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ISO Standards – ein Update

von Laurel Brunner | 04.09.2019
ISO Standards – ein Update

Laurel Brunner erläutert die lange und wechselhafte Geschichte von Druck und Umweltverträglichkeit.

Einerseits gibt es immer noch zu viele Menschen, die diese Industrie als Umweltsünder betrachten. Andererseits wurden die Grundlagen gelegt, warum Print eine so nachhaltige Branche geworden ist: Recycling, Effizienz, Print-on-Demand und Prozessautomatisierung sorgen dafür, dass die Druckindustrie ein nachhaltiger Sektor ist. Printmedien-Produkte haben eine einmalige Umweltbelastung und es entstehen bei ihrer Verwendung keine Emissionen. Dies steht im krassen Gegensatz zu den erheblichen Emissionen, die bei der Nutzung elektronischer Medien, wie etwa für E-Mail oder Gaming, verbraucht werden.

Die ISO-Umweltnormen haben zur Verringerung der Umweltauswirkungen beigetragen. Obwohl vermutlich der Druck durch Mitbewerber und die Notwendigkeit, Print Buyern höherwertige Drucksachen anzubieten eine entscheidendere Rolle gespielt haben.

Aufkommende offene Systeme schufen klassischen Entwicklern ein sehr wettbewerbsfähiges Umfeld für maßgeschneiderte und hochproprietäre Technologien. Da die Druckvorstufe immer eine kontrollierte und geschützte Enklave darstellte, war sie auch besonders anfällig für Disruption durch standardisierte Plattformen und Betriebssysteme. Durch Direct-to-plate und anschließend Direct-to-press wurden weitere Prozesse, Kosten und Chemikalien aus dem Produktionsprozess genommen und die damit verbundenen Belastungen für die Umwelt beseitigt.

ISO-Standards sorgen für einschneidende Veränderung

Die Rolle der ISO-Normen besteht darin, Prozesse zu standardisieren, auch um eine höhere Prozesseffizienz zu erreichen. Viele Druckereien sind nach ISO 14001 für Umweltmanagementsysteme zertifiziert. Diese Norm bietet einen Rahmen für stetige Verbesserung in Bezug auf Umweltfragen, und zeigt auf wie Belastungen quantifiziert und gemindert werden können.

In ihrem Bemühen, die Gesamtauswirkungen des Drucks auf die Umwelt zu verringern und auch die Branche in die Verantwortung zu nehmen, haben ISO-Fachausschüsse mehrere interessante Dokumente erarbeitet. Und dies trotz erheblicher Bemühungen einiger beteiligter Interessengruppen, weitere Fortschritte zu verhindern. ISO 16759 beschreibt beispielsweise die Anforderungen an die Berechnung des CO2-Fußabdrucks für einzelne Druckaufträge. Die Norm legt die Anforderungen an die Ermittlung des CO2-Fußabdrucks für alle Prozesse, Technologien und Materialien fest, die zur Herstellung eines Printmedien-Produkts genützt werden. Dabei basiert sie auf den dem Nutzer zur Verfügung stehenden Informationen. Hinter der Idee steht der Gedanke, Prozesse und Materialien einer Druckproduktion genauer zu betrachten und deren CO2-Fußabdruck sinnvoll zu quantifizieren.

Die Umsetzung der ISO 16759 ist nicht auf einen bestimmten Bereich der Druckindustrie  beschränkt, so dass sie für alle großformatigen digitalen Druckmedien sowie für Offset und Tiefdruck relevant ist. Wenn man an einem bestimmten Großformatprojekt arbeitet und dessen CO2-Bilanz kennenlernen möchten, kann die ISO 16759 helfen, diese zu erarbeiten.
Es gibt eine Reihe weiterer ISO-Normen, die innerhalb der für die ISO 16759 zuständigen Gruppe entwickelt wurden. ISO 20294 zur Berechnung des CO2-Fußabdrucks elektronischer Medien ist ein Begleitdokument zu ISO 16759. Es wurde so verfasst, dass die CO2-Bilanzen der beiden Medientypen fair verglichen werden können.

ISO 20690 beschreibt, wie man den Energieverbrauch eines Digitaldruckers, insbesondere einer Hochgeschwindigkeitsmaschine für hohe Auflagen, ermitteln kann. Es gibt ein ähnliches Dokument, das innerhalb der Großformat-Digitaldruckbranche vielleicht noch interessanter ist. ISO 21632 erklärt, wie man den Stromverbrauch von Maschinen mit vielen Stopps und Starts misst. Die Idee von ISO 21632 wie ISO 20690 ist es, eine Grundlage für vergleichende Gegenüberstellungen zu schaffen, wenn es darum geht, die energieeffizienteste Digitaldruckmaschine für die Produktion zu kaufen oder einzusetzen.

Prozesskontrolle, Effizienz, Emissionen und Abfallreduzierung

Die bisher genannten Normen beziehen sich alle speziell auf die Minderung der Umweltauswirkungen und die Rechenschaftspflicht. Es gibt jedoch zahlreiche daten- und prozesskontrollbezogene Standards, die wohl noch mehr Bedeutung für die Verbesserung von Effizienz und Ressourcenverbrauch im Druckgewerbe hatten. Die Normen rund um das PDF (ISO 32000-2) haben den elektronischen Dokumentenaustausch alltäglich werden lassen. Das PDF und die PDF-X-Serie waren wichtige Treiber für den Übergang zum Soft Proof und zur elektronischen Dokumentenfreigaben. Ein Großteil dieser Art von Arbeit findet auf dem Computerbildschirm statt, anstatt auf dem Papier. Das bedeutet, dass die Anzahl der Verbrauchsmaterialien und die Logistik, die für die Abnahme von Proofs anfallen, erheblich reduziert werden konnten.

