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Wie macht man das? Großformate produktiv und verlässlich drucken

von Sonja Angerer | 23.04.2021
Wie macht man das? Großformate produktiv und verlässlich drucken

Was bedeutet Produktivität im Großformatdruck, und mit welchen Werkzeugen lässt sie sich verbessern?

 „Produktivität? Eigentlich gerade nicht unser Problem, wir haben sowieso zu wenig zu tun“, sagte mir kürzlich ein Druckdienstleister. Eine Situation, die sehr wahrscheinlich mehr Mitbewerbern bekannt ist, als uns allen lieb sein dürfte. Doch die Reaktion vieler Druckereien darauf erscheint etwas befremdlich. Denn wenn man nicht ohnehin plant, den Laden ganz zu schließen, gab es selten einen besseren Zeitpunkt, um Arbeitsabläufe und die tägliche Praxis einer Revision zu unterziehen, als jetzt, wo das Geschäftsaufkommen noch relativ niedrig ist. Lassen Sie mich das etwas genauer erläutern.

Nun, da die Wirtschaft in vielen Regionen wieder anzieht, ist die Einrichtung eines zuverlässigen, effizienten Workflows der Schlüssel, um der Konkurrenz einen Schritt voraus zu sein. Es gibt viele neue Produkte, die dabei helfen, im LFP-Bereich entlang des gesamten Workflows vom Design bis zur Weiterverarbeitung produktiver zu werden.  

Lassen Sie uns also zunächst noch einmal wiederholen, was der Begriff Produktivität wirklich bedeutet. Und NEIN, es heißt nicht "mehr in weniger Zeit schaffen", denn so funktioniert das nicht. Produktivität ist definiert als Effizienz der Produktion. Oder, kurz gesagt, das Verhältnis von Produktionsergebnis (Output) und Einsatz von Produktionsfaktoren (Input). Eine Steigerung der Produktivität bedeutet also entweder mehr Output bei einer gegebenen Menge an Produktionsfaktoren wie Arbeitsstunden, Bedruckstoffe, Druckfarben usw. Die andere Möglichkeit, die Produktivität zu erhöhen, besteht darin, die Menge der Produktionsfaktoren zu verringern, um einen gegebenen Output zu erzielen. Wenn Sie die gleiche Anzahl von Aufträgen mit einem statt zwei Druckern herstellen können, sind Sie auf einem guten Weg, Ihre Produktivität zu steigern. Noch besser ist es, wenn Sie auch Ihren Finishing-Workflow rationalisieren können, um mit der Druckerleistung Schritt zu halten.

Produktivität und Workflow

Workflow ist seit geraumer Zeit ein Schlagwort in der Druckbranche. Die meisten Leute denken in diesem Zusammenhang an Software-Tools und Automatisierung, aber tatsächlich definiert jede wiederholbare und orchestrierte Aktivität bereits einen Workflow. Wenn also ein Druckdienstleister etwa beschließt, JPGs vom Kunden direkt von einem USB-Stick auf seinem Standalone-Drucker auszudrucken, er dann das Ergebnis mit Klarlack aus der Dose besprüht, die Drucke zum Trocknen auf einem Tisch auslegt und schließlich die Konturen von Hand mit einem Schneidemesser ausschneidet, ist dies bereits ein Workflow. Wenn auch in den meisten Fällen kein sehr effizienter und skalierbarer.
Ein moderner LFP-Workflow könnte grob durch die folgenden Punkte definiert werden:

  • Gestaltung von Print-Produkten
  • Datenoptimierung
  • Druck
  • Finishing
Natürlich gibt es vor und nach diesem Workflow weitere organisatorische Schritte, die ebenfalls integriert werden können, wie z. B. ein Webshop, CRM oder ein automatisiertes Abrechnungssystem. Für diesen Artikel konzentriere ich mich auf die oben genannten Punkte, wie sie in den meisten (Full-Service) Druckproduktionen vorkommen.

BILDUNTERSCHRIFT: Das SAi Flexi 21 RIP bietet integrierten variablen Datendruck (VDP) für mehr Produktivität (und potenziell bessere Margen). Foto: SAi

Produktiv sein beim Entwerfen von LFP-Anwendungen

Wohl jeder in der Druckindustrie kennt sich ein bisschen mit Photoshop oder InDesign aus. Dennoch sind viele längst veraltete Versionen von Adobe-Software noch im Einsatz. Öfter kommt das bei kleineren Dienstleistern oder selbständigen Designern vor, denen ein Creative Cloud-Abo "einfach zu teuer" oder "den Aufwand nicht wert" ist.

