Die Geschichte der FESPA

Wann und warum die FESPA gegründet wurde

Der Kongress in Kopenhagen, Dänemark, vom 9.-14. Mai 1961

Dies ist einer der wichtigsten Termine in der Geschichte der FESPA, denn hier wurde die Entscheidung getroffen, eine unabhängige Vereinigung der europäischen Siebdruck-Fachverbände zu gründen, und Auszüge aus den seinerzeit gehaltenen Reden vermitteln ein klares Bild der Absichten und der Motivation hinter dieser Entscheidung.

Der Kongress, der vom dänischen Verband unter dem Vorsitz von Bjarne Dahl organisiert worden war, zog mehr als 300 Delegierte an, von denen viele mit ihren Ehefrauen anreisten. Es waren nicht nur sämtliche westeuropäischen Länder, sondern auch nicht-europäische Länder, wie die USA, Kanada und Argentinien vertreten.

Die folgenden Auszüge aus der von Bjarne Dahl, Präsident des dänischen Siebdruckverbandes, gehaltenen Begrüßungsrede belegen eindeutig die Bedeutung dieses Kongresses, aus dem heraus die FESPA zum Leben erwachte: „Während der Anfangsphase des Siebdrucks gab es keinerlei Kooperation jedweder Art; und jene, die es auf die eine oder eine andere Art geschafft hatten, einiges an Wissen über die Technologien zu gewinnen, bewahrten dieses Wissen eifersüchtig für sich. Dessen ungeachtet verbreitete sich der Siebdruck von einem Land zum anderen, obwohl bestimmte technische Geheimnisse erst nach Zahlung hoher Lizenzgebühren preisgegeben wurden.

Die Lieferanten von Siebdruckmaterialien bemerkten bald, dass ihr Umsatz von der Anzahl der Nutzer dieses Verfahrens abhing. Einige übernahmen selbst die Aufgabe, die Techniken zu unterrichten, für die sie im Gegenzug Einzellieferantenrechte verlangten. Dies war einer der Gründe, warum die Benutzer in einigen Ländern entschieden, Fachverbände zu bilden, um die Interessen der Branche im Auge zu behalten und eine einheitliche und ordnungsgemäße Ausbildung zu organisieren.

Dessen ungeachtet schulden wir unseren Lieferanten sehr viel, und die beeindruckende, derzeit hier stattfindende Ausstellung und auch unsere Fachsitzungen beweisen, dass unsere Lieferanten an die hervorragende und wachsende Zukunft des Siebdrucks glauben. Aufgrund des wachsenden Reiseaufkommens seit dem letzten Krieg haben die Siebdrucker aus der ganzen Welt persönliche Kontakte geschlossen und Erfahrungen sowie Ideen ausgetauscht. Der heutige Tag in Kopenhagen ist eine hervorragende Chance für uns alle, uns auf diesem fünften europäischen SPPA-Kongress kennenzulernen."

Die Gründe für eine unabhängige FESPA wurden von Bob Levisson, dem damaligen europäischen Präsidenten der SPPA, in einem Artikel erläutert, den er im April 1961 in Screen Printing & Display News verfasste. Dies sind einige der maßgeblichen Auszüge: „Einer der wichtigsten Gegenstände des europäischen Verbands war die Organisation der Siebdruck-Kongresse in Europa.

Es wurde allerdings bald klar, dass diese Kongresse nicht ausschließlich auf Mitglieder dieses europäischen Verbands beschränkt werden konnten; andere Mitglieder unseres Gewerbes wollten teilnehmen und wurden natürlich eingeladen, uns beizutreten. Diese Entwicklung ließ uns nachdenken. Wir zogen die Schlussfolgerung, dass für den einzelnen Siebdrucker - unabhängig davon, in welchem europäischen Land er lebte - seine eigene nationale Organisation natürlich wichtiger als die SPPA war.

Eine zweite Schlussfolgerung war die Dringlichkeit von Übersetzungen technischer Artikel aus dem Englischen. Die Schlussfolgerung ist, dass jeder Siebdrucker zuerst und vor allem seiner eigenen nationalen Organisation angehören sollte. Die verschiedenen europäischen Organisationen sollten dann (dies unter Beibehaltung ihrer vollständigen nationalen Unabhängigkeit) zusammen kommen, um eine europäische Vereinigung von Siebdruck-Fachverbänden zu bilden.

Diese Vereinigung sollte mit der amerikanischen SPPA verbunden sein, und jenen Personen, die weiterhin der SPPA angehören wollten, sollte dies auch weiterhin ermöglicht werden. Diese neu geschaffene Vereinigung wäre erheblich besser gestellt, um europäische Kongresse zu organisieren und über ihre eigenen Verbände als Verteilerzentrum für technische Informationen an alle Siebdrucker in Europa zu fungieren."

