Die Hybridproduktion vereint die Stärken des Siebdrucks – langlebige Spezialfarben und Grundierungen mit hoher Schichtdicke – mit der Effizienz des Digitaldrucks bei kleinen Auflagen und variablen Details. Diese Kombination maximiert Qualität und Effizienz und ermöglicht komplexe grafische und industrielle Anwendungen wie Textilien, Verpackungen und Elektronik, die mit einer einzigen Technologie oft nur schwer realisierbar sind.

Die Hybridproduktion verbindet Siebdruck und Digitaldruck – ein Verfahren, für das die beiden zuvor miteinander konkurrierenden Technologien zusammengeführt werden mussten. In der Vergangenheit hat der Digitaldruck einen Großteil des Druckvolumens vom Siebdruck übernommen, was zu Spannungen führte: Digitaldruckspezialisten betrachteten analoge Verfahren als veraltet, während Siebdrucker die frühe Qualität des Digitaldrucks kritisierten. Nun haben sie sich versöhnt, um die Effizienz zu maximieren.

BILDUNTERSCHRIFT: Das Hybridverfahren wird heutzutage häufig im Textil- und Industriedruck eingesetzt. Bildnachweis: Sonja Angerer

Dies begann sich Ende der 2010er Jahre langsam zu ändern – dank einer neuen Generation von Druckereibesitzern und -mitarbeitern sowie deren jeweiligen Kunden. Schließlich neigen die heutigen Druckkunden weniger dazu, über Digital- oder Analogdruck zu spekulieren, sondern verlangen kosteneffiziente Produkte, die ihren Anforderungen entsprechen.

Sowohl der Siebdruck als auch der Digitaldruck weisen jeweils eigene Stärken und Schwächen auf. Da sich viele Spezialdruckereien dessen bewusst sind, setzen sie in ihren Produktionshallen mittlerweile sowohl Siebdruckanlagen als auch Digitaldruckmaschinen parallel ein.

BILDUNTERSCHRIFT: Bei der gedruckten Elektronik ist häufig eine Kombination aus Siebdruck und Digitaldruck erforderlich. Bildnachweis: Sonja Angerer

Vor- und Nachteile des Siebdrucks und des Digitaldrucks

Als analoges Verfahren erfordert der Siebdruck Druckvorlagen, auch wenn die Herstellung der Siebe im Laufe der Jahrzehnte einfacher, schneller und umweltfreundlicher geworden ist. Die Vorbereitung der Siebdruckrahmen für die Produktion ist jedoch kostspielig und relativ zeitaufwendig. Bei kleinen Auflagen übersteigen die analogen Rüstkosten schnell die Wirtschaftlichkeit. Angesichts der heute wachsenden Nachfrage nach personalisierten und individualisierten Produkten ist dies der größte Nachteil des Siebdrucks.

Doch auch der Siebdruck bietet zahlreiche Vorteile für die Hybridproduktion. Im Siebdruck sind Farben und Grundierungen für eine Vielzahl von Oberflächen wie Textilien, Keramik, Glas und Metall auf dem Weltmarkt leicht erhältlich – und das zu sehr erschwinglichen Preisen. Mit dem Siebdruck lassen sich dicke Schichten auftragen, was zu einer hohen Deckkraft und Farbintensität führt. Daher sind Siebdrucke in der Regel widerstandsfähiger gegen Abnutzung und weisen eine höhere Außenbeständigkeit auf als Digitaldrucke.

Beim Digitaldruck sind keine Druckvorlagen erforderlich, da das Bild direkt aus einer digitalen Datei übertragen wird. Dadurch eignet sich diese Technologie besonders gut für Kleinauflagen, variable Daten, personalisierte Drucke sowie nicht wiederkehrende Muster. Insbesondere beim Druck mit vier oder mehr Farben ist die Qualität des Digitaldrucks oft besser als die des Siebdrucks , da sich feine Details und sanfte Farbverläufe wesentlich leichter erzielen lassen.

Bei Digitaldruckmaschinen steht in der Regel nur eine einzige Tinte zur Verfügung, die häufig für die meisten Materialien geeignet ist. Dies bedeutet, dass kein zeitaufwändiger Tintenwechsel erforderlich ist, was die Produktion erheblich beschleunigt. Die begrenzte Auswahl an verschiedenen Tinten stellt jedoch auch den größten Nachteil der Digitaldrucktechnologie dar, insbesondere bei industriellen Anwendungen.

Hochpigmentierte oder für Impasto-Techniken geeignete Spezialflüssigkeiten, die für den Siebdruck oft zu moderaten Preisen erhältlich sind, lassen sich in den meisten Fällen nicht für den Einsatz in marktführenden Tintenstrahlköpfen anpassen. Selbst wenn eine für den Tintenstrahldruck geeignete Lösung gefunden werden kann, sind die Tinten oft sehr teuer, und der Druckvorgang verläuft nach wie vor langsam, da zahlreiche Durchgänge erforderlich sind, um die erforderliche Tintenmenge auf das Material aufzutragen.

