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Zu neuen Ufern

von Sonja Angerer | 21.10.2020
Zu neuen Ufern

Die COVID-19-Krise hat auch den Zulieferern der Druckindustrie zu schaffen gemacht. Denn der Maschinen-Verkauf ging deutlich zurück. Druckdienstleister können aus dem Maßnahmen der Hardware-Hersteller eine Menge für ihr künftiges Geschäft lernen.

Kaum Messen und Veranstaltungen, monatelang geschlossener Einzelhandel, der Hospitality-Sektor in der Krise. Digital- und Großformatdruckereien standen jahrelang auf der Gewinnerseite. Von den Auswirkungen der Pandemie sind sie aber nun mindestens so stark betroffen wie Akzidenzdruckereien. Hinzu kommen auf beiden Seiten des Kanals die Unwägbarkeiten über die exakte Ausgestaltung der Brexit-Bedingungen.

Das führte dazu, dass in der Druckbranche alle Investitionen auf den Prüfstand gestellt werden mussten. Hinter vorgehaltener Hand bestätigen viele Hersteller und Händler, dass die Maschinen-Umsätze weltweit dramatisch eingebrochen sind. Verständlicherweise halten sich die betroffenen Unternehmen mit exakten Zahlen zurück. Doch die 17 Prozent Rückgang, die der Branchenverband der deutschen Maschinenbauer im Oktober 2020 im Vergleich zum Vorjahresmonat bekannt gab, illustrieren gut den Ernst der Lage.

Auf Wachstumsmärkte konzentrieren

Einzelne Druckdienstleister können sich in der Gesundheits-Krise trotzdem gut über Wasser halten, indem sie ihr bestehendes Engagement in Wachstumsmärkten noch verstärken. Oder indem sie temporäre Schließungen und Zeiten geringer Nachfrage nutzten, um ihren Betrieb neu auf bekannte und potenzielle Wachstumsmärke auszurichten. Diese Wachstumsmärkte haben sich im Wesentlichen in den letzten zwei, drei Jahren kaum geändert:

  • Textildruck
  • Soft Signage
  • Individualisierte Inneneinrichtungen
  • Personalisierte Geschenkideen und Werbeartikel
  • Verpackungen

Der Bereich „Hygiene und Gesundheit“ war vor der Pandemie eher ein Nischen-Thema. Der erste „Goldrausch“ der Pandemie-Zeit, ist zwar nun weitgehend abgeebbt. Im Mai und Juni 2020 stellten Druckdienstleiter und Werbetechniker in ganze Europa massenweise Masken, Plexi-Schutzscheiben, Hinweisschilder, Bodengrafiken und ähnlichen Produkte zur Unterstützung der Hygiene- und Abstandsregel her. Man kann aber davon ausgehen, dass Produkte rund um die Themen Pflege, Sauberkeit und Wegeleitung auch künftig gefragt bleiben.

Neuheiten zeigen: Hersteller setzen auf Zukunft


Bildunterschrift: Mit dem Desktop-Modell SureColor SC-F100 mit Sublimations-Tinten nahm Epson den Wachstumsmarkt Personalisierte Geschenkideen und Werbeartikel in den Fokus. Foto: Epson.
 
Für das „Super-Messejahr“ 2020 hatten die Hersteller vermutlich zum Teil erhebliche Neuheiten eingetaktet. Schließlich dauert die Entwicklung einer neuen Hardware-Generation in der Regel mehrere Jahre. Nicht alle wollten mit der Vorstellung neuer Maschinen warten, so dass in den letzten Monaten ein ganze Reihe relativ „still“ in den Markt eingeführt worden sind. In der Regel geschah dies mit Webinaren oder anderen Online-Events.

Interessant ist dabei, dass sich die Hersteller sehr konsequent an den identifizierten Wachstumsmärkten orientierten. Neue Maschinen für den Textildruck kamen etwa von Mimaki. Das Unternehmen kündigte bereits Anfang des Jahres den Hybriddrucker Tx300P-1800 MkII an. Er arbeitet auf Textilien wie Papier und kann in drei verschiedenen Tintenkombinationen konfiguriert werden. Die schnelle Umrüstung vom Direkt- zum Transferdruck bietet viele Einsatz-Möglichkeiten von der Mode über Heimtextilien bis hin zu Tapeten.

Der erste im Oktober 2020 vorgestellte EFI Colors 340 ist hingegen vor allem für die Soft-Signage-Produktion konzipiert. Während dieses Segment in Zentraleuropa bereits weit entwickelt ist, gibt es in anderen Märkten noch deutlich Nachholbedarf.

Die ersten Großformat-Maschinen mit Epsons neuer Resin-Technologie, SureColor SC-R5000 und SC-R5000L, sollen dank wasserbasierter Tinte geruchlose Drucke für Innenräume ermöglichen und zielen damit auf den wachsenden Interior-Decorations-Markt.
Mit den Desktop-Modell SureColor SC-F100 mit Sublimations-Tinten hat Epson gleich noch einen zweiten Wachstumsmarkt in den Fokus genommen, bestätigt Frank Schenk, Head of Commercial & Industrial Printing der Epson Deutschland GmbH: „Der neue SureColor wurde entwickelt, damit Firmen ohne große Investition in den Werbeartikelmarkt expandieren können. (…) Benutzer, die eine kleinformatige Sublimationslösung suchen und dabei ihre Druckkosten im Auge behalten müssen, finden in dem SureColor SC-F100 eine zuverlässige, professionelle Drucklösung.“

Verpackungsmarkt trotzt der Krise


Bildunterschrift: Die Xeikon PX30000 Etikettendruckanlage mit UV-Inkjet-Technik ist kleine bis mittlere Auflagen im Highend-Verpackungsmarkt konzipiert. Foto: Xeikon.

