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Im Gespräch mit Adobe

von Debbie McKeegan | 11.11.2019
Im Gespräch mit Adobe

FESPA Textilbotschafterin Debbie McKeegan spricht mit Adobes Director of Print Technology and Strategy, Mike Scrutton.

Mike Scrutton begann seine Karriere in der digitalen Welt bereits vor drei Jahrzehnten und konnte sich zunächst nicht vorstellen, bei Adobe zu arbeiten. Doch das Schicksal führte ihn im Zuge einer Firmenübernahme zu dem Softwareanbieter Adobe. Und dort blieb er bis heute.


Bildunterschrift: Als Visionär und Ingenieur mit Passion lebt Mike Scrutton heute im kalifornischen Silicon Valley und leitet das Entwicklerteam des Software Adobe Textile Designer. Die Software steht derzeit als öffentliche Beta zum kostenlosen Download zur Verfügung. Foto: Adobe

Adobe hat über die Jahre viele bahnbrechende Softwarelösungen entwickelt. Die jüngste Erweiterung der Creative Suite ist das Programm Textile Designer, das Arbeitsverfahren im kreativen Bereich verändern wird. Um zu verstehen warum dieses neue Tool gebraucht wird, sprachen wir über die Branche und deren Hunger nach Konnektivität, Designvielfalt, Digitalisierung sowie die Kontrolle der Farben. Die Fähigkeit, sich mit verschiedenen Dateiformaten über mehrere Plattformen zu bewegen, ist dabei unerlässlich. Jede Datei muss heute nahtlos und ohne menschlichen Eingriff durch einen professionellen Workflow laufen. Um das zu erreichen, sieht sich die Industrie vor die Herausforderung gestellt, die Vorstellungen der Designer zu erfassen und in die Herstellungstechnik und den digitalen Workflow zu integrieren.

Die Herausforderungen wurden im professionellen Druck auf Papier bereits gemeistert. Aus der Digitalisierung der Papierdruckindustrie kann der Textildruck nun einiges lernen, und durch die Anwendung dieses Wissens die Automatisierung des Textil-Workflows beschleunigen. Derzeit ist die Digitalisierung der Versorgungskette für den Textildruck noch nicht ganz erreicht, denn diese besitzt in der großen Vielfalt des Bereichs ihre ganz eigenen Herausforderungen.


Das Produktionstempo ist der Faktor, der die technische Entwicklung antreibt. Durch die Zusammenarbeit mit allen Teilen der Herstellung und deren Technikern überbrückt das Entwicklerteam bei Adobe die Grenzen innerhalb der Herstellungsketten, um so größere Effizienz zu erreichen.


Bildunterschrift: Mit jedem weiteren Schritt hin zu einem neuen Workflow in der Herstellung werden die erforderlichen Daten komplexer. Siemüssen portabel und mehrsprachig sein. Wenn wir in einer digitalen Welt arbeiten wollen, müssen wir dieselbe Sprache sprechen. Foto: Adobe.


BU: Der Aufbau des Adobe Textile Designer rationalisiert den Workflow des Designers durch standardisierte Dateien: Daten, Farbe, Maße, Profile und mehr werden in einer digitalen Datei transportiert. Foto: Adobe.

Das Programm erhöht kreative Effizienz durch die Automatisierung vieler manueller Tätigkeiten, die einen Großteil des Textildesigns ausmachen: Musterrapporte, Farbseparationen und die Erstellung von Farbvarianten etwa können jetzt digital erstellt werden, und - noch wichtiger - alles in einer einzigen Software-Suite.

Da kreative Arbeit zunehmend freiberuflich geschieht, ist es unabdingbar, die Kommunikation zwischen Kreativen und den Herstellern zu standardisieren. Wenn wir nachhaltig produzieren wollen, müssen wir den Überschuss aus der Lieferkette entfernen. Auch dies ist nur mit standardisierten Prozessen möglich.

