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Nachhaltigkeit und Papier: Welche Möglichkeiten haben wir?

von Rob Fletcher | 17.12.2018
Nachhaltigkeit und Papier: Welche Möglichkeiten haben wir?

Die Nachfrage nach umweltfreundlichen Druckerzeugnissen wächst. Rob Fletcher untersucht, wie sich Umweltverträglichkeit und grünes Image einer Firma durch die Verwendung nachhaltigen Papiers verbessern lassen.

Die Druckindustrie war in den vergangenen Jahren einem tiefgreifenden Wandel unterworfen. Die Unternehmen sehen sich mit einer Reihe neuer Herausforderungen und immer anspruchsvolleren Kunden konfrontiert. Einer der jüngsten Haupttrends ist die Forderung nach mehr Nachhaltigkeit im Druck, denn immer mehr Kunden wollen ihren Teil zum Schutz der Umwelt beitragen.

Für Print Service Provider (PSPs) kann das gewaltige Veränderungen in allen Bereichen ihrer Dienstleistungen bedeuten. Von der Investition in effizientere Maschinen, die weniger Strom verbrauchen, bis hin zum Recycling der Verbrauchsmaterialien gibt es verschiedene Wege, auf denen Unternehmen ihr "Öko"-Image verbessern können.

In diesem Artikel werfen wir einen genaueren Blick auf die Auswahl des Papiers, mit der nicht nur der Kundenwunsch nach Produkten aus nachhaltigem Druck erfüllt wird. Auch das Unternehmen kann in neuem Licht erscheinen und die eigene CO2-Bilanz reduzieren.

Die Botschaft von nachhaltigem Druck und Papier

Antalis ist einer der führenden Namen in der Papierherstellung, die sich der Entwicklung neuer Produkte mit nachhaltigen Eigenschaften verschrieben haben. Matthew Botfield erklärt als Corporate Social Responsibility Manager des Unternehmens, dass es für PSPs heute wichtiger ist als je zuvor, sich um nachhaltiges Papier zu bemühen.

Er zitiert eine Statistik, nach der 33 Prozent der Kunden es vorziehen, von Lieferanten zu kaufen, die sie in sozialen oder Umweltbelangen als verantwortlich handelnd wahrnehmen. Botfield räumt auch erheblichen Druck auf PSPs ein, die heute gezwungen sind, zu zeigen, dass Papier und Druck, einst als Belastung für die Umwelt angesehen, nachhaltiger sind als digitale Medien.

Er gibt zwei Beispiele: zum einen verbraucht das dreiminütige Anzeigen einer Seite auf einem Bildschirm mehr Energie als ein Ausdruck der gleichen Seite, zum anderen emittiert das Versenden von täglich zwanzig E-Mails über den Zeitraum eines Jahres mehr CO2 als eine Autofahrt von 1.000 km.

„Es ist wichtig darauf hinzuweisen, dass Papier ein vollständig nachhaltiges Material ist und die Papierindustrie tatsächlich einer der größten Nutzer erneuerbarer Energie ist“, erläutert er weiter. Botfield beeilt sich auch, auf mögliche Bedenken der Druckereien in Bezug auf die Qualität des Papiers einzugehen:

„Die heutige Auswahl grüner Papierangebote hat sich dramatisch verbessert. Das bedeutet: Kunden müssen keinerlei Kompromisse in Sachen Qualität, Belastbarkeit, Aussehen oder Weißgrad mehr eingehen - es gibt die perfekte Lösung für alle, die bei der Nachhaltigkeit einen Schritt voraus sein wollen.“

In diesem Sinne hat Antalis das Green Star System entwickelt, nach dem die Papiere entsprechend ihrer Umweltverträglichkeit mit Sternen bewertet werden. Weit oben steht dabei die Reihe Cyclus: hundertprozentiges Recyclingpapier, ausschließlich aus wiederverwendeten Fasern gefertigt und dennoch, laut Botfield, von herausragender Qualität und Textur.



Bildunterschrift: Antalis entwickelte das Green Star System um seine Papiere nach Umweltverträglichkeit zu klassifizieren.

„Diese Umweltbilanz lässt sich am besten mit der Überlegung verdeutlichen, dass eine Tonne des Cyclus Offset 100%-Recyclingpapiers gegenüber Frischfaserpapier das Äquivalent von 1.231 kg Deponieabfall, 3.794 Kilowattstunden Strom, 29.800 l Wasser, 2.000 kg Holz sowie 295 kg CO2 und andere Treibhausgase einspart,“ sagt Botfield.