Wie wichtig der Verpackungsmarkt geworden ist, zeigt die Ende September 2020 bekannt gewordene, zusätzliche Investition von Konica Minolta in MGI Digital Technology (MGI). Der Konzern erhöhte seinen Anteil an dem französischen Spezialisten für digitale Druckveredelungsmaschinen auf gut 42 Prozent.

Konica Minolta erwartet, dass der Markt für Verpackungsdruck von 2018 bis 2028 jährlich um 15 % wächst. Für den Verpackungsdruckmarkt hat das Unternehmen derzeit nur die AccurioJet KM-1e, ein UV-Inkjet-Bogendrucksystem im B2+-Format im Angebot. Allerdings stieg der Konzern nach eignen Angaben auch erst „2016 stieg vollständig in den industriellen Druckbereich ein“, so die Presserklärung.

Mitte Oktober kündigte außerdem Xeikon das Modell PX30000 an. Die Etikettendruckanlage mit UV-Inkjet-Technik soll kleine bis mittlere Auflagen im Highend-Markt für Gesundheits- und Kosmetikprodukte, Chemikalien und Premium-Biere produzieren.

Filip Weymans, VP Marketing bei Xeikon, sagt dazu: „Die Einführung dieser Highend-Druckmaschine für die digitale Etikettenproduktion ist ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur Umsetzung von Xeikons Geschäftsstrategie. Mit der Erweiterung seines Portfolios um die PX30000 baut Xeikon das bereits umfassendste Angebot auf dem Markt weiter aus. (…)“

Ganz neue Märkte erobern


Bildunterschrift: Aus der Live-Präsentation vom 8. Oktober 2020: Die Durst UVC-R-Serie lässt sich harmonisch in viele Architekturkonzepte integrieren. Foto: Durst Group

Am radikalsten reagierte allerdings die Durst Group auf den Umbruch in der Krise. Das Unternehmen stellt unter anderem Digitaldruckmaschinen für Textil-, Soft-Signage sowie Verpackungs- und Label-Applikationen her. Es deckt mithin die bekannten Wachstumsmärkte bereits mit seinem Angebot ab.

Trotzdem entschloss man sich dort, die Erfahrungen mit UV-Licht zur Tintenhärtung zu nutzen, um eine für das Unternehmen komplett neue Geräte-Sparte aus der Taufe zu haben. Am 8.10.2020 stellte CEO Christoph Gamper in einem kurzen Live-Stream die Durst UVC-R-Serie vor. Das erste Modell UVC-R 100H soll durch die Erzeugung von ozonfreier UV-C Strahlung mit einer Wellenlänge von 254 Nanometern Luftvolumen bis ca. 100 Kubikmeter pro Stunde entkeimen können.

Durch die geringe Lautstärke von nur 25 dB(A) eignet sich der Durst UVC-R 100H Luftreiniger für Restaurants und Büros, aber beispielsweise auch Messestände, Schulzimmer, Praxen und Warteräume. Die ersten Geräte sind für Geschäftskunden zum Netto-Preis von 1.900 Euro bereits vorbestellbar.

Das Gehäuse der „Early Bird“ Edition kommt mit einem Bergmassiv bedruckt. Sie soll bereits Anfang Dezember 2020 verfügbar sein. Das Industrial Design der Durst UVC-R-Serie, soweit bereits bekannt, wird die Individualisierung der Luftverbesserer mit Digitaldruck ermöglichen. Somit schließt sich der Kreis. Denn Digitaldruckereien können damit eine Geräteklasse, für die es in den kommenden Jahren voraussichtlich viel Nachfrage geben wird, unkompliziert an jeden Einrichtungsstil anpassen. Damit können sie sich ganz neue Märkte erschließen.

Was können Druckdienstleister aus den Strategien der Zulieferer lernen?

Die Hardware-Hersteller konzentrieren sich in wirtschaftlich schwierigen Zeit konsequent auf bekannte Wachstumsfelder. Sie bieten für die Anwendungsgebiete kosteneffiziente und zum Teil hoch automatisierbare Maschinen an.

Diese Strategie der Konzentration erscheint auch für Druckereien sinnvoll. Das gilt selbst dann, wenn dazu das Portfolio von Applikationen vermindert werden muss. Der Sprung in komplett neue Geschäftsbereiche, wie ihn etwa in die Durst Group vollzogen hat, erfordert hingegen eine gehörige Portion Pioniergeist. Neben einem guten Konzept benötigt man zusätzlich tiefe Taschen für die Entwicklungsarbeit. Allerdings sind auch die Umsatzchancen in noch weitgehend unbeackerten Marktnischen um ein Vielfaches höher.

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