POS-Displays zählen zu den wichtigsten Werkzeugen im stationären Handel – und sie sind ein wichtiges Segment der Druckindustrie. Doch digitale Prozesse und veränderte Beschaffung haben Entwicklung und Produktion grundlegend verändert. Brancheninsider geben Einblicke.

Thekendisplays sind am POS entscheidend für den Abverkauf. Foto: VKF Renzel.

POS‑Displays sind im stationären Handel unverzichtbar, um Produkte sichtbar zu machen und Kaufimpulse zu erzeugen. Der Begriff deckt alle Präsentationssysteme ab, die direkt am Point of Sale platziert werden. Also etwa Deckenhänger, Aufsteller, Theken- oder Bodendisplays.

Diese können aus Karton, Vollpappe, Wellpappe, Kunststoff, Metall oder Hybridmaterialien bestehen. Besonders oft kommen sie in Baumärkten, Discountern und im Lebensmittelhandel vor, sie dienen der Warenpräsentation, Markeninszenierung und Informationsvermittlung.

POS-Display sind Erfahrungssache

„Die Herstellung von POS-Displays benötigt viel Spezialwissen“, sagt dazu Uwe Stemmler, Geschäftsführer der Stemmler Display Group GmbH & Co. KG „Marken und Handel wenden sich daher in der Regel an Unternehmen mit Erfahrung in diesem Bereich.“

Zwar bieten auch einige Online-Druckereien standardisiertes POS-Material wie Deckenhänger oder kleine Verkaufsschütten an. Muss ein Display von Grund auf entwickelt oder modifiziert werden, ist dagegen viel Fachwissen gefragt. „Das reicht von Details zu Beschnitt- und Klebezugaben bis hin zur Tragkraft bestimmter Materialien“, erklärt Stemmler. „Hinzu kommen Fragen der Statik und Standfestigkeit. Schließlich kann es vorkommen, dass ein voll mit Waren beladenes POS-Display einige Zentner wiegt.“

Auffällig ist dabei, dass sich die Qualität der Anfragen in letzter Zeit verändert hat. „Noch vor etwa 10 Jahren kamen rund 80% der Entwicklungsaufträge aus Werbeagenturen. Heute geben Start-ups und Marketingabteilungen POS-Material überwiegend selbst in Auftrag. Oft genug wird schnell klar, dass nur wenig Druck-Kompetenz vorhanden ist.

Schon die Eckdaten für eine grobe Kalkulation zusammenzubekommen, kann so in ein intensives Grundlagen-Brainstorming ausarten“, zeigt sich Stemmler irritiert. Doch auch das genaue Gegenteil sei inzwischen öfter anzutreffen: „Mit den Anfragen erreichen uns dann mit KI-Hilfe ausgearbeitete, sehr detailreiche Skizzen, die die Kommunikation deutlich erleichtern.“

Bodendisplays müssen standsicher sein, auch wenn es am POS mal hoch her geht. Foto: Stemmler Display Group

Trends bei Warenträgern

POS-Displays dienen der direkten Interaktion mit Käufern und Interessenten, entsprechend stark sind sie von Trends abhängig: „Displays sind heute nicht mehr nur kurzfristige Aktionsmittel, sondern werden zunehmend als langlebige, markenprägende Präsentationslösungen verstanden. Entsprechend steigen die Anforderungen an Qualität, Funktionalität und Design.

Ein klarer Trend ist die Verschiebung hin zu dauerhafteren und hochwertigeren Materialien. Neben klassischen Werkstoffen gewinnen insbesondere recycelte Kunststoffe, Metalle und auch Holz zunehmend an Bedeutung“, sagt dazu Joachim Ostendorf, Geschäftsführer der VKF Renzel GmbH.

„Unsere Kunden fragen heute wesentlich gezielter nach ressourcenschonenden Materialien, recyclingfähigen Konstruktionen, reduziertem Materialeinsatz und effizienten Logistikkonzepten. Nachhaltigkeit ist längst kein Zusatzaspekt mehr, sondern in vielen Projekten ein fester Bestandteil der Entwicklung.“

Ähnliches beobachtet auch Uwe Stemmler: „Den Kunden war es in der Vergangenheit vor allem wichtig, POS-Displays zu nutzen, die ökologisch und grün wirkten. In der Realität waren diese Lösungen aber nicht immer wirklich nachhaltig. Das hat sich in den letzten 2, 3 Jahren geändert: Wir erhalten nun oft Entwicklungsanfragen, bei denen ganz klare Vorgaben zu Material und Recyclingfähigkeiten gemacht werden.“

„Hier gibt es in manchen Jahren richtige Hypes“, erinnert er sich, „etwa ovale und elliptische Formen, oder Displays, die ganz bewusst nur aus einfacher brauner Pappe mit oft minimalistischem Druck hergestellt werden.“

Warenträger wie diese Schütte für Bierdosen werden meist in Auflagen von einigen hundert Exemplaren hergestellt. Foto: Stemmler Display Group GmbH.