Der Kopenhagener Kongress legte nicht nur den Grundstein für die FESPA, er legte auch eine Norm für zukünftige Kongresse und Ausstellungen fest. Das Programm war hervorragend. Die von einem internationalen Ausschuss von Rednern gehaltenen Lesungen deckten Themen ab, die noch heutzutage relevant sind.

Die Ausstellung wurde von Herstellern und Zulieferern, von denen einige auf dem internationalen Markt für Siebdruckmaschinen und -zubehör Marktführer geworden sind, gut unterstützt. Als historische Anmerkung sei zu sagen, dass auf diesem Kongress erstmals der erste halbautomatische Drucker von Svecia und die Super-Zylindermaschine von McCormick präsentiert wurden wurden - Entwicklungen, welche die Produktivität des Siebdrucks revolutionieren sollten. Ein sehr volles und attraktives Rahmenprogramm half, die sprachlichen Barrieren abzubauen, und daraus erwuchsen Freundschaften sowie eine Zusammenarbeit, die seither ein Markenzeichen der FESPA sind.

Die Gründung der FESPA in Hamburg, September 1962

In der Folge des Kopenhagener Kongresses wurde ein Lenkungsausschuss eingerichtet, der beim Entwurf der Regeln und Ziele der neuen Organisation rasch Fortschritte erzielte. Es bestanden jedoch einige Meinungsverschiedenheiten darüber, ob die Mitgliedschaft von Einzelpersonen oder nationalen Verbänden wahrgenommen werden sollte.

Der britische Verband DPSPA vertrat in hohem Maße durch eine Delegation unter der Leitung von Roy Foster und Ashford Down seine Ansicht, dass dies im Wesentlichen eine Vereinigung nationaler Verbände zu sein habe, dass nur ein Verband jedes Land vertreten solle und dass eine Mitgliedschaft einer Einzelperson nur dann erlaubt werden würde, wenn kein nationaler Verband besteht.

Es bestand auch ein Konsens darüber, dass die neue Organisation nicht von der amerikanischen SPPA abhängig sein oder auf irgendeine Weise unter der Kontrolle der amerikanischen SPPA stehen sollte. Auch dieser Punkt wurde akzeptiert, wenngleich die Vertretung der FESPA im internationalen Vorstand der amerikanischen Vereinigung (SGIA) bis zum heutigen Tage andauert. Viele Jahre lang nahm auch der Präsident der amerikanischen Vereinigung an FESPA-Versammlungen teil – jedoch ohne Stimmrecht.

Nicht alle früheren Mitglieder der europäischen Sektion der SPPA akzeptierten diese Veränderungen; und einige, wie Paul Sprinzel, die sehr aktiv in der Sektion gewesen waren, traten niemals ihrem nationalen Verband bei und setzten ihre Mitgliedschaft der SPPA als Einzelpersonen fort. Es gibt viele Siebdrucker in Europa mit einer Mitgliedschaft sowohl in ihrem nationalen Verband als auch der aktuellen SGIA.

R. Levisson (Niederlande) wurde zum ersten Präsidenten bestellt, wobei E. Baron (Frankreich), J. Floyd (Großbritannien) und E. Meissner (Deutschland) als Vizepräsidenten bestellt wurden. Die Gründungsverbände waren durch Bob Levisson (Niederlande), John Floyd und Roy Foster (Großbritannien), Poldi Domberger und Eddy Meissner (Deutschland), E. Baron und Michel Caza (Frankreich), Bjšrg Hemberg (Schweden), Bjarne Dahl (Dänemark), Christian Brynildsen und Edgar Hartvedt (Norwegen) sowie Carlo Frassinelli (Italien) vertreten. Der erste Generalsekretär war N. Schenkman (Niederlande).

Die Vereinigung wurde als Verband nach niederländischem Recht gegründet und ihre Anschrift war jene des niederländischenFachverbands der Druckereibranche, der KVGO.

Die Ziele der Vereinigung wurden als „Austausch von Wissen über den Siebdruck, der Aufbau einer engen Zusammenarbeit zwischen Siebdruckern und Zulieferern sowie die Förderung des Siebdrucks in Europa” beschrieben. Diese sind bis zum heutigen Tag unverändert geblieben. Der FESPA-Rat umfasste Delegierte der verbundenen nationalen Verbände mit einem zur Stimmabgabe berechtigten Delegierten für jeweils einhundert Mitglieder. Der Rat versammelte sich normalerweise einmal pro Jahr. Die tagtägliche Verwaltung war Aufgabe des „Präsidiums”, das den Vorsitzenden, drei stellvertretende Vorsitzende und den Generalsekretär umfasste.

