Jedes Jahr werden neue Farbtrends ausgerufen. Auf die Arbeit von Digitaldruckereien hat das mehr Einfluss als es auf den ersten Blick scheint. Worauf müssen sich Dienstleister in den kommenden Jahren einstellen?
Farbtrends entstehen nicht zufällig. Sie sind das Ergebnis gesellschaftlicher, technologischer und kultureller Entwicklungen. Trendforschungsunternehmen wie WGSN oder das deutsche Zukunftsinstitut analysieren bereits Jahre im Voraus globale Entwicklungen aus Mode, Technologie und Konsumverhalten. Unternehmen wie Pantone übersetzen diese in Farbpaletten, die von der Industrie aufgenommen werden.
Dadurch wirkt ihr Einfluss wesentlich stärker und viel früher als die „Trendtöne“, die Modepublikationen regelmäßig ausrufen. Denn diese berücksichtigen nur Produkte, die bereits im Handel erhältlich sind, und damit einen Ist-Zustand.

Für die Druckindustrie sind Trend-Farben und „Farben des Jahres“ unmittelbar relevant. Denn sie bestimmen die visuelle Kommunikation von Marken. Wo diese in Print-Kommunikation, für POS-Displays oder Verpackungsmaterial umgesetzt werden, müssen Druckereien diese Farbtöne punktgenau darstellen.
Im Digitaldruck wirken sich Farbtrends direkt auf Produktionsprozesse aus. Während im Offset-, und auch im Siebdruck Trend-Töne als Sonderfarben auf den Markt gelangen, basiert der Digitaldruck überwiegend auf festen Farbsets von vier bis 12 Prozessfarben. Die Reproduktion von Trendfarben führt daher immer zu steigenden Anforderungen an Farbraum, Farbmanagement und Workflow.
Farbtrends 2026
Die Farbtrends für 2026 lassen sich in mehrere Strömungen unterteilen, die aus unterschiedlichen Quellen stammen.
Ein zentrales Signal setzt Pantone mit „Cloud Dancer“ (Pantone 11 4201). Dabei handelt es sich um ein sehr helles, gebrochenes Weiß, das als Symbol für Ruhe, Klarheit und Neubeginn interpretiert wird.
Diese ungewöhnliche Wahl – erstmals ein Weißton als „Color of the Year“ – spiegelt den Wunsch nach Reduktion, Simplifizierung und „stillem Luxus“ wider.
In der Praxis findet dieser Farbton Anwendung in Modekollektionen, Innenarchitektur sowie in minimalistischen Verpackungskonzepten wie etwa beim limitierten MyMuesli „Coconut Dream“ Produkt.
Noch hat Pantone seine Wahl für 2027 nicht der breiten Öffentlichkeit bekannt gegeben. WGSN und Coloro schlugen dagegen bereits 2025 mit „Luminous Blue“ einen sehr intensiven Blauton als Schlüsselfarbe für das kommende Jahr 2027 vor.
Zusätzlich zeigen Interior- und Packaging-Trends eine starke Nachfrage nach erdigen Farben wie Terrakotta, Ocker oder Kakao sowie nach Neutraltönen wie Greige, Sand und warmem Weiß.
Im Verpackungsdesign werden abgetönte Farben wie pastelliges Grün, Orange oder Lila gezielt eingesetzt, um Nachhaltigkeit, Emotionalität oder Vertrauen zu vermitteln.
Insgesamt sind aktuelle Entwürfe eher clean und großflächig, passend zum „Scandi Style“, der bereits seit Jahren sehr beliebt ist. Neu sind Akzente in knalligen, lebendigen Farben. Der Muster-Trend der frühen 2010er Jahre ist erst mal weitgehend „out“.

