Sonja Angerer bietet Designern einen Leitfaden zur Gestaltung perfekter Fahrzeugfolierungen und betont dabei, wie wichtig es ist, häufige Fehler zu vermeiden. Zu den wichtigsten Schritten gehören die Auswahl der geeigneten Vinyl- oder Polyurethanfolie, die Berücksichtigung der Umweltauswirkungen des Designs, die Ausrichtung auf ein klares Kommunikationsziel sowie die Einhaltung gesetzlicher und technischer Vorschriften für den Straßenverkehr. Designer müssen zudem sicherstellen, dass hochauflösende Motive an die Fahrzeugform angepasst sind, um Verzerrungen zu vermeiden.
Unter dem Hashtag #carwrapping finden sich allein auf Instagram etwa 1,4 Millionen Beiträge. Daraus lässt sich schließen, dass die Fahrzeugfolierung heute die beliebteste Anwendung im Digitaldruck und in der Werbetechnik ist – nicht nur bei Geschäftskunden, sondern auch bei Endverbrauchern.
BILDUNTERSCHRIFT: Ein gutes Design kann entscheidend dazu beitragen, dass eine Fahrzeugfolierung perfekt wird. Bildnachweis: Sonja Angerer
Grafikdesigner erhalten daher häufig Anfragen, für ihre Kunden Designs für Fahrzeuge zu entwerfen oder bestehende Motive anzupassen. Für die meisten gängigen Fahrzeugtypen gibt es maßstabsgetreue Vorlagen, die die Arbeit erheblich erleichtern, z. B. von CC Vision. Mock-ups für Präsentationen sind bei Adobe Stock oder Shutterstock erhältlich. Dennoch gibt es einige Faktoren, die Designer beachten sollten.
Die Auswahl der richtigen Substrate
Die Wahl der richtigen Folie ist von entscheidender Bedeutung. Aus diesem Grund wird Designern empfohlen, eng mit ihren Kunden zusammenzuarbeiten, um bereits frühzeitig festzulegen, welche Trägermaterialien verwendet werden sollen. Es gibt verschiedene Folientypen, die jeweils ihre eigenen Vor- und Nachteile sowie unterschiedliche Preise aufweisen.
Vinylfolien (PVC): Dies sind die am häufigsten verwendeten Folien für die Fahrzeugfolierung. Sie sind langlebig, flexibel und in einer großen Vielfalt an Farben und Strukturen erhältlich. Vinylfolien eignen sich ideal für komplexe, langfristig angelegte Designs, da sie eine gute UV-Beständigkeit aufweisen. Es steht eine große Auswahl an weißen PVC-Folien für Eco-Solvent-, UV-härtende und Latex-Tinten zur Verfügung, die speziell auf die Fahrzeugfolierung abgestimmt sind.
Für 3D-geformte Oberflächen mit Nieten sowie für hochwertige, dauerhafte Anwendungen ist gegossene Vinylfolie von 3M, Avery, Orafol und anderen Herstellern erforderlich. Für kurzfristige Teilfolierungen auf leicht gewölbten Oberflächen reicht häufig kostengünstigere, kalandrierte PVC-Folie aus.
(Thermoplastische) Polyurethanfolien (TPU/PU): Diese Folien stellen eine Alternative zu PVC dar und sind besonders kratz- und chemikalienbeständig. Sie sind jedoch teurer als Vinylfolien und erfordern eine sorgfältigere Anbringung. Sie sind unter anderem bei CYS Europe erhältlich.
BILDUNTERSCHRIFT: Die hinteren Seitenfenster dürfen abgedeckt werden, sofern dies die Sicht nicht beeinträchtigt. Bildnachweis: Sonja Angerer
Umweltauswirkungen von Fahrzeugfolierungen
Bei der Auswahl von Folien sollten Designer auch die Auswirkungen auf die Umwelt berücksichtigen. Einige Folien, insbesondere solche aus PVC, enthalten schädliche Chemikalien, die sowohl bei der Herstellung als auch bei der Entsorgung freigesetzt werden können.
Daher bieten viele Hersteller mittlerweile Alternativen zu PVC-Folien an, z. B. Hexis oder Arlon. Designer sollten solche Produkte ausdrücklich für die Umsetzung ihrer Entwürfe vorschlagen. In vielen Fällen sind sich Endkunden der neuen, umweltfreundlicheren Produkte für die Fahrzeugfolierung gar nicht bewusst.
Doch Designer können noch mehr tun, um die Fahrzeugfolierung nachhaltiger zu gestalten. Oft hängt es vom jeweiligen Design ab, wie viele Quadratmeter bedruckt werden müssen und wie viel Abfall dabei anfällt. Durch die geschickte Kombination von Farben, Effekten und bedruckter Folie ist es häufig möglich, großartige Designs mit deutlich geringerem Materialverbrauch zu realisieren.
