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Wie schreibe ich einen Businessplan für eine Druckerei?

von Sonja Angerer | 27.10.2017
Wie schreibe ich einen Businessplan für eine Druckerei?

Die Geschäftsidee ist da, für das neuartige Display-Produkt oder die perfekte individualisierte Deko-Idee.

Damit aus dem Traum von der eigenen Druckerei Realität wird, sollte man die Idee mit einem Geschäftsplan konkretisieren. Aber wie schreibt man den eigentlich?

In US-Serien sieht das immer so einfach aus: Ein junger Mensch hat eine tolle Idee, macht eine Powerpoint-Präsentation, zeigt die ein paar wichtigen Leuten. Nächster Stopp: Ein Unternehmen, das eine Milliarde US-Dollar wert ist, und für den mutigen Gründer die Villa am Strand. In der Realität läuft das natürlich nicht ganz so problemlos, nicht in den USA, aber erst recht nicht in Europa.

Zwar konnte der Bundesverband Druck und Medien bvdm bei seiner jährlichen Befragung für 2017 einen deutlich leichteren Zugang von Unternehmen der Druckindustrie zu Finanzierungsmöglichkeiten feststellen als vor Jahresfrist. Doch ohne Businessplan ist selbst der wohlwollendste Kreditberater nur schwer zu überzeugen.

Was will ich eigentlich?

Der erste Adressat eines Business Plans ist allerdings der wichtigste, und zugleich der schwierigste: jeder Gründer sollte seine Idee zunächst für sich selbst sorgfältig ausarbeiten.

Denn Schwarz auf Weiß in einem Dokument zusammengefasst sieht manche Idee vielleicht schon wesentlich weniger spannend aus, als am Abend zuvor auf dem Bierdeckel gescribbelt. Oder aber: Bei genauerer Betrachtung lassen sich von der Ursprungsidee ausgehend noch viele weitere spannende Nischen erkennen.

Ausgehend von diesem ersten Business-Plan kann man darangehen, Investoren zu suchen. Dabei ist es sinnvoll, sich klarzumachen, welche Art von Investor gesucht wird: Ein (stiller) Teilhaber, die Haus- oder eine Förderbank als Kreditgeber, oder gar eine Schwarmfinanzierung (Crowdfunding)?

Je nach Ansprechpartner muss der Business-Plan unterschiedlich gestaltet werden, es schadet nicht, vorher nachzufragen, worauf der Ansprechpartner besonderen Wert legt: Crowdfunding ohne schickes Unternehmens-Video wird zunehmend schwer.

Ich weiß was ich will. Und jetzt?

Um einen ersten Business-Plan für eine Druckerei zu erstellen, muss man nicht BWL studiert haben. Grundlegende betriebswirtschaftliche und buchhalterische Kenntnisse sind für Neugründer allerdings durchaus zu empfehlen.

Die Handelskammer bietet deshalb Gründerseminare an, in denen in ein paar Stunden die Basics angerissen werden. In solchen Schulungen, die oft auch von Städten und Gemeinden, Wirtschaftsverbänden und manchmal sogar auf der VHS angeboten werden, kann man oft auch Vorlagen für einfache Business-Pläne erhalten.

Die IHK Oberbayern veranstaltet jährlich mit der IHK Existenz eine ganze Gründermesse, auf der sich Existenzgründer, Finanzindustrie, Behörden und Dienstleister austauschen können.

Ich will einen Business-Plan schreiben

Ein Business-Plan sollte generell eher knapp gehalten sein – die wenigsten Investoren haben Zeit oder Lust, sich durch den Umfang einer Masterarbeit zu kämpfen.         

Deshalb sollte man immer auf den ersten ein, zwei Seiten, eine knackige Zusammenfassung vorsehen, die das Interesse des Lesers weckt und klar die Chancen – und Risiken – des Investments benennt. Weitere wichtige Punkte sind der aktuelle Stand des Projekts, dabei sollte man unbedingt auch das Kern-Team (so es das denn schon gibt) vorstellen. Auch ein Ausblick auf die geplante Entwicklung schadet an dieser Stelle nicht.