                                     
Bildunterschrift: Normen sind wichtig. Es ist unwahrscheinlich, dass der CO2-Fußabdruck für den Druck dieses Snowboards berechnet wurde. Es ist jedoch ziemlich wahrscheinlich, dass die Druckdaten als PDF an den Dienstleister geliefert wurden.

Die Entwicklung der PDF/X-Serie (ISO 15930) ist besonders relevant für die Prozesskontrolle und -effizienz, weil sie zur Reduzierung von Makulatur im Druckbereich führte. Diese Sammlung von Standards entwickelt sich seit vielen Jahren weiter, wobei mit jedem Update des PDF-Formats auch jeweils eine neue Version eingeführt wurde. Die neuesten Dokumente basieren alle auf PDF 2.0, das es seit 2017 gibt.

PDF/X-Spezifikationen beschränken, was ein PDF enthalten kann, so dass es die Vorstufenkontrolle und die Produktion ohne Unterbrechungen durchläuft. Dies erleichtert die Automatisierung und stellt sicher, dass das PDF wie erwartet gedruckt wird, so dass auch zusätzliche Proofing-Zyklen entfallen. Welche Version von PDF/X man verwendet, hängt von der eingesetzten Technologie des Druckdienstleister und der Komplexität des Auftrags ab. Wenn der Dienstleister noch mit einer älteren Version von PDF arbeitet, wie z.B. der Version 1.6 oder 1.7, bestimmt dies, welche PDF/X-Spezifikation man verwenden sollte. Am relevantesten für die PDF 2.0-Verarbeitung ist PDF/X-6, das Ebenen und Transparenz unterstützt und Erweiterungen für externe Grafiken enthält. Dies kann zum Beispiel ein Druckauftrag mit variablem Format sein, der optional auch ICC-Profile für Bilder enthält. Es ermöglicht auch das Drucken desselben Auftrags über verschiedene Geräte hinweg. PDF/X-6 soll im Jahr 2020 veröffentlicht werden.


Bildunterschrift: Den Überblick über die Daten behalten. Standardformate wie CxF (ISO 17972) stellen sicher, dass die Daten nachvollziehbar sind und in verschiedenen Umgebungen und über verschiedene Produktionssysteme hinweg verwendet werden können.

Andere Normen wie ISO 17972, das als CxF bekannte Farbaustauschformat, haben den Austausch von Farbdaten erleichtert, so dass bei der Druckproduktion das Abfallaufkommen viel geringer ausfällt. ISO 17972 ermöglicht es, Farbmessungen und Metadaten elektronisch auszutauschen und besteht aus mehreren Teilen. Diese sind so organisiert, dass sie mit unterschiedlichen Workflows zusammenarbeiten. Auch können CxF-Dateien in elektronischen Mediensystemen verwendet werden.

Die eXtensible Metadata Platform (XMP) ist ein weiteres Beispiel dafür, wie ISO-Normen für die Datenverarbeitung dazu beigetragen haben, Abfall und damit Umweltbelastung zu reduzieren. XMP bettet Metadaten über den vorhandenen Content in ein Dokument ein. Das kann grundsätzlich so etwas Einfaches wie das Erstellungsdatum einer Datei sein, aber auch sehr viel komplizierter werden. So lässt sich etwa die gesamte Historie einer Datei nachvollziehen, bis hin zu der Frage, wer die Datei wann geöffnet hat.

Dies erlaubt eine sehr effiziente Dokumentenverwaltung und Rückverfolgbarkeit. Für ISO 16684 ist eine aktuelle Version geplant, denn derzeit befindet sich die Norm in Überarbeitung. Diese Erweiterung soll die dateiübergreifende Verwaltung von Metadaten ermöglichen, so dass man z.B. alle Dateien zu einem einzelnen Projekt oder Dienstanbieter sammeln kann. Die Autoren dieses Dokuments hoffen sehr, dass es für den ungeregelten Zugriff und die Aggregation von Inhalten sowie für Archivierungsanwendungen nützlich sein wird.

Die ISO-Normen zu grafischen Technologien sind Werkzeuge für Management, Prozesse und Produkte, die Unternehmen bei der Reduzierung von Fehlerraten und der Verminderung von Materialverschwendung unterstützen. So sollen Technologien bestmöglich eingesetzt werden, von den Farben und Daten bis hin zur Druckmaschine und Weiterverarbeitung.

Die Verminderung der Umweltauswirkungen von Print-Medien ist ein ständiges Anliegen der Branche. Sie hängt auch eng mit der Verbesserung von Leistung und Gewinn zusammenhängt.  Bemühungen zur Minderung der Umweltbelastung führen immer zu einer Verringerung des Müllaufkommens und einer verbesserten Prozesskontrolle.

Quelleninformationen: Die Wild Format-Guides sollen die unglaublichen Möglichkeiten des digitalen Großformatdruck bewusst machen und das Augenmerk darauf richten, was alles möglich ist: gedruckte Fußböden, Lampenschirme, und noch so einiges mehr. Die Leitfäden werden ermöglicht durch Digital Dots (http://www.digitaldots.org/) mit freundlicher Unterstützung von HP, Techkon und Zünd.
 

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