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Die UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung – eine Einführung

von Clare Taylor | 30.03.2020
Die UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung – eine Einführung

Teil 1 der neuen Artikelserie von Clare Taylor zur Agenda 2030 und ihren Auswirkungen auf die Druckindustrie.

Dieser Artikel ist der erste in einer ganzen Serie über die Ziele der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung (UN SDGs) und ihre Bedeutung für die Druckindustrie. Dabei sollen zunächst Sinn, Zweck und Bedeutung erklärt werden. Außerdem wird erörtert, weshalb sich jeder Unternehmenslenker dafür interessieren und sie bei der Zukunftsplanung berücksichtigen sollte.

Ein wirklich nachhaltiges Unternehmen ist für längeren Bestand angelegt.  Dazu muss der der Cashflow stetig und sinnvoll verwaltet sein, die Belegschaft effektiv, motiviert und gut ausgebildet. Eine solche Firma schützt und managt Rohstoffe und Energie, denn für sie ist jeder Baustein der Trilogie Mensch, Umwelt und Gewinn gleich wichtig. So schaut man nach vorne, und ist gleichzeitig vorbereitet, denn man schützt künftige Ressourcen ebenso wie das ganze Unternehmen.
 
Die Sustainable Development Goals wurden als ein Plan zur Erreichung dieses Ziels für den Planeten geschaffen und von Ländern auf der ganzen Welt übernommen. Sie wurden 2015 veröffentlicht und stehen im Mittelpunkt der Agenda 2030, eines „Aktionsplans für Menschen, Planet und Wohlstand“ der UNO. In den deutschsprachigen Ländern heißen die UN SDGs deshalb auch „Die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung“ oder kurz „Agenda 2030“. Sie prägen Politik und Gesetzgebung und werden nicht nur von Regierungen weltweit, sondern auch von Unternehmen berücksichtigt. Letztere wählen unter den Zielen aus, was für sie relevant ist.  
 
Die Agenda 2030 wird sich also so oder so Unternehmen auswirken, weil die Kunden danach verlangen, aber auch weil die Politik entsprechende Regulierungen auf den Weg bringt. Wer sich damit beschäftigt, kann das in seine Zukunftsstrategie einbauen und beispielsweise für kommende Gesetzesänderungen vorausplanen. Auch fällt es so leichter, Veränderungen in der Nachfrage zu verstehen und sich daran anzupassen.
 
Oft scheint es ein bisschen so, als ob die öffentliche Meinung wild von einem Anliegen zum nächsten mäandert. In einem Jahr wird der Raubbau an den Wäldern diskutiert, dann gerät Recycling in den Fokus. Danach soll jeder seinen CO2-Fußabdruck berechnen und ausgleichen, als nächstes ist #MeToo dran. Gerade ist Plastik im Brennpunkt. Unternehmen, die immer nur reagieren und keine eigene Agenda setzen, geraten so schnell ins Hintertreffen.
 
Allerdings sind all diese Fragen nicht mehr wirklich neu. Sie sind Teil der Agenda 2030, und diese fußt wiederum auf den UN-Millenniums-Entwicklungszielen. Wer sich also mit dem Thema und seinen Auswirkungen auf die Druckindustrie beschäftigt hat, den können die neuesten ökologischen, sozialen und ethischen Themen, die es in die Schlagzeilen schaffen, kaum je überraschen. Denn sehr wahrscheinlich hat er sich bereit darüber Gedanken gemacht und proaktiv entsprechende Maßnahmen ergriffen.
 
Oberflächlich betrachtet sind die SDGs einfach nur Leitbilder. Wenn man sich nur die Kernaussagen ansieht, sind die Auswirkungen auf Unternehmen auch nicht gleich ganz so offensichtlich.
 
Aber wie jedes Geschäftskonzept haben auch sie Ziele und Indikatoren, die als Wegweiser dienen und anhand derer man überprüft, ob der Plan funktioniert. Mit Hilfe dieser Details fällt es leichter zu entscheiden, was für ein Unternehmen und seine Produkte und Services relevant ist.

Nur einige von ihnen sind direkt auf ein bestimmtes Unternehmen anwendbar, und die Art und Weise, wie sie angewendet werden, kann in verschiedenen Teilen der Wertschöpfungskette variieren, also beispielsweise bei Endkunden, Käufern, Anbieter oder auch Anbieter von Maschinen und Verbrauchsmaterial, auch wenn diese manchmal ein und dasselbe sind. Sie alle sind miteinander verflochten und haben auch Verbindungen zu den globalen Megatrends, die uns alle betreffen und die von großem Interesse für die Finanzwelt sind.
 
Diese Artikelserie nimmt die Agenda 2030 also aus wirtschaftlicher Sicht unter die Lupe, und konzentriert sich dabei auf die Punkte, die für den Klimawandel relevant sind. Dabei geht es auch darum, Unternehmen aus der Druckindustrie auf die Auswirkungen der Agenda 2030 vorzubereiten, und etwa den Verbrauch von Rohstoffen, Chemikalien Luft und Wasser zu betrachten. Aber eben auch sowie soziale und beschäftigungspolitische Fragen.
 
