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Masken helfen Leben retten

von Sonja Angerer | 16.09.2020
Masken helfen Leben retten

Normalerweise ist die Multi-Plot Europe auf den Verkauf von Digitaldruckern für spezielle Textildruck-Applikationen spezialisiert. Während der COVID-19-Pandemie setzt das Unternehmen aus Bad Emstal seine Expertise ein, um Masken herzustellen, die den Virus bremsen können.


Bildunterschrift: Joachim Rees von der Multi-Plot Europe GmbH stellt Texshield-Material her. Die Masken-Beschichtung hilft die Ausbreitung des SARS-CooV2-Virus einzudämmen. Foto: Multiplot.

„Ein bisschen geht es schon darum, die Welt zu retten“, sagt Joachim Rees von der Multi-Plot Europe GmbH. Und Arbeitsplätze: Bei dem hochspezialisierten Systemhaus für textilen Digitaldruck. Aber auch bei Kirchberger Maschinenbau. Denn der dortige Geschäftsführer Alexander Liese ist „Partner in Crime“ bei dem Projekt „Masken mit virustötender Beschichtung“. Aber der Reihe nach.

Denn die Multi-Plot Europe ist nicht nur auf den Verkauf von Textildruckern der Firmen Aleph, Dgen, Epson von Mimaki sowie von Maschinen zur textilen Weiterverarbeitung u.a. von Biedermann Heatjet, Klieverik und Matic bekannt. Rees gilt als Tüftler und Visionär, und realisiert für unzählige Industrie-Unternehmen Komplettlösungen für spezielle Textil-Applikationen.

Eines dieser Projekte wurde jetzt zum Startpunkt des Masken-Projekts. Denn von mehreren Jahren hatte Multi-Plot Europe für einen Schweizer Hersteller von Outdoor-Bekleidung eine Möglichkeit gesucht (und gefunden), Textilien mit einer anti-bakteriellen Beschichtung auszurüsten.

Warum also sollte dann nicht klappen, Masken-Material mit einer Beschichtung auszustatten, die SARS-CoV-2-Viren killt? Tatsächlich nämlich ist die Gefahr einer Schmierinfektion durch Keime, die sich während des Tragens auf der Außenseite einer Einweg-Maske abgelagert haben, bei Laien nicht zu unterschätzen.

Medizinisches Personal wird darin trainiert, eine OP-Maske so an- und abzulegen, dass dabei die Oberfläche des Maskenmaterials nicht berührt wird. Doch der Passant, der in der Hektik des Alltags die Einweg-Maske etwa zum Shoppen oder in der U-Bahn aufsetzt, geht oft nicht mit der gleichen Sorgfalt vor. Dadurch aber gefährdet er unter Umständen sich und andere.


Bildunterschrift: Für das Auftragen der Texshield-Beschichtung wurde eine alte Rimslow-Mimaki-Streichmaschine ausgemottet. Foto: Multiplot.

Silber-Ionen gegen COVID-19

Das Prinzip ist hinter der virenkillenden Maske aus Nordhessen ist im Grunde relativ simpel. Denn die keimtötende Wirkung der Ionen aus Silbersalzen ist seit langem bekannt. Er wird beispielsweise auf manchen Türklinken angewandt, damit diese nicht zum Übertragungsherd für Bakterien, Viren und Pilze werden. Bei behüllten Viren wie dem SARS-CoV-2 können die Silber-Ionen aktiv die Lipidhülle zerstören. Das „tötet“ Viren, so dass diese niemanden mehr anstecken können.

Die Herausforderung liegt also darin, eine entsprechend effektive Silberionen-Schicht auf der textilen Oberfläche aufzubringen. Glücklicherweise konnte Rees die „Viroblock“-Beschichtung aus der Schweiz schnell beziehen.

Sogar eine entsprechende Maschinerie war noch im Multi-Plot-Lager zu finden: Ein alte Rimslow-Mimaki-Streichmaschine sowie ein Imprägnier-Anlage. Die mussten „nur“ ausgemottet und in Gang gesetzt werden. Das erwies sich zwar als schwieriger als gedacht, weil für die veraltete Steuer-Software ein ebenso antiker Computer aufgetrieben und in Betrieb genommen werden musste. Und das mitten im Lock-down. Doch Rees schaffte sogar das. Damit war Multi-Plot Europe in der Lage, das Masken-Material antiviral auszurüsten. Die Technologie erhielt den Namen „Texhield“.  (Hier findet man ein Video der Hessenschau, ab Minute 14:30)

Arbeitsplätze für Fachkräfte erhalten


Bildunterschrift: Demnächst sollen die Texshield-Masken auch digital bedruckt verfügbar sein. Foto: Multiplot.

Doch das Material allein nutzt natürlich noch nicht viel, schließlich werden ja fertige Masken gebraucht. Da aber kommt Kirchberger Maschinenbau im nahen Niedenstein ins Spiel. Normalerweise werden dort Speichertische und Bauteilzuführungen hergestellt. Doch dem hochspezialisierten Unternehmen brachen während der COVID-19-Krise wie so vielen anderen massiv die Aufträge weg. Geschäftsführer Alexander Liese hatte deshalb bereits im April 2020 eine Produktionsstraße für OP-Masken aufgebaut. Mit seinem neuen Unternehmen Pro-Tection produziert er nun dreilagige Alltags- sowie OP-Masken mit medizinischer Zertifizierung. Nachdem viele Lieferketten inzwischen wieder funktionieren, wird es allerdings zunehmend schwieriger, beim Stückpreis mit dem asiatischen Angebot mitzuhalten.

Denn Pro-Tection benutzt sehr hochwertiges, in Deutschland zertifiziertes Filtermaterial und produziert unter fairen Bedingungen im Inland. Da kommt ein wichtiger Zusatznutzen wie die Silbersalz-beschichtete Außenschicht gerade recht. So nämlich bieten die Pro-Tection Masken nicht nur „Qualität made in Germany“, sondern auch einen Zusatznutzen, den die Mitbewerber nicht bieten können. Die Masken mit der „Virenkiller“-Hülle durchlaufen gerade noch den Zulassungsprozess. Sie sollen aber noch im September zum Preis von gut einem Euro auf den Markt kommen.

Wenn das geschafft ist, kommt übrigens auch die Textildruck-Kompetenz von Multi-Plot wieder zum Tragen. Denn im nächsten Schritt will Rees Einweg-Masken mit seinen Maschinen bedrucken. So könnten sie etwa als Werbeartikel Verwendung finden. Oder auch die Träger im tristen Corona-Alltag ein bisschen aufheitern. Dank Digitaldruck können die Masken ja nach Belieben personalisiert werden. Die Prototypen der bedruckten OP-Maske mit Silbersalz-Virenschutz gibt es bereits.

„Mit der Kooperation hoffen wir, dass unsere beiden Firmen gut durch die Corona-Krise kommen, und wir unsere wertvollen Fachkräfte behalten können“, sagt Rees. „Natürlich zeigt unser Beispiel auch, wie moderne Technologien wie der Digitaldruck dabei helfen können, kurze, lokale Lieferketten aufzubauen – nicht nur im Notfall. Ich gehe davon aus, dass dies in den kommenden Jahren wichtiger werden wird. Dadurch könnten sich für den digitalen Textildruck auch weitere unerwartete Nischen ergeben.“
 

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