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Disruptive digitale Technologie eröffnet neue Chancen für Heimtextilien

von Debbie McKeegan | 14.02.2019
Disruptive digitale Technologie eröffnet neue Chancen für Heimtextilien

Debbie McKeegan besuchte für Fespa.com die Heimtextil 2019 in Frankfurt und sprach mit Experten über die Bedeutung des digitalen Textildrucks für die Innenarchitektur.

Global werden mit Dekorprodukte für Innenräume fast 664 Milliarden US-Dollar  (ca. 580 Mio. Euro) jährlich umgesetzt. Einst dominierte hier der etablierte analoge Kanal, der Stoffe für eine Vielzahl von Produkten direkt an den Käufer lieferte. Doch das hat sich dank Digitaltechnologie deutlich verändert, mit beispiellosen Möglichkeiten für Lieferanten wie Händler.

Der Markt für Inneneinrichtung umfasst eine Vielzahl von Produkten, also beispielsweise Möbel, Vorhänge, Gardinen, Bettwäsche, Tapeten oder Teppiche. Die Produktliste ist fast endlos, und das gilt ebenso für die Zahl der laufenden Meter. Doch in jedem Segment herrscht ein eigenes Mikroklima. Es wurden dort Erwartungen an Design, Produktspezifikation und Leistungsstandards definiert, die für Tausende von Artikelnummern gelten.  

Der Markt ist auch durch bewusst sinkende Volumina gekennzeichnet, denen ein steigender Bedarf an unterschiedlichen Designs entgegensteht. Einer der ersten Sektoren, der sich dieser Veränderung stellte und zur Rationalisierung der Lagerbestände überging, war der Bereich Polyester. Polyesterstoffe werden typischerweise für Wohn- und Objektmöbel eingesetzt. Ursprünglich wurde hier auf analoger Technologie gesetzt. Heute hat man die Herstellung vielfach auf den digitalen Sublimationsdruck umgestellt. Das erhöht die Liefergeschwindigkeit, und man kann viel mehr Designs anbieten: Das Muster wird auf Transferpapier gedruckt, aber nicht gleich auf den Stoff übertragen. Denn dieser wird nur nach Bedarf produziert.

Bildunterschrift: Durch den Einsatz der digitalen Technologie sind der Kreativität keine Grenzen mehr gesetzt! Designer können so neue Märkte und Anwendungen entwickeln. Foto: Epson

Das ist ein wichtiger Schritt für den Käufer oder Händler zur Kontrolle der Herstellungskosten. Viele Unternehmen, die mit bedrucktem Transferpapier arbeiten, beziehen dieses auf der ganzen Welt. Im Herstellungsland des Endprodukts wird nur noch das Design auf den Stoff übertragen. Eine ähnliche Vorgehensweise beginnt sich auch in der Modebranche durchzusetzen. Hier geht es vor allem darum, die Produktion im Ursprungsland zu kontrollieren und eine schnelle Lieferung zu ermöglichen. Außerdem verringert sich der Aufwand für teure Lagerbestände an Stoffen. So wird die Beschaffung deutlich effizienter,  und auf der ganzen Welt werden dadurch große Mengen an Transferdrucken benötigt.

Der Markt für bedruckte Innendekoration verlagert sich in Richtung Individualisierung – eine Entwicklung, die über alle Produkte und Bedruckstoffe hinweg zu beobachten ist, und auch die Verbraucher- und Fertigungstrends in der Modewelt widerspiegelt. Daher müssen Unternehmen nun intensiver über die Lieferketten für Bedrucktes nachdenken. Die Heimtextil-Branche steht in vielerlei Hinsicht vor den gleichen Problemen wie die Modebranche: Unternehmen, ob groß oder klein, müssen anfangen, nachhaltiger zu produzieren.

Die digitalen Textildruck-Technologien ermöglichen nicht nur eine nachhaltige Produktionsweise, sie sind auch unglaublich flexibel. In der neuen Welt von Print-on-Demand mit Hilfe digitaler Technologien verwandelt sich die Heimtextil-Branche in eine saubere, effiziente und innovative Industrie. Diese steht im Einklang mit dem Kaufverhalten der Verbraucher und bietet neuen Technologien eine Plattform für Wachstum.

Es gibt so viele verschiedenen Anwendungen im Markt für bedruckte Innendekoration. Deshalb hat es im Vergleich zur Modeindustrie so seine Zeit gedauert, bis man begann, die Vorteile der digitalen Technologie zu nutzen. Der Verbraucher verlangt heute jedoch auch in seinen Räumen eine größere Designvielfalt. Das führt dazu, dass auch der Textillieferant sein Geschäftsmodell ändern muss.

