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Öko-Zertifizierungen für die Lieferkette des digitalen Textildrucks, Kapitel 4: Nachhaltigkeit voran

von Debbie McKeegan | 14.07.2020
Öko-Zertifizierungen für die Lieferkette des digitalen Textildrucks, Kapitel 4: Nachhaltigkeit voran

Debbie McKeegan gibt einen Überblick über Akteure und Ziele für eine nachhaltige Textilwirtschaft.

Ob groß, ob klein: Für Unternehmen ist es nicht so einfach, den Weg zu einer nachhaltigen Produktion zu finden. Auch die Einführung einer anerkennten Zertifizierung für den digitalen Textildruck bleibt eine Herausforderung. Glücklicherweise ist Nachhaltigkeit keine Reise, die man allein antritt. Vielmehr fußt sie auf gemeinsamen Daten sowie Transparenz, Rückverfolgbarkeit und dem Vertrauen aller Beteiligten.

Eine nachhaltige Agenda zu haben wird zunehmend ein anerkannter Weg für Unternehmen, die sicherstellen wollen, dass sie auch künftig noch im Geschäft sind. Deshalb wächst die Zahl an namhaften Regierungen und NGOs, die Anleitung, Richtlinien und Unterstützung dabei anbieten.
 
Diese Kapitel der Reihe zum Thema Nachhaltigkeit bietet einen Überblick über die wichtigsten Organisationen, die nachhaltige Veränderungen in der Textilindustrie vorantreiben.


Bildunterschrift: Internationalen Organisationen und Foren sowie bestimmte einflussreiche NGOs üben massiven Einfluss aus. Sie sind entscheidend auf dem Weg in eine nachhaltigere

Zukunft.

Klimaneutralität gilt heute als ein weithin anerkanntes Umweltziel. Und es sind eben diese
Organisationen, die als Wegbereiter des Fortschritts nationale Regierungen, globale Marken und internationale Hersteller bei den notwendigen Schritten auf dem Weg zur Nachhaltigkeit anleiten.


Bildunterschrift: Umweltorganisationen sind ein Ausdruck der dynamischen Kraft einer Nachhaltigkeitsagenda, die weltweit an Bedeutung gewinnt. Sie bieten der Textilindustrie auf ihrem Weg zu umweltfreundliche Praktiken Forschungsergebnisse, Leitlinien und Wegweisung an.


Das Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC) trat am 21. März 1994 in Kraft.
 
Heute sind dem Abkommen UNFCCC beinahe alle Länder beigetreten. Die 197 Länder, die die Übereinkunft ratifiziert haben, werden als Vertragsparteien der Konvention bezeichnet. Das letztendliche Ziel der UNFCCC ist es, gefährliche anthropogene Störungen des Klimasystems zu verhindern.
 
Sie nimmt vor allem die 36 Industrieländer in die Pflicht. Denn sie gelten als die Quelle der meisten vergangenen und gegenwärtigen Treibhausgasemissionen. Deshalb wird von ihnen erwartet, dass sie am meisten zur Senkung der Emissionen im eigenen Land beitragen.

Diese Ziele und Ambitionen wurden 1997 im Kyoto-Protokoll formalisiert, das am 16. Februar 2005 in Kraft trat. Es ist jedoch durchaus erwähnenswert, dass die weltweiten Emissionen zwischen 1990 und 2009 um fast 40% gestiegen sind. Während sich viele Länder an die Ziele des Kyoto-Protokoll-Vertrags hielten, stießen China und die USA währenddessen so viel Treibhausgas aus, dass dies alle Reduktionen der anderen Partner aufhebt.
 
Das Kyoto-Protokoll verlangte von den Industrieländern die Verpflichtung zur Reduzierung der Kohlenstoffemissionen ab 2005. Entwicklungsländer traf die Verpflichtung zur Reduzierung der Kohlenstoffemissionen ab 2012.  Das war das erste Mal in der Geschichte der Menschheit, dass ein Abkommen zur Begrenzung der Treibhausgasemissionen in Form von konkreten Minderungszielen ratifiziert wurde.
 
Zu den Treibhausgasen, die die globale Erwärmung verursachen, gehören hauptsächlich Wasserdampf (H2O), Kohlendioxid (CO2), Methan (CH4), Distickstoffoxid (N2O), Ozon (O3) und Freon (FCKW). Der größte Teil der Treibhausgase entfällt auf Kohlendioxid. Man hat sich deshalb weltweit darauf geeinigt, die CO2-Konzentration in der Atmosphäre auf einen sinnvollen Bereich zu begrenzen.
 