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Probleme der Anfangsjahre

In diesen Anfangsjahren gab es viele Schwierigkeiten. Zu jener Zeit war Englisch nicht die Generalsprache bei den Versammlungen, und viele Delegierte sprachen und verstanden nur sehr wenig Englisch. Infolge dessen waren die Versammlungen oft sehr langwierig, unter permanentem Dolmetschen durch Bob Levisson und die Sekretärin Frau Becky de Die, die beide mehrere Sprachen beherrschten.

Die unterschiedlichen nationalen Kulturen und Mentalitäten waren manchmal schwer zu begreifen und zu akzeptieren. Zu verschiedenen Zeiten drohten der britische und der französische Verband damit, aus der FESPA auszutreten, weil sie nur einen geringen Nutzen sahen und die Mitgliedsbeiträge als überhöht betrachtet wurden. Nur durch Bob Levissons geschickte Führung gelang es, dass sich die FESPA weiterentwickelte und gedieh.

1962 - 1975 Weiterentwicklung der FESPA-Aktivitäten

Es ist bemerkenswert, dass mit einem Budget von nicht mehr als 40.000 niederländischen Florins jedes Jahr so viel erreicht wurde, hauptsächlich durch die persönlichen Bemühungen einzelner Mitglieder des Präsidiums und des Rates. Die Verbreitung technischer und gewerblicher Informationen und die Weiterentwicklung von geschäftlichen und gesellschaftlichen Kontakten unter den Mitgliedern der verschiedenen nationalen Verbände waren Prioritäten und wurden auf folgende Art und Weise erreicht:

* Alle zwei Jahre wurden internationale technische Seminare abwechselnd in den unterschiedlichen Ländern und mit Simultandolmetschern in drei oder vier Sprachen abgehalten.

Es wurden Studienreisen mit Besuchen bei Siebdruckern und Herstellern, auch hier wiederum abwechselnd in den unterschiedlichen Ländern, organisiert. Diese erwiesen sich als außerordentlich wertvoll und wurden gut angenommen. Die hohen Standards für die Sauberkeit im Betrieb, die vor allem in den skandinavischen Ländern erreicht wurden, waren ein „Augenöffner” für viele Besucher, deren eigene Normen weit unter diesem Niveau lagen. Es lag der bemerkenswerte Wille vor, technische und gewerbliche Informationen auf diese Weise offenzulegen, was zweifelsohne einer der wichtigsten Faktoren für die schnelle Weiterentwicklung des Siebdrucks war.

* Das FESPA-Mitgliedschaftsverzeichnis, das die Adressen aller Mitglieder der FESPA-Verbände enthielt, war eine wichtige Informationsquelle, um es den Siebdruckern in Europa zu ermöglichen, sich gegenseitig zu kontaktieren, und von dieser Möglichkeit wurde auch in hohem Maße Gebrauch gemacht. Häufig ergriffen Mitglieder auf Geschäfts- oder Urlaubsreisen die Gelegenheit, geschäftliche Kontakte zu pflegen, die in vielen Fällen zu einem sehr wertvollen Austausch technischer Informationen führte. Das Verzeichnis wurde aus Werbung finanziert und Jahr für Jahr bis in die frühen 80er Jahre aktualisiert, als es eingestellt wurde.

* Ein Verzeichnis mit den Fachbegriffen aus dem Siebdruck war ein Projekt, das von Bjarne Dahl aus Dänemark geleitet wurde. Viele quälende Stunden wurden für die korrekte Übersetzung der technischen Fachbegriffe aus dem Siebdruck in die Sprachen Englisch, Deutsch, Französisch, Niederländisch und Italienisch verbracht.

Allerdings war dieses Werk letztlich die Mühe wert, denn als Ergebnis ergab sich ein Verzeichnis mit den Fachbegriffen aus der Welt des Siebdrucks mit einem Querverweis zwischen den fünf Sprachen. Die Veröffentlichung erfolgte schließlich im Jahr 1968. In jüngerer Zeit ist das Verzeichnis von der ESMA aktualisiert und verbessert worden, und die nationalen Verbände haben es beispielsweise mit der Einbindung der spanischen und ungarischen Sprache erweitert.

FESPA-Messen

1963 wurde Paris als Veranstaltungsort für die erste Messe der FESPA, die vom französischen Verband organisiert wurde, gewählt. Zu jener Zeit herrschte eine rege Tätigkeit unter den Maschinenherstellern bei der Weiterentwicklung neuer Siebdruckmaschinen, die eine höhere Produktivität und einheitlichere Erfassung versprachen. Die schönen Künste und die Serigraphie zogen weiterhin starkes Interesse auf sich, und die Besucher warenerfreut, als sie die Messe mit Postermustern dieses Werks verließen.

