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Das Team ist der Schlüssel

von Sonja Angerer | 11.11.2021
Das Team ist der Schlüssel

Ein gutes Team kann den entscheidenden Unterschied machen. Das gilt besonders für Druckdienstleister. Dennoch haben viele Unternehmen Schwierigkeiten, qualifizierte Mitarbeiter zu gewinnen und zu halten. Da muss man wohl mal über die Firmenkultur sprechen.

„Klar haben wir eine positive Firmenkultur!“ Dies ist wahrscheinlich die Meinung der allermeisten Manager in der Digitaldruckbranche. Ihre Mitarbeiter scheinen dem im Großen und Ganzen zuzustimmen. Zumindest in offiziellen Unternehmensumfragen. Einziges Problem: Das ist sehr wahrscheinlich nicht die ganze Wahrheit. Zumindest, wenn man sich die regelmäßigen Umfragen zur Arbeitszufriedenheit von Gallup ansieht. Die Berater dieses führenden Markt- und Meinungsforschungsinstituts befragen schon seit der Jahrtausendwende Arbeitnehmer zu ihrer Zufriedenheit im Job und mit den Arbeitsbedingungen.

Für ihren jährlichen „Engagement Index“ verschicken die Berater jeweils Fragebögen an 1.000 repräsentativ ausgewählte Arbeitnehmer. Ihr Ziel ist es, herauszufinden, wie viele Mitarbeiter mit hoher, niedriger und keiner emotionalen Bindung es in bestimmten Unternehmensbereichen gibt. Ihre Studie von 2018, also dem letzten Jahr vor der Pandemie, war da bereits ernüchternd, aber keineswegs überraschend. Denn im Grunde ändern sich die Zahlen nur wenig. Jedenfalls stellten die Consulter fest, dass nur 15 % der Mitarbeiter ein hohes emotionales Engagement zeigen. Doch diese verhältnismäßig wenigen, aber herausragenden Mitarbeiter sind entscheidend für den Erfolg des Unternehmens. Denn nur sie sind bereit und in der Lage, sich für exzellente Ergebnisse und hervorragenden Kundenservice besonders zu engagieren.

In den Digitaldruckereien hat sich das Arbeitstempo bis Ende 2019 stetig erhöht, um dann Anfang 2020 sehr plötzlich fast zum Erliegen zu kommen. Im Sommer 2020 begann sich die Lage in Europa etwas zu entspannen, gerade rechtzeitig für eine weitere Runde von Lockdowns vom Spätherbst bis zum Frühjahr. Gerade weiß niemand, ob es uns nicht im Herbst und Winter 2021 wieder so gehen wird. Für die Motivation ist das Gift.

Auch ohne die Pandemie stand die Druckindustrie in den letzten Jahren schon vor großen Herausforderungen. Im Durchschnitt wurden die Losgrößen kleiner, die Lieferzeiten kürzer und die Gewinnspannen geringer. Die Unternehmen mussten ihre Effizienz und Leistung auf allen Ebenen steigern, nur um ihr Überleben zu sichern.  Noch dazu mussten alle Beteiligten in den vergangenen 18 Monaten auf die harte Tour lernen, dass auch die moderne Welt viel unberechenbarer ist als man es sich sonst so bewusst macht.  

Leben in einer VUCA-Welt

VUCA (für Volatility, Uncertainty, Complexity, Ambiguity) war früher ein militärischer Begriff, der eine unbeständige, unsichere, komplexe und mehrdeutige Situation nach dem Ende des Kalten Krieges beschrieb. Heute ist er den meisten Menschen eher im Kontext von aktuellen Management- und Führungstheorie bekannt. VUCA ist der Hintergrund, vor dem große Organisationen ihre aktuellen und zukünftigen Entwicklung betrachten.

Wenn man also von einer VUCA-Situation ausgeht, dann wirkt eine geringe emotionale Bindung der Mitarbeiter noch bedrohlicher. Denn oft werden in unsicheren Wirtschaftslagen schnelle Reaktion und zusätzliches Engagement erforderlich sein, um ein Unternehmen über Wasser zu halten.

Als Firmenkultur bezeichnet man gemeinhin die grundlegenden Übereinkünfte in einem Unternehmen. Das können die oft zitiertem „Unternehmenswerte“ sein. Doch das Wort „Firmenkultur“ deckt noch viel mehr ab. Verhaltensleitlinien, denen sich neue Mitarbeiter schon bei der Unterschrift unter den Arbeitsvertrag unterwerfen gehören ebenso dazu wie Vieles, das im täglichen Miteinander unausgesprochen bleibt.