Die Textil- und Modeindustrie produziert den täglichen Bedarf an Kleidungsstücken. Durch
ihre langen Lieferketten und energieintensiven Produktion ist sie für etwa 10% der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich. Damit verbraucht sie mehr Energie als die Luft- und Schifffahrtsindustrie zusammen.

Im Rahmen des Kyoto-Protokolls muss die Modeindustrie ihre Workflows verändern. Denn das ist ein wichtiger Baustein in dem Bemühen, die Klimaerwärmung auf 1,5°C über dem Niveau vor der industriellen Revolution zu begrenzen. Das entspricht auch den Zielen des Pariser Abkommens über den Klimawandel (COP21), welches die Kyoto-Vereinbarung im Jahr 2015 praktisch ersetzt hat.
 
Deshalb intensivieren viele globale Konzerne ihre Bemühungen, im Textilbereich CO2-frei zu werden. Dabei ist das Programm der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung (SDG) wegweisend. Seine Ziele sollen bis zum Jahr 2020 erreicht werden.
 
Das Themenfeld reicht von SDG12, bei dem es unter anderem um einen vernünftigen Umgang mit Chemikalien und Abfällen geht, bis zu SDG3, wo nachhaltiger Konsum, Chemikalieneinsatz, Abfallmanagement und Luftqualität im Fokus stehen.
Das Oberziel SDG6 bezieht sich auf Gesundheit und Wohlbefinden durch sauberes Wasser und sanitäre Einrichtungen. SDG7 befasst sich mit erschwinglicher und sauberer Energie, und SDG11 mit nachhaltigen Städten und Gemeinden.
 
Diese Oberziele wiederum haben die Weg geebnet für mächtige internationalen NGOs wie beispielsweise:

Ellen Macarthur Foundation
Die Ellen MacArthur Foundation wurde 2010 ins Leben gerufen, um den Übergang zur Kreislaufwirtschaft zu beschleunigen. Seit ihrer Gründung hat sich die Wohltätigkeitsorganisation zu einem globalen Vordenker entwickelt. Ihr ist es zu verdanken, dass das Thema heute auf den Tagesordnungen von Entscheidungsträgern in Wirtschaft, Regierung und Wissenschaft steht.

The Sustainable Apparel Coalition
Die „Sustainable Apparel Coalition“ (SAC) setzt sich dafür ein, dass die „Bekleidungs-, Schuh- und Textilindustrie keine unnötigen Umweltschäden verursacht und einen positiven Einfluss auf die mit ihren Aktivitäten verbundenen Menschen und Gemeinschaften hat“. Die Organisation hat 2012 den Higg-Index eingeführt, ein wertvolles Instrument, das es Marken, Einzelhändlern und Lieferanten ermöglicht, die Nachhaltigkeitsleistung eines Unternehmens oder eines Produkts zu messen und zu bewerten.

Ceres
Ceres ist eine gemeinnützige Nachhaltigkeitsorganisation, die mit den einflussreichsten Investoren und Unternehmen zusammenarbeitet, um fortschrittliche in Lösungen allen Wirtschaftsbereichen voranzutreiben. "Durch starke Netzwerke und Lobbyarbeit nimmt Ceres die größten Herausforderungen auf dem Weg zu einer nachhaltigen der Welt in Angriff. Dazu zählen beispielsweise der Klimawandel, Wasserknappheit und -verschmutzung sowie unfaire Arbeitsplätze.”.

Redress HK
Redress ist eine gemeinnützige Umweltorganisation mit Sitz in Hongkong. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht hat, Textilabfälle zu vermeiden und zu recyclen. So soll eine Kreislaufwirtschaft etabliert werden, die den Wasser-, Chemikalien- und Kohlenstoff-Fußabdruck der Mode reduziert. In Zusammenarbeit mit Designern, Industrie und Verbrauchern unterstützt und fördert Redress aktiv die Umsetzung des UN-Oberzieles SDG 12: Nachhaltiger Konsum und nachhaltige Produktion.
 
"Die Programme von Redress HK setzen sich dafür ein, Denkweisen und Praktiken zu ändern, um die Entstehung von Textilabfällen jetzt und in Zukunft zu stoppen. Außerdem sollen Systeme und Partnerschaften zu geschaffen werden, die den Wert in vorhandenem Abfall erkennen erzeugen und diesen zur Geltung bringen".

