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Nachhaltige Verpackungen: Was muss passieren?

von Sonja Angerer | 22.10.2021
Nachhaltige Verpackungen: Was muss passieren?

Der Verpackungsdruck ist einer der wichtigsten Wachstumsbereiche in der Druckindustrie. Aber leider tragen Verpackungen auch massiv zu den stetig wachsenden Abfallbergen bei. Wie können Druckdienstleister dazu beitragen, dass Verpackungen die Umwelt weniger schädigen?

Wenn Sie nach Hause kommen und Ihre Einkäufe verstauen, haben Sie sich schon einmal über die Mengen an Folie, Papier und Plastik geärgert, die dann Ihren Mülleimer verstopfen? Für den Endverbraucher sind viele Verpackungen heutzutage nämlich oft nur noch eines: ein Ärgernis. Aber das greift natürlich zu kurz.

Doch wenn man wissen will, wie Verpackungen nachhaltiger werden können, muss man sich erst einmal ins Gedächtnis rufen, was eigentlich die Hauptaufgaben von Verpackungen sind:

- Waren für den Verbraucher attraktiv machen
- Schutz der Waren auf dem Transport und im Regal
- Transport des Markenbildes.
Das sind wichtige Ziele., die man auch nicht so leicht von der Hand weisen kann. Um erste Anhaltspunkte zu finden, wie die Druckindustrie dazu beitragen kann, Verpackungen nachhaltiger zu gestalten, sind deshalb die bekannten "3 Rs" ein guter Ausgangspunkt:
- Reduce (verringern)
- Reuse (weiterverwenden)
- Recycle (wiederverwerten)
Schauen wir uns diese genauer an.

BILDUNTERSCHRIFT: Verpackungen rein auf Papier-Basis kann man leicht recyceln. Foto: S. Angerer

Weniger Verpackung, mehr Nachhaltigkeit

Im Alltag wirkt es oft so als gäbe es heute mehr Verpackungen denn je.  Eine der größten Veränderungen in der Verpackungsindustrie findet jedoch hinter den Kulissen statt. Denn der Digitaldruck hat die Anzahl der insgesamt bedruckten Kartons bereits erheblich reduziert. Das hat zwar eher ökonomische als ökologische Gründe. Denn mit Hilfe des Digitaldrucks konnten sowohl Lager- wie auch Restbestände schon stark reduziert werden. Schließlich kann man jederzeit on-Demand nachdrucken.

Allerdings scheinen die neuen Möglichkeiten auch die Anzahl der Kartons und Trays erhöht zu haben, die beim Verpacken (in der Regel höherpreisiger) Markenartikel zum Einsatz kommen. Denn beispielsweise in der Box eines High-End-Smartphones findet man oft fast ein Dutzend Karton- und Papierstücke. Es hat fast den Anschein, als ob sich Designer und Drucker an den heutigen Möglichkeiten, Kunden zu erfreuen, regelrecht berauscht haben. Leider kommt dabei die Umwelt gerne einmal ein bisschen zu kurz.

Eine weitere wichtige Möglichkeit zur Verringerung des Verpackungsaufkommens ist derzeit noch gar nicht richtig im Fokus. Denn es werden immer mehr Waren nur noch online verkauft. Doch im E-Commerce sind aufwändige Regalverpackungen im Grunde überflüssig. Wenn nämlich die Logistik-Mitarbeiter die Ware aus dem Lagerregal nehmen, ist sie bereits verkauft und bezahlt. Eine einfache Kartonverpackung zum Schutz auf dem Transportweg würde völlig ausreichen. Mit Hilfe der modernen Möglichkeiten des Digitaldrucks und der digitalen Weiterverarbeitung  ist es zudem relativ einfach, eine reduzierte Verpackungsvariante nur für den E-Commerce vorzusehen

BILDUNTERSCHRIFT: Das Berliner Start-up mujō entwickelt Verpackungsmaterialien auf der Basis von Braunalgen. Foto: Lerot / bayern design

Wiederverwendbare Verpackungen als Beitrag zum Umweltschutz

Verpackungen weiter zu nutzen ist ein modernes, aber nicht wirklich neues Konzept. Denn in jedem Küchenschrank stehen ein paar Gläser oder Krüge für den Alltag, in denen früher Senf war. Bei vielen Konsumgütern ist die Idee, einen Teil der Verpackung wiederzuverwenden, zwar durchaus verlockend. Bei genauerer Betrachtung ist der praktische Nutzen aber oft begrenzt. Schließlich braucht niemand Dutzende Senfgläser, selbst wenn in der Familie gern Senf gegessen wird.

