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Alles zur Workflow-Automatisierung von Druckproduktion und Geschäftsabläufen

von Ton Rombout | 10.06.2020
Alles zur Workflow-Automatisierung von Druckproduktion und Geschäftsabläufen

Tom Rombout untersucht den Einfluss der Industrie 4.0 auf den Großformatdruck und Werbetechnik in Pre-Press, Druckproduktion, Finishing und Auslieferung sowie die Auswirkungen, die sich für die beteiligten Unternehmen ergeben.

Laut Definition ist Industrie 4.0 ein Teil der vierten industriellen Revolution. Die Fabriken der Industrie 4.0 arbeiten mit Maschinen, die über drahtlose Kommunikation und Sensoren in ein System eingebunden sind, das die gesamte Produktion visualisieren kann und eigenständig Entscheidungen trifft. Sind solche Systeme bereits verfügbar, können wir sie kaufen oder müssen wir auf unsere eigenen Systeme aufbauen?

Woher wir kommen

Als wir im vergangenen Jahr über die Situation im Werbemittel- und Großformatdruck sprachen, beschrieben wir das Ringen der Branche um ganzheitliche Automation. Es begann im Prepress-Bereich mit der Vorbereitung von Dateien zum Druck und Finishing. Man lernte viel dabei, doch viele Wünsche im Hinblick auf strukturelle Automation blieben auch offen.
 
Automation ist ein "schlanker und intelligenter" Prozess, der die verschiedenen aufeinander folgenden Schritte des Workflows analysiert und es so ermöglicht, von einer Stufe zur nächsten zu gelangen ohne aufgrund von auftretenden Fehlern gezwungen zu sein, den Prozess zurückverfolgen zu müssen.


Bildunterschrift: Reparatur der Kundendateien.

Im Großformatbereich ist die Handhabung des gesamten Druckprozesses wegen seiner Komplexität immer noch ein Problem. Es gibt zum Beispiel nicht nur ein zu bedruckendes Medium, wie etwa im Offsetbereich, sondern neben dem Papier viele andere Substrate und deswegen viele verschiedene Farbtypen. Diese Elemente machen den Gesamtworkflow noch komplizierter. Die Handhabung all dieser verschiedenen Dateien ist für große wie kleine Unternehmen extrem schwierig. Bei der Entscheidung für eine Druckmaschine im Großformat berücksichtigen die meisten Käufer nur die Druckmaschine und nicht, wie das Prepress-Interface die Dateien für den Druck weiterreicht.

Der Status Quo

Selbst im Jahr 2020 kämpfen viele Druckereien immer noch mit den Dateien, die sie von ihren Kunden erhalten. Der Grund liegt darin, dass man die Abläufe beim Kunden natürlich nicht beeinflussen kann. Man kann lediglich versuchen, ihm Wege aufzuzeigen, wie er Dateien liefern kann, die zum eigenen System passen.

Im vergangenen Jahr nahm ich an einem Kundengespräch einer Firma teil, die Finishing-Software und Ausstattung anbietet. Für die Vertreter der Druckereien war das Handling der von Kunden gelieferten Dateien immer noch ein großes Thema. Tatsächlich ist im Prepress-Bereich noch mehr Automation erforderlich. Das gilt also beispielsweise für das Entgegennehmen und Prüfen der Dateien sowie ihre Korrektur, damit sie überhaupt mit dem folgenden Druckprozess kompatibel sind.

Der logische nächste Schritt wäre, dass Druckunternehmen bei der Anschaffung eines Großformatsystems auch die Schnitt- und Finishing-Lösungen, die nach dem Druck arbeiten, im Auge behalten. Im vergangenen Jahr begegnete ich dieser Frage bei vielen Firmen, die ich in Europa besuchte. Sie waren sich sehr wohl der Tatsache bewusst, dass Schnitt und Finishing in enger Verbindung mit dem Druck stehen und das Interface zwischen beiden für Käufer ein wichtiges Argument ist. Genaugenommen brauchen sie einen Überblick über das gesamte System. Doch ein Gesamtsystem verbindet die Druckumgebung auch mit dem Geschäfts- und Verwaltungsbereich.

Wie gehen die Anbieter die Sache an?

Das Ausarbeiten einer Schnittstelle zwischen dem Produktionsmanagement und der Verwaltung eines Unternehmens ist eine strapaziöse, aber sehr nützliche Aufgabe. Das Management von Verwaltungsarbeiten und Produktion ist zeitaufwändig, aber auf lange Sicht sehr profitabel. Denn so kann man die Firma in den Griff kriegen und mögliche Fehlerquellen minimieren.


Bildunterschrift: Wenn etwas schief geht, muss man die Scherben einsammeln.

Den Anbietern großformatiger Drucksysteme wird immer klarer, dass sie nicht nur eine Maschine verkaufen können, sondern diese in ein Gesamtsystem einbetten müssen, das die Dateien verwaltet. Nur ein solches System kann eine große Zahl an Druckaufträgen bewältigen, die sonst alle einzeln gemanagt werden müssen. Und das nicht nur für einen Kunden. Die Aufträge verschiedener Kunden können zusammengefasst und im nächsten Schritt der Produktion wieder getrennt werden.

Bei Anwendung eines solchen Systems weiß man genau, wieviel die Herstellung des bestimmten Produkts kostet. Das ist viel besser, als lediglich auf die Wettbewerber zu schauen. Zudem kann man sich dann auch mit Anbietern von betriebswirtschaftlichen Systemen beschäftigen. Denn diese sind in der Lage, eine dauerhafte Verbindung zwischen den Workflows in der Produktion und der Verwaltung herzustellen.
 