Kernpunkt des Business-Plans sind natürlich die Produkte und Leistungen, die man anbieten will, beispielsweise digital bedruckte Sofakissen, Messe-Stellwände, oder auch gedruckte Elektronik. Dabei ist es wichtig, dass deutlich wird, was das Angebot vor dem Mitbewerber auszeichnen soll. „Wir machen alles“ überzeugt die wenigsten Investoren.

Zu bedenken gilt es auch, dass die Geldgeber selbst oft branchenfremd sind, also kaum Kenntnisse über das Marktumfeld mitbringen. Deshalb ist es wichtig, auch die Mitbewerber zu beschreiben: gibt es bereits ähnliche Produkte, wer stellt sie her, was sagen Experten oder Fachpublikationen zu den Wachstumsaussichten des Segments?

Die angepeilten Zielgruppen werden erst danach beschrieben: Will man regional, deutschland- oder gar europaweit anbieten? Hier schadet es nicht, die eigene Planung auch kritisch zu hinterfragen.

So schön es sein mag, wenn sich Kunden aus aller Welt etwa für das digital bedruckte Klingelbrett interessieren – eine Auslieferung von hunderten Päckchen täglich wird mit einer Handvoll Mitarbeiter ohne Logistik-Erfahrung wohl eher unrealistisch sein. Das wissen auch Investoren, deshalb kann es sinnvoll sein, die Marktdurchdringung in kleineren Schritten zu planen.

Der Teil, den potenzielle Investoren wohl an genauesten lesen, ist der Abschnitt zur Finanzierung. In jeden Business-Plan gehört eine Umsatz- und Rentabilitätsvorschau. In ihrer einfachsten Form stellt sie die Investitions-, Produktions-, und Werbekostenden den zu erwartenden Einnahmen gegenüber.

Das Ergebnis sollte natürlich positiv sein – oder zumindest binnen relativ kurzer Zeit werden, wenn das Unternehmen am Markt dauerhaft erfolgreich sein soll.

Für Gründer, die sich mit BWL nicht so gut auskennen, kann es sinnvoll sein, sich für diesen Teil des Business-Plans Hilfe zu holen, etwa durch einen spezialisierten Steuerberater, oder auch in einer Gründerwerkstatt.

Oftmals finden Externe auch Lücken, an die ein euphorischer Gründer noch gar nicht gedacht hat, wie beispielsweise Beiträge zu Berufsgenossenschaften oder für Versicherungen. Bei Detailfragen speziell zur Druckindustrie bietet der bvdm über seine Landesverbände wertvolle Ansprechpartner. 

Schlussendlich sollte ein Business-Plan noch angeben, welche Rechtsform das Unternehmen haben soll: Einzelkaufmann, GbR, GmbH? Hier lohnt es sich, einen auf Wirtschaftsrecht spezialisierten Rechtsanwalt zu Rate zu ziehen. Gerade unerfahrene Gründer sind sich oft nicht über die finanziellen Folgen im Klaren, die ein Fehlschlag nach sich ziehen kann.

Diese lassen sich etwa durch die Gründung einer GmbH eingrenzen. Die Gründung einer GmbH dauert allerdings etwas länger und ist insgesamt kostenintensiver.

Wenn der Investor als Partner einsteigen will, wird es noch komplizierter: Ein professionell aufgesetzter Gesellschaftervertrag legt Rechte, Pflichten und Ausstiegskonditionen fest, und sollte nicht erst aufgesetzt werden, wenn eine Schieflage entstanden ist. Etwaige (geplante) Arrangements sollten im Business-Plan bereits angerissen werden.

Klingt kompliziert. Brauche ich eigentlich einen Business-Plan?

Wer seine Geschäftsidee aus Eigenmitteln finanzieren kann, braucht streng genommen natürlich keinen Business-Plan zu schreiben. Sinnvoll ist es, wie oben bereits erwähnt, trotzdem: wer sich intensiv mit seinem Vorhaben beschäftigt, stellt auch schnell fest, ob er das Zeug zum Gründer hat – oder eben lieber unverbindlich Wunschträumen nachhängt.

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