Als großformatiges Substrat bietet Antalis die ultraleichte und nachhaltige Verbundfaser-Pappe Xanita, hergestellt aus recycelten Pappschachteln. Xanita-Pappe ist eine hundertprozentig wiederaufbereitbare, geschlossenzellige Faserpappe mit einem Wellpappenkern. Botfield dazu: „Das fortschrittliche Design hat dieses Produkt leicht und dennoch robust gemacht - und zu einer perfekten Alternative für nur einmal nutzbaren POS-Materialien aus Plastik.“

Botfield unterstreicht zudem das anhaltende Engagement von Antalis für die nachhaltige Papierherstellung: „Ein erheblicher Teil des globalen Umsatzes stammt bei Antalis aus Papierprodukten und deshalb sind wir entscheidend auf natürliche Ressourcen angewiesen.“
„In dem Bewusstsein, dass 80 Prozent der Biodiversität des Planeten in Wäldern vorkommt, ist eine der wichtigsten Prioritäten unserer CSR-Strategie (soziale Verantwortung von Unternehmen) die verantwortungsbewusste Beschaffung für unsere Produkte und damit die Förderung der Kreislaufwirtschaft.“

„Unter dieser Zielsetzung haben wir die Rückverfolgbarkeit unserer Produkte schon seit langem forciert. Die Mehrheit unserer Zulieferungen stammen von FSC- oder PEFC-zertifizierten Faserprodukten beziehungsweise aus wiederaufbereiteten Produkten. Außerdem haben wir uns bis zum Jahr 2020 verpflichtet, 85 Prozent der bei uns angelieferten Materialien einem verantwortungsbewussten Rückverfolgungsprozess zu unterwerfen.“

Druckqualität mit nachhaltigem Papier erhalten

Antalis arbeitet bei der Produktentwicklung mit dem Partner Arjowiggins Graphic zusammen. Eines der von Arjowiggins entwickelten Produkte ist Cocoon, das fünf von fünf Sternen auf der Skala des Green Star Systems erreicht.

Das extra-weiße Papier gibt es mit 60 und 100 Prozent Recyclinganteil und trägt ein Zertifikat des Forest Stewardship Councils (FSC). Es wird aus hochwertigem Büropapier-Abfällen hergestellt, die lokal aus Frankreich oder Großbritannien bezogen werden. Das Sortiment deckt alle Anwendungen und Drucktechniken ab.

Bildunterschrift: Alle Papiermühlen von Arjowiggins erfüllen den Standard ISO 14001 (Umweltmanagement).

Genau wie Antalis fühlt sich Arjowiggins verpflichtet, gemeinsam mit den Kunden das geeignete nachhaltige Papier für die jeweilige Anwendung zu finden. Virginie Gohlinger erläuterte in ihrer Funktion als Operational Marketing Manager bei Arjowiggins, dass sich ihr Unternehmen neue Lösungen als Schwerpunkt gesetzt hat: den Abbau natürlicher Ressourcen einschränken, Material wiederverwenden und gleichzeitig Abfall reduzieren.

Gohlinger weiter: „Wir versuchen kontinuierlich ein Recycling-Papier zu produzieren, das sauberer und weißer ist. Unser Angebot umfasst mehr als einhundert recycelte Varianten, aus 25 bis 100 Prozent Postconsumer-Abfällen. Das reicht von glatten, texturierten oder beschichteten weißen Qualitäten bis hin zu farbigen Pappen. Rücksicht auf die Umwelt ist ein integraler Bestandteil unserer Produktionsprozesse.“

Alle Arjowiggins-Papiere sind sowohl von der FSC als auch vom European Climate Forum zertifiziert. Außerdem entsprechen die Mühlen des Unternehmens dem Standard ISO 14001 für Umweltmanagement. Arjowiggins verwendet alternative Materialien in seinen Papieren, wie schnell wachsende, erneuerbare Bambusfasern und Abfallprodukte aus der Lebensmittelproduktion.

Gohlinger fügt hinzu: "Wir arbeiten eng mit unserer Abteilung für Forschung und Entwicklung an neuen Bio-Produkten, etwa an der Nanofaser-Technologie. Neue Prozesse nutzen Eigenschaften von Zellulose, um neue innovative Materialien zu entwickeln, die leichter und gleichzeitig auch sehr stabil sind.“

Hohe Leistung bei weniger Umweltbelastung

Lässt man den Blick ein wenig weiterschweifen, erblickt man Fedrigoni, ein Spezialist für Feinpapiere. Auch hier richtet sich das Augenmerk auf nachhaltige Produkte. Chiara Medioli, Global Marketing Director, spricht von einer stark gestiegenen Nachfrage bei nachhaltigen Papieren und erwartet weitere Steigerungen, da viele Kunden ihr Umweltimage verbessern wollen.

