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Alles auf Grün: Ungewöhnliche Wege zur CO2-Reduzierung in Druckereien

von Sonja Angerer | 20.05.2021
Alles auf Grün: Ungewöhnliche Wege zur CO2-Reduzierung in Druckereien

Wie kann man den CO2-Fußabdruck minimieren? Hier sind drei ungewöhnliche Ideen für Druckdienstleister.

Gerade erholt sich die Wirtschaft so langsam. Doch nun stellen viele Druckdienstleister fest, dass ihre Kunden anfangen, in puncto Umwelt die Zügel anzuziehen – auch bei den Lieferanten. Doch wie kann eine Druckerei ihren CO2-Ausstoß vermindern, obwohl gerade nicht so viel Budget zur Verfügung steht? Hier sind drei ungewöhnliche Vorschläge.

Es scheint, als ob wir die Pandemie durch Impfungen erst mal zurückgedrängt haben. Viele Druckereien sind erleichtert, dass man nun wieder zu den gewohnten Arbeitsweisen zurückkehren kann. Das wird allerdings nicht passieren. Denn nun drängt eine andere Krise mit Macht zurück ins Rampenlicht. Der Klimawandel zwingt viele Branchen zum Umdenken, und die Druckindustrie ist nur eine davon. Allerdings ist nach 18 Monaten, in denen das Geschäft für die meisten sehr schleppend lief, wahrscheinlich nicht mehr viel Budget für neue Maschinen und Software übrig. Zum Glück gibt es Möglichkeiten, den ökologischen Fußabdruck eines Unternehmens auch mit begrenzten Mitteln zu reduzieren. In diesem Artikel gehe ich auf drei (relativ) günstige Optionen ein, die oft übersehen werden:

  • Umstellung auf umweltfreundlichere IT
  • effizienteres Pendeln
  • Grünere Kantinen und Pausenräume

Die IT und ihr CO2-Ausstoß

In den letzten Jahren haben viele Druckereien bereits auf nachhaltigere Energiequellen umgestellt. (Wenn Sie noch nicht dazu gehören, wird es höchste Zeit!) Sie haben energieeffizientere Maschinen angeschafft und von konventionellen Glühbirnen auf LEDs gewechselt. Dennoch scheint ein Bereich zumeist übersehen worden zu sein. Denn in den meisten Druckereien sind Computer und IT nach Druck und Weiterverarbeitung die nächstgrößten Energieverbraucher. Dies gilt umso mehr in Betrieben, die Full-Service und/oder webbasierte Anwendungen anbieten.

Ein Desktop-PC mit einem modernen Multi-Core-Prozessor von Intel und mit einer dedizierten Grafikkarte verbraucht im Durchschnitt etwa 135 Watt pro Stunde. Wenn der Computer seine Rechenleistung bis an die Grenze ausreizen muss, kann das allerdings noch deutlich mehr werden. Man sollte sich also klarmachen, dass der jährliche Stromverbrauch eines einzigen Desktop-PCs in Unternehmen bei etwa 270 kWh (10 Stunden/Tag, 200 Arbeitstage) liegt.

Die Überprüfung der Energiespareinstellungen an vorhandenen Computern ist ein guter (und völlig kostenloser) Anfang. Noch besser wäre es, ältere Computer beim nächsten Mal gleich durch moderne Laptops zu ersetzen. Denn Laptops benötigen im Durchschnitt nur etwa halb so viel Strom wie ein Desktop-PCs mit der gleichen Rechenleistung. Natürlich sind Notebooks auch viel besser geeignet, um Mitarbeitern Home-Office zu ermöglichen.

Doch auch Server und Netzwerkverbindungen brauchen viel Strom. Anbieter wie AWS, Google oder Microsoft haben bereits Maßnahmen ergriffen, um ihre Rechenzentren energieeffizienter zu machen. Ein kleiner friesischer Anbieter toppt sie allerdings, denn er hat sich in den Kopf gesetzt, 100% klimaneutrales Hosting und Co-Location anzubieten. Windcloud nutzt dazu elektrischen Strom von nahegelegenen Windkraftanlagen. Mit der unvermeidlichen Abwärme der  Server unterhält man außerdem eine Algenfarm. Wenn mehr Rechenzentren in eine ähnliche Richtung gehen, wird Cloud Computing eine noch attraktivere Option für die Druckbranche werden. Schließlich hat schon ein durchschnittlicher Server vor Ort einen Stromverbrauch von etwa 400 Watt pro Stunde. Und der läuft an den meisten Standorten rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr.

BILDUNTERSCHRIFT: Die Förderung von Mitarbeiter- Fahrgemeinschaften kann dazu beitragen, den Kraftstoffverbrauch zu senken. Das wirkt sich auch auf den CO2-Fußabdruck einer Druckerei aus. Foto: Google Maps

Mitarbeitermobilität verändern, CO2 sparen.

