"Wie funktioniert das: Von der Datei zum Tintentropfen"
Eigentlich ganz einfach: Der Kunde schickt eine Datei, die der Großformatdrucker dann ausgibt. Doch was passiert hinter den Kulissen? Dieser Artikel erklärt es für Einsteiger.
Ein bisschen wirkt es wie Magie: Aus einem Design, das am Computer erstellt wurde, entsteht auf einmal Realität zum Anfassen. Datei wird ein Druck. Um zu verstehen, was dabei genau passiert, schauen wir uns den gesamten Vorgang von der Datei zum Tintentropfen einmal an. Dieser Artikel beantwortet folgende Fragen:
- Wie wird aus der Grafik eine druckfähige Datei?
- Was passiert in einem Raster Image Prozessor (RIP)?
- Welche Faktoren bestimmen die Qualität des Digitaldrucks?
BILDUNTERSCHRIFT: Die Datei-Anlieferung als PDF/X ist heute Standard.
Vor dem Tintentropfen: mit der Grafik fängt alles an
Schon seit Jahrzehnten werden Designs am Computer erstellt oder aus analogen Vorlagen gescannt. Dabei unterscheidet man im Wesentlichen zwei Arten, nämlich Vektor- und Pixelgrafiken. Vektor-Grafiken, erstellt etwa in Adobe Illustrator, Corel Draw oder Autocad sind frei skalierbar. Das liegt daran, dass sie durch mathematische Formeln beschrieben werden. Diese legen Position, Größe, Farbe der dargestellten Objekte fest. Dadurch kann man Vektorgrafiken praktisch unbegrenzt vergrößern und trotzdem in hoher Qualität ausdrucken.
Im Gegensatz dazu sind Rastergrafiken aus Pixeln zusammengesetzt. Jedes der Pixel hat eine feste Größe und Farbe. Das bedeutet, dass man die Datei nicht beliebig vergrößern kann. Wird eine Pixel-Datei „hochgerechnet“ oder „aufgeblasen“, so dupliziert die Software die bestehende Pixel und versucht das neue Bild dann mit Hilfe von Algorithmen zu optimieren. Das klappt heute mit Funktionen wie „Bildgröße ändern“ in Adobe Photoshop schon recht gut, spezielle Resizer-Software wie Luminar Upscale kann noch etwas bessere Ergebnisse erzielen.
Wichtig ist dies deshalb, weil für optimale Ergebnisse im Digitaldruck für geringen Betrachtungsabstand mindestens 150 ppi in Ausgabegröße benötigt werden. Das bedeutet, dass bereits für einen A4-Druck mindestens eine 2.480 x 3.508 Pixel große Datei vorhanden sein sollte. Für Drucke mit großem Betrachtungsabstand, etwa Riesenposter, reicht eine weit geringere ppi-Zahl hingegen aus.
Für den Druck werden grafische Daten heute aber nur noch selten offen, also im Format der Erstellungssoftware angeliefert, sondern als PDF. Das Dateiformat wurde Adobe Systems entwickelt und kann Text, Grafiken, Bilder, aber auch Hyperlinks, Formulare und teilweise sogar Audio- und Videodateien enthalten. Deshalb gibt es ein ganze Reihe unterschiedlicher PDF-Varianten. In Digitaldruckereien wird in der Regel als „druckfähige Datei“ mindestens ein PDF/X-3 verlangt. Profi-Programme für Layout oder Design erlauben es, PDF/X-Dateien direkt aus der Anwendung heraus zu schreiben (z.B. Photoshop –> Datei –> Kopie speichern –> Photoshop PDF).
BILDUNTERSCHRIFT: Das RIP hat Einfluss auf die Ausgabe, deshalb wird in ICC-Profilen oft auch die Marke des RIPs berücksichtigt.
Vom PDF zur gerippten Datei
Ein PDF stellt die Elemente einer Seite weitgehend unabhängig von Gerät und Betriebssystem immer gleich dar. Dies gilt allerdings nur für Bildschirme. Damit das PDF ausgedruckt werden kann, müssen für jedes einzelne Element auf dem PDF, egal ob es sich um einen Teil eines Logos, einer Schrift oder eines Bildes handelt, viele, viele farbige Punkte aus Tintentröpfchen erzeugt werden.
Beim Rippen sind deshalb die im Inkjetdrucker zur Verfügung stehenden Tinten zu berücksichtigen. Das können vier Prozessfarben sein, so wie im Standard-Offsetdruck, aber auch deutlich mehr. Diesen Vorgang nennt man „rastern“, manchmal auch einfach „rippen“. In Hintergrund passiert dabei eine ganze Menge.
Beim Offsetdruck sind die Winkel, in denen vier Prozessfarben in einem Raster übereinander gedruckt werden sollen, in der DIN 16 547 niedergelegt. Im Inkjet-Druck gibt es keine solchen Einschränkungen, denn der einzelne Tintentropfen kann bei der Überfahrt des Kopfes über das Druckmedium beliebig platziert werden. Zudem lässt sich zumeist auch die Größe des Tropfens variieren. Dadurch sind unterschiedliche Raster möglich, die sich auf die Bildqualität auswirken. Oft kann der Nutzer zwischen verschiedenen Rastern wählen sowie festlegen, wo überdruckt oder ausgespart werden soll.
Das RIP verrechnet auch Informationen zum Farbmanagement. Es sorgt also dafür, dass der Ausdruck auf dem vorgesehenen Substrat exakt dem entspricht, was auf dem kalibrierten Monitor dargestellt wird (Soft-Proof) oder auf einem Probedruck (Proof) zu sehen ist. Der Nutzer bekommt von alledem meist nichts mit.
Die meisten RIPs, egal ob direkt vom Druckerhersteller oder Universal-RIP bewerkstelligen aber noch deutlich mehr. Sie können Kundendateien in Hotfolder schieben, wo sie automatisch auf der gewählten Maschine ausgegeben werden, sobald diese bereit ist. Wenn ein Motiv mehrfach produziert werden muss, platzieren sie es möglichst platzsparend auf dem Druckmedium (Nesting). Motive, die auf der gewählten Druckbahn keinen Platz haben, werden automatisch so geteilt, dass man das Gesamtmotiv gut wieder zusammensetzen kann (Tiling).
Die Druckmaschine liest schließlich die Datei aus, die das RIP gerastert hat, und steuert damit den Ausstoß der Inkjet-Druckköpfe, aber etwa auch Kopfgeschwindigkeit, Medienheizung oder Vorschub.
Das RIP ist ein Schlüssel
Inzwischen weiß das jeder: Je nachdem, auf welchem Drucker, mit welcher Tintenkonfiguration und welchem Substrate eine Datei ausgegeben wird, können die Unterscheide erheblich sein. Allerdings ist auch das RIP ein wichtiger Faktor, und das ist weniger gut bekannt. Deshalb wird beim Schreiben von ICC-Profilen auch das ansteuernde RIP berücksichtigt. Das liegt daran, dass nicht alle RIPs die exakt gleichen Farbanpassungen vornehmen, leicht verschiedene Raster verwenden oder sogar den Drucker etwas unterschiedlich ansteuern.
Allerdings haben sich bei den meisten Applikationen die Ausgabequalität der unterschiedlichen RIPs angenähert. Für eine hohe Qualität im Digitaldruck bleibt deshalb die wichtigste Daumenregel bestehen: Ohne ein gut angelegte Datei werden auch die Tintentropfen nicht optimal platziert.
Aufmacherbild mit freundlicher Genehmigung von Ergosoft.
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