Solche Systeme verbinden dann Produktion und Verwaltung und erstellen einen optimalen Preis für jeden einzelnen Kunden.

Industrie 4.0

Aber kann man diese vorläufige Automatisierung bereits Industrie 4.0 nennen? Vor allem gilt es, den Begriff "industriell" zu klären. Der Ausdruck "industrieller Druck" oder „Industrial Inkjet“ kam vor etwa sieben Jahren auf und verwies darauf, dass sowohl die Druckmaschine als auch der Druckprozess in einer Fabrik - einer Industrieumgebung - stattfinden und Teil eines vollständigen Produktherstellungs-Prozesses sind. Das heißt, es geht nicht mehr um den Druck auf einem bestehenden Produkt, sondern der Druck wird Teil des Herstellungsprozesses für eine Ware. In solchen Fällen ist der Drucker ein integraler Bestandteil des Produktionssystems der Fabrik.


Bildunterschrift: Mit Industrie 4.0 bekommt man einen Überblick über der Prozess von Anfang bis zum Ende.

Der Trend geht zur vollen Automation

Im Wesentlichen ist Industrie 4.0 der Trend zur vollen Automation und zum Datenaustausch bei den Herstellungstechnologien und -prozessen. Dazu gehören das Internet der Dinge, Cloud ComputingCognitive Computing und Künstliche Intelligenz.
 
Bei Begriffen wie Smart Manufacturing, Smart Factory,  (manchmal Dark Factories genannt) und dem Industrial Internet of Things, kann man sich vorstellen, dass einige Anbieter alles daran setzen, auch uns in der Druckindustrie davon zu überzeugen, dass sie uns helfen können,  unsere Arbeit besser als zuvor zu erledigen.
 

Bildunterschrift: Und wenn das System ausfällt, dann hat man besser gut ausgebildete Mitarbeiter…

Die Industrie 4.0 fördert die sogenannten ‘Smart Factories’. In modular strukturierten Smart Factories überwachen ‘cyber-physische’ Systeme die realen Prozesse, generieren eine virtuelle Kopie der physischen Welt und treffen dezentralisierte Entscheidungen. Cyber-physische Systeme kommunizieren und kooperieren in Echtzeit, sowohl miteinander wie auch mit Menschen, über das Internet der Dinge. Und das sowohl intern als auch über Organisationsstränge entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Oder einfacher ausgedrückt: wir werden die digitale Welt nutzen, um mit allen Komponenten unserer Produktions- und Verwaltungssysteme zu kommunizieren. Das schließt auch Lieferanten von Basiskomponenten sowie Kunden, die unsere Produkte kaufen, mit ein.

Die Zukunft ist maßgeschneidert

Der Zusammenhang zwischen der technischen Entwicklung und den resultierenden sozio-ökonomischen und infrastrukturellen Veränderungen unseres Lebens kann als qualitativer Geschwindigkeitsprung in unserer Entwicklung begriffen werden. Er markiert den Übergang in eine neue Zeit.

Die Diskussion darüber, wie die Industrie 4.0, und ganz besonders die Digitalisierung, den Arbeitsmarkt verändern wird, begann erst vor ein paar Jahren und ist noch längst nicht beendet.
 
Die Industrie 4.0 beruht auf vier Prinzipien, die Unternehmen dabei helfen Industrie 4.0-Szenarien zu definieren und zu implementieren:

  • Vernetzung: Die Fähigkeit von Maschinen, Geräten, Sensoren und Mitarbeitern miteinander über das Internet of Things (IoT) oder das Internet of People (IoP) zu kommunizieren.
  • Informationstransparenz: Die durch Industrie 4.0 ermöglichte Transparenz liefert den Anwendern große Mengen nützlicher Information, die zum Treffen richtiger Entscheidungen nötig sind. Durch die Interkonnektivität können immense Mengen an Daten und Information aus allen Stufen des Herstellungsprozesses gesammelt werden. So kann die Funktionalität verbessert und die Schlüsselbereiche erkannt werden, die besonders von Innovationen und Verbesserungen profitieren. An dieser Stelle können auch die Produktionsumgebungs-Systeme einiger größerer Druckerhersteller erwähnt werden, etwa Agfa (Asanti), EFI (Fiery FX) oder auch Durst (Durst Workflow).
  • Technische Assistenz: Vor allem Support Systeme, die durch verständlich zusammengefasste und visualisierte Daten Mitarbeitern helfen fundierte Entscheidungen zu treffen und dringende Probleme kurzfristig zu lösen.
  • Dezentrale Entscheidungen: Die Fähigkeit cyber-physischer Systeme, Entscheidungen unabhängig zu treffen und ihre Aufgaben mit maximaler Autonomie auszuführen. Nur Ausnahmen, Störungen oder Zielkonflikte werden an eine höhere, menschliche Ebene delegiert.


Bildunterschrift:  Der Autor hinter dem Fenster versucht die wirklich wichtigen Dinge zun erkennen….

Die Industrie 4.0 dient auch noch einem höheren Zweck, der den Systemen zwar nicht direkt eigen ist, aber dennoch großen Wert hat. Sie ermöglicht die Vision eines nachhaltigen Produzierens auf der Grundlage von grünen Herstellungsprozessen, Lieferketten und Produkten. Wir alle - Anbieter, Druckereien, Kunden und (beinahe) alle Menschen der Welt - sind dafür bereit.

 

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