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Zukunftsperspektiven für den Inkjet: Produkte standardisieren oder Projektgeschäft?

by Sonja Angerer | 08.11.2023
Zukunftsperspektiven für den Inkjet: Produkte standardisieren oder Projektgeschäft?

Im Inkjet-Druck gibt es zwei grundsätzliche Möglichkeiten: Standard-Applikationen und Projektgeschäft. Welche ist für Ihr Unternehmen geeignet?

Für Druckdienstleister im großformatigen Inkjet-Geschäft wird es immer wichtiger, ihrem Unternehmen eine tragfähige Zukunftsperspektive zu geben. Dabei gibt es zwei grundsätzliche Möglichkeiten: Standardisierung und Projektgeschäft. In diesem Artikel wollen wir uns die Vor- und Nachteile beider Ausrichtungen einmal genauer ansehen.


BILDUNTERSCHRIFT: Alles andere als Standard: Fassaden-Nachbildung der Berliner St. Hedwigs-Kathedrale. Foto: S. Angerer

Standard-Applikation oder Projektgeschäft? Für viele Druckdienstleister stellt sich diese Frage im täglichen Ablauf gar nicht. Denn relativ einfache, standardisierte Aufträge wechseln ab mit komplexen Projekten. So bald ist aber darum geht, das Unternehmen für die Zukunft auszurichten und beispielsweise automatisierte Workflows einzuführen, wird es unumgänglich, Entscheidungen zur grundsätzlichen Ausrichtung zu treffen.


BILDUNTERSCHRIFT: Fahnen und Zaunplakate sind heute Standard-Applikationen, die man problemlos online bestellen kann. Foto: S. Angerer

Standard oder Projektgeschäft?

Die Liste von Standardapplikationen im Großformatdruck ist mittlerweile lang. So gehören Megaposter im festgelegten Format, Drucke für Messebausysteme und viele POS-Applikationen zum „täglich Brot“ vieler Druckdienstleister.

Dazwischen gibt es oft immer wieder spannende Projekte, wie etwa den Druck ganzer Fassaden, Verklebungen auf Verkehrsmitteln, individuelle Messestände, umfangreiche POS- Aktionen oder auch Ausstellungsbau in Museen.

Ein solcher „Gemischtwarenladen“ hat einige Vorteile. So sammelt das Unternehmen im Projektgeschäft einen Schatz von unterschiedlichen Fähigkeiten an.  Es entsteht ein großer und differenzierter Kundenstamm, was für den Erhalt des Unternehmens sicherer ist als eine einseitige Abhängigkeit von wenigen Großkunden. Nicht zuletzt schätzen viele Mitarbeiter Abwechslung im Arbeitsalltag.

Viele, sehr unterschiedliche Aufträge machen es aber auch schwierig, einheitliche Workflows zu etablieren. Dadurch sind die Möglichkeiten zur Automatisierung begrenzt. Das heutige wirtschaftliche Umfeld mit starkem Preisdruck und Fachkräftemangel macht solchen Unternehmen das Leben zunehmend schwer. Hinzu kommt das Problem, dass viele Kunden den Unterschied zwischen Standard-Applikation und Projektgeschäft gar nicht sehen. Sie fordern dann Quadratmeterpreise wie im Onlineshop, aber für eine komplexe Anwendung, die weit mehr als nur Drucken erfordert.


BILDUNTERSCHRIFT: Standard-Großformatdruck an der Fassade der Staatsgalerie Stuttgart. Foto: S. Angerer

Standard-Applikationen: Oft nur noch online

Große Web2Print-Portale wie Flyeralarm, Onlineprinters oder Wir machen Druck bieten heute längst Banner in Standardformaten sowie zentimetergenau auf Mesh, Vollplane oder Textil an. Im Online-Verkauf kommen die Vorteile, die sich durch große Mengen ergeben, voll zum Tragen. Denn die Einzelaufträge können sehr effizient und praktisch ohne Materialverlust gedruckt sowie automatisiert verarbeitet werden. Als Großabnehmer können Onlinedruckereien zudem wesentlich bessere Preise beim Einkauf von Verbrauchsmaterialien erzielen.

Voraussetzung für dieses Geschäftsmodell ist allerdings, dass Auftragserteilung, Druck, Finishing und Logistik weitgehend automatisiert ablaufen müssen. Der persönliche Kontakt mit dem Kunden ist nicht vorgesehen. Dadurch lässt sich viel Geld im Ablauf einsparen, allerdings wird so aber auch keine Kundenbeziehung aufgebaut. Mit loyalen Stammkunden ist im reinen Online-Geschäft also nicht zu rechnen.

Reine Online-Druckereien haben deshalb einen hohen Kapitalbedarf. Denn Werkzeuge und Maschinen müssen immer auf dem neuesten Stand sein, um eine möglichst effiziente Produktion zu ermöglichen. Zusätzlich sind die Werbekosten hoch, weil das Unternehmen online und offline immer sichtbar bleiben muss. Denn nur so lassen sich neue Kunden gewinnen und bestehende daran erinnern, weitere Aufträge zu platzieren.

Online-Druckereien bieten standardisierte Lieferzeiten, wenn es schneller gehen muss, wird meist ein erheblicher Aufschlag fällig. Das führt dazu, dass vor Ort zumeist im planbaren Schichten gearbeitet werden kann. Die Work-Life-Balance der Mitarbeiter verbessert sich dadurch deutlich, weil es weniger zu spontanen Überstunden kommt.


