Wie sieht die Zukunft der Licht- und Werbetechnik im Zusammenspiel von Handwerk, Kreativität und Hightech aus? Wir baten den neuen ZVSL-Bundesinnungsmeister Frank Berenbrinker um seine Einschätzungen.

Die Werbetechnik gehört zu den ältesten Disziplinen visueller Kommunikation. Sie gilt zugleich als eine der wandelbarsten. „Der Einzug der Digitalisierung im Plott- und Druckbereich, CNC-Fräs- und Lasermaschinen, Car-Wrapping-Folien und zuletzt Digital Signage haben den Beruf immer wieder neu geprägt“, betont dazu Frank Berenbrinker, seit Anfang April 2026 neuer Bundesinnungsmeister der ZVSL. Der Zentralverband Schilder und Lichtreklame ist der Bundesinnungsverband des Schilder- und Lichtreklameherstellerhandwerks in Deutschland. Als solcher vertritt er die Interessen des Gewerks als handwerkspolitischer Spitzenverband auf Bundesebene.

Frank Berenbrinker ist seit Anfang April 2026 neuer Bundesinnungsmeister der ZVSL. Foto: Zentralverband Schilder und Lichtreklame.

Handwerkliches Fundament bleibt unersetzlich

Trotz aller technologischen Entwicklungen bleibt das Fundament der Werbetechnik klar handwerklich geprägt. „Schrift- und Typografie-Verständnis, Proportionen, Lesbarkeit auf Distanz sowie die Wirkung von Licht auf Formen, das ist intuitives Wissen, das sich über Jahre aufbaut. KI kann Vorschläge machen, aber ob ein Schriftzug wirklich gut wirkt, beurteilt ein geschultes Auge“, betont Berenbrinker dazu.

Auch Materialwissen ist weiterhin essenziell: „Wer nicht weiß, wie sich Aluminium, Acryl, PVC oder Edelstahl unter Hitze, UV-Strahlung und Witterung verhalten, macht teure Fehler – unabhängig davon, wie gut die Software ist. Das Gespür für Materialien lässt sich nicht automatisieren“, ist er überzeugt.

Beim Herstellen und Anbringen von Leuchtwerbung, oft in mehreren Metern Höhe, ist zudem handwerkliches Geschick gefragt, und nicht zuletzt: solide Grundkenntnisse in Elektrotechnik.

Berenbrinker ist daher überzeugt: „Der Wegfall der Meisterpflicht im Jahr 2004 war ein Fehler, dessen Folgen die Branche über viele Jahre gespürt hat. Die Wiedereinführung war überfällig und sachlich begründet.“ Er erklärt: „Lichtreklamen sind elektrische Anlagen im öffentlichen Raum. Fehlerhafte Installationen können Schäden verursachen oder Menschen gefährden. Der Meister trägt hier persönliche Verantwortung.“

Seit Anfang 2020 besteht daher in Deutschland wieder eine Meisterpflicht für das Schilder- und Lichtreklamehersteller-Handwerk. Allerdings gibt es für Unternehmen, die in der Zwischenzeit gegründet wurden, einen Bestandsschutz.

Digitale Transformation: Digital Signage komplimentiert Druck und Lichtwerbung. Foto: Sonja Angerer

Digitale Transformation beschleunigt den Wandel

Die Branche ist an Umbrüche gewöhnt. Aktuell sorgt vor allem KI für Veränderungen, insbesondere im Designprozess sowie immer stärker auch bei der Automatisierung von Workflows.

Dazu sagt Berenbrinker: „Die Betriebe, die heute investieren – in Maschinen und in die Qualifikation ihrer Mitarbeiter – werden morgen die stärksten sein. Wer beides beherrscht, ist nicht austauschbar. Ein ZVSL-Betrieb bietet Systemkompetenz: Wer versteht, wie Maschinen arbeiten, kann sie optimal einsetzen und Fehler erkennen.“

Im Berufsbild des Schilder- und Lichtreklameherstellerhandwerks sind daher heute digitale und analoge Fähigkeiten eng miteinander verzahnt.

Klassische Lichtwerbung: Emotional, nicht ersetzbar

Trotz wachsender Bedeutung von Digital Signage bleibt klassische Lichtwerbung schon allein emotional relevant, da ist sich der Bundesinnungsmeister sicher: „Eine individuelle Beschriftung – ein handgefertigter Einzelbuchstabenschriftzug oder ein leuchtendes Transparent – erzeugt ein Gefühl, das kein Digital-Display replizieren kann. Nostalgie, Wärme und Authentizität sind keine Zufälle, sondern gezielte Gestaltungsmittel.

