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Die Zeit ist reif für Interactive Print

von Sonja Angerer | 03.02.2021
Die Zeit ist reif für Interactive Print

Print kann ein kostengünstiger Türöffner für digitale Inhalte sein. Denn die Verknüpfung von interaktiven Druckprodukten mit digitalen Inhalten ist heute einfacher denn je. Dienstleister haben damit ein weitere Möglichkeit, ihre Kunden zu begeistern.

Tausende von Euros hat er für ein aufwändiges Firmenvideo ausgegeben, doch nun ist der Produktmanager mit seinem Latein am Ende. Denn nach ein paar Wochen hat es gerade einmal 127 Aufrufe und eine Handvoll „Daumen hoch“. Rund 500 Minuten Video werden jede Minute (!) auf YouTube hochgeladen. Da ist so ein Ergebnis kaum überraschend.

Schließlich gibt es eine ganze Branche, die sich damit beschäftigt, das Ranking von digitalen Inhalten in Suchmaschinen und sozialen Medien zu pushen. Bislang wurde Print noch nicht als SEO relevant erkannt. Eigentlich ist das merkwürdig. Denn interaktive Drucke bieten eine einzigartige Off-Page-Möglichkeit, Zielgruppen zu digitalen Inhalten zu führen. Für Druckdienstleister, die auf der Suche nach neuen Geschäftsideen sind, könnte das eine spannende Option sein.

Was genau ist "interaktiver Druck"?

In gewisser Weise ist Print schon immer interaktiv gewesen. Denn ob nun Postkarten oder Aufkleber zum Abziehen, Produktproben oder Werbegeschenke beigeben werden: Das alles dient nur dazu, eine Reaktion bei der Zielgruppe hervorzurufen. Interaktivität bedeutet in erster Linie den impliziten Austausch von Informationen. Im heutigen digitalen Zeitalter hat sich eine eher IT-zentrierte Sichtweise auf "Interaktivität" etabliert. Deshalb verwendet man den Begriff hauptsächlich für Interaktionen zwischen Mensch und Computer oder wenn Computer miteinander kommunizieren.

Interessanterweise sind Druckprodukte schon beinahe seit Menschengedenken interaktiv, auch wenn man die moderne IT-Definition als Grundlage nimmt. Denn die auf Verpackungen aufgedruckten Barcodes sorgen dafür, dass sich die Kassenkraft nicht den Preis jedes einzelnen Artikels im Supermarkt merken muss. Ein Barcode verbindet die Waren aber auch mit einem IT- und Logistiknetzwerk, von dem die meisten Kunden gar nichts wissen. Es trägt aber seit Jahrzehnten dazu bei, die Lieferketten zu optimieren.

Welche Arten von interaktivem Druck gibt es?

BILDUNTERSCHRIFT: Barcodes gibt es schon seit Jahrzehnten. Sie waren  wohl erste Technologie, die Print interaktiv machte. Foto: S. Angerer

Der Übersichtlichkeit halber konzentriert sich dieser Artikel auf interaktive Druckprodukte im B2C- und B2B-Bereich, die auf digitale Inhalte im Internet oder in sozialen Netzwerken hinweisen sollen. Denn hier gibt es viele Möglichkeiten:

  • Barcodes und QR-Codes
  • Social Media Codes (Pincode, Nametag QR Code)
  • Short Links
  • NFC
  • Erweiterte Realität (Augmented Reality, AR).

Barcodes und QR Codes

BILDUNTERSCHRIFT: QR-Codes werden häufig in Zeitschriftenanzeigen verwendet, um Print mit interaktiven Inhalten zu verbinden. Foto: S. Angerer

Barcodes gibt es heute in einer Vielzahl von Standards. Die Idee eines einfachen Barcodes für den Informationsaustausch von Computer zu Computer entstand aber schon den 1950er Jahren. Der QR-Code wurde dann in Japan entwickelt. Er gilt als "zweidimensionales" Barcode-Format und ist hauptsächlich für die Verwendung mit Handy-Kameras gedacht. Viele halbwegs aktuelle Smartphones erkennen QR-Codes, ohne dass der Benutzer erst eine spezielle App dafür installieren muss.