Die Züricher Messe von 1966 war das nächste Ereignis, und die FESPA-Messen wurden bereits größer und internationaler. Jeder Messetag wurde von einer gut besuchten Fachkonferenz begleitet. Im Jahr 1968 wurden die Olympia-Messehallen in London zum Veranstaltungsort der FESPA. Zum ersten Mal wurde dieses Ereignis vom professionellen Unternehmen Batiste und nicht vom Nationalverband organisiert.

Erneut wurden die Messestände größer und der erste Stock der Messehallen wurde den vorwiegend aus Großbritannien stammenden Siebdruckern gewidmet, die eine eindrucksvolle Ausstellung von im Siebdruck hergestellten Werken darboten. Es bestand viel Interesse an dem vierfarbigen Halbton-Werk, das seinerzeit gerade von einem oder zwei Unternehmen entwickelt wurde... eine neue Weiterentwicklung für den Siebdruck! Die Besucher wurden erheitert, als der deutsche Präsident Eddy Meissner vor der sehr britischen Wächterbrigade salutierte, die als Hauptunterhaltungsbeitrag im Kontermarsch lief!

Mit der Hamburger FESPA von 1970 und erneut mit der Amsterdamer FESPA im Jahr 1973 wuchs die Messe weiter und zog eine zunehmende Anzahl von Delegierten nicht nur aus Europa, sondern auch aus den USA, Japan, Australien und Südafrika an.

Die Mailänder FESPA im Jahr 1975 war hingegen nahezu ein Fiasko. Unter Einhaltung ihrer Richtlinie, die Messe  immer im Wechsel in einem anderen Land in ganz Europa abzuhalten, hatte das FESPA-Präsidium Mailand als Veranstaltungsort für die nächste Messe zugestimmt. Es gab jedoch ernsthafte Probleme. Trotz des großen Beitrags, den Italiens Vertreter Carlo Frassinelli persönlich geleistet hatte, wurde er nicht von einem zusammenhängenden Verband unterstützt, und es wurde offensichtlich, dass es in der Organisation aus dieser Quelle keine örtliche Unterstützung gäbe.

Viele deutsche Hersteller und Zulieferer sahen nur wenig Sinn in einer Messe in Italien, wo die Märkte von starken italienischen Herstellern dominiert wurden, und daher verweigerten viele anfänglich eine Teilnahme. Schließlich kam es zu einem Kompromiss, der aber zu einer viel geringeren Präsenz einiger deutscher und Schweizer Unternehmen als in der Vergangenheit führte.

Um das Organisationsproblem zu lösen, übernahm Harold Schneider von Batiste Publications, der die Londoner Messe von 1968 so erfolgreich geplant hatte, freiwillig die Verantwortung, und Mailand war in Bezug auf die Anzahl der Aussteller, die die Messe schließlich anzog, erfolgreicher als erwartet.

Allerdings war die Anzahl der Besucher wegen eines Streiks einer Fluglinie und anderer nationaler Streiks, durch die Italien zu jenem Zeitpunkt lahmgelegt wurde, sehr beschränkt, denn die Bewirtung in den Hotels war stark beeinträchtigt. Mit nur 48 Stunden Vorankündigung mussten die Gäste für das Gala-Dinner von Bussen 30 Kilometer weit in die Schweiz befördert werden, damit das Ereignis fortgesetzt werden konnte... ein Triumph für das Organisationstalent von Harold Schneider! Dessen ungeachtet gab Mailand 1975 Anlass zu einer deutlich geänderten Planungsleitlinien für künftige FESPA-Ausstellungen.

1975 - 1990 Jahre des beständigen Fortschritts

Unter der starken Leitung von Eddy Meissner von 1968 bis 1975, unterstützt durch die exzellenten Sekretariats- und diplomatischen Fähigkeiten von Becky de Die, der Generalsekretärin, war die FESPA zu einem Berufsverband mit einem größeren Ereignis in Form eines jährlichen Kongresses, einer Studienreise oder einer Messe gereift.

Allerdings führten die Probleme der  Mailander Messe von 1975 zu viel Kritik seitens der Aussteller, und bei einer gut besuchten und stürmischen Versammlung der Zulieferer im folgenden Jahr wurde der FESPA nachdrücklich empfohlen, ihre Politik der Veranstaltung der Messe an wechselnden Standorten in Europa, die sie nicht voll unterstützen konnten, aufzugeben und auch zu einem Rhythmus von jeweils vier Jahren überzugehen, um eine zweijährige Zeitlücke zwischen FESPA und DRUPA zu erreichen. Mit der Zustimmung des FESPA-Vorstands wurde unter dem Vorsitz von Tom Kirk (Sericol), dessen Nachfolger Walter Frick (Marabu) war, ein Lieferantenausschuss eingerichtet.