Die Heimtextil Messe ist seit vielen Jahren das Mekka für diese Industrie. Sie ist ein fester Termin im Jahreskreis von Designern, Herstellern und Handel. Die ganze Branche kommt einmal im Jahr in Frankfurt zusammen. Unsere Branche macht sich bereit, den Wandel anzunehmen. Deshalb ist es wichtiger denn je, immer einen Schritt voraus zu sein und sich über neue Technologien zu informieren. Käufer aus der Millenniums-Generation wollen nachhaltig leben. Das bedeutet, dass man Informationen und Innovation leicht zugänglich machen muss. Aus diesem Grund hat die Heimtextil2019 eine neue Halle geschaffen, in der Designer, Digitaldrucktechnologien und Trends an einen zentralen Ort zusammengebracht wurden. So erhielt man Ein- und Ausblicke, die alle Marktteilnehmer brauchen, um ihr Geschäft auszubauen.

Bildunterschrift: Mit der UV-Drucktechnologie der Mimaki UCJV300 werden kreative Grenzen bei der Gestaltung von Innenräumen überschritten. Foto: Mimaki

Die Halle schloss die die Lücke zwischen Kreation, Produktion und Innovation und bot ein Forum für Gespräche und vor allem Zugang zu einer Technologie, die unsere Branche verändern wird. Ich traf Mark Sollman, Applications Manager bei Mimaki und habe ihn gebeten, uns einen Einblick in seine Erfahrungen zu geben.

Die Mimaki-Technologie bietet mehrere Digitaldrucklösungen, die sich für die Produktion von Heimtextilien nutzen lassen und setzt als Unternehmen mit neuen Anwendungen Maßstäbe im Innenbereich. Können Sie uns etwas über Ihre bevorzugten Anwendungen erzählen, und was Sie an diesen besonders mögen?


„Auf dieser Heimtextil haben wir uns besonders auf die Applikationen konzentriert und gezeigt, was unsere Maschinen leisten können. Mimaki verfügt über eine breite Palette innovativer Drucktechnologien. Unsere Produkte bedienen verschiedene Märkte, darunter Textil, Werbetechnik, industriellen Druck und seit dem letzten Jahr auch den Bereich 3D-Druck.  

In diesem Jahr haben wir auf der Heimtextil mit drei Designerinnen aus verschiedenen Disziplinen zusammengearbeitet: Mode, Innenarchitektur und Kunst. Sie waren wirklich in die Projekte eingebunden. Jeder von ihnen brachte etwas Einzigartiges für unsere Applikationen mit ein.

Auf der Heimtextil geht es vor allem um Innenarchitektur und Wohnkultur. Mir hat deshalb persönlich vor allem der Bereich Interior Design gefallen, für den wir mit Claire Vos zusammengearbeitet haben. Ihre Arbeit `The Dressing Room` zeigte digital bedruckte Stoffe, die zu verschiedenen Produkten verarbeitet wurden. Obwohl dabei auch Werke anderer Künstler verwendet wurden, wirkte der Raum aus einem Guss. Auch mit der bedruckten Kupferfolie an den Wänden im Art-Bereich war unser Team sehr zufrieden. Wir haben die Kupferfolie mit unserem preisgekrönten UV-Drucker UCJV300 mit weißer Tinte bedruckt. Das Ergebnis in Kombination mit Entwürfen der niederländischen bildenden Künstlerin Sigrid Calon war an den Wänden und der Decke im Kunstbereich zu sehen.“

Bildunterschrift: Innovativ strukturierte Substrate für Wanddekorationen fangen die Essenz des ursprünglichen gemalten Kunstwerks ein. Foto: Mimaki

In Zusammenarbeit mit den drei Designerinnen hat Mimaki eine Reihe von inspirierenden, innovativen Räumen entwickelt. Erzählen Sie uns mehr darüber.


 „Da wir über ein breites Spektrum an Maschinen und Technologien verfügen, war die Herausforderung für uns, alle unsere Druckmöglichkeiten auf unserem Stand präsentieren. Und zwar so, dass es für die Besucher interessant ist. Letztendlich haben wir uns dafür entschieden, in enger Zusammenarbeit mit drei Designerinnen drei separate Anwendungsbereiche zu entwickeln: Innenarchitektur mit Claire Vos, Kunst mit Sigrid Calon und Mode von Tessa Koops. Alle drei sind bekannt und in ihren jeweiligen Disziplinen sehr erfahren. Doch sie waren sie sehr gespannt auf die Zusammenarbeit mit uns, beeindruckt von unserem umfangreichen Produktportfolio und den endlosen Möglichkeiten, die Mimaki-Maschinen bieten.

Für Claire Vos zum Beispiel haben wir Voile und Vorhänge für den Bereich Interior Design im Sublimationsverfahren bedruckt. Im Bereich Kunst hingegen zeigten wir Kupfertapeten und Gemälde, die mit unserer UV-Drucktechnologie hergestellt wurden. Außerdem ein 2 x 2 Meter großes digital bedrucktes Textilstück mit unseren fluoreszierenden Tinten sowie 3D-Drucke. Die Designerinnen waren alle sehr engagiert bei der Realisierung dieses Projekts und freuen sich über die Zusammenarbeit. Ihre kreativen Entwürfe unterstreichen, wie vielfältig unsere Drucktechnologien sind.“

Bildunterschrift: „Das Ankleidezimmer“ von Claire Vos, digital bedruckte Möbelstoffe im Sublimationsdruck.

