter von Fashion Capital schließt die letzte Phase Produktionsprozesses ab.  Wenn die Schnittmuster durch den Mikrofabrik-Workflow von der Gemini-Laserschneideanlage zum Näh-Team transportiert werden, sind die Kleidungsstücke bereit für den Catwalk oder en Verkauf. Das Team hochqualifizierter Näherinnen in der einzigartige Mikrofabrik im Herzen Londons nutzt dabei Nähtechnik von Eastman.

In einem Zeitrahmen von ca. 45 Minuten zeigte die Führung durch die FESPA Microfabrik einen automatisierten, echtzeitfähigen Produktionsworkflow und eine skalierbare Vision für die Gegenwart. Aber auch auf ein nachhaltiges künftiges Geschäftsmodell für die Fertigungsbranche wurde hingewiesen.

Für die Errichtung der Mikrofabrik wurden nur zwei Tage benötigt. Zugleich war sie auch eine dankbare Anerkennung der Energie, Innovation und Professionalität jedes einzelnen unserer Mitarbeiter.
 

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