Packaging

Die EU und Verpackungen: Wie werden sich die neuesten Änderungen auf Drucker auswirken?

by Sonja Angerer | 17.08.2023
 Die EU und Verpackungen: Wie werden sich die neuesten Änderungen auf Drucker auswirken?

Sonja Angerer erzählt, wie die Europäische Union (EU) den Verpackungsmüll reduzieren will und welche Auswirkungen dies unweigerlich auf Druckereien und Geschäftsmodelle haben wird.

Digitaler Verpackungsdruck, Web2Print und Fulfillment-Modelle für personalisierte Produkte sind Beispiele für Bereiche, die im Spezialdruck weiterhin Wachstum verzeichnen. Allerdings sind dies auch Bereiche, in denen die Spezifikationen für Verpackungen strenger werden, was zu potenziellen Störungen führen kann.
In diesem Artikel behandeln wir:

  • Recyclingfähigkeit der Verpackung
  • Verpackungen für Druckprodukte für Verbraucher und Kleinunternehmen
  • Personalisierte Verpackung und Erfüllung

Warum müssen wir Verpackungen in der EU recyceln?

Laut Statista lag der Umsatz mit Druckverpackungen im Jahr 2021 bei knapp 30 Milliarden Euro, was mehr als einem Zehntel des weltweiten Volumens entspricht. Schätzungen zufolge waren es im Jahr 2020 bereits knapp 290 Milliarden US-Dollar.

Die Europäische Union will im Rahmen des „ Green Deal “ bis 2050 klimaneutral werden. Deshalb sollen ab 2030 alle Verpackungen recycelbar sein. Um dieses Ziel zu erreichen, wurden folgende Schritte eingeleitet:
  • Begrenzen Sie unnötige Verpackungen und fördern Sie wiederverwendbare und nachfüllbare Verpackungslösungen.
  • Aufbau eines hochwertigen, geschlossenen Recyclingkreislaufs.
  • Verringerung der Nachfrage nach Primärrohstoffen.
Seit dem 1. Januar 2023 muss jeder Betrieb, der Speisen und Getränke zum Mitnehmen anbietet, zum gleichen Preis auch Mehrwegverpackungen zur Verfügung stellen, kann jedoch weiterhin ein Pfand erheben. Ausgenommen hiervon sind lediglich Bars und Restaurants mit weniger als 80 Quadratmetern und bis zu 5 Mitarbeitern.

Der derzeit bundesweit wichtigste Anbieter für Mehrwegverpackungen ist Recup/Rebowl . Es wird jedoch erwartet, dass starke regionale Marken ihre eigenen Mehrwegverpackungen als Handelsware nutzen, um das Marketing und die Kundenbindung zu unterstützen und zusätzliche Umsätze zu generieren. Daher können Drucker mit Erfahrung im Druck personalisierter Produkte und Werbeartikel neue Marktnischen erschließen.

Rohstoffe recyceln

Das Sammeln und Verarbeiten von Verpackungen ist wichtig, um den Rohstoffkreislauf so weit wie möglich zu schließen. Heute sind Papier und Karton zwei Materialien, die regelmäßig recycelt werden und etwa 70 % aller Verpackungen in Deutschland ausmachen. Damit die gewonnenen Fasern mehrfach für neue Verpackungen wiederverwendet werden können, sind sortenreine Sekundärrohstoffe notwendig. Nur so kann die Nachfrage nach Frischfasern reduziert werden.

Daher müssen bei einigen Verpackungen wichtige Änderungen vorgenommen werden, beispielsweise die Entfernung von in Folie verpackten und mit Kunststoff versiegelten Trägern für Verbrauchergeräte. Einige Hersteller von Konsumgütern haben bereits die notwendigen Änderungen vorgenommen und nutzen nun Verpackungen auf Karton- und Papierbasis. Nahezu alle Druckereien verfügen über digitale Schneidetische, mit denen sich nachhaltige Verpackungen auf Papierbasis entwerfen und produzieren lassen, wodurch wiederum neue, lukrative Marktnischen entstehen.