Ein QR-Code öffnet meist einen Link zu einer Website oder einem Social-Media-Profil. Weniger bekannt ist, dass auch kostenlose QR-Code-Generatoren in der Lage sind, Kopien, V-Cards, Wifi-Log-ons, MP3s und PDFs zu kodieren. Das Drucken eines Barcodes oder QR-Codes ist technisch ziemlich problemlos, da diese so konzipiert sind, dass sie auch bei (leichter) Beschädigung funktionieren. In der Verpackungsdruckindustrie gibt es spezielle Barcode-Prüfgeräte, die sicherstellen, dass ein Barcode auch so funktioniert wie vorgesehen.

Social Media Codes

BILDUNTERSCHRIFT: QR-Code für Instagram-Profil, erstellt innerhalb der Insta-App. Foto: S. Angerer

Mit einem QR-Code ist es kein Problem, ein Druckprodukt mit einem Social-Media-Profil zu verknüpfen oder um ein "Like" zu bitten. Bei Instagram kann man den entsprechenden QR-Code sogar innerhalb der App erstellen. Wenn jemand diesen QR-Code scannt, öffnet er das Konto des Erstellers in Instagram. Dazu muss aber die App auf dem Handy oder Tablet installiert sein.

Pinterest Pincodes funktionieren ähnlich. Sie erlauben aber nicht nur den direkten Sprung zu einem Profil, sondern auch zu einer der dort hinterlegten Pinwände, vorausgesetzt, es handelt sich um einen Business-Account. Aber auch der runde Pinterest Pincode lässt sich ganz einfach ausdrucken. Der interaktive Inhalt ist auch schon vorhanden, denn er befindet sich ja im Profil des sozialen Netzwerks, auf das er verlinkt.

Short Links

Um eine Print-Anwendung mit einer Online-Ressource zu verknüpfen, ist ein Kurzlink zu einer Webseite der wohl einfachste Weg. Es gibt mehrere kostenlose Dienste dafür, der bekannteste ist wohl Bit.ly. Dadurch muss der Nutzer keine lange, fehlerträchtige URL in den Browser seines Smartphones oder Computers eingeben, sondern nur eine paar Zeichen. Die sind dafür meist kryptisch.

NFC

Near Field Communication (NFC) wird in der Finanz- und in der Logistikbranche häufig verwendet. Im Prinzip lassen sich die winzigen Schaltkreise aber auch auf viele Druckerzeugnisse laminieren. Wenn diese dann mit heute weit verbreiteten NFC-fähigen Telefon ausgelesen werden, können sie den Benutzer zu Videos, Websites oder Downloads führen.

Augmented Reality (AR)

BILDUNTERSCHRIFT: Die Abo-Software genARate von Konica Minolta bietet Druckdienstleistern eine schlüsselfertige Plattform zur Erstellung interaktiver AR-Drucke. Foto: Konica Minolta.

Augmented Reality ist tatsächlich eine "Erweiterung" der Realität, die durch eine Kameralinse aufgenommen und auf ein Display übertragen wird. Das passiert meist mit einem mobilen Gerät wie einem Smartphone oder Tablet. Der Prozess ist recht kompliziert, denn damit ein Bild mit AR-Ankern den virtuellen Inhalt preisgibt, müssen Positions- und 3D-Daten aufwendig miteinander verknüpft werden. Die Idee wurde erstmals um die Jahrtausendwende ins Spiel gebracht. Doch erst seit ein paar Jahre haben Mobilgeräte wirklich genug Rechenpower für ein nahtloses Erlebnis. Außerhalb der Spieleindustrie ist AR deshalb bisher eine relative Nischenanwendung.

