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Schneidetische: So finden Einsteiger das richtige Modell

von Sonja Angerer | 24.05.2021
Schneidetische: So finden Einsteiger das richtige Modell

Wer neue Geschäftsbereiche anpeilt, benötigt oft einen digitalen Schneidetisch. Mit diesem Leitfaden findet man ohne Stress die beste Maschine fürs Unternehmen.

Von der bedruckten Innendekoration bis zur personalisierten Verpackung: Konturenschneiden hilft Druckdienstleistern dabei, in neue Anwendungen und Geschäftsfelder zu expandieren. Aber Schneidetische erfordern eine sehr hohe Investition, sie nehmen zudem auch relativ viel Platz in Anspruch. Daher ist es für Druckereien besonders wichtig, sich für das richtigen Modell zu entscheiden. Glücklicherweise können drei einfache Fragen Neueinsteigern dabei helfen, auf Anhieb richtig zu investieren.

1.            Welche Materialien müssen geschnitten werden?
2.            Wie wirkt sich ein Schneidetisch auf den bestehenden Workflow aus?
3.            Welche Maschine passt am besten zum Unternehmen?

Schauen wir uns die Punkte einmal genauer an.

Welche Materialien sollen geschnitten werden?

Die meisten Druckdienstleister, die über eine Investition in einen digitalen Schneidetisch nachdenken, haben eine bestimmten Anwendung im Hinterkopf. Sie wollen Leichtschaumplatten, Aufkleber oder Wellpappen konturschneiden. Aber vielfach gibt es in der Produktion noch eine Reihe von weitere Materialien, den zugeschnitten werden müssen, also etwa Textilien, Metalle oder Plexiglas. Moderne Schneidetische sind zwar meist modular aufgebaut und können im Nachhinein für andere Materialien nachgerüstet werden, aber das ist in der Regel teurer.

Einer der besten und gleichzeitig auch einfachsten Tipps zum Kaufentscheid ist also, eine wirklich vollständige Liste der Materialien zu erstellen, die im Unternehmen geschnitten werden sollen. Dabei ist es wichtig, nicht nur den Schneidevorgang selbst, sondern auch weitere Bearbeitungsschritte wie Polieren oder Laminieren im Augen zu behalten.
Man sollte sich auch klarmachen, dass die meisten modernen digitalen Digital-Cutter nicht „einfach nur schneiden“. Man kann zumeist eine Vielzahl von Werkzeugen montieren, etwa für:

  • Verschiedene Schnittformen (V-Cut, Passepartout)
  • stanzen
  • kiss-cut
  • perforieren
  • gravieren
  • polieren
  • markieren, etc.
 
BILDUNTERSCHRIFT: Führende Hersteller von Schneidetischen wie Zünd bieten modulare Systeme, die auch im Nachhinein aufrüstbar sind. Foto: S. Angerer
 

Wie wirkt sich ein Schneidetisch auf den bestehenden Workflow aus?

Hilft ein digitaler Schneidetisch dem Unternehmen auf seinem Wachstumspfad? Auf den ersten Blick ist auch das eine simple Frage. Denn schließlich wird kein gestandener Unternehmer in irgendetwas investieren, von dem er sich keine Verbesserung der Arbeitsabläufe erhofft. Man muss sich allerdings klarmachen, dass ein Digital-Cutter essenziell für die Automatisierung einer Druckerei ist.

Deshalb sollt man sich vor allem das bestehende Druckvolumen genau ansehen. Schneidetische funktionieren am besten bei kleinen bis mittelhohen Auflagen. Bei sehr großen Aufträgen kann analoges Stanzen durchaus die bessere Option sein, es sei denn, die Zeit ist immer so knapp, dass man Probleme hat, die Werkzeuge rechtzeitig herstellen zu lassen.

Wenn ein Schneidetisch mit sehr kleinen Auflagen und Einzelstücken arbeiten soll, ist es noch wichtiger, einen Workflow zu haben, der sicherstellt, dass die Schnittlinie automatisch vom RIP an den Tisch übergeben wird. Die meisten modernen Produktions-RIPS bieten diese Option bereits seit Jahren. Bei mitgelieferten Druckertreibern oder einfachen Hersteller-RIPs für kleinere Drucker ist das jedoch möglicherweise nicht der Fall. Daher sollte man dies vorab unbedingt überprüfen.

Digitale Schneidetische sind vor allem für starre Materialien konzipiert. Ihre Vakuumtische erleichtern das Auflegen und Zentrieren von Platten und Bögen enorm. In Kombination mit Auf- und Abstapelmaschinen oder Robotern zum Beladen und Sortieren können Digital-Cutter auch große Aufträge unbeaufsichtigt erledigen.