Natürlich dreht es sich auch um Weihnachts- und Geburtstagsfeiern, um kostenlosen Kaffee im Büro oder auch Firmenwagen. Aber noch viel mehr geht es darum, wie die Menschen miteinander umgehen. Ist die Belegschaft sehr homogen oder eher divers, gehen die Mitarbeiter auf positive, respektvolle Weise miteinander um? Haben Angestellte die Freiheit, sich zu äußern, zu wachsen und Fehler zu machen? Oder herrscht ein strikt hierarchischer Management-Stil vor?

Firmenkultur ist nicht nur „nice to have“

Gallup schätzte den wirtschaftlichen Schaden, der durch Mitarbeiter entsteht, die bereits „innerlich gekündigt“ haben, aber im Unternehmen verbleiben, allein für 2018 auf 77 bis 103 Milliarden Euro.

Mehr als 60 % aller Arbeitnehmer über 18 Jahre haben laut der Gallup-Studie (und ähnlichen Untersuchungen) schon einmal gekündigt, weil sie mit der Führung durch ihre unmittelbaren Vorgesetzten unzufrieden waren. Damit ist schlechtes Management der bei weitem häufigste Grund für den Verlust von Fachkräften.

Dennoch erkennen viele Unternehmen, auch in der Druckbranche, schlechte Führung nicht als Grund für den fortgesetzten Verlust wichtiger Mitarbeiter. Das liegt daran, dass ein qualifiziertes, anonymes Feedback-System bei kleinen und mittleren Unternehmen, wie es Druckdienstleister nun einmal typischerweise sind, wirklich selten ist. Selbst wenn Feedback-Gespräche im Rahmen der Personalentwicklung stattfinden, führt das reale Machtungleichgewicht zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern dazu, dass Führungsprobleme eher nicht deutlich angesprochen werden. Aktive, engagierte und qualifizierte Mitarbeiter neigen dazu, bei solchen Problemen „mit den Füßen abzustimmen“ und dem Unternehmen einfach den Rücken zu kehren.  

Von den Mitarbeitern, die keine emotionale Bindung an das Unternehmen haben, ziehen nur magere 8 % überhaupt eine Karriere im Unternehmen in Betracht. Bei den Mitarbeitern mit geringer emotionaler Bindung ist es immerhin ein Drittel. Nicht eben verwunderlich, dass solche Angestellte laut Umfrage ihren derzeitigen Arbeitgeber auch nicht unbedingt an Freunde und Familie weiterempfehlen. Für Druckdienstleister ist dies eine richtig schlechte Nachricht. Denn ein Wirtschaftszweig, der als unattraktiv gilt, bekommt auch nicht so viele Bewerber auf Einstiegs- und Ausbildungsstellen, sodass Nachwuchskräfte schnell fehlen.  

Tolle Unternehmenskultur: Wie schafft man das?

Zumindest laut den Gallup-Untersuchungen ist wohl schlechte Führung der Hauptgrund für den Verlust von vielversprechenden Arbeitnehmern in kleinen und mittleren Unternehmen. Zusätzlich scheint die Kluft zwischen Selbst- und Außenwahrnehmung bei Führungskräften erheblich zu sein. Denn wer würde sich schon selbst als „schlechte Führungskraft“ einschätzen? Vor allem bei kleineren Druckdienstleistern, bei denen es keine formalen Karrierewege gibt, dürfte oft schlicht die mangelnde Ausbildung in Sachen Führung an dem Dilemma schuld sein.

Oft nämlich haben Gründer oder ihre Familienmitglieder Schlüsselpositionen inne. Doch sie haben nie eine formale Ausbildung in Sachen Management oder Unternehmensführung erhalten. Noch dazu ist es in Mitteleuropa oft üblich, langjährige oder besonders fähige Mitarbeiter in die administrative Ebene zu holen, leider ohne jemals ihre Führungsqualitäten unter die Lupe zu nehmen.

Es erscheint deshalb dringend geboten, Management- und Führungsqualitäten im Vorfeld besser zu evaluieren, und, wo sich Schwächen zeigen, mit Schulungen und Coachings nachzubessern. Allerdings ist wohl auch mehr Selbstreflexion der Führungskräfte bezüglich ihrer persönlichen und beruflichen Qualitäten gefragt.

Werden lange Arbeitszeiten, kurzfristige Aufträge und knappe Gewinnspannen in der Druckindustrie verschwinden, wenn sich die Führungskultur ändert? Natürlich nicht. Aber gut geführte Teams sind konzentrierter und stabiler. Das verbessert das Arbeitsergebnis, führt zu zufriedeneren Mitarbeitern und damit langfristig zu produktiveren Unternehmen.
 

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