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Nanopartikel in Tinten

von Laurel Brunner | 18.10.2018
Nanopartikel in Tinten

Laurel Brunner informiert über die Verwendung von Nanopartikeln in Druckfarben. Wie wirken sich diese auf die Umwelt und die menschliche Gesundheit aus?

Derzeit gibt es ganz erstaunliche Innovationen bei den Druckfarben. Denn die grafische Industrie versucht, ihre Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten und ihre Auswirkungen auf die Umwelt zu minimieren. Nanofarben wurden zunächst überwiegend in den Bereichen Sensorik, Keramikdruck und gedruckte Elektronik eingesetzt. In den letzten Jahren kamen sie auch im Akzidenz- und Verpackungsdruck in Gebrauch, da sie einen größeren Farbraum und bessere Druckqualität versprachen. Über die Auswirkungen dieser Farben auf die Umwelt oder die menschliche Gesundheit im Allgemeinen ist jedoch nicht viel bekannt. Eigentlich würde man ja annehmen, dass solche Dinge hinreichend erforscht und getestet wurden – aber das ist wohl mehr eine Hoffnung als die Realität.
 
Das Problem ist, dass Nanopartikel extrem klein sind. Daher verhalten sie sich nicht wie normale Moleküle. Normalerweise liefert die Art und Weise, wie sich Moleküle verhalten, eine Indikation dafür, ob eine bestimmte Formulierung giftig ist oder nicht. Denn ihre Toxizität hängt sowohl von den physikalischen als auch von den chemischen Eigenschaften ab, also beispielsweise der kristallinen Struktur, der Größe, Form und Reinheit, oder auch der elektrischen Oberflächenladung. Bestimmend ist auch die Art und Weise, wie die Partikel in ihrem Inneren und auf der äußeren Hülle aufgebaut sind. All diese Faktoren determinieren auch, wie Nanopartikel reagieren, wenn sie beispielsweise in den Blutkreislauf gelangen, oder was passiert, wenn sie auf eine Barriere-Schicht gedruckt und womöglich noch zusätzlich überlackiert werden.
 
Daher sind Nanopigmente, die in Druckfarben enthalten sind, durchaus ein Grund zur Sorge. Vor kurzem berichtete die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) über eine neue Studie. Diese untersuchte den Stand der aktuellen Forschung auf dem Gebiet der Nanomaterialien. Die Beobachtungsstelle für Nanomaterialien der Europäischen Union (EUON) hat daraufhin eine Liste von Substanzen veröffentlicht, die sie als nanogroße Pigmente und Füllstoffpigmente identifiziert hat. 77 Pigmente und vier Füllstoffpigmente sind derzeit im Gebrauch, mit denen Druckfarben „ausgestopft“ werden. Denn dadurch lassen sich Kosten sparen. Der Bericht wies auch auf „Lücken im aktuellen Wissen über die Gefahren sowie bei der Risikobewertung von Pigmenten in
Nanogröße“ hin.
 
Der Bericht stützte seine Ergebnisse auf verschiedene Verzeichnisse für Nanowerkstoffe. Dabei geht es auch um Materialien, die in der EU-Verordnung zur Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe (REACH) aufgeführt sind. Außerdem enthält die Studie Daten aus belgischen, dänischen und französischen Regierungsquellen. REACH regelt die Verwendung von Chemikalien und deren Herstellung anhand der Auswirkungen, die diese auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt haben können. Die Verordnung betrifft alle Branchen in Europa, die Chemikalien verwenden. Sie erstreckt sich sogar über die Grenzen der EU, denn sie gilt auch für Importe in die Region. REACH-Daten werden in der Regel als sehr zuverlässig wahrgenommen. „Im Falle der meisten identifizierten Nanopigmente sind jedoch keine Daten zur Gefahren- und Risikobewertung verfügbar“, stellte der EUON-Bericht fest. Dies ist ziemlich beunruhigend und könnte erhebliche Auswirkungen auf aktuelle und künftige neue Farbtechnologien insbesondere im Verpackungsdruck haben.
 
Nicht nur die EU sorgt sich, ob nanopigmentierte Tinten vielleicht schädlich für den Menschen sein könnten. Potenziell sind die Druck- und Medienmärkte in aller Welt betroffen. Die Studie deckte nun auf, dass die   verfügbaren Daten in der Regel mindestens unzuverlässig, und zum Teil auch widersprüchlich sind. Der EUON-Bericht wollte eigentlich nur alle Informationen über die 81 in der EU verwendeten nanogroßen Pigmente sammeln. Entdeckt wurde jedoch ein eklatanter Mangel an zuverlässigen Informationen über die toxikologischen Eigenschaften von Nanopigmenten. Mit anderen Worten: Wir wissen derzeit einfach nicht, ob Nanopigmente giftig sind  ­- oder wie sie sich nach dem Druck verhalten.
 
Quelle: Dieser Artikel wurde im Rahmen des Verdigris-Projekts erstellt. Die Brancheninitiative hat es sich zum Ziel gesetzt, die positiven Auswirkungen von Druckerzeugnissen auf die Umwelt stärker ins Bewusstsein zu rücken. Dieser Kommentar hilft Druckereien, sich über die Entwicklungen in puncto Umweltstandards auf dem Laufenden zu halten. Er zeigt auch, wie eine Unternehmensführung, die die Umwelt schont gleichzeitig die Profitabilität verbessern kann. Verdigris wird von folgenden Unternehmen unterstützt: Agfa Graphics, Spindrift.click, EFI, FESPA, HP, Kodak, Kornit Digital, Ricoh, Splash PR, Unity Publishing und Xeikon.  
 
 

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