Doch sehr dünnes Papier sowie zerteiltes Rollenmaterial kann enorme Probleme bereiten.  Das gilt besonders dann, wenn innerhalb einer einzigen Schicht viele unterschiedliche, schwierige Substrate geschnitten werden müssen. Dann nämlich muss ein ausgeklügelter Tagesproduktionsplan sicherstellen, dass das manuelle Laden und Einrichten der verschiedenen Substrate nicht andauernd länger braucht als der eigentliche Schneidevorgang. Möglicherweise bietet es sich dann auch an, Arbeitsabläufe neu zu organisieren und die Auswahl an Substraten auf Produkte zu reduzieren, die sich gut verarbeiten lassen.

BILDUNTERSCHRIFT: Für manche Anwendungen kann auch ein Lasertisch wie dieser Trotec SP300 die bessere Option sein. Foto: S. Angerer

Welche Maschine passt am besten zum Unternehmen?

Wer einen Schneidetisch-Ratgeber liest, hat wahrscheinlich vor, eine solchen auch zu kaufen. Trotzdem kann es sinnvoll sein, sich zunächst noch einmal die Frage zu stellen, ob das überhaupt der richtige Maschinen-Typ für das Unternehmen ist. 

Ein (weiterer) Schneidplotter oder ein Print & Cut-Modell, etwa von Mimaki oder Mutoh, kann sinnvoller als ein digitaler Schneidetisch sein, wenn vor allem um kleinere Mengen von Rolle-zu-Rolle-Vinyls, Selbstklebefolien oder Textilien geht. Für viele Anwendungen ist ein industrietauglicher XY-Cutter (etwa von Fotoba) ebenfalls eine Option.

Wenn Plexiglas im Unternehmen einen hohen Stellenwert hat, könnte auch stattdessen die Anschaffung eines Lasertisches eine Überlegung wert sein. Trotec bietet mit der SP-Baureihe großformatige Laser-Cutter an, die speziell auf die Anforderungen der Werbetechnik abgestimmt wurden. Auch Maschinen von Eurolaser sind in der Branche sehr beliebt. Zünd wiederum bietet ein austauschbares Lasermodule für seine G3-Schneidetische an.

Ein einzigartiger Vorteil des Lasers ist die Tatsache, dass die Kanten von Plexiglas beim Schneiden klar bleiben, Polieren also entfallen kann. Beim Laserschneiden von Textilien aus Chemiefasern wie Polyester versiegelt der Laser zudem die Kanten, so dass keine Säume erforderlich sind, um ein Ausfransen zu verhindern. Bei natürlichen Materialien wie Papier, Holz oder Baumwolle kann der Laser in der Nähe der Schnittlinie braune Verfärbungen verursachen. Das lässt sich aber durch Erfahrung und Abdeckpapier weitgehend vermeiden.

BILDUNTERSCHRIFT: Ein einzigartiger Vorteil des Lasers ist die Tatsache, dass Plexiglas-Kanten klar bleiben. Man muss sie also nicht hinterher polieren. Foto: S. Angerer

Gibt es sonst noch etwas zu beachten beim Kauf eines Schneidetisches?

Aber ja, so einiges. Deshalb ist es immer eine gute Idee, mit einem Repräsentanten einer vertrauenswürdigen Marke wie etwa Bullmer, Kongsberg oder Zund in Kontakt zu treten. Dabei sollte man auch Fragen wie
 
  • Energieverbrauch
  • Sicherheit am Arbeitsplatz und
  • Benutzerfreundlichkeit klären.

BILDUNTERSCHRIFT: Moderne digitale Schneidetische beherrschen nicht nur das Konturschneiden. Sie bieten eine Vielzahl von austauschbaren Werkzeugen, mit denen man auch stanzen, rillen und perforieren kann. Foto: S. Angerer

Für Neueinsteiger ist es oft auch verlockend, statt eines Schneidetischs von einem etablierten Hersteller ein sehr günstiges Importgerät zu erwerben. Dabei sollte man allerdings bedenken, dass der Lebenszyklus von digitalen Schneidemaschinen wesentlich länger ist als die Einsatzdauer der meisten Digitaldrucker. Deshalb sollten auch Überlegungen zur längerfristigen Situation bei Ersatzteilen und Service in die Entscheidung für einen bestimmten digitalen Schneidetisch einfließen. Außerdem bieten die Systeme der marktführenden Marken die Möglichkeit, Soft- und Hardware im Feld aufzurüsten, sollten sich die Anforderungen ändern. Damit investiert man dann einfach nachhaltiger. Denn bei einem sehr günstigen Digital-Cutter kann es durchaus vorkommen, dass man die Maschine nach wenigen Jahren rauszuschmeißen muss, weil sie von marktgängigen RIPs nicht mehr unterstützt wird.

Viel Spaß beim (digitalen) Schneiden!

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