Dieser Ausschuss arbeitete eng mit der FESPA bei der Planung künftiger Messen zusammen und spielte eine wichtige Rolle bei der Gründung der ESMA im Jahr 1990. Es wurde beschlossen, dass die nächste FESPA-Messe nach Amsterdam zurückkehren würde, denn dieser Standort hatte sich im Jahr 1973 als sehr erfolgreich erwiesen. Dies führte zu vier aufeinanderfolgenden Ausstellungen in dieser Stadt in den Jahren 1979, 1984, 1988 und 1992.

Amsterdam war sowohl bei Ausstellern als auch Besuchern aufgrund der Attraktionen der Stadt und der Blumenzwiebelfelder in den Niederlanden im Frühling, wenn die Messen stattfanden, beliebt. Auch die Effizienz und Sprachkenntnisse der Niederländer waren ein wichtiger Faktor. Es gab eine starke Unterstützung seitens des niederländischen Siebdruckverbands mit einem Sondermesseausschuss unter dem Vorsitz von Ivo Back (FESPA-Präsident von 1979 - 1984), der bei seiner Planung akribisch vorging. Während dieses Zeitraums wuchs die Messestandfläche von 9.000 m2 auf mehr als 20.000 m2 und die Besucherzahl von 15.000 auf 25.000. Die FESPA-Messe hatte ihren Anspruch, das größte und bedeutendste internationale Ereignis für den Siebdruck zu werden, nun voll erreicht.

Allerdings wurden andere FESPA-Ereignisse zunehmend in den Hintergrund gestellt. So wurden Fachseminare während einer FESPA-Messe eingestellt, um sicherzustellen, dass sich die Besucher auf die Messestände konzentrierten. Auch mit der Zunahme an technischem Wissen und der steigenden Anzahl von auf nationaler Ebene organisierten Seminaren nahmen die Besucherzahlen bei internationalen Seminarveranstaltungen ab.

Die letzte davon wurde 1987 in Santa Margarita, Italien abgehalten. Aus ähnlichen Gründen war die Teilnahme an Studienreisen ebenfalls rückläufig. Eine Reihe der größeren Siebdruckunternehmen organisierte selbst Besuche bei ausgesuchten Unternehmen und auch die Mitgliedsverbände organisierten Studienreisen auf nationaler Basis.

Dessen ungeachtet führte eine abschließende FESPA-Studienreise mit dem Titel „Erweiterung der Horizonte des Siebdrucks", die von Michael Domberger während seiner Amtszeit als Präsident organisiert wurde, Delegierte zu einigen Nischenanwendungen des Siebdrucks in der Schweiz, wie zum Beispiel der Dekoration von Süßwaren und dem Bedruckvorgang von Swatch-Armbanduhren. Diese Reise war ein großer Erfolg.

Innerhalb der Organisation der FESPA  stand hauptsächlich wegen eines Mangels an finanziellen Mitteln die Zukunft des Sekretariats auf dem Spiel. Becky de Die, die der FESPA seit nahezu 15 Jahren als Generalsekretärin so gut gedient hatte, verstarb im Jahr 1977.

Jan van de Hšrst wurde für kurze Zeit ihr Nachfolger, und dann, im Jahr 1978, Bob de Ruijter, übernahm der damalige Sekretär für den Siebdruckbereich der niederländischen Druckermeister, der KVGO, den Posten. Bald allerdings sah sich die FESPA mit der Entscheidung der KVGO konfrontiert, dass sie die Kosten eines FESPA-Sekretariats nicht länger subventionieren konnte, wie sie dies in der Vergangenheit getan hatte. Es wurden verschiedene Lösungen besprochen und eine nach der anderen zurückgewiesen.

Schließlich wurde im April 1981 die Vereinbarung erzielt, das Sekretariat zur International Master Printers Association (IMPA) nach London zu verlegen, denn hier befand sich der Sitz einer professionell aufgestellten Organisation, die unter der Leitung von Geoffrey Wilson stand, der zudem auch über hervorragende Sprachkenntnisse und Erfahrungen bei der Arbeit für die Master Printers Association in Europa verfügte.

Dies erwies sich als eine hervorragende und vergleichsweise kostengünstige Lösung. Das neue Sekretariat organisierte erfolgreich eine Reihe von Ereignissen und beteiligte sich an den Vorbereitungen für die FESPA im Jahr 1984 in Amsterdam. Allerdings wurde der Sitz der IMPA im Jahr 1984 nach Brüssel verlegt, wo sie zur Intergraf wurde und die Verantwortung übernahm, ihre Mitglieder in der EU zu vertreten.

Obwohl die Intergraf  dem Bedarf des Sekretariats der FESPA weiterhin diente, wurde die Verfügbarkeit von Personal, das sich diesem Bedarf widmete, beträchtlich reduziert, und die Kosten in Brüssel lagen deutlich höher als in London.