Technische Herausforderungen durch Farbtrends
Der Trend zu sehr hellen Farben wie „Cloud Dancer“ stellt den Digitaldruck vor erhebliche Herausforderungen. Schließlich wird in der Regel bereits auf weißem Untergrund gedruckt, sodass der Farbauftrag für solche Töne sehr gering bleiben muss. Farbsätze mit vielen Light-Tönen können hier von Vorteil sein. Man findet sie oft bei Digitaldruckmaschinen, die für Fotos oder Fine Art Printing gedacht sind.
Erschwerend kommt hinzu, dass auf großen Uni-Flächen jede noch so kleine Abweichung bei hellen und pastelligen Farben sehr deutlich sichtbar ist. Störmuster (Moire) und Banding fallen viel schneller auf als bei kleinteiligen Designs oder Mustern.
Auch sehr leuchtende Töne sind im Vierfarb-Druck schwer reproduzierbar. Deshalb haben Hersteller von Digitaldruckern mit den Jahren die Farbsätze erweitert. Zu Tinten in Cyan, Magenta, Yellow und Schwarz kamen Rot, Grün, Orange, Lila und Blau hinzu. Dadurch wurde der darstellbare Farbraum stark erweitert. Hersteller wie Canon, Epson und Swissqprint bieten zudem spezielle Neon-Tinten für fluoreszierende Akzente.
Neon-Töne hat auch die HP Indigo ElectroInks-Technologie im Programm, zusätzlich auch Silber für Metallic-Effekte. Ergänzend gibt es ein Off-Press-Farbmischsystem, mit dem sich bis zu 97% der Pantone-Palette abdecken lässt.
Farbtrends meistern: Technologien und Workflows für Druckereien
Um auf wechselnde Farb- und Designtrends zu reagieren, benötigen Digitaldruckereien angepasste Technologien und Prozesse.
Zwar stellt der Pantone Trend-Ton 2026 „Cloud Dancer“ eine besondere Herausforderung dar. Für viele Markeninhaber stehen jedoch Print-Produkte nicht mehr im Zentrum des Designprozesses. Daher ist auch künftig mit Tönen und Designs zu rechnen, die auf Papier und Folie schwer perfekt zu reproduzieren sind.
Konsistentes, möglichst automatisiertes Farbmanagement mit ICC-Profilen und Proofing-Prozessen, welches die Umsetzung auch anspruchsvoller Farben ermöglicht, ist daher für Digitaldruckereien notwendiger denn je.
Dabei werden künftig klassische Offset-Farbräume immer weniger eine Rolle spielen. Der weitaus größere Gamut, der sich mit Digitaldruckern und sieben oder mehr Prozessfarben erreichen lässt, gewinnt dagegen an Bedeutung.
Das aber treibt die Kosten in die Höhe. Denn Druckvorbereitung, Abstimmungsprozesse und Qualitätskontrolle werden komplizierter. Zusätzlich steigt der laufende Unterhalt eines Digitaldruckers mit jeder zusätzlichen Tintenkartusche.

Farbtrends: Chance und Herausforderung für Digitaldrucker
Farbtrends unterscheiden sich je nach Branche: Für Textil und Interior Decoration gelten andere Regeln als für Verpackungen oder POS-Displays. Dadurch ist auch nicht jeder Druckdienstleister gleich stark von ihnen betroffen.
Langfristigere Strömungen wie etwa Scandi Design mit seinen großen, ruhigen Farbflächen beeinflussen allerdings durchaus die gesamte Druckbranche. Im Vergleich zu kleinteiligen Designs mit vielen Mustern wird weniger Druckleistung gebraucht.
Gleichzeitig sind die verbliebenen Aufträge technisch und organisatorisch anspruchsvoller. Das macht eine noch engere Zusammenarbeit zwischen Design und Produktion nötig. Druckereien sollten ihre Beratungskompetenz ausbauen, und bereits in der Entwurfsphase sicherstellen, dass Farben und Designs auch in Print umsetzbar sind.
Damit sind Farbtrends und Design-Wellen ein Treiber, der langfristig die Produktionsstrategien der Druckindustrie verändert. Deshalb lohnt es sich für Druckereien, diese regelmäßig im Blick zu behalten, um nicht von komplexen Herausforderungen wie „Pantone Cloud Dancer“ überrascht zu werden.