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Messen, aber nachhaltiger: Die Renaissance des Systemstandes

by Sonja Angerer | 21.07.2022
Messen, aber nachhaltiger: Die Renaissance des Systemstandes

Mit dem Bestreben, Veranstaltungen nachhaltiger zu gestalten, wird der Systemstand zwangsläufig wieder ins Rampenlicht rücken. Ganz überraschend ist das nicht.

Für jede Messe oder Open-House-Veranstaltung gibt es eine weitere, die genau dann beginnt, wenn die Hallentore für das Publikum geschlossen werden. Denn dann beginnt der Abbau, alle Stände, Pop-ups und hinterleuchteten Textildisplays werden auseinandergenommen und zumeist auch entsorgt. Angesichts steigender Energiekosten und unterbrochener Lieferketten wird die Suche nach Möglichkeiten, Messen umweltfreundlicher zu gestalten, immer dringlicher.  

Vorgefertigte Module und Systemstände können dazu beitragen, die den ökologischen Fußabdruck eines Messeauftritts zu verringern. Das wird auch Zeit, denn für eine Großveranstaltung mit einer Fläche von 170.000 Quadratmetern wurde für 2019 ein Abfallvolumen von 5.000 Kubikmetern errechnet. Das klingt zunächst gar nicht einmal so schlimm, bis man sich klarmacht, dass dies einem Würfel mit 17 Metern Seitenlänge entspricht, also einem sechsstöckigen Mehrfamilienhaus.   

BILDUNTERSCHRIFT: ESE Platin Sponsor EFKA begann 2009 mit der Produktion von Aluminiumspannrahmen. Heute sind die Standardkomponenten und Systemstände sehr gefragt, weil sie helfen, die Umweltbelastung durch den Messebetrieb zu senken. Bild: EFKA    

Recycling ist der Schlüssel  

„Messebauer entscheiden sich immer häufiger für Textilrahmen aus Aluminium statt beispielsweise Holz. Holz kann oft nur einmal verwendet werden, während Konstruktionen aus Aluminiumrahmen problemlos öfter einsetzbar sind. Die Nachfrage nach Rahmen, die für verschiedene Ausstellungsorte verwendet werden können, steigt daher“, sagt Derian Reekers, verantwortlich für das Marketing bei EFKA, dem Platin-Sponsor der European Sign Expo 2022 Berlin.   

Sie fügt hinzu: „Als Hersteller von Akustikrahmen legen wir großen Wert auf die Nachhaltigkeit unserer Produkte. Das Aluminium, mit dem wir unsere Produkte herstellen, ist zu 100 Prozent recycelbar. Am Ende ihrer Lebensdauer können unsere Produkte an unser Unternehmen in Drachten zurückgegeben werden. Hier werden sie wiederverwertet. Zunächst wird geprüft, ob die Rahmen eins zu eins für ein anderes Projekt verwendet werden können. Ist dies beispielsweise aufgrund von Größe, Farbe oder Beschädigung nicht möglich, werden die Rahmen recycelt und zu wiederverwertbarem Aluminium verarbeitet. So bleibt der Rohstoff erhalten und Abfall wird vermieden. "  

BILDUNTERSCHRIFT: Systemstandauswahl auf der Frankfurter Buchmesse.   

Systemstände verringern den CO2-Fußabdruck  

Alexa Heidenreich, Geschäftsführerin von Nomadic Systems aus Maintal, fügt einen weiteren guten Punkt hinzu: „Viele unserer Kunden nutzen ihren modularen Messestand auch für Leitmessen. Die grundlegenden Rahmen lassen sich über einen langen Zeitraum verwenden, Drucke und Design kann man leicht an aktuelle Kommunikationsbedürfnisse oder laufenden Marketingaktivitäten anpassen. Wir sehen darüber hinaus aber auch eine steigende Nachfrage nach gemieteten Systemständen. Die meisten Unternehmen stellen nur einmal im Jahr aus, viele sogar noch seltener. Es macht keinen Sinn, ständig alle Rahmen und Zubehörteile zu lagern, nur um sie hin und wieder für ein paar Tage zu benutzen. Miet-Equipment wird dagegen fast permanent für verschiedene Veranstaltungen und Kunden genutzt, was den CO2-Fußabdruck des einzelnen Standes erheblich verringert und zudem auch Abfall vermeidet.“ 