Bis zum Jahr 1989 ermöglichten die verfügbaren finanziellen Mittel der FESPA eine nur sehr begrenzte Zeit, um von Intergraf abgekauft zu werden, und dies war nicht ausreichend, um einem vollständigen Programm der FESPA-Aktivitäten einschließlich der Redaktion der FESPA-Zeitschrift, die in jenem Jahr eingeführt worden war, nachzukommen.

Als bekannt wurde, dass Derek Down, ein langjähriges Mitglied des FESPA-Vorstandes, die Branche nach einer Übernahme seiner Muttergesellschaft verlassen würde, wurde er von Michael Domberger angesprochen, um die Position des FESPA-Generalsekretärs zu übernehmen, und nach dem Beschluss der FESPA-Hauptversammlung akzeptierte er den Posten, und die FESPA-Unterlagen und -Archive wurden im Dezember 1989 von Brüssel zu einem neuen Sitz in Reigate, Surrey, transportiert.

1990 - 2002 Neue Herausforderungen... Neue Chancen

Mit der Ernennung eines mit Derek Down (Generalsekretär) und Joy Allson besetzten Vollzeit-FESPA-Sekretariats zu Beginn des Jahres 1990 wurde es erstmalig möglich, neue Programme zu entwickeln. Eines davon war die FESPA-Zeitschrift, die im Jahr 1989 von Michael Domberger mit der Vision ins Leben gerufen wurde, dass jedes FESPA-Mitglied sein eigenes Examplar in den Händen halten würde, um alle über die FESPA-Aktivitäten und die Neuigkeiten aus anderen Verbänden auf dem Laufenden zu halten.

Derek Down akzeptierte die Chefredaktion als eine seiner vielen Aufgaben. Die Zeitschrift wurde zweimal pro Jahr in den Sprachen Englisch, Deutsch und Französisch veröffentlicht (wobei später noch Spanisch hinzugefügt wurde).

Die Werbeeinnahmen reichten nicht aus, um die Produktionskosten für die Zeitschrift zu decken, und bis zum Jahr 1993 machte jede Ausgabe einen erheblichen Verlust. Um dieses Problem zu lösen, wurde Nigel Steffens angeheuert, um dem Sekretariat als Werbeleiter im Januar 1993 beizutreten. Er schaffte es mit Erfolg, die Zeitschrift in die schwarzen Zahlen zu führen. Seine Zuständigkeiten wurden um die Organisation von Seminaren und „Mini-FESPAs“ erweitert.

Im Januar 2000 wurde Nigel Steffens im Rahmen des stufenweise umgesetzten Plans der Pensionierung von Derek Down zum Generalsekretär bestellt, um sein Nachfolger zu werden. Es wurde jedoch vereinbart, dass Derek Down eine Reihe von FESPA-Aufgaben, einschließlich der Chefredaktion der Zeitschrift, bis zum Dezember 2002 weiterführen würde.

Die jährliche Sekretärsversammlung

Auf der FESPA-Hauptversammlung im Jahr 1989 waren die skandinavischen Länder stark vertreten, um eine stärkere Beteiligung an der FESPA zu erlangen. Als Reaktion darauf organisierte der Generalsekretär ab 1990 jährliche Versammlungen der Verbandssekretäre. Diese Versammlungen erwiesen sich für den Aufbau einer engen Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedsverbänden und bei der Einreichung wichtiger Themen zur Kenntnisnahme durch den FESPA-Vorstand und die Hauptversammlung als sehr nützlich.

ESMA – der Europäische Siebdruck-Herstellerverband

Diese Organisation wurde im Sommer 1990 anfänglich mit dem Ziel gegründet, eine vollkommen unabhängige Organisation zu sein, die sich mit wichtigen Aspekten befasst, welche sowohl für die europäischen Siebdruckhersteller als auch die Zulieferer von Belang sind. Allerdings wurde unter der Leitung von Walter Frick, Marabu, seinerzeit Vorsitzender des Zuliefererausschusses, vereinbart, dass die ESMA als unabhängige Organisation ein Mitglied der FESPA mit Anwesenheit ohne Stimmrecht an den FESPA-Vorstandssitzungen und einer vollständigen Mitgliedschaft mit Stimmrecht bei der FESPA-Hauptversammlung werden würde.

Um die Kommunikation zwischen der FESPA und der ESMA weiter zu fördern, akzeptierte Derek Down die zusätzliche Verantwortung des ESMA-Generalsekretärs. Die daraus resultierende, der FESPA entgegengebrachte Unterstützung für die Zeitschrift sowie für die „Mini-FESPAs“, die Seminare und die FESPA-Messe hat in hohem Maße zum Erfolg dieser Aktivitäten beigetragen.