Connect4Climate
Connect4Climate (C4C) ist ein globales Partnerschaftsprogramm, das von der Weltbank, dem italienischen Ministerium für Umwelt, Land und Meer sowie dem deutschen Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ins Leben gerufen wurde. Es soll "den Klimawandel durch die Unterstützung einer ehrgeizigen Führung, die Förderung transformativer Lösungen und die Befähigung zu kollektivem Handeln" bekämpfen. 
 
Die Connect4Climate Community verbindet rund 500 Partner auf der ganzen Welt, darunter zivilgesellschaftliche Gruppen, Mediennetzwerke, internationale Organisationen, akademische Einrichtungen, Jugendgruppen und die Privatwirtschaft. Durch wirksame Zusammenarbeit versucht C4C, Erfahrungen und Wissen auszutauschen sowie kreative Partnerschaften zu schmieden. Ziel ist es, Lösungen voranzubringen und die Bemühungen gegen den Klimawandel auszuweiten.

Euratex
EURATEX ist der Europäische Bekleidungs- und Textilverband (European Apparel and Textile Confederation). Sie vertritt als internationale gemeinnützige Organisation die Interessen der europäischen Textil- und Bekleidungsindustrie auf der Ebene der EU-Institutionen.  "Als Stimme der europäischen Industrie strebt EURATEX die Schaffung eines Umfelds an, das dazu führt, dass innerhalb der Europäischen Union die Herstellung von Textil- und Bekleidungsprodukten gefördert wird".
Die EU ist der weltweit zweitgrößte Exporteur von Textilien und Bekleidung. Der  gemeinsamen Umsatz  beträgt 178 Milliarden Euro. In diesem Sektor sind 1,7 Millionen Arbeitnehmer in 171.000 Unternehmen beschäftigt.
 
In Zusammenarbeit mit seinen Mitgliedern arbeitet Euratex daran, „eine wirksame freiwillige Rückverfolgbarkeit zu ermöglichen sowie Transparenz und den Zugang der Verbraucher zu Informationen zu erleichtern.“ Letztendlich will man den Menschen so helfen, sich für nachhaltige Produkte zu entscheiden.
 
Das Emissionshandelssystem (ETS) ist ein Eckpfeiler der EU-Politik zur Bekämpfung des Klimawandels und ein Schlüsselinstrument zur Verringerung der Treibhausgasemissionen.  Energieeffizienz ist von entscheidender Bedeutung für die Textil- und Bekleidungsindustrie, denn sie hilft CO2-Emissionen zu verringern.

An diesen Oberzielen (UN-SDGs ) orientieren sich weitere internationale Gruppen wie z.B:

World Wildlife Fund
Als weltweit führende Naturschutzorganisation glaubt der WWF, dass wir „diese ernste  Bedrohung bekämpfen und eine sicherere, gesündere und widerstandsfähigere Zukunft für Mensch und Natur aufbauen können.“ Die NGO drängt darauf, dass wir die Art und Weise, wie wir Energie, Nahrung und Wasser produzieren und verbrauchen, überdenken. Sie setzt sich dafür ein, „die Wälder der Welt schützen und den Menschen helfen, sich auf eine sich verändernde Welt vorzubereiten.“
 
Der WWF bekräftigt, dass "wirtschaftliche Entwicklung Hand in Hand mit der Wertschätzung und dem Schutz der Umwelt gehen muss". Der WWF ist eng in die Ausarbeitung der Entwicklungsziele der UNO eingebunden. Er arbeitet an der Schaffung eines globalen Netzwerks von Fürsprechern, um sicherzustellen, dass die Oberziele der UNO mit Hilfe wirksamer Maßnahmen der Regierungen erreicht werden können.

Greenpeace
Greenpeace ist eine unabhängige, gemeinnützige, globale Kampagnenorganisation, die gewaltfreie, kreative Konfrontation nutzt, um globale Umweltprobleme und ihre Ursachen aufzudecken. Im Laufe der Jahre hat Greenpeace Ölkonzerne herausgefordert, die auf der Jagd nach neuen Lagerstätten waren. Die NGO griff auch die britische Regierung an, weil diese es versäumt haben soll, schnell genug auf den Klimanotstand zu reagieren. Im Namen von Greenpeace haben ganz gewöhnliche Menschen Tanker und Fracking-Bohrinseln blockiert. Die NGO lässt alle wissen, dass in ihren Augen erneuerbare Energien die Antwort auf fossile Brennstoffe sind.
 