Die Farbkontrolle ist der am wenigsten effiziente Bereich der Textilherstellung, und auch hier kann von der Druckindustrie viel für eine End-to-End-Lösung gelernt werden. Es gibt viele Verfahren zur Farbkalibrierung, doch der Prozess bedarf weiterer Automation. Mit Adobe und dem Textile Designer, das wird sich in den kommenden Jahren zeigen, werden Spektraldaten eine neue Sprache definieren, in der man über die DNA einer Farbe sprechen kann. So lassen sich Farben im digitalen Raum definieren. Bei Adobe ist dies gerade in der Entwicklung und man sollte diese im Auge behalten.

Die Textilsparte ist ein dynamischer Bereich, der gerade einen grundlegenden Wandel bei den Herstellungsprozessen durchläuft. Die disruptive Digitalisierung hat viele neue Verfahren hervorgebracht und den Druck demokratisiert. Dies hat eine riesige Zahl an unternehmerischen Neugründungen hervorgebracht, und mit diesen die Anforderung, Designdaten durch die ganze Welt senden zu können. Dabei soll letzten Schritt zur Zieldruckmaschine das Design nicht verfälscht werden. Auch VR- bzw. AR-Software spielen auf dieser visuell-digitalen Reise eine Rolle. Und wenn wir Produkte online zeigen, dann sollte das schließlich hergestellte Stück eine getreue Abbildung seines digitalen Zwillings sein. Nur durch die Standardisierung von Farbe kann dies auch ohne manuelle Eingriffe gelingen.

Die Demokratisierung der Herstellungskette hat die Zahl der Designer, die selbst produzieren und der Boutique-Besitzer, die eigenes Design entwerfen, stark anwachsen lassen. Dies geschieht oft über Grenzen verschiedener Märkte hinweg, und oft durch Kreative ohne Textildruckerfahrung. Durch Standardisierung der Kanäle und die Vereinfachung der Design-Tools ergeben sich im kreativen Bereich fortgesetztes Wachstum und unbegrenzte Möglichkeiten.

Mit der Öffnung des Textilbereichs verschwimmen auch die Grenzen zwischen den einzelnen Designdisziplinen und wir erleben bei vielen Produktkategorien die Anwendung von Grafikdesign für Papierdruck auf Textilien. Und nicht nur Textilien, sondern auch Keramik, Mode und Innenausstattung sind heute oft Teil des gleichen E-Commerce-Shops. Es ist die Herausforderung der Industrie, eine neue Sprache zu definieren, die Farbe über verschiedene Produktgruppen hinweg kontrolliert und die Erwartungen der Online-Käufer erfüllt, wo immer dies möglich ist.

Die Druckindustrie muss weiterhin an guten Lösungen für E-Commerce und Druckkompatibilität über alle Substrate und Anwendungen hinweg arbeiten.

Die Automatisierung wird den Herstellungsprozess verändern und für größere Designvielfalt in allen Bereichen der Branche sorgen. Maßgeschneiderte Anpassungen sind für die kommenden Generationen ein Muss und die Computer-Automation der Herstellung wird sich auch in die Lieferketten fortsetzen. Daten und Produktionsdaten müssen in der Druckdatei enthalten sein, um die Automatisierung über den gesamten Lebenszyklus des Produkts zu gewährleisten.

Nachhaltige Herstellung ist für Adobe äußerst wichtig, und die Software des Unternehmens wird bezahlbare Lösungen für eine nachhaltige Herstellungspraxis über die gesamte Lieferkette hinweg   bieten. Die Verknüpfung der Infrastrukturen wird ohne Zweifel nachhaltige Verfahren möglich machen und die Begrenzung der Umweltschäden ermöglichen, die dem Planten durch die Textilindustrie derzeit zugefügt werden.

Als digitale Nomaden entwickeln wir uns mit unfassbarer Geschwindigkeit und befinden uns am Anfang eines digitalen Umbruchs und einer neuen Generation von Softwarelösungen und digitalen Herstellungsprozessen.

Die disruptive Digitalisierung hat einer neuen Generation den Zutritt in den Textilsektor erlaubt. Als Branche freuen wir uns über das exponentielle Wachstum und die kreative Demokratisierung, die von Programmen wie Adobe Textile Designer ausgehen.

Den zugehörigen Podcast finden Sie hier.
 

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