Osteuropäische Mitgliedschaft

Die Öffnung des „Eisernen Vorhangs des Kommunismus" im Herbst des Jahres 1989 bot zum ersten Mal eine freie Kommunikation mit den Ländern Mittel- und Osteuropas. Der Siebdruck hatte seine Tätigkeiten unter dem kommunistischen Regime -  hauptsächlich im Bereich der Textilien und in Branchen wie beispielsweise der Glasmanufaktur, der Keramik und Elektronik - sehr aktiv fortgesetzt.

Westeuropäische Zulieferer von Siebdruckprodukten trieben bereits über Regierungsbehörden als ihre Kunden Handel. Es flammte ein neues Interesse an diesen Ländern auf, um das Potenzial zu erleben, das sie in Westeuropa, insbesondere in Werbeprodukten, sahen. Die Tschechoslowakei, die während eines kurzen Zeitraums in den späten 60er Jahren - vor der kommunistischen Beherrschung - Mitglied gewesen war, war das erste Land, das sich erneut der FESPA anschloss, gefolgt von Ungarn, Polen, Rumänien, Bulgarien, Russland (Moskau), Kroatien, Slowenien, Jugoslawien und der Türkei.

Die Mitgliedschaft der Tschechoslowakei wurde darauffolgend in die getrennte tschechische und slowakische Republik unterteilt. Auf diese Weise nahm die Zahl der FESPA-Mitgliedschaften über einen Zeitraum von zwölf Jahren von 14 auf 26 Nationen zu, und mit den Vereinigten Baltischen Staaten, die das im Jahr 2005 jüngst rekrutierte Mitglied darstellen, sind es heute 27 Länder.

Die FESPA bot diesen neuen Mitgliedern über eine Reihe von „Mini-FESPAs" direkte Hilfe an. Dabei handelt es sich um ein von Michael Domberger vorgeschlagenes und den Präsidenten Lascelle Barrow und Michel Caza erfolgreich umgesetztes Konzept, einschließlich Produktinformationsständen und eines zweitägigen Seminars in den Ländern Ungarn, Polen, Tschechien und Slowenien.

Die ESMA unterstützte diese Begegnungen sehr stark, womit sie ihre Mitgliedervertretungen in diesen Ländern in hohem Maße förderte. Diese Programme brachten den Ländern, in denen diese Begegnungen veranstaltet wurden, finanzielle Vorteile sowie Vorteile aus der Mitgliedschaft.

Die FESPA bot weitere Unterstützung in Bezug auf Schulungen an, denn diese waren eine vorrangige Erfordernis für die Länder Osteuropas; diese Unterstützung wurde in Form der Finanzierung von Schulungsanleitern aus Westeuropa bereitgestellt, um Schulungen abzuhalten.

Die Digitale Herausforderung

Die 90er Jahre waren ein Zeitraum, in dem die Digitaltechnologie die Welt in so vieler Hinsicht revolutioniert hat. In der Druckbranche wurde dies zunächst bei der Druckvorstufe beobachtet, wo die Druckvorlagen nun fast ausschließlich in einem digitalen Format angefertigt wurden. Auf der FESPA '96- hielt die FESPA während zwei Tagen Seminare ab, bei denen den Siebdruckern die Chancen und Herausforderungen der digitalen Technologie nähergebracht wurden. In den nächsten vier Jahren folgte eine Reihe von Seminaren, um die Siebdrucker für die unvermeidlichen künftigen Veränderungen zu rüsten.

FESPA-Messsen

Nach einer weiteren erfolgreichen FESPA-Messe in Amsterdam im Jahr 1992 hatte die FESPA erwartet, im Jahr 1996 unter Zuhilfenahme der Dienste eines unabhängigen Organisators noch einmal nach Amsterdam zurückzukehren. Allerdings konnte mit der RAI-Organisation in Amsterdam zu diesem Punkt keine Einigung erzielt werden, und es wurde infolgedessen beschlossen, die Messe nach Lyon, Frankreich, zu verlegen.

Dies hatte den Vorteil, dass neue Besucher aus den sich schnell entwickelnden Siebdruckmärkten in Frankreich, Spanien und Portugal angezogen werden konnten. Trotz anfänglicher Bedenken seitens der Aussteller erwies sich dies als ein sehr erfolgreiches Ereignis mit einer hohen Besucheranzahl und einem starken Interesse an den digitalen Unternehmen, die erstmals bei der FESPA ausstellten.

Bei den folgenden Messen in München im Jahr 1999, Madrid im Jahr 2002, erneut in München im Jahr 2005 und Berlin 2007 nahm der prozentuale Anteil der Ausstellungsfläche, die von digitalen Unternehmen besetzt wurde, bei jedem Mal weiter zu, und es wird erwartet, dass sich dieser Trend auch in der Zukunft fortsetzt.

