Digital Printing

Alles dreht sich um die Daten

by FESPA | 22.07.2021
Alles dreht sich um die Daten

Daten und Datenverarbeitung in der Druckindustrie enorm wichtig geworden. Was bedeutet das für die Geschäftsmodelle der Dienstleister?

Um als Druckdienstleister erfolgreich zu sein, braucht man die beste Hardware. Eigentlich klar, aber leider falsch. Denn Daten und ihre Verarbeitung haben längst in der Bedeutung aufgeschlossen. Warum kann man das so sehen, und  welche Auswirkungen hat das auf die Geschäftsmodelle in der Industrie?

„Kommen Sie und sehen Sie unseren neuen Drucker“, heißt es (oder hieß es zumindest früher) in jeder zweiten Einladung zu einem Tag der offenen Tür bei einem Druckdienstleister. „Freuen Sie sich auf Reden, Videos, Pressemitteilungen sowie Essen und Getränke auf Kosten des Hauses.“ So freudig und stolz wird die Installation eines neuen digitalen Frontends (DFE) oder einer neue Workflow-Lösung nur ganz selten bekannt gegeben. Obwohl die Investitionshöhen durchaus ähnlich sein können.

Aus einen gewissen Blickwinkel kann man das schon ein wenig seltsam finden. Historisch gesehen haben nämlich wachsende Rechenleistung und die schnelle Digitalisierung der grafischen Industrie überhaupt erst den Grundstein dafür gelegt, dass der Digitaldruck zu der heute dominierenden Stellung fand.

Digitaldruck ist immer dort besonders nützlich

  • wo er Aufgaben übernimmt, die mit Analogdruck einfach nicht möglich sind (Personalisierung, variable Daten)
  • wo man ihn effizienter einsetzen kann als analoge Verfahren (kleine Auflagenhöhe, mehrfarbiger Druck).
Digitaldruck wurde dort früh am erfolgreichsten, wo schnell die richtigen Daten zur Verfügung standen, also etwa im
 
  • Transaktionsdruck
  • bei der Kennzeichnung von Produkten und Verpackungen.

 
Die heutige, sehr stark auf das Internet ausgerichtete Wirtschaft stellt Markeninhabern und Unternehmen riesige Mengen an Daten aller Art zur Verfügung. Auch Endverbraucher haben sich bereits an eine stärker personalisierte Form der Kommunikation sowie an individualisierte Konsumgüter gewöhnt. Das führt dazu, dass Markeninhaber, die in die Zukunft denken, verstärkt den Digitaldruck und seine einzigartige Fähigkeit nutzen wollen, um genau das möglich zu machen.

Natürlich gibt es den variablen Datendruck (Variable Data Printing, VDP) schon seit geraumer Zeit. Doch nun könnte der Moment gekommen sein, in dem diese Technologie wirklich zum Mainstream wird.
BILDUNTERSCHRIFT: Callas Software pdfaPilot 10 unterstützt bereits die neuesten ISO-Standards PDF/X-6 und PDF/VT-3. Grafik: Callas Software

Variabler Datendruck – worum geht es da nochmal?

Viele Druckdienstleister sind heute unglücklich darüber, dass die Auflagen immer kleiner werden. Denn kurze Lauflängen benötigen fast genauso viel Zeit für das Rippen und die Duckvorbereitung wie große Aufträge. Allerdings ist der Umsatz pro Job deutliche geringer. Variabler Datendruck erzeugt hohe Auflagen. Auch wenn sich jede einzelne Seite, jedes Board oder Produkt natürlich deutlich vom Vorgänger unterscheidet.

Heutzutage beschränkt sich VDP nicht mehr nur auf Mailings und ein paar POS-Anwendungen. Personalisierte Textilien und Deko-Artikel für Zuhause, aber auch individuelle Verpackungen werden künftig enorm an Bedeutung gewinnen. Denn der Handel wird in den nächsten Jahren endgültig einenhistorischen Wandel hin zu online-zentrierten Geschäftsmodellen vollziehen.

