Der Digitaldruck tritt 2026 in eine Phase ein, in der Materialien und intelligente Materialkonzepte den Markt stärker prägen als reine Maschinenleistung. Wohin entwickelt sich die Branche – technologisch, wirtschaftlich, strategisch? Wir haben darüber mit zwei Branchen-Experten gesprochen.
Digitaldruck wird heute als integriertes System verstanden, in dem Drucktechnologie, Tinte, Material und Weiterverarbeitung nahtlos zusammenspielen. Das zugrunde liegende Materialkonzept beschreibt die gezielte Abstimmung all dieser Faktoren auf eine konkrete Anwendung. Dieser Ansatz hat sich 2026 durchgesetzt. Denn er macht die wachsende Vielfalt an Substraten – von Folien über Textilien für Soft Signage bis hin zu Interior‑Materialien wie Tapeten – erst zuverlässig nutzbar.
Im Großen und Ganzen sind die Print Buyer mit dem bestehenden Angebot auch weitgehend zufrieden, sagt Rüdiger Maaß, Geschäftsführung des Fachverband Medienproduktion e.V.: „Grundsätzlich sind genug High-end-Technologien und -Materialien auf dem Markt. Sicher gibt es die einen oder anderen Spezialitäten, die man noch ergänzen könnte, aber in Summe ist so weit alles da. Entscheidend wird für die Zukunft, dass wir die verfügbaren Technologien und Materialien in lösungsorientierte Anwendungen übersetzen.“
Trends im Digitaldruck 2026: Nachhaltigkeit nicht mehr wichtig?
Im Digitaldruck 2026 ist die Suche nach nachhaltigen und zugleich robusten Materialien zentral. Viele Materialanbieter haben neben PVC‑haltigen Folien auch Alternativen im Programm, z.B. die 3M Envision-Produktlinie oder die Grafityp GEF-Serie. Allerdings haben diese Alternativ-Produkte, obwohl nun bereits seit einigen Jahren auf den Markt, die PVC-haltigen längst noch nicht verdrängt.
Die Gründe dafür sind vielfältig. So mag es durchaus Druckereien und Werbetechnik-Betriebe geben, die den Aufwand scheuen, ihren Workflow an neue Materialien anzupassen, z.B. bei der Autofolierung . Denn hier erfordern PVC-freie Materialien teilweise eine deutlich andere Handhabung.
Viel wichtiger aber dürften anhaltender Preisdruck sowie eine gedrosselte Nachfrage nach vielen Printprodukten sein. Steigende Lebenshaltungskosten sowie die anhaltend unsichere weltpolitische Lage haben dazu geführt, dass viele Verbraucher ihren Konsum eingeschränkt haben. Das wirkt sich auch auf die Werbeausgaben im B2B-Geschäft aus, z.B. beim Druck von POS-Material.
Maaß sagt dazu: „Die Nachhaltigkeit hat ihre Bedeutung bei den meisten Unternehmen verloren, was aus meiner Sicht jedoch rundweg falsch ist. Insofern muss unsere Branche schauen, welche Materialien in Zukunft noch nachhaltiger werden und wie ggf. ein entsprechendes Recyclingsystem aktiviert werden kann. Übergeordnete Aufgabe ist dabei der Ressourcenschutz.“
Christoph Splithöfer, Large Format Production Sales bei der HP Deutschland GmbH beobachtet bei HP und seinen Kunden dagegen weiterhin einen Fokus auf Sustainability: „Unsere Strategie, auf Upgrades, statt Austausch zu setzen und damit längere Produktlebenszyklen zu ermöglichen, bestätigt sich zunehmend. 2026 wird Nachhaltigkeit belastbar nachgewiesen werden müssen.“
Tatsächlich führt beispielsweise das im Februar 2026 geänderte Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) in Deutschland dazu, dass ab Inkrafttreten im September 2026 nicht nachweisbare allgemeine Umweltaussagen künftig verboten sind. Auch dürfen Werbeversprechen wie „klimaneutral“, „CO₂‑neutral“ oder „emissionsfrei“ nicht mehr auf Kompensationsmodellen basieren. Da es sich dabei um die Umsetzung der EU-Richtlinie (EU) 2024/825 handelt, sind vergleichbare Regelungen in vielen weiteren europäischen Ländern bereits auf dem Weg bzw. schon erfolgt.
Splithöfer fügt hinzu: „Druckdienstleister verlassen sich nicht mehr auf grüne Schlagworte, sondern müssen ihren (Corporate-)Kunden transparent belegen, dass nachhaltig produziert wurde. Damit werden verlässliche Daten, Zertifizierungen und nachvollziehbare Produktionsprozesse zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor.“
Für die FESPA GPE 2026 kündigte Mimaki mit dem Modell UJ330H-160 bereits einen Hybriddrucker mit UV-Tinten an. Foto: Mimaki.
Druckmaschinen-Konzepte: Es kommt nicht nur auf die Tinte an
Derzeit werden im digitalen Folien- und Plattendruck vor allem UV-trocknende, lösemittelhaltige und Latex-Tinten eingesetzt. Bei Textildruck für Soft Signage dominiert der Sublimationsdruck, während für Bekleidung der DTF-Druck die Direct-to-Garment (DTG)-Technologie für Einzelstücke und Textilien als Werbeartikel weitgehend abgelöst hat.