Gerade weil die digitale Reizüberflutung zunimmt, suchen Menschen nach dem Echten und Haptischen. Digital Signage und smarte Leitsysteme übernehmen dort, wo Geschwindigkeit und Flexibilität zählen. Klassische Lichtwerbung behält ihre Domäne überall dort, wo Identität, Atmosphäre und Dauerhaftigkeit gefragt sind.“

Der Wandel bedeutet also keine Verdrängung, sondern eine funktionale Aufteilung.

Auch Car Wrapping gehört in vielen Betrieben des Zentralverbandes Schilder und Lichtreklame zum Arbeitsalltag. Foto: Sonja Angerer

Nachhaltigkeit als neuer Standard

Ein zentrales Zukunftsthema ist Nachhaltigkeit. Sie ist längst kein Zusatznutzen mehr, sondern ein Wettbewerbsfaktor. Die Umstellung auf LED-Technologie ist dabei ein Meilenstein: Sie spart in günstigen Fällen 70 – 80 % Energie und reduziert gleichzeitig den CO₂-Ausstoß.

Darüber hinaus gewinnen Themen wie intelligente Lichtsteuerung, Solarintegration und recyclingfähige Materialien an Bedeutung. Modulare Bauweisen zeigen, wie stark sich die Branche in Richtung Kreislaufwirtschaft entwickelt. Auch bei Folien und Druckmaterialien wächst das Angebot nachhaltiger Alternativen kontinuierlich.

„Die ZVSL-Betriebe haben das Thema Nachhaltigkeit nicht mehr als optionales Extra – es ist längst ein Wettbewerbsfaktor und in vielen Fällen auch regulatorische Pflicht“, betont er.

Fachkräftemangel und Imageproblem

Ein Paradox prägt die Branche: Obwohl der Beruf facettenreich und technisch anspruchsvoll ist, fehlt es an Nachwuchs.

Die Tätigkeit vereint Gestaltung, Produktion und Montage – von Digitaldruck über CNC-Fertigung bis hin zu Car-Wrapping. Gleichzeitig sind die Ergebnisse sichtbar und prägen das Stadtbild. „Ich glaube, es gibt kaum einen abwechslungsreicheren Ausbildungsberuf“, sagt Berenbrinker dazu. Er selbst begann seine Ausbildung vor über 40 Jahren, und trägt seit 1990 den Meistertitel.

Er ist überzeugt, das Problem liegt weniger im Beruf selbst als in seiner Wahrnehmung. Tatsächlich kennen viele Jugendliche das Tätigkeitsfeld nicht. Hier sieht der ZVSL Handlungsbedarf in stärkerer Öffentlichkeitsarbeit, Social Media und Kooperationen mit Schulen: „Das Potenzial ist vorhanden – die Branche muss es besser sichtbar machen.“

Roboter werden den Arbeitsalltag in Digitaldruck und Werbetechnik weiter verändern. Foto: Sonja Angerer

Zukunft: Evolution statt Revolution

Der Blick nach vorn zeigt ein differenziertes Bild. Das Kerngeschäft wird bestehen bleiben, doch Zukunfts-Technologien wie KI, Robotik, Digital Signage und 3D-Druck werden an Bedeutung gewinnen.

Der tiefgreifendste Wandel dürfte jedoch in den internen Prozessen liegen: digitale Workflows, papierlose Organisation und veränderte Arbeitsweisen werden den Alltag prägen.

Gerade kleineren Betrieben machen außerdem die immer weiter ansteigenden Dokumentations- und Nachweispflichten sowie langwierige Genehmigungsverfahren zu schaffen: „Das bedeutet hohen Beratungsaufwand, lange Wartezeiten und schwer kalkulierbare Projektverläufe“, klagt der Bundesinnungsmeister. Der ZVSL setzt sich deshalb für ein bundesweit einheitliches, vereinfachtes Anzeigeverfahren für satzungskonforme Werbeanlagen ein.

Fazit

Die Werbetechnik befindet sich im Spannungsfeld zwischen Tradition und Innovation – und genau darin liegt ihre Stärke. „Die Branche ist gefordert, diesen Wandel mitzugehen und sich – wie schon immer – an veränderte Bedingungen anzupassen“, betont er.

Handwerkliches Können, gestalterisches Feingefühl und technologische Kompetenz verschmelzen zunehmend zu einem ganzheitlichen Berufsbild. Die Zukunft gehört Betrieben, die beides beherrschen: das Erbe des Handwerks und die Möglichkeiten der digitalen Welt.

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