POS-Displays entwerfen und produzieren

Handel und Marken fragen POS-Displays in ganz verschiedenen Losgrößen nach: Das kann von einigen wenigen Exemplaren bis hin zu mehreren Tausend gehen. „Einzelstücke und Kleinserien bis ca. 20 Stück produzieren wir zusammen mit einem Mustermacher, das ist weitgehend Handarbeit“, erklärt Stemmler. „Bis ca. 500 Stück setzen wir auf Digitaldruck und digitale Schneidetische, darüber hinaus kommen meist Offsetdruck sowie Stanzformen zum Einsatz.“

Während also bei der Stemmler Display Group die Herstellung schon stark automatisiert ist, ist beim Entwurf noch viel (digitale) Handarbeit gefragt. Stemmler: „Es gibt immer noch keine gute Software für die Entwicklung neuer Displays. Fachkräfte sind rar, weil kaum mehr bedarfsgerecht ausgebildet wird. Wir haben mit angelernten Architekten und Ingenieuren sehr gute Erfahrungen gemacht.“

Fehlende Fachkräfte bedauert man auch bei VKF Renzel: „Qualifizierte Spezialisten sind schwer zu finden, insbesondere dort, wo technisches Verständnis, Kreativität und Produktionsnähe zusammenkommen.“

Das Unternehmen hat deshalb Entwicklungskompetenzen innerhalb der Gruppe gezielt gebündelt und arbeitet in Projektgruppen, die etwa technische Zeichner und 3D-Konstrukteure, Prototypenbau und 3D-Druck umfassen.

„Moderne Software hat die Entwicklung in vielen Bereichen deutlich effizienter gemacht. 3D-Visualisierung, digitale Konstruktion und schnellere Prototyping-Prozesse helfen uns dabei, Ideen früher greifbar zu machen, Varianten schneller zu bewerten und Entwicklungszeiten zu verkürzen. Die Software ist heute ein wichtiges Werkzeug – sie ersetzt aber nicht die Erfahrung und das Know-how eines starken Entwicklungsteams“, so Ostendorf.

Moderne Software hilft dabei, Standard-Designs anzupassen und neue POS-Displays zu entwerfen. Doch Erfahrung ist immer noch die wichtigste Zutat. Foto: VKF Renzel

Geänderte Anforderungen an POS-Displays

Noch um die Jahrtausendwende wurden POS-Displays vor Ort vor allem durch Deko-Mitarbeiter oder speziell geschulte Verkaufskräfte aufgebaut. Heute übernimmt das vor allem im Lebensmittelhandel oft das Verkaufspersonal, manchmal auch Handelsvertreter der Marke.

Daher werden umfangreiche POS-Displays, aber auch kleine Thekenaufsteller immer öfter von Konfektionären bereits fertig befüllt und aufgestellt an die Verkaufsflächen geliefert. Damit diese Aufsteller aber auch sicher transportiert werden können und nicht im Transit beschädigt werden, müssen oft zusätzliche Sicherungsmaßnahmen wie Abdeckhaube oder Verpackung mit designt werden.

„Die Anforderungen an POS-Displays haben sich nicht nur bei Entwurf, Druck und Weiterverarbeitung geändert, sondern auch danach: Aufbau, Nutzungszeit und Recycling sind ebenso wichtig“, betont Stemmler.

Ostendorf weist noch auf einen weiteren Aspekt hin: „Wir beobachten eine klare Entwicklung hin zum hybriden und digitalen POS. Displays werden zunehmend mit digitalen Schnittstellen ausgestattet – etwa durch Monitore, interaktive Elemente oder NFC-basierte Kommunikation.“

Fazit: Der POS-Markt ist im Wandel

Die Herstellung moderner POS‑Displays ist heute ein komplexer Prozess, der Kreativität, Technik, Logistik und Nachhaltigkeit miteinander verknüpft. Das führt dazu, dass entsprechende Leistungen meist von stark spezialisierten Betrieben erbracht werden.

Für Digitaldruckereien mit Fokus Großformatdruck und Werbetechnik sind die Hürden zum Eintritt in diesen Markt relativ hoch, weshalb sich Partnerschaften mit etablierten Akteuren anbieten.