Unter dem Gesichtspunkt der Produktivität erscheint dies seltsam. Nicht nur, dass die modernen Softwareversionen viele zeitsparende Funktionen bieten, zum Beispiel zum Freistellen. Diese nutzen auch die jeweils aktuelle Adobe PDF Print Engine, so dass man einigermaßen sicher sein kann, dass ein Design so gedruckt wird, wie es gemeint war.

Adobes größter Konkurrent Corel bietet nach wie vor lebenslange Lizenzen für seine CorelDraw Graphics Suite 2021 an. Zusätzlich aber kommt mit der neuesten Version 2021 die CorelDraw.app mit ihren ausgefeilten Kooperationswerkzeugen und der Microsoft Teams-Integration, die nur für Abonnenten verfügbar ist.

Mit browserbasierten Konkurrenten wie der Grafik-Suite Visme oder auch dem Serif Affinity Bundle sind auch im Bereich der Design-Software neue Wettbewerber erschienen. Das Festhalten an einer etablierten Software und einem Workflow kann ein echter Produktivitätskiller sein. Nicht nur, dass bei der Verwendung älterer Versionen die Gefahr von Inkompatibilitätsfehlern wächst. Moderne Softwareversionen sind auch viel stärker auf neuere Designanwendungen wie Social Graphics ausgerichtet.  Durch die Zeitersparnis bei der Skalierung von Printdesigns für neue(re) Kanäle wie Instagram kann eine aktuelle Designsoftware nicht nur die Produktivität steigern, sondern auch die Wertschöpfungskette verlängern.

BILDUNTERSCHRIFT: Colorgate Productionserver 21 mit erweiterten Colour Management Optionen. Foto: Colorgate

RIPS und Produktivität

Raster Image Processors (RIPs) sind das Schlüsselelemente für Produktivität im LFP-Bereich. Viele marktführende Druckmaschinen werden mit Basis RIP-Version ausgeliefert, die mal mehr, mal weniger können. Mimaki Raster Link und Roland DG VersaWorks sind wahrscheinlich die bekanntesten Beispiele dafür. Für viele Druckereien mit nur ein oder zwei Druckern ist ein solches RIP aus dem Bundle wahrscheinlich einfach ausreichend. Denn grundlegende Funktionen wie Farbmanagement, Kacheln und Verschachtelung sind ja bereits enthalten.

Wenn aber die Anzahl der vor Ort installierten Drucker steigt, stellen viele Druckdienstleister schnell fest, dass eine sehr heterogene Softwareumgebung nicht gerade produktivitätsfördernd wirkt. Allein schon die Update- und Sicherheitsroutinen für mehrere RIPs wollen dann nämlich kein Ende mehr nehmen.

RIPs wie Colorgate Productionserver, Caldera RIP oder SAi Flexi sind nicht nur in der Lage, eine Vielzahl von Druckern, Farbmanagementgeräten und Schneidetischen mit einer einzigen Installation anzusteuern. Sie bieten auch zusätzliche zeitsparende Funktionen wie variablen Datendruck oder gleichzeitiges Drucken und Rippen. Die Installation einer einheitlichen RIP-Lösung für eine Druckerei mit mehreren Druckern erfordert Expertenwissen, so dass der Wechsel eines RIPs eine ernsthafte Investition darstellt. Bei Integration mit einer Workflow-Software wie Caldera Nexio ist es möglich, ein RIP mit vielen anderen Anwendungen wie Webshops, MIS/ERP- sowie CRM-Software zu verknüpfen.

Die Fiery Inkjet-Lösungen von EFI sind so konzipiert, dass sie mit weiterer Produktivitätssoftware aus dem Unternehmen kombiniert werden können. Da es eine echte Herausforderung sein kann, Workflow-Integration sowie Automatisierungs- und Berichtssoftware in einer bestehenden Druckerei fein abzustimmen, bietet Durst Software & Solutions intelligente und einfache Softwarelösungen zur Rationalisierung von Prozessen. HP´s PrintOS bündelt ebenfalls eine ganze Reihe Apps rund um den Druckprozess.

