Digitaldruck

Hersteller Tinten und alternative Tinten im Digitaldruck: Abwägungen, Anforderungen, Konsequenzen

by Sonja Angerer | 20.09.2023
Hersteller Tinten und alternative Tinten im Digitaldruck: Abwägungen, Anforderungen, Konsequenzen

Immer mehr Digitaldruckereien interessieren sich für alternative oder Drittanbieter-Tinten. Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede gibt es zu Hersteller-Tinten? Wann lohnt sich der Umstieg?

Erstausrüster (OEM)-Tinten oder alternative Angebote? Darüber wird in der Digitaldruck-Branche leidenschaftlich gestritten. Das Problem hat sich durch Lieferschwierigkeiten bei Verbrauchsmaterial noch einmal verschärft. Denn dadurch haben manche Druckdienstleister gar kein andere Wahl als von Hersteller- zu Drittanbieter-Tinten zu wechseln. Oder eben umgekehrt.

Abwägung: Wann Drittanbietertinte nutzen?

Neben dem erzwungenen Umstieg gibt es noch eine ganze Reihe weiterer Gründe, warum Druckdienstleister den Wechsel zu alternativen Tinten erwägen. Oftmals sehen sie sich nach neuen Lieferanten um, wenn es für einen vorhandenes, gut funktionierendes Gerät vom Hersteller keine Tinten mehr gibt. Das ist regelmäßig der Fall, wenn ein Großformatdrucker aus dem Programm genommen wird.

Hersteller wie die Easy Inks GmbH bieten für marktgängige Modelle Tinten an, die beim Hersteller nicht mehr zu erhalten sind. Dadurch können Maschinen länger genutzt werden, das ist ökonomisch wie ökologisch sinnvoll.

Manchmal gibt es für Druckmethoden wie etwa DTF oder Textildruck für Bekleidung auch gar keine Tinten vom Hersteller, so dass man auf das Angebot von Drittanbietern ausweichen muss. Spezial-Tinten gibt es etwa von Agfa, Fujifilm, Sawgrass  oder Sun Chemicals. Allerdings stehen sie zum Teil nur Systemintegratoren zur Verfügung und werden nicht an Endanwender verkauft.

Schließlich ist da noch Preisfrage. In der Regel sind alternative Tinten deutlich günstiger als das Angebot des Herstellers. Das muss nicht an Qualitätsunterschieden liegen. Denn nicht immer stellen die Hardware-Anbieter die unter ihrer Marke verkauften Tinten auch selbst hier. Verbrauchsmaterialien subventionieren aber nicht selten zusätzliche Angebote wie etwa Software oder Support. Gelegentlich wird auch versucht, günstige Hardware-Preise durch erhöhte Margen bei Verbrauchsmaterialien auszugleichen.

BILDUNTERSCHRIFT: Oft gibt es Tinten für Spezialanwendungen nur von Drittanbietern. Foto: S. Angerer

Welche Arten von Drittanbietertinten gibt es?

Alternativtinten gibt es in drei verschiedenen Formen:

  • Tintenkartuschen mit oder ohne Chip

  • Bulk- oder nach Nachfüllsysteme

  • Wiederbefüllte Original-Cartridges.

Hardware-Hersteller bauen ihre ihre Systeme Überprüfungsmechanismen ein, mit denen die Druckmaschine unter anderem den Füllstand und Haltbarkeit erkennt. Allerdings werden diese manchmal auch genutzt, um den Einsatz von Tinten von Alternativherstellern zu erschweren. Meist kommen dazu einfache Chips zum Einsatz, die an den Kartuschen befestigt sind.

Anforderungen an alternative und OEM-Tinten

Sowohl Drittanbieter Tinten als auch Tinten vom Hersteller haben das Ziel, ein optimales Druckergebnis zu erzielen. Dafür müssen sie bestimmte Anforderungen erfüllen, wie zum Beispiel:

  • Gute Haftung auf dem Material

  • Hohe Farbbrillanz und -beständigkeit

  • Gute Trocknung und Aushärtung

  • Geringe Geruchsentwicklung

  • Hohe Ergiebigkeit und Reichweite

  • Einfache Handhabung und Wartung.

