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Print – mehr als man denkt

von Sonja Angerer | 16.03.2021
Print – mehr als man denkt

Jeder Druckdienstleister weiß, dass man mit Print fabelhafte Dinge machen kann. Aber würde man jemals denken, dass Druckprodukte der Wissenschaft helfen könnten, subatomare Teilchen zu finden? Oder einen Surround-System-Lautsprecher zu bauen? FESPA stellt drei sehr ungewöhnliche Druckanwendungen vor, die Sie verblüffen und begeistern werden.

Haben Sie schon einmal daran gedacht, eine Surround-Anlage für Ihren Veranstaltungsraum oder Messestand anzuschaffen? Möglicherweise haben Sie sich aber dagegen entschieden. Nicht nur, dass diese Systeme oft recht kostspielig sind, sondern es sind auch jede Menge Kabel zur Installation nötig. In überfüllten Räumen kann dies zu einem Sicherheitsproblem für die Besucher werden. Bis jetzt… 

Surround- Lautsprecher mit einem Roll-to Roll-Drucker produziert 

 BU: Gedruckte Lautsprecher im "T-RING" der TU Chemnitz erzeugen eine überraschende Dschungel-Illusion. Foto: Jacob Müller 

Eine Gruppe von Wissenschaftlern am Institut für Print- und Medientechnik der TU Chemnitz entwickelt bereits seit fast einem Jahrzehnt an einem gedruckten Lautsprecher. Dann Ende Januar 2021 konnten sie einen echten Durchbruch erzielen. Es ist ihnen gelungen, „T-Paper“ im Rollendruck zu fertigen. T-Paper nennen die internationalen Wissenschaftler um Projektleiter Georg C. Schmidt ihr Material, das im Grunde aus zwei Lagen Offset-Papier besteht, die jeweils mit einem leitfähigen organischen Polymer für Elektroden bedruckt sind. Zwischen den Papierlagen gibt es eine weitere piezoelektrische Aktivschicht, die mit ihren Bewegungen die dünnen, laminierten Blätter in Schwingungen versetzt. So wird ein ziemlich lauter und klarer Klang erzeugt (Video).  

In ihren jüngsten Versuchen haben die Chemnitzer Wissenschaftler sieben Segmente zu einem fast vier Meter langen Panel mit 56 Einzellautsprechern verbunden und zu einem so genannten „T-Ring“ geformt. Der Lautsprecher wiegt inklusive gedruckter Schaltungen nur etwa 150 Gramm.  Die Konstruktion besteht zu 90 % aus einfachem Papier, das beidseitig farbig bedruckt werden kann, da die Elektronik sicher zwischen den Blättern geschützt ist (Video).

"Damit sind jetzt kostengünstige Infotainment-Lösungen in Museen, auf Messen und in der Werbeindustrie möglich", sagt Projektleiter Georg C. Schmidt. Er fügt hinzu: "In öffentlichen Gebäuden ist eine sehr homogene Beschallung über lange Strecken wie Flure denkbar."

Druckerhersteller präsentiert Fashion Week 

Fashion_790x.jpgBU:  Motty Reif, Unternehmer und Executive Producer Fashion Week Tel Aviv vor dem Logo von Kornit Digital. Der Hersteller wird die diesjährige Ausgabe der Modenschau präsentieren. Foto: Kornit Digital. 

In den vergangenen Jahren wurde die digitale Druckproduktion zu einem wichtigen Werkzeug, um neue Designs und Best Practices in der Modeindustrie zu etablieren. Allerdings scheint es immer noch ungewöhnlich, dass ein Druckerhersteller eine nationale Modewoche veranstaltet. Bis jetzt, denn die Fashion Week Tel Aviv 2021, 28. März - 1. April, wird von Kornit Digital präsentiert. 

Die Eröffnungsgala wird von Supermodel Bar Rafaeli und dem Gründer der Tel Aviv Fashion Week, Motty Reif, moderiert. Mehr als 40 Modedesigner sind eingeladen, ihre neuesten Kollektionen zu präsentieren. Neben Designfragen soll das Kernthema der Veranstaltung "#wearyourcare" die Zusammenarbeit von Technologie und Mode beleuchten.

“Vor einem Jahrzehnt habe ich die Tel Aviv Fashion Week ins Leben gerufen, um unsere lokalen Talente international zu fördern", so Reif. „In den letzten fünf Jahren waren haben wir uns sehr für mehr Teilhabe im Modegeschäft eingesetzt. Jetzt nehmen wir das aktuell drängendste Problem der Branche in Angriff und schließen uns mit Kornit zusammen, um die Produktion nachhaltiger zu machen. Gründer-Technologienation trifft Mode, um gemeinsam die Welt zu verändern.“

3D-Druck hilft subatomare Teilchen aufzuspüren

weerg_790px.jpgBU: Rendering der DOM-Halbkugeln, gedruckt von Weerg mit einem Multi Jet Fusion 5210. Foto: Weerg

Das Akronym KM3NeT ist höchstwahrscheinlich nur wenigen Menschen außerhalb einer kleinen wissenschaftlichen Gemeinschaft bekannt. Es ist ein Projekt, das vom niederländischen Nationalinstitut für Subatomare Physik (Nikhef) geleitet wird und das schwer fassbare Neutrino-Teilchen mit dem Cubic Kilometer Neutrino Telescope aufspüren soll.

Das Projekt KM3NeT startete im Jahr 2013 und soll in den späten 2020er Jahren fertiggestellt werden. Dann sollen ca. 6.000 Kugeln mit optischen und anderen Sensoren im Mittelmeer vor den Küsten Frankreichs, Italiens und Spaniens installiert worden sein.  Die Digitalen Optischen Module (DOMs) sind etwa so groß wie ein Fußball, ihr Gehäuse wurde speziell für diesen Zweck angefertigt. 

Nachdem man im Laufe der Jahre eine Vielzahl anderer Anbieter ausprobiert hatte, wurde Nikhef schließlich beim italienischen 3D-Online-Druckservice Weerg auf Europas größte Installation von HP Multi Jet Fusion 5210 3D-Druckern aufmerksam. 

Jede Halbkugel hat einen Durchmesser von 380 mm, das ist die maximale Größe, die mit dem HP-Drucker möglich ist. Die Spähren werden mit Nylon PA12, einem sehr robusten und steifen Material, bedruckt und bei Weerg mit schwarzer Farbe veredelt. Die ersten Test-Chargen wurden vor etwa zwei Jahren ausgeliefert und schließlich an der Station in der Tiefsee vor Toulon installiert. Im Frühjahr 2021 soll sich die Gesamtzahl der DOMs dort dank des innovativen 3D-Druck-Angebots von Weerg fast verdoppeln. „Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass Weerg der beste 3D-Druckservice der Welt ist“, sagt Edward Berbee, ein Leiter von Nikhef. 

Neue Märkte finden sich an den unwahrscheinlichsten Orten

Die genannten Beispiele sind sicherlich spektakulär. Es handelt sich wahrscheinlich nicht um Geschäftsfelder in die ein normaler Druckdienstleisters so leicht einsteigen könnte. Dennoch sind sie inspirierend. Die Drucktechnologie ist sehr vielseitig, sodass sie in einer Vielzahl von Märkten eingesetzt werden kann. Kombiniert man das mit der überschäumenden Kreativität in der Branche, so sind den Möglichkeiten des Drucks praktisch keine Grenzen gesetzt...

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