"Greenpeace steht für positive Veränderungen durch Maßnahmen zur Verteidigung der Natur und zur Förderung des Friedens. Wir untersuchen, entlarven und konfrontieren Umweltmissbrauch durch Regierungen und Unternehmen auf der ganzen Welt. Wir setzen uns für umweltverantwortliche und sozial gerechte Lösungen ein. Dazu gehören auch wissenschaftliche und technologischer Innovationen".

Oxfam
Oxfam ist eine globale Gemeinschaft mit Präsenz in 67 Ländern weltweit. Oxfam-Unterstützer sind Teil einer globalen Bewegung von Millionen von Menschen. Diese teilen den Glauben, dass in einer Welt, die  so reich an Ressourcen ist, Armut nicht sein muss. Die Unternehmen und Konzerne der Welt haben einen enormen Einfluss auf die Menschen in den Entwicklungsländern. Sie können dadurch eine mächtige Kraft für das Gute sein.
 
Firmen investieren in Übersee weit mehr als Regierungen jemals leisten können. Sie schaffen Beschäftigungsmöglichkeiten und geben den Menschen die Chance, sich neue Fähigkeiten anzueignen. Dadurch erwirtschaften sie Löhne, die ihre Communities dringend brauchen, um der Armut zu entkommen. „Aber das Großkapital kann auch mehr schaden als nützen. Auf der ganzen Welt wird vielen Arbeitern nicht genug bezahlt, damit diese davon leben können. Andere leiden unter gefährlichen, ungesunden Arbeitsbedingungen. Und viele erleben täglich, wie ihnen grundlegenden Menschenrechte nicht gewährt oder sie gar aktiv ausgebeutet werden. Deshalb ist die Zusammenarbeit von Oxfam mit dem privaten Sektor so wichtig. Das bedeutet partnerschaftliche Zusammenarbeit, wo immer möglich, und Herausforderung, wann immer nötig“.   

World Resources Institute
Die Mission der WRI besteht darin, „die menschliche Gesellschaft dazu zu bewegen, so zu leben, dass die Umwelt auf der Erde geschützt wird. So soll ihre Fähigkeit erhalten bleiben, die Bedürfnisse und Wünsche heutiger und zukünftiger Generationen zu erfüllen“
 
Die Rolle der WRI besteht darin, Unternehmen, politischen Entscheidungsträgern und der Zivilgesellschaft auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene dabei zu helfen, die tiefgreifenden strukturellen Veränderungen voranzutreiben, die zur Bewältigung des Klimawandels erforderlich sind. Das Institut konzentriert sich darauf, dafür zu sorgen, dass kurzfristige Entscheidungen mit langfristigen Temperaturzielen in Einklang gebracht werden. So sollen alle Menschen von einer sichereren Welt und blühenden Volkswirtschaften profitieren können. Wie man unschwer erkennen kann, sind hinter der Nachhaltigkeitsagenda mächtige Kräfte am Werk.
 
Diese Institutionen beeinflussen also das öffentliche Bewusstsein und fördern direkte Aktionen. Sie spielen außerdem ein große Rolle bei der derzeit laufenden Entwicklung von Zertifizierung und Verifizierung. Ohne diese kann es keine Gewissheit über Fortschritte bei der "Textilen Nachhaltigkeit" geben.


Bildunterschrift: Textile Nachhaltigkeit ist zu einem Schwerpunkt in vielen Kampagnen geworden, die sich um den Niedergang des Planeten durch eine irreversible globale Erwärmung sorgen. Verantwortungsbewusste Textilwirtschaft kann beispielsweise Kreislaufwirtschaft in der Mode, Wasser- und Energiesparen oder Abfallmanagement bedeuten.

 
Die gesamte textile Landschaft spiegelt die Sorgen wider, die derzeit die Öffentlichkeit umtreiben. Die Bestrebungen der Textilindustrie zur Etablierung dynamischer und kraftvoller Plattformen für echte Fortschritte umfasst deshalb Regulierungen, Zertifizierung und Aktionsgruppen. Nur so lässt sich nachhaltig sicherstellen, dass es für die Branche eine Zukunft gibt.
 

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