Im Jahr 2016 betrug die durchschnittliche Fahrstrecke eines deutschen Arbeitnehmers zum Job etwa 17 km (hin und zurück). Das macht bei 200 Arbeitstagen etwa 3.400 Kilometer pro Jahr aus, also etwas weniger als die Luftlinie von Berlin nach Teheran. Etwa 68 Prozent der Pendler nutzen das eigene Auto für den Weg von und zur Arbeit. Für eine Druckerei mit 20 Mitarbeitern bedeutet dies etwa 46.000 Autokilometer pro Jahr allein für Arbeitswege. Diese tragen damit deutlich zum CO2-Fußabdruck des Unternehmens bei.

Nun kann man zwar davon ausgehen, dass diese Zahlen im letzten Jahr deutlich verändert haben.  Noch weiß man es nicht genau, aber Experten gehen davon aus, dass sich der ÖPNV nicht so bald vom massiven Kundenrückgang während der Pandemie erholen wird. Viel Mitarbeiter sind für unvermeidliche Arbeitswege aufs Fahrrad umgestiegen oder gehen sogar zu Fuß.  Es bleibt aber fraglich, ob dies eine langfristige Lösung für längere Arbeitswege, schlechtes Wetter und eine insgesamt alternde Belegschaft sein kann.

Dennoch können Druckdienstleister viel tun, um die negativen Auswirkungen des Pendelverkehrs zum Unternehmen zu reduzieren, beispielsweise:
 
  • Fahrgemeinschaften fördern
  • ÖPNV-Monatskarten subventionieren
  • Duschmöglichkeiten für Radfahrer und Fußgänger schaffen.
Doch das sind nur die offensichtlichsten Maßnahmen. Es gibt noch viele weitere, oft übersehene Möglichkeiten:
 
  • Standortwahl: Eine Halle am Rande einer schlecht angebundenen Kleinstadt ist zwar günstig, sorgt aber dafür, dass wirklich alle Mitarbeiter und Kunden mit dem Auto anreisen müssen.
  • Home-Office wann immer möglich anbieten.
  • Kleine Teilzeitstellen mit nur wenigen Stunden zu einer einzigen Vollzeitstelle zusammenfassen.
  • Schichten und Arbeitszeiten der Mitarbeiter aufeinander und auf den ÖPNV-Fahrplan abstimmen.

Und das Allerbeste:  Die meisten der oben genannten Ideen kosten nicht einmal viel Geld.

BILDUNTERSCHRIFT: Eine Cafeteria mit gesundem Essen kann helfen, den CO2-Fußabdruck eines Unternehmens zu verringern. Foto: S. Angerer

Grüne Kaninen helfen, die Umwelt zu entlasten

Zur Mittagszeit ähneln viele kleine Unternehmen einem Bienenstock. Fahrzeuge schwärmen in alle Richtungen aus, denn die Mitarbeiter gehen essen oder holen Speisen ab. Klar ist: Auch das trägt zur CO2-Bilanz eines Unternehmens bei. Doch vieleManager ignorieren das, einfach, weil es keine anderen Möglichkeiten zu geben scheint.

Doch das stimmt nicht. Ein Druckdienstleister könnte sich etwa mit benachbarten Unternehmen zusammentun und Food Trucks einladen. Oder auch einen mobile Anbieter von Snacks und Mahlzeiten suchen. Oder warum nicht gleich die Teeküche oder den Pausenraum in eine richtige Kantine verwandeln? Das spart nicht nur Fahrtzeit, die die Mitarbeiter besser zur Erholung nutzen könnten, sondern auch unnötigen Autoverkehr.

Größere Unternehmen aus der Druckbranche bieten vielleicht schon eine Kantine an, in der ihre Mitarbeiter zwischen verschiedenen Gerichten für das Mittagessen wählen können. Oft scheint die Auswahl der Speisen jedoch nicht den modernen Standards zu entsprechen. Regionale Zutaten und die Reduzierung von Fett, Zucker und Fleisch in den Gerichten verringern nicht nur den CO2-Fußabdruck. Die Mitarbeiter ernähren sich besser und werden dadurch zufriedener und gesünder –bei minimalen Zusatzkosten.

Wer Kohlenstoff reduzieren will, muss über den Tellerrand hinaussehen

Die Minimierung von schädlichen Umweltauswirkungen ist die wichtigste Aufgabe, die die globale Industrie künftig zu bewältigen hat. Die Druckbranche bekommt da keine Ausnahme. Die Optimierung von Arbeitsabläufen, die Investition in energieeffiziente Druck- und Weiterverarbeitungsmaschinen sowie die Beschaffung umweltfreundlicherer Energie sind wichtige Bestandteile des Prozesses. Aber es gibt noch viele weitere Optionen wie eine umweltfreundlichere IT, minimierter Pendlerverkehr und die Optimierung der Verpflegung, die ebenso wichtig sind. Denn sie können einen großen Unterschied machen, und kosten noch nicht einmal viel Geld. Es ist also höchste Zeit, kreativ zu werden!

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