Nach der Einführung einer Messe in Indien im Jahr 2005, mit einer Wiederholung im Jahr 2007 und einer dritten FESPA-Messe im Jahr 2009 ist die FESPA zu einem internationalen Messeveranstalter aufgestiegen. Im Jahr 2008 veranstalteten wir auch erstmalig in Bangkok - FESPA Asien Pazifik - eine Messe. Im gleichen Jahr fand auch die erste FESPA-Messe in Mexiko - mit einer Folgeveranstaltung im August 2009 - statt. Diese wurden zusätzlich zu der ersten FESPA-Sonder-Digitalmesse (in Amsterdam im Jahr 2006) veranstaltet; eine weitere fand 2008 in Genf und eine Dritte im Jahr 2009 in Amsterdam statt. Die nächste Sonder-Digitalmesse wird 2011 in Hamburg stattfinden.

Zum Abschluss dieses kurzen Überblicks ist es bemerkenswert, wie die FESPA im Verlauf ihrer Geschichte zu einer starken und einflussreichen Organisation herangewachsen ist. Dies ist der Vision und Initiative der frühen „Gründungsväter" zu verdanken, die in den aufeinanderfolgenden Präsidentschaften fortgesetzt wurden.

Auch der Beitrag der nationalen Verbände und der ESMA sollte nicht unterschätzt werden, denn die von diesen Organisationen entgegengebrachte Unterstützung und ihr Interesse sorgten dafür, dass der FESPA-Vorstand neuen Initiativen gegenüber stets aufgeschlossen blieb, um die Ziele der FESPA engagiert zu fördern.

Anhang

FESPA-Präsidenten 1962 - 2002


R Levisson (Netherlands) 1962 - 1968
E Meissner (Germany) 1968 - 1975
W Rayment (UK) 1975 - 1979
I Back (Netherlands) 1979 - 1984
D Down (UK) 1984 - 1988
M Domberger (Germany) 1988 - 1992
L Barrow (UK) 1992 - 1996
M Caza (France) 1996 - 1999
C van den Berg (Netherlands) 1999 - 2000
M Caza (France) 2000 - 2002
Ricardo Rodriguez Delgado (Spain) 2002 - 2005
Hellmuth Frey (Germany) 2005 - 2007
Anders Nilsson (Sweden) 2007 -

FESPA General Secretaries

R. Levisson (Niederlande) 1962 - 1968

E. Meissner (Deutschland) 1968 - 1975

W. Rayment (Großbritannien) 1975 - 1979

I. Back (Niederlande) 1979 - 1984

D. Down (Großbritannien) 1984 - 1988

M. Domberger (Deutschland) 1988 - 1992

L. Barrow (Großbritannien) 1992 - 1996

M. Caza (Frankreich) 1996 - 1999

C. van den Berg (Niederlande) 1999 - 2000

M. Caza (Frankreich) 2000 - 2002

Ricardo Rodriguez Delgado (Spanien) 2002 - 2005

Hellmuth Frey (Deutschland) 2005 - 2007

Anders Nilsson (Schweden) 2007 -

FESPA-Generalsekretäre

N. Schenkman (Niederlande) 1962 - 1963

B. de Die (Niederlande) 1963 - 1977

J. van de Hšrst (Niederlande) 1977 - 1978

R. de Ruijter (Niederlande) 1978 - 1981

G. Wilson (Großbritannien / Belgien) 1981 - 1989

D. Down (Großbritannien) 1989 - 1999

N. Steffens (Großbritannien) 2000 - 2013

S. Holt (Großbritannien)  2014 -

Träger der FESPA

Verdienstauszeichnungen, die für herausragende Leistungen für den Siebdruck oder die FESPA verliehen wurden

I. Back (Niederlande)

W. Frick (Deutschland)

E. Hartfeld Johansson (Schweden)

R. Levisson (Niederlande)

J. Peters (Belgien)

D. Down (Großbritannien)

E. Hartvedt (Norwegen)

M. Caza (Frankreich)

FESPA-Messen

1963 Paris

1966 Zürich

1968 London

1970 Hamburg

1973 Amsterdam

1975 Mailand

1979 Amsterdam

1984 Amsterdam

1988 Amsterdam

1992 Amsterdam

1996 Lyon

1999 München

2002 Madrid

2005 München

2007 Berlin

2010 München

2005, 2007 & 2009 FESPA Indien

2008 & 2009 FESPA Mexiko

2006 & 2009 FESPA Digital Amsterdam

2008 FESPA Digital Genf

2011 FESPA Digital Hamburg

2008 FESPA Asien-Pazifik

Das „FESPA World Magazine“

Das FESPA World Magazine, das bis 2010 gedruckt wurde, befasste sich mit dem europäischen Sieb-, dem Großformat-Digital-, dem Tampondruck und ähnlichen Verfahren, und unsere Mitglieder - die gewerblichen und industriellen Drucker in ganz Europa - betrachten die „FESPA" als das Sprachrohr ihrer Welt der Druckerei. Unsere Menschen sind uns wichtig