Aber zunächst zu den Hauptaussagen der oben abgebildeten Symbole.

Ziel 1:  Armut in all ihren Formen und überall beenden.

Ziel 2: Ernährung sichern – den Hunger beenden, Ernährungssicherheit und eine bessere Ernährung erreichen und eine nachhaltige Landwirtschaft fördern.

Ziel 3: Gesundes Leben für alle – ein gesundes Leben für alle Menschen jeden Alters gewährleisten und ihr Wohlergehen fördern.

Ziel 4: Bildung für alle – inklusive, gerechte und hochwertige Bildung gewährleisten und Möglichkeiten des lebenslangen Lernens für alle fördern.

Ziel 5: Gleichstellung der Geschlechter – Geschlechtergleichstellung erreichen und alle Frauen und Mädchen zur Selbstbestimmung befähigen.

Ziel 6: Wasser und Sanitärversorgung für alle – Verfügbarkeit und nachhaltige Bewirtschaftung von Wasser und Sanitärversorgung für alle gewährleisten.

Ziel 7: Nachhaltige und moderne Energie für alle – Zugang zu bezahlbarer, verlässlicher, nachhaltiger und zeitgemäßer Energie für alle sichern.

Ziel 8: Nachhaltiges Wirtschaftswachstum und menschenwürdige Arbeit für alle – dauerhaftes, breitenwirksames und nachhaltiges Wirtschaftswachstum, produktive Vollbeschäftigung und menschenwürdige Arbeit für alle fördern.

Ziel 9: Widerstandsfähige Infrastruktur und nachhaltige Industrialisierung – eine widerstandsfähige Infrastruktur aufbauen, breitenwirksame und nachhaltige Industrialisierung fördern und Innovationen unterstützen.

Ziel 10: Ungleichheit verringern – Ungleichheit in und zwischen Ländern verringern.
Ziel 11: Nachhaltige Städte und Siedlungen – Städte und Siedlungen inklusiv, sicher, widerstandsfähig und nachhaltig gestalten.

Ziel 12: Nachhaltige Konsum- und Produktionsweisen – nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster sicherstellen.

Ziel 13: Sofortmaßnahmen ergreifen, um den Klimawandel und seine Auswirkungen zu bekämpfen

Ziel 14: Bewahrung und nachhaltige Nutzung der Ozeane, Meere und Meeresressourcen.

Ziel 15: Landökosysteme schützen – Landökosysteme schützen, wiederherstellen und ihre nachhaltige Nutzung fördern, Wälder nachhaltig bewirtschaften, Wüstenbildung bekämpfen, Bodendegradation beenden und umkehren und dem Verlust der biologischen Vielfalt ein Ende setzen.

Ziel 16: Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen. Friedliche und inklusive Gesellschaften für eine nachhaltige Entwicklung fördern, allen Menschen Zugang zum Recht ermöglichen und leistungsfähige, rechenschaftspflichtige und inklusive Institutionen auf allen Ebenen aufbauen.

Ziel 17: Umsetzungsmittel und globale Partnerschaft stärken – Umsetzungsmittel stärken und die globale Partnerschaft für nachhaltige Entwicklung mit neuem Leben füllen.

Der nächste Artikel in dieser Reihe wird sich auf das Ziel 13 der Agenda 2030 konzentrieren: Dringende Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels und seiner Auswirkungen. Was also können Unternehmen außer einer Verringerung ihres CO2-Ausstoßes noch tun, wie können sie sich auf den Klimawandel vorbereiten? Wie werden sie davon betroffen sein?

Über Clare Taylor

Clare ist eine bekannte Persönlichkeit in der Branche und Sprecherin auf zahlreichen Konferenzen über Druck, Papier und die damit zusammenhängende Umweltfragen, sowohl in Großbritannien als auch auf dem europäischen Festland. Im Jahr 1994 wurde sie bei den „Celebration of Print“-Preisverleihung zum „Printbuyer des Jahres“ und 2003 zur „Printing World Print-Persönlichkeit des Jahres“ ernannt.
 
Sie ist seit 30 Jahren in der grafischen Industrie tätig, zunächst als Einkäuferin für Druckproduckte und Kunst in Agenturen und Konzernen. Seit der Gründung ihres Beratungsunternehmens betreut sie Druckereien, Papierhersteller und Unternehmen aus angrenzenden Bereichen sowie Branchenverbände.
 
 Clare ist geprüfte Umweltbeauftragte, Vollmitglied des Instituts für Umweltmanagement und -bewertung, registrierte Umwelt-Auditorin, Mitglied des Instituts für Papier, Druck und Verlagswesen und außerordentliches Mitglied im Branchenverband der Entsorgungswirtschaft.

 

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