Der Entwickler legt die grundlegenden Eigenschaften fest, die eine Tinte haben muss, wenn sie in seinem Druckkopf zur Anwendung kommen soll. Viele Hersteller von Digitaldruckmaschinen entwickeln ihre Druckköpfe nicht selbst, sondern kaufen diese von spezialisierten Firmen wie etwa Xaar zu. Dadurch kommen dieselben Druckköpfe in vielen Maschinen unterschiedlichster Anbieter zum Einsatz.

Trotzdem empfehlen Hardware-Hersteller meist nicht, Tinten einzusetzen, die universell für einen bestimmtem Druckkopf konzipiert wurden. Grund dafür können Unterschiede in anderen tintenführenden Teilen sein, aber auch proprietäre Druckmodi und Software-Einstellungen der jeweiligen Maschinen.

Alle Tinten, die in Europa auf den Markt kommen, müssen der Europäischen Chemikalienverordnung REACH, sowie den im jeweiligen Markt geltenden Bestimmungen für Arbeitssicherheit sowie Umweltstandards genügen.

BILDUNTERSCHRIFT: Hersteller gewähren meist nur Garantieleistungen, wenn man die Tinten direkt bei ihnen bezieht. Foto: S. Angerer

Konsequenzen: Garantie und Gewährleistung bei Tinten

Die gesetzliche Gewährleistung ist in den europäischen Staaten für Geschäftskunden unterschiedlich geregelt und unterscheidet sich stark von den Vorgaben für Endkonsumenten. Davon unabhängig ist die Garantie eine freiwillige Leistung des Lieferanten. Die Garantie kann weit über die Gewährleistung hinausgehen. Deshalb verknüpfen viele Drucker Hersteller ihre Garantieleistungen mit der Bedingung, dass nur Erstausstatter-Tinten benutzt werden dürfen.

In den meisten Ländern ist es für Hardware-Hersteller jedoch nicht möglich, die Gewährleistung innerhalb der gesetzlichen Frist komplett abzulehnen, nur weil alternative Tinten benutzt wurden. Dies kann allerdings schwer durchzusetzen sein, zumindest wenn es innerhalb der Gewährleistungsfrist zu Schäden an tintenführenden Teilen gekommen ist.

Deshalb bieten manche Hersteller von Alternativtinten an, für Schäden aufzukommen, die entstanden sind, nachdem Drucker auf ihre Tinten umgestellt wurden.

BILDUNTERSCHRIFT: Alternative Tinten sind zumeist deutlich günstiger als Tinten direkt vom Hersteller. Foto: S. Angerer

Was ist besser: alternative Tinte oder OEM-Tinten für Digitaldrucker?

Drittanbieter Tinten können eine gute Wahl bei begrenztem Budget sein. Auch wenn OEM-Tinten gerade nicht oder nicht mehr verfügbar sind, kann es sich lohnen auf Alternativen umzusteigen. Einen Digitaldrucker auf einen neuen Tintensatz umzustellen, bedeutet jedoch einen gewissen Aufwand. Deshalb sollte ein Tintenwechsel immer für einen längeren Zeitraum erfolgen.

Es lohnt sich daher, nicht den billigsten Anbieter zu wählen, sondern sich auf etablierte Marken wie etwa Easy Inks, Magenta Vision, Marabu oder Nazdar zu verlassen. Das stellt sicher, dass die Tinten den europäischen Vorgaben genügen und eine gleichbleibende Qualität aufweisen.

Tinten vom Hersteller können eine gute Wahl sein, wenn der Druckerbesitzer einen hohen Qualitätsanspruch hat und entsprechende Margen bei seinen Aufträgen erzielen kann. Herstellertinten bieten zumeist zuverlässige, gleichbleibende Qualität. Sie sind auf den Drucker und die Software bestmöglich abgestimmt. Manchmal sind Serviceverträge oder Garantieleistungen der Hersteller mit der Abnahme einer gewissen Tintenmenge pro Jahr verbunden.

Die Wahl zwischen Drittanbieter Tinten und Tinten vom Hersteller hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie zum Beispiel dem Budget, dem Qualitätsanspruch, dem Risikobereitschaft und dem Anwendungsbereich. Je nachdem, welche Prioritäten der Druckdienstleister hat, kann er sich für eine oder die andere Option entscheiden.

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