Lego hat sich schon früh mit AR beschäftigt. Der Spielzeugherstelle nutzte bereits um 2010 POS-Kioske in Flagship-Stores. Diese zeigten auf ihrem Bildschirm AR-Anwendungen, wenn man eine hochpreisige Lego-Box vor den Scanner des Kiosks hielt. Heute kann man mit Hilfe der Lego-App "Hidden Side" AR-Multiplayer-Games spielen, man benötigt dazu aber ganz bestimmte Baukästen.

In den Anfangsjahren von AR brauchten gedruckte Bilder Marker, um mit AR-Inhalten zu funktionieren, das ist heute meist nicht mehr der Fall. Daher reicht jeder hochwertige Druck auf Papier, Karton oder anderen Medien aus, um beim Scan eine AR-Anwendung zu triggern. Dazu sind zwei Dinge notwendig: Der AR-Inhalt wurde erstellt und durch „Ankerpunkte“ mit dem gedruckten Bild verknüpft. Und außerdem muss der Nutzer natürlich die richtige App auf dem mobilen Gerät vorinstalliert haben. Und da kommt dann meist ist der Punkt, an dem die Dinge ein wenig komplizierter werden.

Wie erstellt man eine AR-Anwendung für ein gedrucktes Produkt?

Druckdienstleister haben viel Erfahrung mit der Erstellung von digitalen Daten. Aber ihr Fachwissen bezieht sich meist in erster Linie auf die Druckvorstufe. Ein Kunde, ein Druckprodukt mit einer AR-Anwendung aufpeppen möchte, sucht aber zumeist nach einer schlüsselfertigen Lösung, also Druck und AR aus einer Hand. 

An dieser Stelle kommt Konica Minolta genARate-Lösung ins Spiel. Sie wurde als SaS (Software as a Service)-Plattform konzipiert und enthält alle Werkzeuge zu Druck der Anker-Abbildung und zur Produktion der digitalen Daten für einen AR-Anwendungen. Der interaktive Teil wird in einem Webbrowser-Portal erstellt, so dass keine teure und komplizierte Zusatzsoftware erforderlich ist. Die kostenlose App für Android- und iOS-Geräte, die Endverbraucher zum Betrachten der AR-Applikation benötigen, steht hier ebenfalls schon zur Verfügung. Dazu gibt es Analyse-Tools für das Nutzerverhalten in der AR-Applikation. Man kann genARate kostenlos 30-Tage als Testversion nutzen.  

Es gibt noch weitere Möglichkeiten, AR-Applikationen zu erstellen. So bieten sowohl Google  wie Apple direkt Entwickler-Ressourcen an. Diese wenden sich aber eher an Anwender mit 3D-Erfahrung und machen es Neulingen nicht ganz leicht.

Ist der interaktive Druck ein Weg in die Zukunft des Druckens?

Die COVID19-Krise dauert und dauert, und es wird inzwischen vielen Menschen klar, dass die Dinge wohl nicht einfach wieder „wie davor“ werden. Dies gilt insbesondere für das Gastgewerbe und den Einzelhandel, aber auch für viele andere Branchen. Selbst Menschen, die sonst mit Technik wenig anfangen können, sind in den letzten Monaten zu erfahrenen Online-Shoppern und Videokonferenz-Nutzern geworden. Viele haben daran auch Geschmack gefunden. Es ist also zu erwarten, dass der der Trend zum hybriden Einkaufsverhalten (online und vor Ort) noch stärker wird.

Das geänderte Verbraucherverhaltens wird das Gesicht so mancher Fußgängerzone und vieler Einkaufszentren in den kommenden Jahren deutlich beeinflussen. Dadurch entsteht ein wachsender Bedarf, die physische und die digitale Welt zu verbinden. Denn nur so ist es noch möglich, den hybriden Käufer mit einem einzigartigen Einkaufserlebnis zu locken. Druckdienstleister, die sich mit den verschiedenen Möglichkeiten befassen, Print interaktiver zu gestalten, können sich daher als einzigartige Technologiepartner ihrer Kunden positionieren. Das könnte ihnen im Gegenzug Druckvolumen und Margen sichern.

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