Der variable Datendruck hat ein überzeugendes Geschäftskonzept für diese Zukunftsaussichten. Eine Druckanwendung oder ein Produkt wird nur einmal entworfen. Dann kombiniert man die Vorlage mit einer Datenbank, die jeweils die richtigen Texte, Logos und Bilder hinzufügt. Das Digital Frontend (DFE) produziert dadurch, quasi im Vorübergehen, beliebig viele einmalige Designs. Das minimiert die Zeit, die man zum Einrichten des Druckers benötigt. Gleichzeitig muss die Leistung bei der Datenverarbeitung sehr hoch sein, denn sonst kommt die Druckgeschwindigkeit ins Stocken.

BILDUNTERSCHRIFT: Chili Publisher Version 6 Variable Data Software. Foto: Chili Publish.

Was unterscheidet VDP-Dateien von anderen Kundendaten?

In den Anfangsjahren des Digitaldrucks mussten sich Druckdienstleister oft mit „offenen“ Dateien, z.B. aus Adobe InDesign abfinden. Heute ist die Anlieferung druckfähiger Daten als PDF glückerweise weitgehend Standard. Es gibt viele verschiedene Versionen von PDFs. Das aktuell empfohlene Format für die Datenübergabe im Print ist PDF/X-6. PDF/VT-3 wurde Ende 2020 eingeführt und basiert auf PDF X-6. Der Standard wurde aber speziell für variable Daten entwickelt. Experten gehen davon aus, dass das Format das heute gebräuchliche PDF/VT-1 sowie ältere Dateiformate wie AFP, IJPDS und PPML ablösen wird. Letztere sind vor allem im Direktmailing verbreitet.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Designs mit VDP-Funktionalität zu erstellen. Beispiels sind etwa Dynamic VDP, ein Adobe Illustrator-Plug-in from Esko,  AccurioPro Variable Data von Konica Minolta, die Chili Publish Suite und die verschiedenen EFI Fiery VDP-Lösungen.
Die Qualität der vom Kunden angelieferten Daten war schon immer ein Thema in der Druckindustrie. Aber mit VDP wird das Thema noch wichtiger. Denn beim variablen Datendruck summieren sich selbst sehr kleine Verzögerungen bei jedem einzelnen Design über ein paar tausend Iterationen schnell zu einem Chaos, das Margen verschlingt und den Kunden ob der Verzögerung auf die Palme bringt. Die Druckproduktion steht heute nicht mehr unbedingt im Mittelpunkt der Ausbildung von jungen Designern. Deshalb ist es umso wichtiger, dass Druckdienstleister ihre Kunden darüber aufklären, was bei der Anlieferung von Vorlagen für den variablen Datendruck wichtig ist.

Daten für die automatisierte Weiterverarbeitung

Im PDF/VT-Format ist bereits ein Framework für Metadaten implementiert. Damit kann man Automatisierungsaufgaben hinterlegen, wie sie typischerweise beim Direktmailing vorkommen. Also etwa Angaben zur Aufteilung der Druckseiten auf verschiedene Maschinen, oder auch zur Adressierung.  Man kann sie bereits in entsprechenden Workflows einsetzen. Viel interessanter für den Großformatdruck ist jedoch PDF Processing Steps (ISO 19593-1).

Diese Norm soll die Implementierung von Schneide- und Rill-Linien sowie von Veredelungsschritten wie Heißfolien standardisieren. Damit würden die oft irreführende Benennung von PDF-Ebenen zur Kennzeichnung bestimmter Verarbeitungsvorgänge wegfallen. Der 2018 veröffentlichte Standard wurde u. a. bereits Callas, Esko und Global Graphics aufgegriffen.

Zusammenfassung: Wie können sich Druckdienstleister an die neue Welt der Daten anpassen?

Da Datenhandling und automatisierte Workflows für die Profitabilität von Druckdienstleitern immer wichtiger werden, scheint es ratsam, die Investitionen in diese Bereiche hochzufahren. Genauso wichtig ist es aber künftig auch sein, Mitarbeiter und Kunden im Umgang mit den Daten zu schulen. Denn gerade beim variablen Datendruck wird jede Datei, die nicht so ganz perfekt angeliefert wird, noch empfindlicher als sonst den Gewinn schmälern.

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