In diesem Jahr präsentierten sich Digitaltechnik und die Designer Seite an Seite in der Halle 3.0. Heimtextil-Besucher waren also mit einem neuen Standort und auch einer anderen Besucherstruktur konfrontiert. Hat das funktioniert, und wie reagierten die Design-Community und die Textilhersteller?

 
"Als größte internationale Fachmesse für Wohn- und Objekttextilien ist die Heimtextil der Saisonauftakt für neue Trends und textile Innovationen. Für uns ist es immer eine Freude, mit Designern und Vordenkern in Kontakt zu treten, die Trends für das kommende Jahr beeinflussen können.
 
Darüber hinaus stellen wir fest, dass immer mehr Endanwender, die derzeit ihre Druckproduktion noch ausgelagert haben, darüber nachdenken, diese mit Hilfe der Digitaldrucktechnologie ins eigene Haus zu holen.

Auf dem Textilmarkt steigt die Nachfrage nach kleineren Auflagen. Der Kunde verlangt schnellere Lieferungen und eine personalisierte Produktion von Textilien. Der digitale Textildruck kann diese Anforderungen umsetzen.“ Mark Sollman, Applications Manager, Mimaki

Digitale Technologien werden den Heimtextil-Markt gehörig aufrühren, und ihm einen ganz neuen Werkzeugkasten für die Massenproduktion, Personalisierung und Anpsssung an die Bedürfnisse der Kunden bieten.

Ich habe Fulvio Alvisi darüber gesprochen, wie er die Zukunft der Branche beurteilt. Er ist Präsident des Italienischen Textildesignerverbandes, Professor für Textildesign am IED in Mailand und war für Epson auf der Heimtextil.


„Der Digitaldruck wird in naher Zukunft für alle möglichen Anwendungen und auf vielen Märkten verstärkt zum Einsatz kommen. Das liegt an den Möglichkeiten, die diese den Kreativen bietet. Wenn man von individuellem Druck für verschiedene Stoffe, Materialien und Größen einsetzen kann, können Teppiche, Möbel oder Tapeten zu einem Gesamtkunstwerk verschmelzen. Anfangs wird das sicher eher für öffentliche Räume und im Projektgeschäft der Fall sein. Aber ich denke, auch im Wohnbau wird der Trend schneller aufgenommen werden, als wir es jetzt erwarten.

Mit dieser Technologie sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt! Der Digitaldruck lässt beispielsweise Tapeten sehr real aussehen, besonders wenn man Fotos oder fotografische Motive druckt. Es ist viel einfacher, optische Illusionen zu erzeugen, wie etwa einen Raum größer erscheinen zu lassen. Gleiches gilt für Vorhänge und Teppiche. Hier liegt der Vorteil nicht nur darin, in beliebiger Größe zu drucken. Denn man kann auch auf neuartigen Materialien arbeiten und dabei hochwertige Ergebnisse erzielen. Ich denke da beispielsweise an Themen wie Verdunkelung, Luftverbesserung oder Lärmschutz, Dinge, die das Befinden der Menschen verbessern.
 
Die Herausforderung besteht darin, Hightech-Materialien zu verwenden und den Kunden Produkte anzubieten, die wie Handarbeit aussehen. Wie das aussehen kann? Ein Beispiel wäre etwa ein Material, das das Aussehen von Naturfasern oder kleine Fehler beim Weben oder Drucken imitiert. Damit wirkt ein Teppichboden kostbar.
Ich stelle mir eine neue grafische Sprache vor, die die Farben auf eine neue, originelle Weise und ohne Limitierung verwendet. Die enorme Größe eines Teppichs und die Kombination von Druck- mit anderen Verfahren erfordert die Entwicklung neuer Technologien und Maschinen. Ähnliches gilt auch für Möbel und generell alle Heimtextilien, also etwa Handtücher, Bettwäsche oder Tischdecken.
 
Lassen Sie es mich so zusammenfassen: Ich denke, dass das Wachstum des Marktes dem Wachstum der Druck-Applikationen geschuldet ist. Der Digitaldruck wird ein Erfolg, wenn wir den Endverbrauchern die Qualität sowohl in Bezug auf ökologische Nachhaltigkeit wie auch das Wohlbefinden verdeutlichen können. Das muss aber auch in Kombination mit den Konzepten „handgefertigt“ und „exklusiv“ geschehen. Wir müssen den Weg finden, um den Kunden dabei zu helfen, die Qualität wahrzunehmen. Design kann einer der Schlüssel dazu sein.“  Fulvio Alvisi (I.T.D.A)

Die digitale Drucktechnologie wird Allgemein als bahnbrechende Innovation für die Textilindustrie angesehen.


Sie bietet eine große Auswahl an Technologien und Applikationen für alle Branchen, vor allem aber die Werkzeuge, um Lieferketten flexibler zu machen, egal ob für kleine oder größere Unternehmen. Dazu wird die Branche insgesamt rationeller und kann flexibler und nachhaltiger produzieren. Das bedeutet für alle größere Chancen im Markt…






 

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