Bildunterschrift: Fedrigoni verwendet Holz aus nachhaltigen Wäldern, die FSC-Standards für Nachverfolgbarkeit und kontrollierten Holzursprung erfüllen.

Medioli führt aus: „Unsere Verpflichtung besteht in der Herstellung konsistenter, umweltschonender Produkte. Das umfasst verbesserte Produktionsprozesse mit geringerer Umweltbelastung und bedeutet Energieeinsparung, reduzierten Wasserverbrauch, weniger Abfall sowie geringere Emissionen in die Atmosphäre.

Eine enge Zusammenarbeit mit unseren Chemie-Lieferanten erlaubt uns das Ersetzen oder Einführen von Bestandteilen, die bei weniger Umweltbelastung sogar technisch leistungsfähiger sind.“

Fedrigoni verwendet ausschließlich Holz aus nachhaltigen Wäldern, die FSC-Standards für Nachverfolgbarkeit und kontrollierten Holzursprung entsprechen. Das Unternehmen ging noch einen Schritt weiter und erwarb die Zertifizierung nach ISO 14001: 2004 (Umwelt Management System) um seine Bemühungen nach mehr Nachhaltigkeit zu unterstreichen.
Darüber hinaus ist es Fedrigoni mit dem Bemühen, alle wiederverwertbaren Produktionsabfälle zu nutzen, die Entwicklung eines neuen, nachhaltigen Papiers mit dem Namen Freelife gelungen.

Dazu Medioli: „Diese Papiere haben einen hohen Anteil an wiederverwerteten Materialien und sind in verschiedenen Veredelungen verfügbar. Einige davon enthalten Rohstoffe aus einjährigen Anbaukulturen wie Baumwolle oder Hanf.“

Eine andere Firma in diesem Bereich ist Innova Art, auch mit einer ganzen Serie hochqualitativer Papiere im Angebot. Ihr Schwerpunkt liegt auf Papier für Künstler und den digitalen Inkjetdruck von Fotografien. David Williams, Global Supply Chain And Quality Manager des Unternehmens, erläutert, dass sich durch Verschärfungen der landesweiten und regionalen Vorschriften für die Verwendung von Papier auch die Nachfrage bei nachhaltigen Produkten steigern wird.

Bildunterschrift: Innova Art versichert, dass alle Schritte in der Papierproduktion auf umweltfreundlichen Verfahren beruhen.

Williams fügt hinzu: „Das fordert von den Herstellern umweltfreundlichere Produkte. Große multinationale Unternehmen werden in ihrer Lieferkette nur solche Produkte zulassen. Die Hauptaktivitäten innerhalb von Innova Art erfüllen die Anforderungen umweltfreundlicher Verfahren. Alle Entwicklungen neuer Papiere beruhen entweder auf nachhaltig bezogener Alpha-Zellulose, Fasern aus 100 Prozent Baumwolle – oder einer Kombination aus beidem.“
In diesem Zusammenhang verweist Williams auf das neueste Papierprodukt aus dem Hause Innova Art. Das Eco Solvent Poster Art Paper 210 g/qm wird ab dem ersten Quartal 2019 lieferbar sein und aus nachhaltig bezogenen Alpha-Zellulosefasern sowie mit einer für wasserbasierte Farben geeigneten Beschichtung hergestellt werden. Es soll sich mit allen modernen Eco Solvent- und Latex-Druckern verwenden lassen.

Williams ergänzt: „Das Eco Solvent Poster Art Paper 210 g/qm bietet hervorragende Bildqualität und einfache Handhabung. Außerdem kann es recycelt werden, wenn eine Anwendung beendet ist.“ Wie immer man es betrachtet, Nachhaltigkeit sollte für alle modernen Druckunternehmen ein entscheidendes Kriterium sein.

Die Anforderungen der Kunden werden sich immer stärker in diese Richtung bewegen und um diese Kunden und das Geschäft zu erhalten, sollten PSPs ihre Ziele anpassen, um das Verlangte liefern zu können.

Der Umstieg auf nachhaltigere Produktionsmethoden hilft dabei nicht nur den Kunden, sondern auch unserem Planeten. Denn Umweltfragen werden seit geraumer Zeit heiß diskutiert. Verschiedene Gruppen, Politiker und Influencer drängen Unternehmen, ihre Arbeitsweisen zu ändern und den Schaden für die Umwelt begrenzen. Die Verwendung nachhaltiger Papierprodukte ist ein großer Schritt zur Rettung der Wälder und des Lebens in ihnen.
 

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