Verlässlich Drucken

In den Pioniertagen des Großformatdrucks wurden Operator oft nur für die Drucker eines Herstellers geschult, manchmal sogar nur für ein einziges Modell. Das führte natürlich zu allen möglichen Problemen im Betrieb, vor allem bei einem heterogenen Maschinenpark. Heutzutage hat sich die Benutzererfahrung und Zuverlässigkeit von Großformatmaschinen aller Druckbreiten stark verbessert.

Für viele großformatige Standardanwendungen ist in der Tat relativ wenig Expertenwissen erforderlich. Sogar das Farbmanagement, einst eine Königsdisziplin des Druckens, ist viel einfacher geworden, da viele Substrate mit passenden Profilen für verbreitete RIP/Tinten/Drucker-Kombinationen geliefert werden. Hersteller wie Canon und HP integrieren sogar Profile ihrer eigenen oder zertifizierter Substrate in Druckertreiber und RIPs.

Zwar kann ein sehr erfahrener Operator die Ausgabe mit benutzerdefinierten Profilen noch weiter optimieren, doch auch die durch ein gutes Substratprofil eines Drittanbieters erreichte Qualität wird wahrscheinlich die Erwartungen der meisten Kunden übertreffen.

Automatisierte Veredelung und Belegschaft

Selbst der schnellste und produktivste Drucker steigert nicht wirklich die Gesamtproduktivität, wenn die Finishing-Abteilung nicht mithalten kann. Es klingt ein bisschen seltsam, aber in den letzten Jahren haben viele Druckdienstleister sehr große Abteilungen zur Veredelung eingerichtet, um den hohen Ausstoß von Druckern mit industrieller Leistung zu bewältigen.

Es scheint recht wahrscheinlich, dass nach der Pandemie auf Grund etwa von Entlassungen und Schließungen der Einzelhandelsgeschäfte auch viele Druckereien ihre Belegschaft reduzieren werden müssen. Kollaborative Roboterlösungen, die in der Weiterverarbeitung an der Seite von Menschen produzieren, werden daher in den nächsten Jahren viel häufiger zum Einsatz kommen und die Produktivität in größeren Druckereien steigern.

Wie man... automatisiert und produktiv bleibt

Es scheint ein weit verbreiteter Irrglaube zu sein, dass ein automatisierter Workflow hohe Produktivität bedeutet. Während fast jeder clevere Workflow dazu beiträgt, die Qualität zu optimieren, die Belegschaft zu motivieren sowie die Kundenzufriedenheit zu erhalten, erfordert die Automatisierung immer eine gewisse Anzahl sich wiederholender Schritte, um wirklich sinnvoll zu sein. Bei LFP bedeutet dies vor allem eine bestimmte durchschnittliche tägliche Lauflänge.

Bei einem auf einzeln personalisierbare Konsumgüter spezialisierten Dienstleister könnte beispielsweise ein Roboter tatsächlich die Produktivität senken, da die Programmierung der Maschine wahrscheinlich viel länger dauert als die eigentliche Aufgabe.

Jeder Workflow, der die Produktivität steigern soll, ob automatisiert oder nicht, benötigt
  • feste Einstellungen und Parameter
  • regelmäßige Überprüfung.

Dennoch muss die Routine flexibel genug für Probleme oder Notfälle sein. Wenn z. B. ein wichtiges Teil eines POS-Designs bei der Installation beschädigt wird, muss ein kurzfristiger Nachdruck möglich sein, ohne dass die gesamte Produktion tagelang gestört wird.

Vergessen wir auch nicht die Menschen: Jede neue Workflow- oder Automatisierungsoption, die von den Mitarbeitern nicht akzeptiert oder verstanden wird, kann die Stimmung in den Keller treiben und die Produktivität verringern. Denn die Leute werden versuchen, sie zu umgehen und ihre Aufgaben „wie immer“ zu erledigen.

Aus psychologischer Sicht könnte ein Neustart nach der aktuellen Krise sehr hilfreich sein, um aus alten Routinen auszubrechen. Oder, wie ich eingangs erwähnt habe: Es gab noch nie einen besseren Zeitpunkt für die Optimierung und Automatisierung von Arbeitsabläufen als jetzt.

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