Druck kann viel mehr, als man denkt: moderne Print-Technologien können auch in ganz anderen Bereichen eingesetzt werden. Beispielsweise in der Produktentwicklung, Mode oder Forschung. FESPA zeigt drei spannende Beispiele, die auch Sie überraschen werden.
Gedruckter Lautsprecher, extraleicht
„Glückwunsch zum Abitur“, mit dieser 13 x 7,5 m großen Glückwunschkarte warb die Technische Universität (TU) Chemnitz im Juni 2025 um Studienanfänger. Dass die Hochschule in ihrer Kommunikation auf großformatigen Digitaldruck setzt, ist kein Zufall. Denn bereits 2021 entwickelten Wissenschaftler dort im Rahmen einer Projektgruppe um Georg C. Schmidt am Institut für Print- und Medientechnik eine neue Art von Lautsprecher. „T-Paper“ besteht fast vollständig aus zwei Lagen Offset-Papier, das mit leitfähigem Material bedruckt ist. Zwischen den Papierlagen gibt es eine weitere piezoelektrische Aktivschicht, die mit ihren Bewegungen die dünnen, laminierten Blätter in Schwingungen versetzt. So wird ein lauter und klarer Klang erzeugt.
Gedruckte Lautsprecher „T-Ring“ der Projektgruppe um Georg C. Schmidt am Institut für Print- und Medientechnik der Technischen Universität Chemnitz. Foto: Jacob Müller
Dabei lassen sich mehrere Segmente zu einem so genannten „T-Ring“ zusammenbauen. Im Versuch gelang es den Wissenschaftlern, aus 56 Einzellautsprechern ein vier Meter langes Panel zu erzeugen. Da die Konstruktion zu 90% aus Papier besteht, wiegt der so Lautsprecher-Ring nur etwa 150 Gramm. Er kann zudem beidseitig farbig bedruckt werden, da die Elektronik sicher zwischen den Blättern geschützt ist (Video).

Seit 2022 arbeiten Epson und der japanischen Designer Yuima Nakazato gemeinsam daran, die Modeindustrie umweltfreundlicher und individueller zu machen. Foto: Screenshot
Digitaldruck macht Mode nachhaltig und einzigartig
Schon seit 2022 arbeiten Epson und der japanischen Designer Yuima Nakazato gemeinsam daran, die Modeindustrie umweltfreundlicher und individueller zu machen. Dabei kommt vor allem der digitale Textildruck zum Einsatz. Denn er ermöglicht es, Designs direkt auf Stoffe zu drucken – schnell, präzise und ressourcenschonend.
Bei der Paris Haute Couture Fashion Week 2025 präsentierte Nakazato nun seine Kollektion „Fade“, die von einer Reise in die östliche Sahara inspiriert war. Die dort aufgenommenen Landschaftsfotos wurden mithilfe von Epson-Drucktechnologie direkt auf feine Stoffe wie Seidenorganza übertragen. Mit Hilfe von AI-gestützter Bildbearbeitung und Druckvorbereitung konnten die Motive optimal an das empfindliche Material sowie die Rollenbreite der Digitaldrucker angepasst werden.
Erstmals stellte Nakazato im Januar 2025 in Paris außerdem eine Schuh-Kollektion mit Non-Woven-Materialien vor. Dabei kam ein filzähnliches Substrat zum Einsatz, das mit Epsons Dry-Fiber-Technologie hergestellt wurde. Die Bögen aus Recycling-Baumwollfasern wurden zusätzlich digital bedruckt, um die Farbe zu verstärken.
Diese limitierten Einzelstücke konnten die Besucher der großen Schau im Tokyo City View (Video) im Februar 2025 erwerben. Epson unterstützte die Ausstellung und zeigte dort zusätzlich seine Druck- und Recycling-Technologien.
Schematisches 3D-Rendering einer DOM-Einheit (Oberteil). Grafik: Weerg.
3D-Druck hilft der Wissenschaft
Das Forschungsprojekt KM3NeT, initiiert vom niederländischen Institut für Subatomare Physik (Nikhef), verfolgt das Ziel, Neutrinos – extrem schwer nachweisbare subatomare Teilchen – mit einem unterseeischen Teleskop zu detektieren.
Das sogenannte Cubic Kilometer Neutrino Telescope wird dazu im Mittelmeer installiert und soll bis Ende der 2020er Jahre aus rund 6.000 digitalen optischen Modulen (DOMs) bestehen. Diese sphärischen Sensorgehäuse sind in etwa fußballgroß. Sie wurden speziell für den Einsatz in der Tiefsee konzipiert und enthalten hochsensitive optische und elektronische Komponenten zur Erfassung von Neutrino-Wechselwirkungen.
Nach umfangreichen Tests mit verschiedenen Anbietern entschied sich Nikhef im Jahr 2021 zum Druck der Außenhülle für den italienischen Online-3D-Druckdienstleister Weerg. Er betreibt Europas größte Installation von HP Multi Jet Fusion-Systemen.Für das Projekt werden sphärische Gehäuse mit einem Durchmesser von 380 mm gefertigt. Das ist exakt die maximale Bauteilgröße, die mit dem HP Multi Jet Fusion 5210 realisierbar ist.
Als Material kommt Nylon PA12 zum Einsatz, ein technischer Kunststoff mit hervorragenden mechanischen Eigenschaften, insbesondere hoher Steifigkeit und chemischer Beständigkeit. Die Bauteile werden bei Weerg zusätzlich mit einer schwarzen Oberflächenveredelung versehen, um die Anforderungen an Sichtbarkeit und Korrosionsschutz unter extremen Umweltbedingungen zu erfüllen.
Nachdem die ersten 3D-gedruckten DOMs bereits 2021 in der Tiefsee vor Toulon installiert wurden, sehen die Verantwortlichen das Projekt auf einem guten Weg.
Der 3D-Druck trägt dabei entscheidend zum Erfolg bei, denn er ermöglicht die kosteneffiziente Serienproduktion der DOMs bei gleichbleibender Qualität. Bereits 2023 konnte ein erster Erfolg vermeldet werden. Denn mit Hilfe der Messstation wurde ein außergewöhnlich energiereiches Neutrino nachgewiesen.
Fazit: Print bleibt überraschend
Diese drei Projekte zeigen: Druck ist nicht nur vielseitig, sondern auch voller Überraschungen. Mit Kreativität und moderner Technik entstehen Anwendungen, die weit über das hinausgehen, was man sich früher vorstellen konnte.
Die genannten Beispiele sind dabei sicherlich spektakulär. Es handelt sich nicht um Geschäftsfelder, in die ein Dienstleisters so leicht einsteigen könnte. Dennoch sind sie inspirierend. Die Drucktechnologie ist sehr vielseitig, sodass sie in einer Vielzahl von Märkten eingesetzt werden kann. Kombiniert man das mit der überschäumenden Kreativität in der Branche, so sind den Möglichkeiten des Drucks praktisch keine Grenzen gesetzt…