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Etikettendruck – wie die Krise den Übergang beschleunigt

von Sonja Angerer | 04.02.2021
Etikettendruck – wie die Krise den Übergang beschleunigt

Der Etikettendruck könnte sich in und nach der Pandemie zum Umsatzbringer im Digitaldruck entwickeln.

In jeder Krisensituation gibt es auch Gewinner. Der Etikettendruck könnte durchaus dazu gehören. Denn die Wertschöpfungsketten verändern sich, und die Lebensmittelproduktion wird individueller und lokaler. Das könnte dem digitale Etikettendruck endlich seinen wohlverdienten Mainstream-Durchbruch bringen.

Wenn man in pandemischen Zeiten nicht mit seinen Lieben frühstücken kann, welche Möglichkeiten gibt es dann noch? Dank MyMuesli kann man beispielsweise sein Lieblingsmüsli schicken, eine einzigartige Mischung aus Körnern, Nüssen und Früchten. Zusammengestellt aus buchstäblich Milliarden von möglichen Kombinationen. Die Leckerei kommt ordentlich verpackt und personalisiert in der kultigen zylindrischen MyMuesli-Schachtel, gedruckt bei Labelprint24.

Der komplett digitale Standort von Labelprint24 befindet sich in Zeithain, etwa 50 Kilometer von Dresden entfernt, und gehört zur Harder-Unternehmensgruppe. Das B2B-Portal startete 2010 und bedient mittlerweile Kunden in ganz Europa. Vor einiger Zeit investierte das Unternehmen in eine Screen Truepress Jet L350UV. Das erste Modell seiner Art in Deutschland verdoppelte die Kapazität des Unternehmens. Labelprint 24.de ist seit 2018 Partner von MyMuesli. Darüber hinaus bieten die Sachsen aber eine breite Produktpalette von Etiketten über Faltschachteln bis hin zu Laminattuben und neuerdings auch Beutelverpackungen an.

MyMuesli mit seinem hohen Bekanntheitsgrad und dem bekannten Markennamen dürfte in Deutschland der prominenteste Kunde von Labelprint 24 sein. Das Unternehmen arbeitet aber für eine breite Palette von Firmen in ganz unterschiedlichen Geschäftsbereichen, von Lebensmitteln und Getränken bis hin zu Kosmetik und Pharmazeutika.

Digitaler Verpackungs- und Etikettendruck ist ein wichtiger Trend

BILDUNTERSCHRIFT: Die Gewinner des Mimaki Gin Label Contest 2020. Foto: Mimaki

Die Chancen für digitalen Etiketten- und der Verpackungsdruck werden in der Branche schon seit Jahren diskutiert. Der Druck von Aufklebern ist dabei ja keineswegs neu. Seit es technisch möglich ist, werden sie mit Print-und-Cut-Geräten von Roland DG oder aus Kombis aus Druckern und Schneidplottern von Mimaki, Mutoh oder HP hergestellt.

Zunächst waren Aufkleber wohl für – oft eher informelle – Außenwerbung gedacht. Doch schon um 2010 begannen vor allem kleine, regionale Unternehmen aus der Bio-Lebensmittel- und Kosmetikbranche, die Aufkleber in Kleinauflagen stattdessen als Etiketten für ihre Kleinserienproduktion zu bestellen. Die Nachteile, die der Digitaldruck gegenüber der analogen Etikettenindustrie hatte, also geringere Druckgeschwindigkeit und höhere Stückkosten, waren bei der Belieferung dieser Manufakturen auf einmal ein Vorteil. Denn diese benötigten viele kleinere Auflagen, die aber dafür schnell. In der analogen Welt können große Druckaufträge von Etiketten- und Verpackungen nämlich immer noch Wochen dauern. Das passt nicht zu einer agilen, lokalen Produktion. Gerade die boomende Craft-Drink-Industrie mit ihren kleinen Liefermengen gab daher dem hochwertigen digitalen Etikettendruck einen großen Schub.

Die 2010er Jahren waren insgesamt von einer wachsende Nachfrage nach exklusiven, personalisierten, lokalisierten und sogar individualisierten Produkten geprägt. Etliche berühmte Werbekampagnen für Konsumgüter rückten den digitalen Etikettendruck in den Fokus der Öffentlichkeit. Am bekanntesten sind dabei wohl die Namens-Kampagnen von Coca-Cola und Nutella.

Nicht ganz so auffällig, aber dafür umso wichtiger ist der anhaltende Trend zu Etiketten und Verpackungen in Landessprachen. Bis zur Jahrtausendwende wurden viele Etiketten und Konsumgüterverpackung nur in den großen Sprachen der Welt gedruckt. Heute findet man selbst in so kleinen Ländern wie Litauen mit 2,8 Mio. Einwohnern viele bekannte Marken, die ihre Waren in der Landessprache etikettieren.

Globale Konsumgütermarken verlangen inzwischen immer häufiger kleinere, aufgesplittete Auflagen. Dass macht den digitale Etikettendruck auch für die „traditionelle“ Verpackungsindustrie und ihre Kunden vom Schlag Nestlé, Unilever oder Anheuser-Busch InBev interessant.

Etikettendrucklösungen für jeden Bedarf

BILDUNTERSCHRIFT: Etikettendruck mit einer Roland DG-Maschine. Foto: S. Angerer

Große Hersteller von Digitaldruckern haben inzwischen Label-Drucker für praktisch alle Volumen entwickelt. Die Tau RSC-Serie von Durst bietet Druckgeschwindigkeiten von bis zu 80 m/min in Vollfarbe, weiße Tinte und zusätzliche Prozessfarben. Der HP Indigo V12 Etikettendrucker läuft mit bis zu 120 m /min, während die Epson SurePress-Reihe sieben Farben und Weiß drucken kann. 

Xeikon bietet gleich drei verschiedene Etikettendrucker-Serien für hohe Produktionsvolumen an. Das reicht vom tonerbasierten Cheetah über den UV-Inkjet Panther bis hin zum Xeikon Jetrion. Die Jetrion-Linie wurde 2017 von EFI übernommen. Denn EFI zog sich damals aus dem Label-Druck zurück. Mit dem Single-Pass-Drucker Nozomi speziell für Wellpappe ist EFI aber weiterhin erfolgreich im Verpackungsdruck unterwegs.

Etikettendruck in Zeiten der Pandemie

„To Go“- und „Click and Collect“-Angebote haben in der Covid19-Krise massiv zugenommen. Hier kommen verstärkt kleine Etiketten-Drucker von HP und Epson zum Einsatz. Dieser Trend wird sich vermutlich noch verstärken. Die „POS-Label Printer“ werden allerdings voraussichtlich in IT-Abteilung oder Hausdruckerei des Anwenders integriert, so dass in diesem Bereich eher keine neuen Nischen für Druckdienstleister zu erwarten sind.

Hingegen scheint die anhaltende Pandemie die seit einigen Jahren bestehende Vorliebe der Verbraucher für nachhaltigere Produkte und bewussteres Einkaufen weiter anzufeuern. Hinzu kommt eine Verschiebung der Lieferketten: aus global wird zunehmend regional. Das könnte dem digitalen Etikettendruck durchaus eine rosige Zukunft bescheren. Besonders Druckdienstleister, die bereits für den Einzelhandel oder die Konsumgüterindustrie arbeiten, sollten sich daher mit diesem Geschäftszweig befassen, wenn sie einen Neustart oder eine Expansion anstreben.

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