Wie der Lebenszyklusansatz die Nachhaltigkeit im Druckwesen neu definiert.
Jahrelang drehten sich die Diskussionen über Nachhaltigkeit in der Druckindustrie hauptsächlich um die Materialien: Recyclingpapier, umweltfreundliche Druckfarben oder PVC-freie Trägermaterialien. Doch die Umweltauswirkungen eines Druckerzeugnisses hängen nicht nur davon ab, was daraus hergestellt wird, sondern auch davon, wie es produziert, transportiert, genutzt und entsorgt wird. In diesem Zusammenhang gewinnt das Konzept des „Life-Cycle-Thinking“ – also des Lebenszyklusdenkens – als umfassendere Methode zur Messung der Nachhaltigkeit zunehmend an Bedeutung.
Für Druckereien, Marken und Lieferanten bedeutet dies, jede Phase des Prozesses zu analysieren und zu verstehen, dass auch die Entscheidungen, die sowohl vor als auch nach dem endgültigen Druck getroffen werden, Teil des ökologischen Fußabdrucks sind.
Vom Ursprung bis zum Ende der Lebensdauer
Der Lebenszyklusansatz bewertet die Auswirkungen eines Produkts von der Gewinnung der Rohstoffe bis hin zu dessen Wiederverwendung, Recycling oder Entsorgung. Dazu gehören Faktoren wie der Energieverbrauch, die Emissionen während des Transports, die Produktionseffizienz, die Langlebigkeit des Produkts und die Abfallwirtschaft.

Im Druckbereich führt diese Sichtweise zu bedeutenden Veränderungen. Es reicht nicht mehr aus, nachhaltige Materialien zu verwenden, wenn der Prozess zu viel Energie verbraucht oder ein hohes Maß an Abfall verursacht. Ebenso kann ein Produkt mit langer Lebensdauer geringere Umweltauswirkungen haben als eine „umweltfreundliche“ Alternative, die auf eine kurze Lebensdauer ausgelegt ist.

Diese Denkweise verändert auch die Art und Weise, wie großformatige Anwendungen, Verpackungen oder Beschilderungen gestaltet werden. Wiederverwendbare Produkte, modulare Systeme und die bedarfsgerechte Produktion tragen dazu bei, die Nutzungsdauer zu verlängern und die Umweltauswirkungen des Projekts zu verringern.
Messen, um bessere Entscheidungen zu treffen
Immer mehr Unternehmen suchen nach Instrumenten, um ihre Umweltauswirkungen zu quantifizieren und zu kommunizieren. Lebenszyklusanalysen (LCA), die Berechnung des CO₂-Fußabdrucks und Umweltzertifizierungen werden zunehmend zu einem Bestandteil der Geschäftsstrategie und sind nicht mehr nur auf den Bereich Nachhaltigkeit beschränkt.
Für Druckdienstleister bietet dies die Chance, ihren Kunden einen Mehrwert zu bieten, indem sie eine Beratung anbieten, die sich nicht nur auf die Kosten oder die optische Qualität stützt, sondern auch auf die tatsächlichen Umweltauswirkungen. Die Wahl des geeigneten Trägermaterials, die Optimierung der Logistik oder die Reduzierung von Abfall können ebenso wichtig sein wie die Auswahl der Drucktechnologie.

Während sich die Branche in Richtung verantwortungsbewussterer Modelle entwickelt, definiert das Lebenszyklusdenken das Verständnis von Nachhaltigkeit neu. Es geht nicht nur um „grüne“ Materialien, sondern darum, intelligentere und effizientere Drucksysteme zu entwickeln, die für eine Zukunft gerüstet sind, in der jede Entscheidung von Bedeutung sein wird.