Daran wird sich wohl auch 2026 nicht viel ändern. Für die FESPA Global Print Expo 2026 kündigte beispielsweise Mimaki mit dem Modell UJ330H-160 bereits einen Hybriddrucker mit UV-Tinten speziell für die Werbetechnik-Märkte an.
HP hat hingegen beschlossen, im LFP-Bereich vollständig auf UV-härtende und lösemittelbasierte Tinten zu verzichten, so Splithöfer: „Wir konzentrieren uns künftig auf unsere wasserbasierten Latex- und Stitch-Tinten. Was ursprünglich als Idee begann, eine umweltfreundlichere Alternative zu anderen Außendrucksystemen zu schaffen, hat sich in den vergangenen 18 Jahren zu einer etablierten Technologie entwickelt, auf die weltweit zehntausende Druckdienstleister täglich vertrauen. Diese Entwicklung ist noch lange nicht abgeschlossen, und wir erwarten im Laufe des Jahres 2026 – möglicherweise bereits zur FESPA – spannende neue Fortschritte.“
Doch in puncto Nachhaltigkeit geht es bei den Konzepten für 2026 nicht nur um die Tinten. Vor allem der Bau großer Digitaldruckanlagen mit hohem Durchsatz verbraucht viele wertvolle Ressourcen. Im Vergleich zu Siebdruckanlagen, die oft viele Jahrzehnte lang im Einsatz bleiben können, ist die Lebensdauer bei Digitaldruckern immer noch recht gering. Selten ist eine Maschine in Zentraleuropa mehr als zehn Jahre lang wirtschaftlich nutzbar. Denn noch immer schreitet die Technologie schnell voran. Druckergebnis und -geschwindigkeit älterer Digitaldruckanlagen können in einem fordernden Marktumfeld, wie es auch für 2026 erwartet wird, schlicht nicht mehr mithalten.
Hersteller setzen deshalb verstärkt auf modulare Bauweise. So lässt sich etwa die 2025 vorgestellte SwissQprint Generation 5 auch nach der Erstinstallation modular um- und ausbauen.
Splithöfer erklärt dazu: „Nachhaltigkeit ist der Norden unseres Kompasses – eine nicht verhandelbare Priorität unserer täglichen Arbeit. Unsere Latex-FS-Serie ist so konzipiert, dass sie mit den Anforderungen des Dienstleisters mitwachsen kann, etwa durch größere Tintenbehälter oder höhere Geschwindigkeiten. Eine längere Nutzungsdauer erhöht die Nachhaltigkeit der Investition.“
Canon brachte Anfang März 2026 das Modell Colorado M-Traffic auf den Markt. Es wurde für die Herstellung von Verkehrszeichen optimiert. Foto: Canon
Automatisierung und Fokussierung als Grundlage moderner Konzepte
Automatisierte Workflows werden zunehmend zum Wettbewerbsfaktor. Das gilt 2026 mehr denn je. Aktuelle Drucksysteme wie der im November 2025 gelaunchte Durst P5 SMP sind von vorneherein so konzipiert, dass sie nicht nur als Stand-Alone-Maschine für manuelles Be- und Entladen zu nutzen sind. Anwender können sie auch ab Werk vollautomatisiert erwerben.
Daneben gewinnt 2026 aber auch eine klare Materialstrategie an Bedeutung. Viele Druckdienstleister reduzieren bewusst die Vielfalt. Sie fokussieren sich auf bewährte Medien und sparen dabei Lagerkosten und Rüstzeiten. Nachhaltige oder funktionale Neuheiten werden nur dann gezielt integriert, wenn sie langfristige Vorteile versprechen.
Dabei ist zu beobachten, dass neben Digitaldruckdienstleistern mit einem umfassenden Angebot die hochspezialisierten Unternehmen an Bedeutung gewinnen. Wie wichtig diese Nischen inzwischen geworden sind, kann man leicht am Interesse der Maschinenhersteller ablesen. So brachte Canon Anfang März 2026 das Modell Colorado M-Traffic auf den Markt. Es wurde für die Herstellung von Verkehrszeichen optimiert. Auch der aktuelle Roland DG Dimense DA-640 für 3D-Prägedruck bis zu 2 mm Höhe zielt auf einen ganz speziellen Markt, nämlich hochwertige Wanddekorationen.
Fazit: Vielfältige Konzepte für Digitaldruck-Erfolg 2026 und darüber hinaus
Die Digitaldruckbranche muss sich voraussichtlich auch 2026 einem herausfordernden Marktumfeld anpassen. Neben produktiven, nachhaltigen und verlässlichen Maschinen bleiben Materialien wichtig, die sich vielfältig einsetzen und gut bedrucken lassen. Sie müssen zudem zuverlässig lieferbar sein. Aus der Sicht der Auftraggeber wünscht sich Rüdiger Maaß für 2026 aber auch: „Heute ist es wichtig einen kreativen Dienstleister ins Boot zu nehmen, der generell bereit ist lösungsorientiert zu denken und zu arbeiten.“ Es bleibt also spannend – auch 2026.
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