BILDUNTERSCHRIFT: Dieser ungewöhnliche Keen-Messestand dürfte kein ganz einfaches Projekt gewesen sein. Foto: S. Angerer

Private Portale als Alternative

Private Portale sind Online-Shops, die speziell für einen Großkunden aufgesetzt werden. Meist sind sie so gestaltet, dass die verschiedenen Abteilungen und Standorte ihre Drucksachen selbstständig beim Dienstleister beauftragen können. Die Standard-Applikationen, die dabei zur Auswahl stehen, wurden bereits mit dem Zentraleinkauf vereinbart.

Dadurch ergeben sich Vorteile für den Auftraggeber wie den Auftragnehmer. Denn Umfang und Preis der Applikationen stehen meist von vornherein fest. Dadurch lassen sich Workflows leicht standardisieren und automatisieren. Oftmals ist auch bereits ein gewisses Umsatzvolumen garantiert. Das Aufsetzen eines privaten Portals, vor allem wenn eine Anbindung an das Warenwirtschaftssystem des Kunden erfolgen soll, ist aber oft mit erheblichem Aufwand verbunden. Deshalb lohnt sich diese Variante nur, wenn eine mehrjährige Zusammenarbeit angestrebt ist, was allerdings wiederum zu einer Abhängigkeit vom Großkunden führen kann.


BILDUNTERSCHRIFT: Heute eher eine Besonderheit, aber zur Jahrtausendwende waren solche Über-Eck-Lösungen im Großformatdruck sehr weit verbreitet. Foto: S. Angerer

Inkjet-Druck im Projektgeschäft

Großformat-Applikationen, die beim Publikum wirklich Eindruck machen, sind reines Projektgeschäft. Also etwa komplett verhüllte Gebäude, aufsehenerregende Messestände, ein festlich dekoriertes Kaufhaus oder auch eine spannendes Fahrzeugverklebung. Nicht der Druck steht im Mittelpunkt, sondern seine Wirkung. Das bedeutet, dass die Fähigkeit des Druckdienstleisters als kreativer Problemlöser gefragt ist.

Häufig sind die Marketing- und Kreativ-Abteilungen in der Industrie stark ausgedünnt. Das führt dazu, dass sich immer mehr Print Buyer nach schlüsselfertigen Lösungen für ihre Kommunikationsprojekte umsehen. Dadurch müssen Druckdienstleister Aufgaben übernehmen, die nicht zu ihrem eigentlichen Kerngeschäft gehören. Darunter fallen beispielsweise Aufmaß, Planung, das Einholen von Genehmigungen, Montage, Abbau sowie Recycling.

Der Druck wird von einer Kernleistung zum Nebengeschäft, das oft nur einen Bruchteil der Auftragssumme ausmacht. Dadurch sinkt auch der Druck auf den Quadratmeterpreis. Druckdienstleister können so ihre Wertschöpfungskette erheblich verlängern. Allerdings bedeutet dies auch, dass sie viele Fähigkeiten und Kompetenzen ins Haus holen oder zukaufen müssen, die mit ihrem eigentlichen Kerngeschäft nichts zu tun haben.

Projektgeschäft ist oft kurzfristig und unwägbar, was sich negativ auf die Work-Life-Balance aller Mitarbeiter auswirken kann. Allerdings gibt es ja durchaus auch Arbeitnehmer, die es sehr genießen, wenn sie spannende Projekte planen und durchführen und dabei sogar womöglich noch an exotische Orte reisen können.

Druckdienstleister, die im Projektgeschäft tätig sind, arbeiten oft sehr langfristig mit ihren Kunden zusammen. Das liegt zum einen an den persönlichen Beziehungen, die typischerweise im Projektgeschäft entstehen. Zum anderen lassen sich die vielfältigen Erfahrungen und Kenntnisse, die bei gemeinsamen Projekten gesammelt werden, nicht so ohne weiteres auf einen neuen Anbieter übertragen.


BILDUNTERSCHRIFT: Für dieses Kunst-Projekt an der Münchner Leopoldstraße wurde die Hausfassade mitgedruckt. Foto: S. Angerer

Inkjet-Druck und Home-Office

Mitarbeiter wünschen sich heute, zeitweise oder komplett aus dem Home-Office arbeiten zu können. Die Industrie hat reagiert, in dem vielfach weniger Präsenztage gefordert werden. Für den Inkjet-Druck hat die doppelte Auswirkung. Denn die Ausgaben für klassische Außenwerbung wie POS-Werbung sinken tendenziell, wenn weniger Menschen in die Ballungsräume kommen, um dort ihre Arbeitstage zu verbringen. Dadurch sind spektakuläre Großformat-Projekte stärker gefragt, weil diese auch über die Medien in Print und Online sowie über Social Media verbreitet werden.

Gleichzeitig stellt der Trend zum Home-Office auch in der Druckindustrie diese selbst vor Herausforderungen. Denn bei Projektteams, die remote oder Teilzeit arbeiten, ist sorgfältige Abstimmung und eine gute Kommunikationskultur nötig. Nicht alle Arbeitnehmer, aber auch Manager, sind heute dafür schon ausgebildet oder bereit.

Bei Standard-Applikationen und einen festgelegten Workflow im Schichtsystem ist es dagegen relativ einfach, bestimmte Positionen wie etwa Administration oder Kundenservice ins Homeoffice auszulagern.

Ist das Projektgeschäft die Zukunft für den Inkjet-Druck?

Die Geschäftsmodelle im Inkjet-Druck sind heute diverser als je zuvor. Das führt dazu, dass jedes Unternehmen, ob groß oder klein, eine geeignete Ausrichtung wählen kann: Standard-Applikationen, Projektgeschäft oder vielleicht sogar eine Kombination aus beidem. Es lohnt sich allerdings immer, den eingeschlagenen Weg regelmäßig zu überprüfen, besonders wenn Investitionen anstehen.

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