Vor allem angesichts des unaufhaltsamen Anstiegs des Online-Shoppings scheint die Wiederverwendung von Postboxen langfristig deshalb eine praktikablere Option zu sein. Im Rahmen der Sonderschau "Nachhaltig Verpacken", initiiert von bayern design, präsentierte das Start-up “hey circle”  beispielsweise kürzlich wiederverwendbare Versandboxen für Online-Händler. So will man die ökologischen Folgen des Wachstums im E-Commerce mildern.  Jede der stabilen, faltbaren Mehrwegboxen kann mehrmals zwischen dem Online-Händler und seinen Kunden hin- und hergeschickt werden.

Auf der Schau, die im Rahmen der Fachpack Nürnberg im September 2021 stattfand, präsentierte die vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie geförderte Agentur, auch mujō, ein Berliner Start-up für Verpackungsmaterialien auf Basis von Braunalgen sowie langlebige Boxen aus europäischen Hanffasern vom Tegernseer Traditionsunternehmen Gmund Papier. Man kann also davon ausgehen, dass Druckdienstleister bald eine Menge neuer Verpackungsmaterialien zur Auswahl haben werden!

Verpackungen besser wiederverwerten

Verpackungen müssen von Grund auf nachhaltiger werden. Dazu müssen sie leicht und hochwertig wiederverwertbar sein. Noch immer bestehen viele Verpackungen aus Verbundmaterialien. Dies macht das Recycling sehr ineffizient, wenn nicht gleich unmöglich. Denn Verbundstoffe sind nur sehr schwer mit vertretbarem Aufwand wieder zu trennen. Doch nur sortenreines Recycling stellt sicher, dass Rohstoffe ein zweites oder gar drittes Mal für hochwertige Anwendungen zum Einsatz kommen können.

Es gibt Marken, die sich zum Ziel gesetzt haben, für ihre Verpackungen nur papierbasierte oder sortenreine Materialien zu verwenden, und ihre Zahl wächst glücklicherweise. Allerdings gestaltet sich der Schutz des verpackten Produktes dann oft als schwierig, gerade wenn etwa Fett- oder Feuchtigkeitssperren gebraucht werden. Wahrscheinlich müssen Verpackungsdesigner ihr Handwerk deshalb teilweise neu lernen und sich für neue, nachhaltigere Materialien und eine effizientere Nutzung von Kunststoffen und anderen fossilen Substraten öffnen.

Druckdienstleister mit ihrer langjährigen Erfahrung im Umgang mit papierbasierten und ungewöhnlichen Drucksubstraten haben an dieser Stelle einzigartig gute Voraussetzungen, den Prozess zu begleiten. Jedenfalls ist es wahrscheinlich keine schlechte Idee, entsprechende Beratungs- und Entwicklungskapazitäten aufzustocken.

Bleibt der Verpackungsdruck ein Wachstumsmotor?

Im Moment sieht es so aus, als ob das Wachstum des (digitalen) Verpackungsdrucks in den nächsten Jahren nicht aufzuhalten ist. Angesichts der weltweiten Bemühungen, den Klimawandel einzudämmen, wird sich auch die Verpackungsindustrie innerhalb dieses Zeitrahmens aber erheblich verändern müssen. Denn sie muss digitaler, bedarfsorientierter und umweltfreundlicher werden. Dadurch dürften sich für Druckdienstleister mit Erfahrung in Verpackungsdesign und -druck zahlreiche Geschäftsmöglichkeiten ergeben.
 

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