BILDUNTERSCHRIFT: Im Innenraumdruck wird für Wanddekorationen häufig das Hybridverfahren eingesetzt. Bildnachweis: Sonja Angerer

Hybriddruck: eine Kombination aus Siebdruck und Digitaldruck

Die Hybridproduktion vereint die Vorteile des Siebdrucks und des Digitaldrucks, um die Effizienz und Qualität der Druckerzeugnisse zu maximieren. Dies ermöglicht wettbewerbsfähige Produktionskosten, da bei Hybridverfahren der Siebdruck für die Grundierung, wiederkehrende Designelemente sowie große, einfarbige Farb- und Lackflächen eingesetzt wird. Spezielle Flüssigkeiten, wie beispielsweise leitfähige Pasten für die gedruckte Elektronik, lassen sich im Siebdruck problemlos auftragen.

Variable Elemente, winzige Details und vielfarbige Farbverläufe werden in der Hybridproduktion häufig mittels Digitaldruck hinzugefügt. Dadurch ermöglichen Verfahren, die Siebdruck und Digitaldruck kombinieren, komplexe Designs und Produkte, deren Realisierung mit einer der beiden Drucktechnologien allein äußerst schwierig, sehr kostspielig oder schlichtweg unmöglich wäre.

Allerdings weist die Hybridproduktion auch Nachteile auf. Im Vergleich zum reinen Digitaldruck ist der ökologische Fußabdruck in der Regel deutlich größer, da nicht nur eine, sondern zwei Maschinen mit der jeweils dazugehörigen Ausrüstung benötigt werden, die viel Energie, Wasser und Chemikalien verbrauchen. Zudem erfordert die Umsetzung einer qualitativ hochwertigen Hybridproduktion ein hohes Maß an Fachwissen und handwerklichem Können.

Dennoch gibt es für den Druck bestimmter Anwendungen oft keine bessere und wirtschaftlich tragfähige Alternative als ein Hybridverfahren. Es mag zwar kompliziert, ja sogar chaotisch sein, ist aber dennoch wesentlich kostengünstiger und schneller als auf einem Digitaldrucker oder mit Siebdruckmaschinen.

BILDUNTERSCHRIFT: Viele Verpackungsanwendungen lassen sich mithilfe von Hybridverfahren schneller und kostengünstiger herstellen. Bildnachweis: Sonja Angerer

Anwendungen im Hybriddruck

Die Hybridproduktion mit Sieb- und Digitaldruck kommt in verschiedenen Branchen zum Einsatz, darunter:

  • Textilindustrie: Für die Herstellung von T-Shirts, Taschen und anderen Textilien, die sowohl langlebig bedruckt als auch mit feinen Details versehen werden müssen.
  • Verpackungen: Bei der Herstellung von Verpackungen in großen Stückzahlen, wobei die Auflagen aufgeteilt und regional, saisonal oder im Rahmen von Werbeaktionen angepasst werden.
  • Bedruckte Innenausstattung: für bestimmte Tapeten sowie für Arbeitsplatten und Bodenbeläge.
  • Schilderherstellung: Für großformatige Werbebanner und Schilder mit auffälligen Designs und hervorragender Witterungsbeständigkeit im Außenbereich.
  • Elektronik: Zum Bedrucken von Leiterplatten und anderen elektronischen Bauteilen, bei denen Präzision und Langlebigkeit von entscheidender Bedeutung sind.

Die Zukunft ist hybrid

Die Hybridproduktion mit Sieb- und Digitaldruck bietet im Spezialdruck eine Vielzahl von Vorteilen. Bei geeigneten Anwendungen lassen sich sowohl die Qualität als auch die Effizienz der Druckproduktion erheblich verbessern und gleichzeitig die Umwelt schonen.

Druckereien, die mit Hybridverfahren arbeiten, entscheiden sich häufig dafür, auf Lack- und/oder Weißkanäle in ihren Digitaldruckmaschinen zu verzichten. Da diese Tinten sehr schwierig zu handhaben sein können – insbesondere, wenn sie nur sporadisch zum Einsatz kommen –, lassen sich auf diese Weise auch die Wartungskosten minimieren.

Eine hybride Produktion lohnt sich insbesondere dann, wenn bereits Siebdruckmaschinen und qualifizierte Mitarbeiter zur Verfügung stehen. Doch auch Druckereien ohne bisherige Erfahrung im Siebdruck könnten unter Umständen bei bestimmten Anwendungen vom Einsatz der Siebdrucktechnologie profitieren. Da Druckkunden in Zukunft oft noch komplexere Anwendungen verlangen werden, während ihnen die Unterscheidung zwischen analog und digital zunehmend gleichgültig ist, kann man davon ausgehen, dass die mit Sieb- und Digitaldruck hergestellten Hybridprodukte künftig noch stärker nachgefragt werden.