Für viele Messegesellschaften in Deutschland ist das Anbieten von Messedienstleistungen über Partner oder direkt ein wichtiger Bestandteil ihres Geschäfts. So beschreibt Ralf Schirrmann, Sprecher der Messe Frankfurt GmbH die Sichtweise des Unternehmens wie folgt: „Die Messe Frankfurt verfolgt einen ganzheitlichen Nachhaltigkeitsansatz, in unserer Verantwortung gegenüber der Umwelt sowie als wirtschaftlich nachhaltig agierendes Unternehmen mit sozialer und gesellschaftlicher Verantwortung. Als Messeplatzbetreiber und Serviceprovider arbeiten wir kontinuierlich daran, unser Veranstaltungen ressourcenschonend zu gestalten, z.B. den Verbrauch von Strom, Wasser und Energie zu reduzieren.“   

Der Messeplatz Frankfurt arbeite, so Schirrmann mit 100 % Ökostrom, 90 % der nicht vermeidbaren Abfälle werden recycelt. Fairconstruction, die Messebauplanungstochter der Messe Frankfurt GmbH, bietet 42.500 laufende Meter Systemwände zur Miete an, die bequem am und in der Nähe des Messegeländes gelagert werden. Denn das minimiert den ökologischen Fußabdruck. „Aktuell zeigt sich jedoch ein Trend zum Systemstandbau, der individuell ergänzt wird“, erklärt er.   

„Auch im Bereich der Logistik übernehmen wir Verantwortung“, sagt Reekers, und erklärt: „Die Verwendung von Verpackungs- und Füllmaterialien wird weitestgehend eingeschränkt. Dies erreichen wir durch maßgefertigte Verpackungen unserer Produkte. Darüber hinaus produzieren wir von einem einzigen Standort aus, sodass eine Bestellung den Kunden unter minimalen Transportaufwand erreicht. Des Weiteren sind wir bestrebt so viele Pakete wie möglich auf einmal an dieselbe Adresse auszuliefern. Dadurch muss unser Spediteur weniger Fahrten durchführen. Dies sind nur einige Beispiele für unsere täglichen Bemühungen, unsere Auswirkungen auf die Umwelt zu verringern.“ 

Wiederverwendung durch Standardisierung erleichtert  

Standardisierte Elemente sind ein Schlüsselelement für jeden Systemstand, da ihre Vielseitigkeit die Wiederverwendung und deren Kombination zu neuen Designs wesentlich erleichtert. „Da sich die Textildrucke in Spannrahmen leicht auswechseln lassen, kann der Kunde das Modul beispielsweise für eine neue Kampagne oder ein neues Bild wiederverwenden", betont Reekers. „Heutzutage lassen sich viele Drucke auch recyceln, was in Kombination mit den Aluminiumrahmen zu einem vollständig nachhaltigen Produkt beiträgt.“ 

Wenn sie mit energieeffizienten Leuchten ausgestattet sind, können Standardsysteme sogar noch mehr dazu beitragen, den CO2-Fußabdruck zu verringern. Reekers erinnert sich: „Unser Unternehmen wurde 1888 als Großhändler für Holzrahmen gegründet. Im Jahr 2009 haben wir mit der Produktion von Aluminium-Spannrahmen angefangen. Kurz darauf begannen wir auch LED in unsere Textilrahmen einzusetzen, um unseren Kunden beleuchtete Rahmen anbieten zu können.“ 

Messeveranstaltungen umweltfreundlicher machen 

Da Verbraucher und Unternehmen angesichts der Klimakrise ernsthafte Anstrengungen unternehmen, um ihren CO2-Fußabdruck zu verringern, wird sich das Messedesign in den nächsten Jahren wahrscheinlich erheblich verändern müssen.  

Die Pandemie hat zwar bewiesen, dass persönliche Treffen in der Tat ein wichtiger Bestandteil des Wachstumsprozesses einer jeden Branche sind, weil sie Kooperation befördern. Trotzdem müssen die Auswirkungen, die Veranstaltungen auf die Umwelt haben, noch erheblich verringert werden.  

Systemstände und standardisierte Komponenten sind ein wichtiger Teil der Bemühungen, die Kreislaufwirtschaft auch in der Messewelt zu verwirklichen. Die Gestaltung kreativer Flächen unter Beibehaltung des Nachhaltigkeitsmantras „Reduzieren, wiederverwenden, recyceln“ wird in den kommenden Jahren eine der größten Herausforderungen für die Werbetechnik und den Großformatdruck sein.   

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