BILDUNTERSCHRIFT: Auf deutschen Straßen sind Aufkleber auf Scheinwerfern nicht erlaubt. Bildnachweis: Sonja Angerer
Kommunikationsziele und -motive
In den meisten Fällen geben Geschäftskunden im Briefing an, welches Kommunikationsziel mit der Fahrzeugfolierung erreicht werden soll. Es ist sinnvoll, sich auf eine leicht verständliche Kernbotschaft zu konzentrieren, ähnlich wie bei einem Plakat, da das Fahrzeug für Passanten oft nur wenige Sekunden lang sichtbar ist.
Aus diesem Grund ist es besonders wichtig, sich auf mindestens einen Kanal zu konzentrieren, über den eine einfache Kontaktaufnahme möglich ist, z. B. eine einprägsame Telefonnummer oder eine ansprechende Website. Bei Fahrzeugbeschriftungen im Auftrag von Endkunden sollten Designer zudem auf einem Briefing bestehen.
Rechtliche und technische Rahmenbedingungen für die Fahrzeugfolierung
Privat- und Geschäftskunden, die eine Fahrzeugfolierung in Auftrag geben, sind sich oft nicht über die technischen und rechtlichen Einschränkungen bei der Fahrzeugfolierung im Klaren. Diese können jedoch erhebliche Auswirkungen auf das Design haben. Für eine perfekte Fahrzeugfolierung sollten Designer ihre Kunden daher frühzeitig darüber aufklären.
Ein Design, das zu sehr an die Polizei oder die Feuerwehr erinnert, kann durchaus problematisch sein. Aber auch stark reflektierende, nachtleuchtende oder reflexionsfreie (Vanta Black) Oberflächen werden von den Behörden in der Regel nicht akzeptiert. Scheinwerfer und Kennzeichen dürfen in Deutschland überhaupt nicht foliert werden.
In Deutschland erhältliche Fahrzeugfolierungen unterliegen jedoch in der Regel keiner Zulassungspflicht. Ein foliertes Fahrzeug muss dennoch die Straßenverkehrsordnung einhalten; daher dürfen die Front- und Seitenscheiben überhaupt nicht abgedeckt werden, und die hinteren Seitenscheiben dürfen nur abgedeckt werden, sofern die Sicht des Fahrers dadurch nicht beeinträchtigt wird. Für die Heckscheiben ist eine Einwegfolie mit einer Lichtdurchlässigkeit von 50 % zulässig.
BILDUNTERSCHRIFT: Designer, die die richtige Folie empfehlen, tragen dazu bei, die Auswirkungen von Fahrzeugfolierungen auf die Umwelt zu minimieren. Bildnachweis: Sonja Angerer
Die Wahl des Motivs für die perfekte Fahrzeugfolierung
Neben den rechtlichen und technischen Anforderungen ist ein hochwertiges Design für die Fahrzeugfolierung in hoher Auflösung entscheidend für den Erfolg. Es muss in der tatsächlichen Druckgröße mit mindestens 210 ppi vorliegen.
Gleichzeitig muss sich das Design gut an die Form des Fahrzeugs anpassen. Wichtige Details des Motivs sollten nicht für stark gewölbte Flächen wie Kotflügel vorgesehen sein, da dies zu Verzerrungen und anderen unerwünschten Effekten führen kann.
Auch Motivteile, die über Türen verlaufen, können problematisch sein. Der Folienverleger muss große Anstrengungen unternehmen, um sicherzustellen, dass kein Versatz sichtbar ist. Trotz aller Bemühungen kommt es häufig zu unbeabsichtigten, kuriosen Effekten, z. B. wenn bei geöffneter Schiebetür nur die Hälfte eines Gesichts zu sehen ist.
Mit einem guten Entwurf lassen sich solche Probleme vermeiden. Bei der Gestaltung von Fahrzeugfolierungen ist es oft sinnvoll, mehr als nur eine digitale 2D-Vorschau auf der Fahrzeugvorlage zu erstellen. Soll das Design an bestimmten kritischen Stellen (z. B. am Kotflügel) probeweise aufgebracht werden, ermöglicht dies Anpassungen und Optimierungen, bevor Folie und Arbeitszeit verschwendet werden.
Planung der perfekten Fahrzeugfolierung
Mit den richtigen Materialien und Techniken können auch weniger erfahrene Designer beeindruckende Fahrzeugfolierungen gestalten. Es ist jedoch wichtig, mit dem Kunden ein detailliertes Briefing zu vereinbaren, das bereits rechtliche und technische Einschränkungen berücksichtigt. Dies gewährleistet zudem, dass der Auftrag erfolgreich umgesetzt wird und möglichst wenig Ressourcen verbraucht werden.