BILDUNTERSCHRIFT: Seit dem 1. Januar 2023 muss die Gastronomie auch Recyclingverpackungen wie Recup / Rebowl anbieten. Drucker könnten mit bedruckten wiederverwendbaren Lebensmittelverpackungen neue Geschäfte machen. Foto von : Recup

Verpackungen für Endverbraucher und KMU

In der Europäischen Union setzt jedes Land den Rahmen für Verpackungen anders um. Deshalb müssen Druckereien, die regelmäßig im Ausland verkaufen, Verpackungslizenzen von allen relevanten Mitgliedsländern einholen.

Seit 2019 müssen sich „Erstinverkehrbringer“ jeglicher Verpackungen in Deutschland im Lucid- Verpackungsregister registrieren lassen. Dies gilt für alle Verpackungen, die an Endverbraucher und vergleichbare Unternehmen wie Freiberufler, die Gastronomie oder Kleingewerbetreibende abgegeben werden. Darüber hinaus muss ein Lizenzvertrag mit einem Abfallentsorgungssystem wie dem Grünen Punkt abgeschlossen werden.

Zum 1. Juli 2022 wurden die Vorgaben des Verpackungsgesetzes noch einmal verschärft. Unternehmen müssen sich ab sofort bei Lucid registrieren, wenn sie Serviceverpackungen oder „Pre-Participing“-Verpackungen vertreiben. Ein Druckbetrieb muss sich keinem Entsorgungssystem anschließen, wenn er ausschließlich „vorbereitete“ Verpackungen verwendet, weil sein Verpackungsmateriallieferant dies bereits getan hat.

Seit Juli 2022 sind Online-Marktplätze angewiesen, Händler nur dann auf ihren Plattformen zuzulassen, wenn sie eine Registrierung bei Lucid nachweisen können.

BILDUNTERSCHRIFT: Verpackungen, die nur aus einem Substrat wie Papier/Karton bestehen, können problemlos zu hochwertigen Sekundärrohstoffen recycelt werden. Foto: S. Angerer

Personalisierte Verpackung und Erfüllung

In Deutschland müssen sich Hersteller von individualisierten Verpackungen bereits seit 2019 registrieren und einem lizenzierten Entsorgungssystem anschließen. Fulfillment-Dienstleister und Verpackungswiederverkäufer müssen jedoch sicherstellen, dass ihre Kunden bis Juli 2022 ebenfalls registriert sind. Hohe Bußgelder oder Verkaufsverbote kann aus der Verpackung von Produkten resultieren, die nicht registriert und lizenziert sind. Um die EU-Verpackungsvorschriften einzuhalten, hat sich Deutschland außerdem dazu entschieden, Abweichungen zu verbieten.

Daher betreffen die Anforderungen zur Registrierung und Teilnahme am System auch kleinere Unternehmen. Es gibt verschiedene Online-Dienste, die gegen Gebühr Relationen zu europäischen Verpackungslizenzen anbieten. Für Druckereien bedeuten die Initiativen der Europäischen Union zur Vermeidung von Verpackungsmüll vor allem einen zunehmenden Verwaltungsaufwand.

Dadurch haben Druckereien in der EU einen Wettbewerbsnachteil gegenüber Verpackungsdruckereien in Nicht-EU-Ländern. Importeure müssen jedoch sicherstellen, dass auch nicht-lokale Verpackungen bei den zuständigen Behörden und Lizenzmodellen registriert sind.

Die EU und Verpackungen – ein schwieriges Thema für Drucker

Die EU-Vorgaben zur Reduzierung von Verpackungsmüll haben zahlreiche Regeln und Vorschriften geschaffen. Die neuen Regeln, die in den Jahren 2022 und 2023 in Deutschland in Kraft traten, haben den Druck hier nur noch verstärkt.

Diese neuen Änderungen haben für kleinere Druckereien zu Problemen geführt, insbesondere wenn sie in die gesamte Europäische Union oder weltweit versenden. Digital bedruckte und personalisierte Verpackungen werden jedoch weiterhin eine attraktive Chance bleiben. Hinzu kommt die Herstellung und der Verkauf bzw. Weiterverkauf personalisierter Produkte. Allerdings benötigen Druckereien eine hochprofessionelle Verwaltung, die EU-Anforderungen schnell umsetzen kann.

Hauptbildquelle: S. Angerer / Dream.ai

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